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rezensiert von Thomas Harbach
Der Heinz Mohlberg Verlag legt in fünf Paperbacks die Ende der sechziger Jahre - zu Beginn der außerparlamentarischen Opposition und einem deutlich Linksruck der Jugend - veröffentlichte zehn Hefte umfassende “Interstellare Freihändler” Serie neu auf. Hans Kneifel hat die Bände sorgfältig, aber vor allem nicht sinn entstellend als Kinder seiner Zeit überarbeitet. Die Titelbilder von Rüdiger W. Wick - beim ersten Band steht das olympische Feuer im Mittelpunkt - sind extra für diese Neuauflage gemalt worden. Sowohl Hans Kneifel als auch Heinz Mohlberg gehen noch einmal auf die Reaktionen und Verrisse ein, welche die offensiv kapitalistisch angelegten Bände im Fandom hervorgerufen haben. Wenn Hans Kneifel davon spricht, dass seine galaktischen Händler in gewissem Maße Zeitzeugen der damaligen Jahre geworden sind, sollte man gleich relativieren, dass die Gruppe der Zehn neben Umsatz und Perzenten auch ein gewisses Demokratiebedürfnis in ihrem Herzen trugen, auch wenn der Anführer der Gruppe im ersten Band wie ein dekadenter archaischer Herrscher mit einer nicht zu leugnenden Verachtung seinem Volk gegenüber daherkommt. Alleine die Veränderung der kosmopolitischen Einstellung des Fürsten Davyd zeigt, wie ambivalent Hans Kneifel die Bände zum Teil in sich selbst niedergeschrieben hat.
Im ersten Band der Serie Freihändler der Galaxis” (Terra 520, 1967) legt Hanns Kneifel nicht nur die Grundlage für den Zyklus um die “Umsatz!” und “Perzente!” Jäger, sondern alleine ihre erste kapitalistische Mission zeigt, dass sie der Ansicht sind, der Kapitalismus kann nur in echten Demokratien blühen und wenn die Märkte diese Prämissen nicht hergeben, müssen sie eben geschaffen werden. Ein relativ modernes Motto, dass auch heute noch von den Industrienationen angewandt wird. Nur hat die Menschheit mit dem Aufstieg des Wirtschaftsgiganten China gemerkt, dass es nicht immer nur Demokratien sein müssen, die nach Umsatz, Perzenten und Gewinnen jagen. Zu Beginn des Auftaktbandes lädt Fürst Pompeo Davyd Ral Roborghs - in Bezug auf die Namen der Helden suchte Kneifel im ganzen Zyklus möglichst lange, schwer auszusprechende Namen, während die Schurken im Grunde eingängigere Titel und Namen verliehen bekommen - auf seinem Planeten zu einem großen und langen Fest. Eingeladen sind neun seiner Studienfreunde, so genannte Lancers von ihrer Universität her. Er macht den ausgesuchten und begehrten Spezialisten den Vorschlag, eine gemeinsame Organisation - die interstellaren Freihändler - zu gründen, damit die zehn Hirn richtig eingesetzt und nicht brachliegend die Rotation der Galaxis aufhalten können. Sie gründen also die Organisation, die Mitglieder zahlen sich geringe Gehälter, während die Gewinne erst einmal auf einem Sammelkonto gehalten werden. Da sie dringend auf Geschäfte angewiesen sind, beginnen sie im ersten Band, sich selbst einen Markt zu erschließen. Die Bevölkerung des Planeten Bucaneer wird künstlich vom selbst ernannten Diktator - der sich aus der Rohrreinigergewerkschaft mit einem Putsch heraufgearbeitet hat - in Armut gehalten, obwohl der Planet selbst reich an Bodenschätzen ist. Die interstellaren Freihändler schlagen dem Diktator vor, auf dem Planeten die nächste galaxisweite Olympiade auszurichten, wenn sich große Teile der Bevölkerung selbst zum Sport melden. Hinter dem Rücken der begeisterten Diktatoren informieren sie die Raumgarde, Elitesoldaten als Sportlehrer (!) getarnt auf den Planeten zu schicken, um ihm richtigen Moment den Aufstand zu beginnen und den Planeten des kapitalistischen Kräften zu öffnen. Schon im ersten Band entwickelt Hans Kneifel ein selbst aus heutiger Sicht derartig überdrehtes Garn. Einige Prämissen - die Errichtung der überdimensionalen Sportstätten sollen in den unterentwickelten Wirtschaften einen Schub geben - gelten auch noch heute. Das es seinen galaktischen Freihändlern nicht nur um