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Science Fiction (diverse)



Frank W. Haubold

Das Mirakel

rezensiert von Thomas Harbach

Nach „Das schwerste Gewicht“ und „Die Jenseitsapotheke“ legt Herausgeber Frank W. Haubold die inzwischen dritte Jahresanthologie des EDFC vor. Insgesamt 26 Geschichten hat frank W. Haubold ausgesucht. Es sind fast ausschließlich Erstveröffentlichungen Dabei finden sich nur wenige Fantasy- Geschichten, der Schwerpunkt liegt auf der Science Fiction und Phantastik. In seinem Vorwort geht der Herausgeber kurz auf die Arbeitsweise ein, ihm geht es darum, neben renommierten Autoren auch Newcomer und bislang eher unbekannte Amateure vorzustellen. Das ihr Status nicht unbedingt im positiven der Qualität ihrer Geschichten entspricht, hat insbesondere „Die Jenseits- Apotheke“ gezeigt. Mario Franke hat ein sehr schönes Titelbild gemalt und einige der Geschichten werden von interessanten Zeichnungen Thomas Hofmanns begleitet.

Malte S. Sembten eröffnet die Sammlung mit “Bubble Boy”, einer Hommage an die Science Fiction und First Contact Geschichten, die Ray Bradbury früher so brillant geschrieben hat. Den Eltern berichtet ihr Sohn von einem seltsamen Besucher auf den Flohmärkten, der einen Schutzanzug trägt und Kaulquappen kauft. Er bezahlt mit seltsamen Steinen. Während die Erwachsenen hinter das Phänomen zu kommen suchen, akzeptieren die Kinder die Tatsachen wie sie sind. Malte S. Sembtens Stil fällt bei dieser unterhaltsamen Geschichte die Geschmeidigkeit, die Natürlichkeit Bradburys. Auch wenn der Leser die Pointe im Gegensatz zu den erwachsenen Protagonisten vorherahnt, schafft es Malte S. Sembten mit kleinen Gesten und Ideen, den Leser bei der Stange zu halten. Ein guter Auftakt, ein altbekanntes Thema wird zumindest von den einzelnen Prämissen her unterhaltsam erzählt. Wolfgang G. Fiendholds “Absolotum” ist eine der Storys, die eine phantastische Idee - ein unfehlbares Gedächtnis, das nichts vergisst und alles wie eine Kamera faktisch genau aufzeichnet - sehr sachlich, fast redundant erzählen. Die wichtigen Fakten werden dem Leser in Form eines Dialogs zweier Menschen in einer Kneipe übermittelt. Insbesondere aus psychologischer Hinsicht könnte die Geschichte mehr Fleisch vertragen, die Charaktere hätten umfangreicher und vielschichtiger dargestellt werden können, um das mögliche menschliche Drama besser herauszuarbeiten. So steuert Fienhold sehr direkt seine ironische Pointe von der menschlichen Schwäche an und hinterlässt im Leser einen Plot, über dessen Prämisse er noch lange nachdenken könnte.

Ebenfalls zu den besten Beiträgen der Sammlung gehört Heidrun Jänchens “Slomo”. Eine neue Generation von Menschen tritt auf den Plan, welche die Normalos, die nicht Implantierten in Bezug auf die Leistungsfähigkeit, Auffassungsgabe und Intelligenz abhängen. Die Gesellschaft teilt sich in eine Klasse der Habenichts und der neuen Wohlstandskinder. Sehr pointiert treibt Jänchen das Geschehen fundiert und emotional überzeugend auf die obligatorische Spitze, bevor es sich zeigt, dass das Menschsein auch in der Zukunft körperlich begrenzt ist. Eine interessante Geschichte, sehr überzeugend und kompakt geschrieben mit zielgerichteten Spitzen auf gegenwärtige soziale Strömungen. Hans- Dieter Furrer beschreibt in “Madame Delvaux” seine eigenen Erlebnisse in Brüssels Kneipen und integriert impliziert eine phantastische Prämisse. Während der Plot eher durchschnittlich ist, überzeugt Furrers kompakter Stil. “So was wie Joghurt” von Friederike Stein ist eine Parodie auf die First Contact Geschichten. Stilistisch absichtlich ein wenig flapsig geschrieben. Die Ambitionen der Autorin sind in der vorliegenden Story größer als im vorliegenden Fall ihre literarischen Fähigkeiten.

