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Science Fiction (diverse)



Jules Verne

20.000 Meilen unter den Meeren

rezensiert von Thomas Harbach

Die Odyssee der Nautilus mit der verlorenen Seele Kapitän Nemos gilt zusammen mit „Reise um die Erde in 80 Tagen“ als Jules Vernes erfolgreichstes und markantes Buch. Vielleicht ein Synonym der außergewöhnlichen Reisen, die Verne laut dem Vertrag mit seinem Verleger zweimal pro Jahr verfassen sollte. Für viele Leser bedeute die Idee eines Unterwasserfahrzeuges von der Dimension einer „Nautilus“ Vernes Einstieg in den utopisch- phantastischen Literaturbereich. Dabei hat Verne Zeit seines Lebens technische Entwicklungen minutiös aufgezeichnet – seine Zettelsammlung soll mehr als 20.000 Exemplare umfasst haben – und diese dann mit viel Phantasie extrapoliert. Wie es mit einigen sehr populären und oft verfilmten Romanen der Fall ist, kennen die meisten eher die diversen Verfilmungen – Richard Fleischers wunderschöne Arbeit für Disney sei hier exemplarisch und empfehlenswert erwähnt – als der originären Text. Volker Dehs hat den Roman extra für diese Neuauflage neu übersetzt, bislang galt die zweibändige Taschenbuchausgabe im Rahmen der Diogenes Edition als exemplarisch. Volker Dehs selbst hat sich als Biograph Jules Vernes einen positiven Namen gemacht und sein Wissen setzt er in dieser kommentierten Neuausgabe mit zahlreichen interessanten Artikeln sehr geschickt ein.
Wie so markant für Jules Verne werden seine Helden wider Willen aus einer im Grunde alltäglichen Situation heraus in die gefährlichen Abenteuer verstrickt. Dabei liebt es Jules Verne, intellektuelle Wissenschaftler in Kombination mit eher burschikosen, aber treuen Handlagern in den Mittelpunkt seiner Bücher zu stellen. Das im vorliegenden Fall der geheimnisvolle Kapitän Nemo sowohl Professor Aronnax als auch den treuen Diener Conseil, sowie den Harpunier Ned Land ausstechen wird, obwohl er im Grunde am wenigsten im Roman selbst vorkommt, ist eines der hervorstechenden Merkmale von Jules Vernes Erzählkunst. Die Weltöffentlichkeit ist schockiert, ein gigantischer Narwal soll die Seefahrt bedrohen. Ob Jules Verne hier zu Beginn des Buches einen kleinen Seitenhieb auf Hermann Melvilles „Moby Dick“ platzieren wollte, einen Roman, der zeitweilig in Europa populärer als in den USA gewesen ist, lässt sich nur vermuten. Aronnax schifft sich mit seinem Diener auf der „Abraham Lincoln“ ein und sucht die Meere nach dem geheimnisvollen Tier ab. Zunächst ohne Erfolg, denn kein Untier lässt sich blicken. Kurz vor Abbruch der Mission – handlungstechnisch sehr geschickt von Verne in die Länge gezogen – stossen sie auf den Wal. Professor Aronnax fällt über Bord, als er den Wal zu erledigen sucht. Sowohl sein treuer Diener als auch der kanadische Harpunier Nel Land folgen ihm in die See. Kurz bevor sie zu ertrinken drohen, retten sie sich auf den Rücken des Wals, der aus Stahl besteht und eindeutig künstlich ist. Heutige Lesergenerationen kennen natürlich schon die Pointe, es handelt sich um Kapitän Nemos „Nautilus“, aber Volker Dehs sehr gute Übersetzung lässt vor den Augen der Leser noch einmal das Moment der Überraschung entstehen, mit dem Jules Verne nicht nur seine Protagonisten, sondern im Zuge seiner „außergewöhnlichen Reisen“ ganze Generationen von Lesern verblüfft hat.
Die drei Gefährten werden gefangen genommen und dürfen nur an Bord der „Nautilus“ bleiben, weil Nemo Professor Aronnax Werk kennt. In seiner Eitelkeit möchte Nemo dem französischen Gelehrten eine Unterwasserwelt zeigen, welche er in seinen im Grunde theoretischen Schriften nicht einmal andeuten konnte.