Perzente und Umsatz geht, zeigt ihr aktiver Einsatz, nach dem Aufstand ein größeres Blutvergießen zu verhindern. Die Bezahlung mit einem Scheck ist zwar altmodisch und den Umständen gemäß - der Diktator steht unmittelbar davor, seine Welt zu verlassen und verteilt noch Abschiedsgeschenke - unwahrscheinlich, der Ablauf des Aufstandes surrealistisch überzeichnet und ebenfalls sehr unwahrscheinlich, aber mit seiner außerordentlichen Prämisse zu Beginn des Buches - seine interstellaren Freihändler wirken nicht nur affektiert, sondern arrogant und selbstverliebt - zieht Hans Kneifel diesen unglaublichen Plot mit dem notwendigen Ernt und einigen wenigen exotischen und machohaften Szenen in Bezug auf die Damenwelt sehr geradlinig durch. Mit dem zweiten Band “Die Milliarden von Aikmon” (Terra 525) schockiert Hans Kneifel die frei denkende Damenwelt und erfreut beflügelt die Phantasie seiner in erster Linie jugendlichen Leser. Die zehn Händler verfügen inzwischen alle über bildhübsche und natürliche intelligente Sekretärinnen oder Pilotinnen, die mit voller Hingabe für ihre Herren arbeiten. Später werden dann natürlich aus beruflichen Gefilden die Häfen der Ehe. Um sich nicht gänzlich den Vorwurf der gewerbsmäßigen Prostitution zu unterwerfen, hat Actres auch Gefallen an ihren Treffen mit einem Offizier der Aikmon´schen Streitkräfte. Dieser verrät ihr ein geheimes Forschungsprojekt- eine Zeitmaschine wird entwickelt. Im Vergleich allerdings zu gängigen Modellen der SF kann diese nur begrenzt und blitzlichtartige Eindrücke der Zukunft und Vergangenheit zeigen. Für die Händler ausreichend, die beschließen, ihr durch die Einblicke überlegenes Wissen auf dem Planeten einzusetzen und so im Grunde betrügerisch einen Vorteil daraus zu schlagen. Nach einem Jahr gehört ihnen selbstverständlich die Hälfte des Bruttosozialproduktes des Planeten, aber bevor ihr Konten auflösen können, schlägt eine einwandfrei linksorientierte Revolution zu. Augenscheinlich ist Hans Kneifels Bemerkung, dass sich die Raumgarde für diese Art der Vorgänge nicht interessiert, im ersten Band hat der Leser das Gegenteil kennen gelernt. Das größte Problem am vorliegenden zweiten Band der interstellaren Händler ist die fehlende Spannung. Das gegenseitige Bekräftigen von Perzenten und Umsatz geht dem Leser schnell auf dem Geist, es fehlt dem Buch ein rechtzeitig eingeführter Antagonist und wenn am Ende die Schurken in Nadelstreifen blank und mit einem nicht aufgetankten Schiff im All stranden, hat keiner der Leser wirklich Mitleid mit ihnen. In ihrer Jagd nach dem Geld - ein wichtiges Thema, dass in der SF zu wenig angesprochen worden ist, wie Gisbert Haefs in seinem Vorwort findet - haben sie einen wichtigen Faktor eines erfolgreichen Kaufmanns außer acht gelassen: Kalkül. Im Grunde haben sie mit ihrem Wissen die Bevölkerung der Welt, der sie einiges an Erfindungen hinterlassen, um ihr eigenes Wissen betrogen und der Leser kann das Gejammer der Händler nicht nachvollziehen, denn nach Abschluss der Aktion hätten sie ohne Probleme ihre gewaltigen Währungskonten nicht räumen können und zweitens fehlt ihnen eine sympathische Seite. Zu selbst vorliebt, hochmütig - bevor der zwischenzeitliche Fall kommt - und empfindlich, wenn sie Rückschläge erleiden müssen. Hans Kneifel zeichnet seine zehn Helden absichtlich oder unabsichtlich als schlechte Verlierer, eine theoretisch überdurchschnittlich ausgebildete Elite, die niemals sich die Hände schmutzig machen musste. Nur in fiktiven Werken wie dem vorliegenden Zyklus werden solche Charaktere auf längere Sicht zu den Siegern zählen. Im Vergleich zum ersten Buch des Zyklus eine sehr durchschnittliche Arbeit, in welcher sich Hans Kneifel in seine einzelnen Ideen verliebt hat, ohne einen stringenten und vor allem spannenden Plot zu präsentieren. Die Übergänge zwischen den einzelnen Heftromanen hat der Autor geglättet, die entsprechenden Rückblenden und Wiederholungen auf das Notwendigste reduziert.
