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Science Fiction (diverse)



Dirk van den Boom & Armin Möhle

Rettungskreuzer Ikarus 47- Sudekas Traum

rezensiert von Thomas Harbach

Der 47. „Rettungskreuzer Ikarus“ ist trotz der widrigen Umstände seiner Entstehung ein stringenter und unterhaltsamer Roman ohne allerdings wirklich neue grundlegende Ideen. Armin Möhle hatte bislang einige Kurzgeschichten im „Ikarus“ Universum veröffentlicht. Anscheinend ist er mit der Fertigstellung seines ersten „Rettungskreuzer Ikarus“ Romans derartig in Verzug geraten, dass Dirk van den Boom nach gut einem Drittel übernommen hat. Wer genau den Roman studiert, wird die plötzlich lebendiger und pointierter werdenden Dialoge erkennen.
Wie bei der „Perry Rhodan“ Serie hat Exposeautor Dirk van den Boom den Neueinsteigern keinen Lückenfüllerroman, sondern ein Seitenthema zur Verfügung gestellt, das erst im Folgeroman in den laufenden Zyklus um den Wanderervirus integriert wird. Trotz finden sich in dem einige Jahrhundert vor der laufenden Serie angelegten Beitrag sehr viele interessante Querverweise und mit Sudeka Provost eine vielschichtig charakterisiert Figur. Etwas mehr Stringenz – innerhalb dieser zurückliegenden Geschichte befindet sich ein weiterer, eher persönlicher Rückblick – hätte dem trotz der dynamischen Actionszene holprigen Auftakt gut getan. Bedenkt der Leser, dass die Serie in wilden Zeit spielt, wirkt der Versuch, die fehlenden Sicherheitsmaßnahmen beim Anschlag und Putsch auf Sudeka Provost zu erläuterten eher an den Haaren herbeigezogen. Da es immer verrückte Einzelgänger und psychotische Massenmörder gibt, scheint ein gegenseitiger Verzicht der Politiker auf das Waffentragen im Parlamentsgebäude keine Erklärung für fehlende überzeugende Sicherheitsmaßnahmen zu sein. Sudeka Provost gelingt in letzter Sekunde beim Anschlag ihrer Verbündeten die Flucht ins All. Ihr Lebensabschnittbegleiter kommt dabei ums Leben. Sie flieht auf einen abgeschiedenen, aber vor kurzem entdeckten Planeten mit einer atembaren Atmosphäre. Spannungstechnisch hinterlässt sie für ihre Verfolger eine leicht wieder zu findende Spur, die umgehend einen professionellen Auftragskiller hinter ihr herschicken. Die potentielle Konfrontation wird für den Folgeroman aus der Feder Thomas Folgmanns aufgespart.

Auf dem Planeten findet sie ein geheimnisvollen Höhlenlabyrinth und ein abgestürztes/ havariertes Raumschiff einer höherstehenden Kultur. Die Erforschung des Planeten aus einer Robinson Crusoe Perspektive wird überraschend intensiv und emotional ansprechend beschrieben. Sudeka Provost ist keine hilflose Frau. Zu viel hat sie in ihrem Leben bislang erlebt. Sie ist entschlossen, auch diese Herausforderung zu überleben. Vielleicht machen es ihr die Autoren manchmal ein wenig zu leicht, aber zumindest werden ihr keine plottechnischen Hilfsbrücken gebaut. Mit dem Betreten des Raumschiffs und der Aktivierung der künstlichen Intelligenz droht der Plot in zu bekannte Bereiche abzurutschen. Zu oft seit den goldenen Pulptagen hat man ähnliche Texte gelesen. Die Aktivierung der künstlichen Intelligenz sei hier nur als Höhepunkt genannt. Sudeka Provost wird wie die anderen zahllosen Wesen an Bord des Schiffes „gefangen“ genommen und soll als unfreiwilliger Helfer der Kallia, um deren Biofabrik es sich handelt, arbeiten. Gleichzeitig wird sie von dem damals das erste Mal auftretenden Wanderlustvirus infiziert.

Ein wenig konstruiert erscheint, dass Sudeka Provost auf der einen Seite an dem Virus erkrankt, auf der anderen Seite im Gegensatz zu den in der Gegenwart Infizierten, auf der anderen Seite aber solange ihren freien Willen behält, bis sie ihren Plan zumindest vorbereiten kann. Der Plan erinnert ein wenig an Ideen aus dem „M 87“ Zyklus der „Perry Rhodan“ Serie. Mit einem bestimmten Kennwort wird ein Programm gestartet, das es auf einem interessanten Umweg ermöglicht, das Wissen über den Wandervirus und den Zielort in die Gegenwart zu transportieren und dort zugänglich zu machen. Angesichts der vorhandenen Vorgaben vielleicht ein wenig zu weit hergeholt, aber nach dem soliden Auftakt und dem eher bekannte Facetten des Genres neu, aber nicht unbedingt innovativ beleuchtenden Mittelteil ein lesenswerter und überraschender Abschluss dieses geschichtsträchtigen Schlüsselromans. Über die Kallia und ihre Biofabriken bzw. den Wanderlustvirus im Allgemeinen erfährt der Leser nicht unbedingt mehr als in den vorangegangenen Romanen. Die Außerirdischen bleiben geheimnisvoll. In Bezug auf den ganzen Handlungsbogen wird aber ein Gegenmittel für die Seuche auf eine originelle wie indirekte Art angeboten, so dass in den letzten drei Romanen des Zyklus die Menschen etwas Handfestes haben, um die Suche erfolgreich einzudämmen.
Im Vergleich zu den bisherigen „Rettungskreuzer Ikarus“ Romanen mit mehreren Handlungsebenen ist „Sudekas Traum“ eine fast intime Geschichte. Der Wechsel zum Putschistenspannungsbogen wird teilweise unnötig. Die Konzentration auf eine bestimmende Figur ist ohne Frage eine schriftstellerische Herausforderung, die überwiegend von Dirk van den Boom als Hauptautor sehr zufriedenstellend gelöst wird. Der Verzicht auf die „Rettungskreuzer Ikarus“ Crew in diesem Roman tut der ganzen Serie ausgesprochen gut. Dem Kosmos werden weitere Hintergrundbegebenheiten hinzugefügt und die Lösung entstammt nicht den einsatztechnisch überstrapazierten Helden der „Ikarus“. Trotz oder vielleicht auch wegen der hektischen Umstände, in denen die Geschichte entstanden ist, handelt es sich bei „Sudekas Traum“ um einen unterhaltsamen wie lesenswerten „Ikarus“ Roman, der bekannte und zu oft verwandte Elemente auf den letzten Metern mit einem originellen Ausblick zufriedenstellend kombiniert.

Dirk van den Boom & Armin Möhle: "Rettungskreuzer Ikarus 47- Sudekas Traum"
Roman, Softcover, 88 Seiten
Atlantis- Verlag 2012

ISBN 9-7838-6402-0469

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