Frank Schweizer „Inspektor Pyrrhon und der Killerfön“ ist ein weiterer Höhepunkt der Sammlung. Er zeichnet eine Zukunftswelt, in welcher der Skeptizismus zur Staatsreligion erklärt worden ist. Alles muss verschlüsselt ausgesprochen werden, Fakten und Tatsachen sind verboten. Wie soll man in dieser Welt einen klaren Mord aufklären und den offensichtlichen Täter überführen? Pointiert und mit ironischen Dialogen unterstrichen erzählt Schweizer seinen im Grunde einfachen Plot – das ist eine notwendige Prämisse, damit die Geschichte nicht zu absurd wird – mit dem notwendigen Ernst. Der Leser wird auf jeden Fall sehr gut unterhalten und wünscht sich weitere Ermittlungen Pyrrhons. Insbesondere da Schweizers futuristische Welt ebenfalls sehr gut funktioniert und sich der grotesken widersprüchlichen Gesellschaft anpasst. Das Schweizer die ewigen Theoretiker auf die Schippe nimmt, bietet zusätzlichen Lesevergnügen. In Anke Laufers „Der Klomann“ können Menschen ihre Lebenszeit drastisch verlängern, weil andere Menschen im Grunde zu Ersatzteillagern wider Willen erniedrigt worden sind. Die grundlegende Idee ist nicht unbedingt neu und Anke Laufer gelingt es darüber hinaus nicht, stilistisch zu punkten. Eine der durchschnittlichen Storys der Sammlung. Ein beständiger Gast insbesondere in Hinblick auf die Qualität seiner Beiträge ist Michael Iwoleit. In „Terminal“ kann guter Baugrund nur unter Aufwand der Erde wieder abgetrotzt werden. Dieser wird benötigt, um den Reichen ausreichend Siedlungsraum zu bieten, während ein Teil der Menschheit in Slums lebt und anscheinend – wie sich später herausstellt – in antiquierten Städten ohne viel Komfort, aber zu erschwinglichen Preisen. Der Protagonist arbeitet für eine so genannte Landgewinnungsfirma – auf Neudeutsch „Reclaim“ – und kommuniziert mit seiner Frau nur noch virtuell. Zum Sex mietet sich das Ehepaar eine Prostituierte, deren Geist für den Verkehr unterdrückt und von einem anderen Ich überlagert wird. Michael Iwoleits Geschichten zeichnen sich immer durch einen Ideenreichtum und vor allem eine Verliebtheit ins Detail aus, wie man sie in der Kurzgeschichte nur noch selten antrifft. Auch diese Dystopie ist glaubwürdig, lebendig und voller Gegensätze. Mit seinem durchschnittlichen „Verkäufer“ kann sich der Leser identifizieren. Im Vergleich zu seinen anderen Texten funktioniert auch die emotionale Ebene deutlicher besser. Zwar beschreibt der Autor weiterhin keine normale Beziehung und auf der letzten Seite versucht Iwoleit nicht nur, seine Leser zu überraschen, sondern emotional zu packen, aber die Beziehung zwischen Mann und „Frau“ passt sich in diese kalte Zukunft ein. Die melancholischen Zwischentöne enden auf einer überraschenden Note, welche der Autor frühzeitig in seiner Figur – dem klassischen Feigling und Ja- Sager – angelegt hat. Stilistisch – wie immer bei Michael Iwoleit – eine souveräne Arbeit, „Terminal“ wird bei den Science Fiction Preisen des Jahres 2007 im Bereich der Kurzgeschichte eine gewichtige Rolle spielen.