Eine weitere Leidenschaft, welcher Hans Kneifel in seinem unfangreichen Werk und besonders den ATLAn Zeitabenteuern gefrönt hat, ist die Jagd. Sowohl in „Die Jäger der goldenen Pelze“ (Terra 533) als auch „Wettlauf in der Galaxis“ (Terra 538) wird eifrig gejagt. ZU erst müssen sich die zehn Freunde von der Raumgarde einen Vorschuss geben, um dann ein elegantes, exklusives Parfüm auf der Erde einzuführen. Der nächste Schritt ist eine noch exklusivere Pelzkollektion aus den im Titel angesprochenen goldenen Pelzen, der Planet ist den zehn Freunden durch einen Zufall aufgefallen. Mit stringenter Konsequenz führt Kneifel aber im vorliegenden Band nicht nur die Nebenhandlungen weiter, sondern kann sich einige sehr ironische Bemerkungen über die groteske Welt der High Class Mode nicht verkneifen. Hier kommen zwar in einem futuristischen Gewand, aber unverkennbar die swinging sixthies wieder zum Leben. Deutlich nihilistischer ist der Umgang mit der Bevölkerung der Revolutionswelt Aikmon. Da den Menschen ein wichtiges Vitamin fehlt, dessen Fehlen zu einem Siechtum und anschließenden Tod führt, wollen die Händler mit der Unterstützung der Raumgarde, welche auf die vermeintlichen Blockadebrecher der Hänler Angriffe fliegt, die Revolutionsregierung davon überzeugen, dass sie natürlich die annektierten Milliarden herausrücken muss, bevor den Menschen geholfen wird. Da es Hans Kneifel im zweiten Band der Serie im Grunde vermieden hat, sowohl die damalige Regierung als auch die offensichtlich linksorientierten Konterrevolutionäre zu charakterisieren, wirft diese menschenverachtende Vorgehensweise ein schiefes Licht auf die zehn Händler. Das die Raumgarde als übergeordnete Instanz auch bei diesen Erpresserversuchen mitmacht, konstruiert Hans Kneifel vorsichtshalber im Kontext den Romans, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Auch die Anklage durch eine Konkurrenzfirma, welche den Planeten der goldenen Pelze für sich beschlagnahmen möchte, ist auch nur eine der nicht unbedingt innovativen Ideen, welche Hans Kneifel zwar zielstrebig, aber irgendwie herunter geschrieben in die Handlung integriert. Das sich das Gericht so leicht überzeugen lässt und die Gegenseite keine Aufzeichnungen der zerstörten Signalanlagen - im Notfall können immer noch Aliens herhalten - präsentiert, wird unglaubwürdig. Das es kein amtliches Prospektorenverzeichnis gibt, wirkt genauso unglaubwürdig, mit der richtigen Aufzeichnung im richtigen Buch hätte der im Grunde allerdings rechtlose Streit beigelegt werden können. Immerhin nutzen die Händler die Tiere zu ihren kapitalistischen Gunsten aus, in Hans Kneifels Zukunft - das ist immer ein Novum der Serie - gibt es keine Prime Directive. Das im vierten Band der Serie schließlich auf Dinosaurier nach der Erfindung eines Transmitter Jagd gemacht wird, ist eine eher abgestandene Idee, welcher Hans Kneifel im Vergleich zu einem L. Sprague de Camp nichts Neues hinzufügen kann. Der dritte Roman „Die Jäger der goldenen Pelze“ irrt deutlich stringenter, auch wenn die Handlung im wahrsten Sinne des Wortes von einer Welt zur Nächsten fliegt. Sich regen bringt Segen und Perzente. Aufgrund der bekannten Idee und einer eher oberflächlich und etwas gelangweilt erzählten Geschichte fällt der vierte Band „Wettlauf in der Galaxis“ trotz oder gerade wegen des guten Anfangs schnell stark ab. Wenn Michael Görden in seinem Vorwort zum vierten Band der Chroniken davon spricht, dass Hans Kneifels Charaktere oft einsam in einem Universum sind, dass man nicht erobern oder beherrschen kann, trifft die These sicherlich eher auf den Einsamen der Zeit Atlan zu als die interstellaren Händler. Ihre engsten Verwandten sind die knallbunten Figuren der Perry Comics mit ihrer „anything Goes“ Einstellung. Auffällig ist zumindest aus heutiger Sicht, dass sich die Händler mit intelligenten, körperlich sehr attraktiven, reizvollen und doch irgendwie untergeordneten Frauen/Sekretärinnen/Raumpilotinnen umgeben. Eine echte Beziehung zwischen Mann und Frau auf gleicher Augenhöhe findet in kaum einem Hans Kneifel Roman statt, in diesen Neuauflagen aus den politisch nicht unbedingt korrekten sechziger Jahren ist diese fast archaische Haltung der Frau gegenüber nicht unbedingt störend, sondern geht zum antiquierten Reiz der Bücher. Es sind fast typische James Bond Girls, welche die Händler auf ihren nicht immer ordentlich geplanten Kommerzzügen unterstützen.
