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Science Fiction (diverse)



Gini Koch

Alien Tango

rezensiert von Thomas Harbach

"Alien Tango" ist der zweite Band von Gini Kochs Serie um Aliens in Armani. Es ist nicht unbedingt notwendig, den ersten Band - ebenfalls bei Piper ver√∂ffentlicht - zu kennen, da die Erz√§hlerin Katherine "Kitty" Katt die Ereignisse aus "Touched by an Alien" an mehr als einer Stelle effektiv, pointiert und humorvoll zusammenfasst. Die Lekt√ľre von Gini Kochs Deb√ľtarbeit ist allerdings empfehlenswert, da der Leser ein besseres Gef√ľhl f√ľr die unbeschwerte Vorgehensweise; das Auf-den-Kopf-stellen der "Man in Black" Klischees erh√§lt und die Romanze zwischen Kitty und ihrem muskul√∂sen Alien Jeff sich abseits von einigen eher konstruierten Wendungen sehr viel nat√ľrlicher entwickelt.

Obwohl die Fortsetzung "Alien Tango" auch temporeich geschrieben worden ist, fehlt dem Band insbesondere auf den ersten knapp zweihundert Seite ein nat√ľrlicher Esprit; das √úberraschungsmoment und vor allem eine Abwendung von den sich anf√§nglich nicht weiter entwickelnden Figuren zu einem konstruktiv geplanten Plot. Die Einleitung ist nicht schlecht geschrieben und zielt eindeutig auf ein weibliches, der Idealfigur des Mannes/ Aliens harrendes Lesepublikum, aber "dauerhafter" k√∂rperlicher Einsatzes des Aliens f√§ngt an zu nerven. Wenn Kitty eher aus der Luft heraus lamentiert, dass Kuscheln mit diesem Schrank eines Mannes nicht m√∂glich ist und jede Ber√ľhrung quasi in stundenlangen sexuellen Verrenkungen gipfelt, die k√∂rperlich nicht nur erf√ľllen, sondern ersch√∂pfen, dann wird dieses Wunschdenken irgendwann schal und langweilig. Das Kitty mit ihrer unorthodoxen Landung eines au√üerirdischen Fahrzeuges ihr √ľber Video zugeschaltetes Alienpublikum eher zu Schwei√üausbr√ľchen zwingt als letzt endlich √ľb erzeugt, steht auf einem anderen Blatt. Plottechnisch hat sich Gini Koch zwei gerade zu klassisch klischeehafte Themenbl√∂cke ausgesucht.
Zum einen kehren drei Astronauten aus dem All nicht ganz alleine zur√ľck. Das es Au√üerirdische in H√ľlle und F√ľlle gibt, hat der erste Band schon nachhaltig vor Augen gef√ľhrt. Das die unwissenden Menschen vor diesen Fremden gesch√ľtzt werden m√ľssen, steht auch dank Jeff und seiner Alien Armani Schutztruppe unumkehrbar fest. Da die meisten Regierungen von diesen Fremden unter der Erdbev√∂lkerung nichts wissen, muss diese Bedrohung ernst genommen werden. Sp√§testens wenn sich herausstellt, dass einer der Astronauten Kittys erster echter Freund ist. Der zweite Spannungsbogen ist noch offensichtlicher. Kitty wird zu einem Klassentreffen eingeladen, auf das sie gar keine Lust hat. Als sie sich schlie√ülich durchringen kann, zusammen mit ihrem neuen Lebensabschnittbegleiter Jeff in ihrer nicht immer optimalen Vergangenheit im √ľbertragenen Sinne herumzustochern, sind Katastrophen gerade zu vorprogrammiert.

Das erste Drittel des Buches ist vielleicht der am meisten entt√§uschende Teil. Zwar sind f√ľnf Monate zwischen den Ereignissen von ‚ÄěTouched by an Alien‚Äú und der Fortsetzung vergangen und Kitty konnte sich trotz zur√ľck gegangener Aktivit√§ten an ihre neue Umgebung; an die Tatsache, das es Aliens gibt und letzt endlich auch an die neuen Aufgaben gew√∂hnen, aber im Vergleich zu ihren Reaktionen im ersten Buch wirkt sie zu dominant und insbesondere Jeff eher wie ein v√§terlich agierendes Abziehbild des ersten Bandes. Nach diesem ersten Extrapolationsdrittel nimmt die Handlung nicht nur wegen des bevorstehenden Klassentreffens Fahrt auf. In Bezug auf Jeff muss sich Kitty daran gew√∂hnen, dass er √ľber eine Familie verf√ľgt, welche die potentielle Schwiegertochter in Spe kennenlernen m√∂chte. W√§hrend Jeffs Vater Alfred noch eine gewisse Toleranz gegen√ľber dem menschlichen Eindringling zeigt, w√§hrend Lucinda eher klischeehaft, hysterisch und √ľberzeichnet erscheint. Es ist sicherlich eine nette Idee, Kitty mit Jeffs Eltern zu konfrontieren, aber irgendwo zwischen den Zeilen agieren sie zu menschlich, zu wenig fremd. Selbst die potentielle Dreiecksbeziehung zwischen Kitty, Jeff und dem sie immer noch besch√ľtzenden Christopher als stilles tiefes Wasser erinnert manchmal zu sehr an menschliche Konfliktsituationen.