Niklas Peineckes „Invasive Techniken“ ist nicht nur auf dreizehn Seiten eine Mischung aus Asimovs „Phantastischer Reise“ – dem Buch und nicht der Verfilmung – ohne dessen logische Fehler und kapitalistischen Wirtschaftsthriller, sondern Niklas Peinecke fügt seiner sehr kompakten Geschichte am Ende noch eine Mystery- Verschwörung in der Tradition der besseren „X- Files“ Folgen hinzu. Dabei überschlägt sich der Autor vor Ideen, welche er in dieser kurzen Geschichte nicht adäquat abarbeiten kann. Dadurch wirkt das Geschehen teilweise doch sehr distanziert. Dem Geschehen würde es sehr helfen, wenn Peinecke seine Kurzgeschichte zu einer Novelle erweitert, weitere Handlungsebenen einführt und vor allem die einzelnen Protagonisten nuancierter darstellt. Stoff genug ist vorhanden und das spricht für diese unterhaltsame Story, welche bekannte SF Ideen geschickt extrapoliert. Zu den ebenfalls besten Geschichten der Sammlung gehört Herausgeber Haubolds „Thors Hammer“. In erster Linie überzeugt seine dunkle Geschichte wegen ihrer nihilistischen Atmosphäre der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs. Keine seiner Figuren ist wirklich noch normal, die wenigen 100 prozentigen Nazis hoffen auf eine neue Wunderwaffe, deren Folgen der Autor zumindest andeutet, ohne ins Detail zu gehen, der Rest will nur noch überleben. Mit kurzen, prägnanten Charakterisierungen, welche durch Haubolds soliden Stil zum Leben erweckt werden. Am Ende des geradlinigen Plots kann sich der Autor aber nicht mit ohne einen überflüssigen Epilog verabschieden. Hatte er bis dahin sehr viel in der Phantasie der Leser belassen, negiert er seinen implizierten Mystizismus unnötigerweise. Trotz des durchschnittlichen Endes eine gut geschriebene Geschichte, die in erster Linie von der beängstigenden Stimmung der letzten Kriegstage und der nationalsozialistischen Greultaten lebt. „Ökokollaps“ von Horst Geßler versucht sich als Satire in Form eines Filmscripts. Leider bleiben einige der sehr guten Ansätze – Wasser statt Öl macht Kriege nicht nur billiger, sondern erhöht den Reiz der Aggression – in der distanzierten und nicht überzeugenden Vorgehensweise des Autoren hängen. Der Leser hat das Gefühl, als fehle Geßler der Mut zur Groteske. Auch stilistisch ist die Story eher durchschnittlich, die Figuren sind so gut wie nicht charakterisiert und die wenigen Ansätze muss sich der Leser – soweit das Interesse bestehen bleibt – selbst zusammensuchen. Frank Neugebauers „Der Puppenspieler von Mex-III-ko“ ist eine krude Mischung aus Zirkuselementen und Science Fiction Hintergrund, die sich nicht entscheiden kann, ob sie ein ernsthaftes Garn sein will oder zur seichten Komödie mit sehr schalen Roberto Blanco Witzen verkommt. Es kommt insbesondere zu Beginn so gut wie keine Stimmung auf, insbesondere das Mystische des Wanderzirkus, wie es Ray Bradbury und Barry B. Longyear in ihren Texten so meisterhaft niedergeschrieben haben, ist nicht einmal in Ansätzen vorhanden. Die wenigen Figuren sind so eindimensional beschrieben, dass man ihr Schicksal gleich wieder vergisst. Eine Postdoomsdaygeschichte hat der Sammlung bislang nicht unbedingt gefehlt, Wilko Müller jr. liefert diese unnötige Subgenreart in „Franks Spruch“ mit einer deutlichen Hommage an „Per Anhalter durch die Galaxis“, aber im Grunde keiner Handlung und einer Pointe, die weit im Vorwege gut zu erkennen ist.