Unabhängig von den verschiedenen Reisen unter den Meeren – die Titelangabe bezieht sich auf die Länge der Reise und nicht die fiktiven Wassertiefen unter der Wasseroberfläche, oft ist der Titel schon falsch übersetzt worden – lebt das Buch von den emotionalen Spannungen zwischen den einzelnen Charakteren. Am Zugänglichsten ist trotz seiner einfachen Art der Harpunier Land, der nur diesem modernen Gefängnis entfliehen möchte. Professor Aronnax dagegen ist von den Reisen an sich fasziniert und möchte das Wissen getreu der Manier eines optimistischen Wissenschaftlers für zukünftige Generationen sammeln. Der Diener ist der treue, aber an einigen wichtigen Stellen bauernschlaue Schatten seines Herren. Diese Figur entwickelt Verne im Verlaufe des Buches am Wenigsten weiter, seine wenigen guten Szenen wirken dadurch eher aufgesetzt. Natürlich konzentriert sich schnell das Interesse der Leser auf Kapitän Nemo, dem genialen Wissenschaftler, dessen Familie und ihm selbst furchtbares Unrecht widerfahren ist. Auch wenn Generationen von Lesern Jules Verne als optimistischen Zukunftsautoren gelesen haben, zeigt sein Werk einen gehörigen Respekt vor jeglicher Technik und ihrer Unkontrollierbarkeit. Diesen Bogen schlägt er über Figuren wie der Forscher Ox natürlich über Kapitän Nemo bis zu dessen Abbild: Robur, dem Eroberer. Die Faszination der Nemo- Figur liegt in seiner distanzierten, harten, unmenschlichen Art, gepaart mit einem intellektuell hervorstechenden Geist. Verne bemüht sich, seinen „Schurken“ so ambivalent wie möglich zu halten. Wenn am Ende die „Nautilus“ untergeht und sich die Gefangenen in letzter Sekunde retten, ist es weniger Nemos gutem Willen zu verdanken als der Entschlossenheit Lands. Erst in der im Grunde unnötigen Fortsetzung „Die geheimnisvolle Insel“ beginnt Verne Nemo eine Geschichte zu geben, sein brutales und kaltherziges Wesen zu erklären. Mit dieser Vergangenheit wird die Figur auf der einen Seite zugänglicher, auf der anderen Seite aber auch „gewöhnlicher“. Im vorliegenden Roman bleibt Nemo ein unsteter Schatten, welcher die innere Leere durch unendliche, ins Nichts führende Forschungen – er will ja sein Wissen nicht veröffentlichen – zu füllen sucht. Das klassische Portrait einer gescheiterten Existenz und mit dieser nihilistischen Lebenseinstellung reiht sich Nemo in eine ganze Galerie von eher dunkel gezeichneten Forschern in Vernes Oevre ein. Was das Buch wie viele Romane Jules Vernes auch heute noch im Vergleich zu den ungezählten Epigonen so lesenswert macht, ist Vernes unauffällige, aber sehr ausgeprägte Art, Wissen seinen Lesern zu vermitteln. Da unterbricht der französische Autor die laufende Handlung, um das entsprechende Wissen in langen, aber niemals richtig langweiligen Monologen zu referieren. Im vorliegenden Roman reicht das Spektrum von diversen Forschungsreisen, über welche Verne auch in mehreren sekundärliterarischen Texten geschrieben hat, über Auflistungen von Meeresfauna und – flora bis zu diversen Katastrophen, welche sich nicht immer als einfache Unfälle wegdiskutieren lassen. Damit verbindet er sehr geschickt und an diesem Buch exemplarisch abzulesen Fakten und seine Fiktion zu einer stringenten, im ersten Teil allerdings teilweise sehr langen Geschichte. Das Verne dabei nicht unbedingt immer die richtigen Informationen in seine Stories integrierte – um es höflich zu sagen – oder manchmal auch aus dem falschen Lexikon abgeschrieben hat, zeigt Volker Dehs in seinen verschiedenen Essays im Anhang des Buches. Damit steht Jules Verne auf der gleichen Stufe wie der Volksdichter aus Sachsen, der sein Ländle auch sehr viel später zum Reisen verließ als es er der Öffentlichkeit mitteilte. Volker Dehs untersucht in seinen sehr genauen, manchmal eher dem Jules Verne Fanatiker als dem Leser wichtigen Informationen bis ins kleinste Detail. Neben den erläuterten Begriffen gehört die Zeittafel der U- Bootgeschichte zu den besten Ergänzungen des Bandes. Hier zeigt Dehs die Entwicklung der Untereseeboote vor, während und nach Vernes Bahn brechenden Buch auf. Wie die Diogenesausgabe verfügt die handliche Hardcoverausgabe über die Originalstiche der französischen Ausgabe, welche die Handlung sehr schön begleiten und vor allem die Phantasie der Leser nicht einengen. Insgesamt ist die Neuauflage von Jules Vernes „20.000 Meilen unter den Meeren“ nicht nur für Jules Verne Anhänger eine empfehlenswerte Anschaffung, der Text liest sich ungewöhnlich frisch und sehr unterhaltsam. Volker Dehs Übersetzung ist stimmungstechnisch sehr gelungen, vor allem Vernes fließende Dialoge sind pointiert und nicht trocken in etwas sperrigere Deutsche übertragen worden. Die Vielzahl der Zusatzinformationen stellen gegenüber der schon nicht schlechten Diogenesausgabe – diese allerdings in zwei Bänden – einen markanten Fortschritt dar. Von den diversen Werksausgaben – siehe auch eine neue Weltbildausgabe, die in prachtvoll gestalteten Hardcovern leider nur die alten Übersetzungen neu aufgelegt – des Verne´schen Werkes sind die blauen Hardcover aus dem Verlag Artemis & Winkler die mit großen Abstand besten.


Jules Verne: "20.000 Meilen unter den Meeren"
Roman, Hardcover, 760 Seiten
Artemis & Winkler 2007

ISBN 9-7835-3806-3082

Weitere Bücher von Jules Verne:
 - Abenteuer von drei Russen und drei Engländern in Süd- Afrika
 - Das Geheimnis des Wilhelm Storitz
 - Die Jagd auf den Meteor
 - Ein Kapitän von fünfzehn Jahren
 - Magellania
 - Matthias Sandorf
 - Reise um den Mond

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