Um die einzelnen Romane nicht zu schematisch zu gestalten, wird im ersten Band beschlossen, dass jedes Mitglieder der zehn seinen Beitrag zum großen Ziel beitragen muss und so lernt der Leser mit jedem neuen Abenteuer einen anderen der interstellaren Händler kennen. Die Fälle werden auf jeden Fall politischer. Im fünften Band „Geheimauftrag für Ronrico“ (Terra 542) und dem siebenten Band „Die unheimliche Feinde“ (Terra 549) geht es nicht mehr um das reine Geschäft, im ersten Band mischen sich die Händler in den schwellenden Streit zwischen einzelnen menschlichen Siedlerwelten ein, versorgen die einzelnen Parteien mit Kriegsschiffen im bekannten Kugelraumerformat, im anderen Band drohen Aliens nach mehr als dreitausend Jahre der Stille wieder aktiv zu werden. Während „Geheimauftrag für Ronrico“ eine sehr stringente, geradlinige Agentengeschichte mit kommerzieller Grundausrichtung ist gehört die Begegnung mit den Außerirdischen und ihren besonderen Wünschen zu den surrealistischen und damit besten Abenteuern des Zyklus. Um seine Händler nicht gänzlich ohne Gewissen darzustellen, informieren sie natürlich die Raumgarde rechtzeitig bevor die einzelnen Siedlerwelten ihre neuen Spielzeuge einsetzen und so gibt es am Ende nicht einmal Schwerverletzte, nur sehr viele Raumwracks. Unabhängig von der surrealistischen Auflösung wirkt „Die unheimliche Feinde“ sehr viel konsequenter und interessanter geschrieben. Eine von Hans Kneifels Stärken ist die Erfindung exotischer Welten und außerirdischen Lebens, das trotz aller Fremdartigkeit eine humane Seite enthält. Das die Händler als reine Opportunisten immer wieder beide oder drei Seiten gegeneinander ausspielen und dabei die Ordnungskräfte auf ihrer Seite haben, macht einige Handlungen zu kompliziert - siehe auch „Der Kampf um das Vulkan- System“ (Terra 546 ) oder „Das Syndikat der Mächtigen“ (Tera 552). Sie wirken zu cool, zu unbezwingbar. Kein Vergleich zu den klassischen Niemands, welche eine Reihe amerikanischer Science Fiction Romane aus der Feder eine Beam Pieper oder Llyod Biggle Junior bevölkern. Die größte Ähnlichkeit haben die Romane Kneifels mit den Retief Abenteuern Keith Laumers. Während Retief allerdings im diplomatischen Dienst erstaunliche kommerzielle und damit kapitalistische Erfolge quasi im Vorbeiflug feierte, sind die Absichten der Händler griffiger. Im Vergleich zu den Rhodan Romanen, die eine Art Räuberkapitalismus praktizieren- Raumschliff klauen, nachbauen und dann den Erfindern die Grenzen aufzeigen - gegen die interstellaren Händler schon einzelne Wagnisse ein. In seinem Vorwort weißt Heinz Mohlberg darauf hin, dass die Serie wohl in erster Linie aus dem politisch linken Lager starker Kritik ausgesetzt worden ist. Aber Hans Kneifel überzeichnet in seinem zehnbändigen Zyklus seine Figuren und deren Aktionen derartig stark, dass man ob der wahrscheinlich ernst gemeinten, intellektuellen Universitätenkritik nur mit dem Kopf schütteln kann. Allerdings sind sowohl das Vorgehen der Händler ein wenig geschmeidiger geworden als auch die jeweilige Opposition entsprechend schmieriger, unsympathischer bzw. alienhaft. Erst im letzten Band kommt es zu einer wirklich interessanten Auseinandersetzung zwischen den Freihändlern und einem – natürlich nur bis kurz vor Ende der Geschichte – scheinbar ebenbürtigen vollkapitalistischen Gegner.