Die erste reine Horror- Story der Anthologie „Meine Liebe Stella“ von Stephan Peters enttäuscht. Der Versuch der Briefform soll den Leser von der vorhersehbaren Pointe ablenken, während sich handlungstechnisch die routiniert, aber leblos und stellenweise zu hastig erzählte Mär vom Geisterhaus und dem verwunschenen Bild sich im Grunde aus altbekannten Versatzstücken zusammensetzt. Es ist eine von mehreren Geistergeschichten dieser Sammlung. Andrea Tillmanns „Nur ein wenig grün“ ist die zweite, stimmungsvolle Gruselgeschichte. Zwei Urlauber ziehen in Italien in ein abgeschieden gelegenes Haus, dass von außen durch Pflanzen fast überwuchert ist. Das Gebäude hat etwas Bedrohliches an sich. Der Plot läuft zu geradlinig auf die im Vorwege erkennbare Pointe heraus. Dazu hat die Autorin insbesondere ihre Protagonisten zu vorhersehbar gezeichnet. Stilistisch ansprechend gelingt es allerdings der Autorin, eine intensive bedrohliche Stimmung mit wenigen prägnanten Beschreibungen zu erzeugen. Die dritte Geistergeschichte stammt von Alexander Amberg „Gothic Tours Inc.“ Die die anderen beiden Storys gibt es im Grunde keine neuen oder innovativen Elemente. Das Geschehen ist vorhersehbar, die Pointe zumindest für denjenigen, welcher die ersten Seiten sehr aufmerksam liest, erkennbar. Für Amberg spricht aber sein fließender, unauffälliger Stil und die stimmungsvolle Atmosphäre, welcher er in einem schottischen Geisterschloss aufbauen kann. Uwe Schimuneks „Pleisstal- Blues“ zerfällt im wahrsten Sinne des Wortes in zwei Teile, die von einander unabhängig ein autarkes Leben führen. Das Ende zeichnet sich viel zu früh ab und steht in keinem Zusammenhang mit dem soliden Auftakt. Wer eine Schockszene in der Tradition eines H. P. Lovecrafts kreieren möchte, sollte einfallsreicher agieren. Der Auftakt mit dem arroganten, dummen Horrorautoren und dem geschockten Lektor mit zahlreichen pointierten Seitenhieben auf den Literaturzirkus ist dagegen deutlich besser gelungen.





Christel Scheja hat mit „Die List in der Ehre“ eine der wenigen Heroic Fantasy Geschichten dieser Anthologie geschrieben. Eine gefangene Kriegerin fordert mit einem archaischen Ehrenkodex die aktuelle Fürstin zu einem Duell heraus. Am Ende ist alles Bestandteil eines größeren Plans, der allerdings auf wackeligen Füßen gestanden hat. Christel Schejas Stil entspricht ihrem Genre, die Dialoge sind künstlich stilisiert, die Beschreibungen stimmig, aber schwerfällig. Keine Idee der Story ist wirklich neu oder besonders originell, der Plot im Nachhinein betrachtet schwerfällig. Matthias Falkes „Andromeda“ als spiegelverkehrte „Beauty and the Beast“ Geschichte wirkt zu distanziert, wenn auch stilistisch akzeptabel geschrieben. Der Leser kommt unabhängig vom bekannten Plot zu wenig mit den einzelnen Figuren in Berührung, um das Geschehen nachvollziehen zu wollen.

Eine Handvoll der Storys lassen sich keinem festen Genre zuordnen. Sie sind von sehr unterschiedlicher Qualität, wirken aber verspielter und experimentfreudiger als die Fantasy, Science Fiction und Gruselgeschichten. Manchmal stehen die Ambitionen der Autoren noch in einem Widerspruch zu den literarischen Fähigkeiten.

Die Titelgeschichte Das Mirakel“ von Lothar Nietsch erzählt das Schicksal eines Außenseiters, der zwischen Wahn und Realität nicht mehr unterscheiden kann. Der Text ist stilistisch solide geschrieben, aber der Autor nimmt sich zu wenig Raum, um seinen Protagonisten dem Leser vorzustellen. Die Informationen sind zu dürftig, als das der Funke der Sympathie zwischen dem tragisch verklemmten Charakter zum Leser überspringt.
Das einzige Pseudonym der Sammlung gehört Betram Kuzzath- seine „Doppelte Hochzeit“ ist einer dieser Texte, die man aufgrund seiner surrealistisch nicht stringenten Struktur liebt oder hasst. Am Ende bleiben mehr Fragen über als Antworten. Ist oder sind „Plamplam“ eine Umschreibung der Außerirdischen oder Ausdruck des beginnenden Wahnsinns? Nach einem guten unterhaltsamen Auftakt driftet der auf drei sehr unterschiedlichen Hauptprotagonisten aufbauende Plot auseinander.
Wie so oft ragt Hartmut Kasper mit seiner Satire „Gerolsteiner Fit“ aus der Masse der Geschichten heraus. Beim Konsum eines neuen Getränkes wird Otto Normalverbraucher mit einem Flaschengeist konfrontiert, der ihm natürlich drei Wünsche erfüllt. Das Wünschen ist eine schwierige Angelegenheit, hier kommt es auf genaustes Formulieren an. Auch wenn das Ende der Geschichte vom klassischen Verlierertypus im Vorwege feststeht - es gibt keine Texte, in denen Mann nach Erfüllen der drei Wünsche in Frieden, Reichtum und mit Kindersegen unendlich lange (ups… vier Wünsche… streichen wir den Kindersegen) lebt -, sind es die pointierten, sarkastischen Dialoge, welche die kurze Posse zu einem Lesevergnügen bei einer allerdings inzwischen wirklich altbackenen Idee machen.

Zwischen allen Stühlen sitzt auch Volker Gross „Der mikrokosmische Maler“. Horrorgeschichte eines wahnsinnigen Genies, Science Fiction Elemente und ein Plot, der mit schaurigen Bildern und weniger einer stringenten überzeugenden Handlung zu punkten sucht. Stilistisch versucht Gross die inhaltlichen Mängel mit einer unausgeglichenen Mischung aus Übertreibung zu Beginn und Vehemenz am Ende zu überlagern. Auch Hahnrei Wolf Käfers „Feuerpause“ ist einer dieser Texte, der entweder gefällt oder zumindest auffällt. In dieser Groteske wird auf Zwerge geschossen. Ansonsten verstecken sich in der übertrieben holzschnittartig geschriebenen Geschichte sicherlich noch viele Hinweise und eine Anspielung auf den Herausgeber dieser Anthologie. Achim Stößers „Haft“ ist mit knapp drei Seiten viel zu kurz, um wirklich zu überzeugen. Alles bleibt frustrierend ambivalent und der Versuch einer Kafka´schen Parabel ist misslungen. Auch Michael Siefeners „Die Angst und die Stadt“ hinterlässt einen zwiegespaltenen Eindruck. Ein Mann mit diversen Komplexen muss zu einem Geschäftstermin in den Moloch Stadt reisen. Zu Beginn gelingt es Siefener gut, die verschiedenen Ängste sehr kompakt in prägnante Worte zu fassen. Je länger diese Reise in und durch die Stadt dauert, um so mehr verliert er sich in Allgemeinheiten und weiterhin leidet die Geschichte unter einem unentschlossenen Ende. Im Vergleich aber zu vielen anderen Storys diese Anthologie ist der Protagonist dreidimensional und nachvollziehbar gezeichnet.

Frank W. Haubold hat in „Das Mirakel“ wieder eine empfehlenswerte Bandbreite von Kurzgeschichten sehr unterschiedlicher Autoren in sehr verschiedenen Genres gesammelt. Das Fazit ist dieses Mal, dass qualitativ die Geschichten im Ganzen deutlich besser sind als in der letzten Anthologie und das vor allem die Science Fiction Storys deutlich hervorstechen. Sembten, Iwoleit, Haubold und Peinecke haben die mit großen Abstand besten Texte zur Sammlung beigetragen. Klassische Fantasy ist mit einer Story unterrepräsentiert, aber das Genre ist schon lange nicht mehr ein Hort guter Kurzgeschichtenautoren. Die Horror- und Gruselgeschichten sind leider alle durchschnittlich und überzeugen nicht durch originelle Ideen. Die Zwischenbereichstorys sind ebenfalls von sehr unterschiedlicher Qualität. Nach der Einstellung der „Visionen“ ist ja die Jahresanthologie außerhalb der Magazine so etwas wie der letzte Mohikaner der phantastischen Kurzgeschichte und alleine aus diesem Grund eine Anschaffung wert.

Frank W. Haubold: "Das Mirakel"
Anthologie, Softcover, 298 Seiten
EDFC 2007

ISBN 9-7839-3262-1994

Weitere Bücher von Frank W. Haubold:
 - Die Jenseitsapotheke
 - Die Kinder der Schattenstadt
 - Die rote Kammer
 - Götterdämmerung

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