Die letzten beiden Romane der interstellaren Händler erschienen schließlich nach der Einstellung der Terra Reihe in „Terra Nova“.
Mit „Die Welt der Genies“ (Tera Nova 4) steigen die interstellaren Freihändler in den Literaturzirkus ein. Ob sich Hans Kneifel mit der Lohnschreiberei im Heftromanbereich und speziell dem Millionenseller Perry Rhodan im Besonderen ein wenig parodistisch aufgemotzt auseinandersetzen wollte, soll hier nicht diskutiert werden. Auf jeden Fall ziehen die Freihändler in ihrem neuen Verlag die wichtigsten Autoren und später auf einer extra für dieses Unternehmen gefundenen Welt andere Künstler zusammen, die hier freien Geistes und voller Kassen die Musen klingeln lassen. Im letzten Roman des Zyklus finden die Zehn eine ultimative Herausforderung in den Magellanischen Wolken: „Sturm über fremden Sonnen“ (TErra Nova 9). Der erste Schritt in eine andere Galaxis und die Händler finden ein Volk, das scheinbar alles hat und kein Interesse an Handel hat. Das wäre eine Niederlage und so beginnen sie mit den Fremden einen kuriosen Wettlauf, in dem beide Seiten immer wieder Produkte entwickeln oder vorstellen, welche der anderen Seiten schmackhaft gemacht werden soll. Insbesondere mit den beiden sehr unterhaltsamen, niemals richtig ernsten und vor allem von ihren Prämissen ungewöhnlich originellen Romanen lässt Hans Kneifel den zehnbändigen Zyklus um die interstellaren Händler auf einem Höhepunkt enden. Die Neuauflage im Heinz Mohlberg- Verlag ist sehr liebevoll gestaltet, jeder Paperback ist mit zwei Vorwörtern ausgestattet. Einmal ein Wegbegleiter Kneifels und dann der Herausgeber selbst. Natürlich sind die vierzig Jahren nicht spurlos an den Romanen vorbeigegangen und Hans Kneifel hat im positiven Sinne nicht den Fehler begangen, jeden Stein zu überarbeiten. Die Dialoge sind blümerant und abgehoben zeitlos. An mehr als einer Stelle wird der Leser den Flowerpowerlook der wilden end sechziger Jahre erkennen. Da Kneifel im Vergleich zu anderen Heftromanautoren kein militärischer Geist ist, wirken seine Romane eleganter, fließender, von den Ideen her provozierender und dieses exotische Flair hat sich in den vorliegenden Romanen sehr gut erhalten. Natürlich könnte man über den rücksichtslosen Kapitalismus der Romane debattieren, aber Kneifel überzeichnet alles - was für Scheer die Größen der Kugelraumer waren, sind in der vorliegenden Serie die Summen, mit denen die Zehn spielen - und derartig, dass man seine Prämissen damals wie heute nur als wirklich eingefleischter Kommunist mit einem dörflicher Kommunenhang und Tauschgesellschaft ernst nehmen könnte. Die Qualität der Roman ist teilweise ein wenig unterschiedlich, an einigen Heften lässt sich deutlich erkennen, dass Kneifel die Romane doch zu dieser Zeit in Massen geschrieben hat, aber wenn seine guten Ideen und sein markanter Stil auf eine außergewöhnlich gute Idee getroffen ist, dann hat er im Rahmen der Interstellaren Freihändler“ wirklich Großes produziert. Eine empfehlenswerte Neuauflage, die Kneifel und Mohlberg hoffentlich Umsatz und Perzente bringt.
Hans Kneifel: "Die interstellaren Freihändler"
Roman, Softcover, 760 Seiten
Heinz Mohlberg Verlag 2007
ISBN 9-7839-3622-9790
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