Dagegen agiert Kittys Mutter erstaunlich bodenst√§ndig. Sie hat nichts gegen die Beziehung zu Jeff, Kitty soll sich nur alle Optionen offen lassen und auf dem Klassentreffen nach Schwiegersohnmaterial Ausschau halten. Sie ist in dem manchmal zu √ľberdrehten Gef√ľhlschaos ein erstaunlich normaler, von gew√∂hnlichen Muttersorgen geplagter Charakter geblieben. Leider ignoriert Gini Koch ein wenig die Kontinuit√§t der Serie. Im ersten Roman m√∂chte ihre Mutter Christopher lieber, w√§hrend sie eindeutig im vorliegenden zweiten Band ohne n√§here Begr√ľndungen Kitty animieren m√∂chte, sich eher Chuckie zuwenden sollte. Dem m√§nnlichen besten Freund, der wahrscheinlich mehr als freundschaftliche Gef√ľhle f√ľr sie empfindet. Dem sie nichts von der Beziehung mit einem Au√üerirdischen Armanitypen sagen darf. Zus√§tzlich gibt es ja den schon angesprochenen Ex- Freund und jetzigen Astronauten Brian. Das Gini Koch manche, so typisch weibliche Handlungen mit Brillanz handeln kann, zeigt die erste Begegnung nach vielen Jahren zwischen Brian und Kitty. W√§hrend sich ihr platonischer Schatten Christopher aufgrund eines alten Fotos, das er bei Kitty gesehen hat, sofort an Brian erinnert, dauert es unendlich lange, bis sie sich an den Mann erinnert, an den sie ihre Jungfr√§ulichkeit verloren hat. An mehr an einer Stelle der Fortsetzung w√ľnscht man sich mehr von diesen interessanten, wirklich lustigen Szenen anstatt einer stark konstruierten Kom√∂die der Irrungen und Wirrungen.

So sehr die Autorin auch immer wieder das Idealbild vom weiblichen attraktiven Kumpeltyp mit Jeans und Konzert T- Shirts bei Gini Koch beschw√∂rt, so wenig passt diese Eifersuchtshandlungsebene in den vorliegenden Roman. Jeff agiert zu ‚Äěmenschlich‚Äú, w√§hrend Kittys Figur zu ambivalent behandelt wird. Sie ist gl√ľcklich in festen H√§nden und schaut dauernd nach anderen Typen, w√§hrend fast jeder Mann zumindest einen sexistischen Spruch auf den Lippen hat und sie erwartungsfroh anstarrt. Diese Vorgehensweise nutzt sich nicht nur schnell ab, die Autoren beginnt sich in diesem √ľberdrehten Beziehungschaos zu verlieren und der Plot driftet auf das Niveau einer Soap Opera nach einem starken Zwischenspurt ab.

Als ausgleichendes Element dienen anscheinend das Klassentreffen als auch die Gefahren durch den ‚ÄěMenschen‚Äú an sich. Kitty wird mit Menschen konfrontiert, welche die Fremden ablehnen. Im Grunde kein g√§nzlich neues Thema, seitdem Graham Baker bzw. Kenneth Johnson mit ‚ÄěAlien Nation‚Äú die entsprechende B√ľchse der Pandora ge√∂ffnet haben. Auch die vierte Staffel von ‚ÄěEnterprise‚Äú hat sich mit der Terrororganisation ‚ÄěTerra Prime‚Äú dieser Idee angenommen. Daher ist es schwer, neue Akzente zu setzen und Gigi Kochs Fluch in √úbertreibungen hilft dem ganzen Roman an vielen Stellen nicht weiter. Wirkten schon die Au√üerirdischen des ersten Buches nicht furchterregend genug, erscheinen auch die Antiestablishmentkr√§fte eher eindimensional gezeichnet und stellenweise bis zur Karikatur verzerrt. Nat√ľrlich sind die Actionszenen ausgesprochen rasant geschrieben und Gini Koch versucht sich an James Bond artigem Humor. Egal wie √ľberdreht oder bedrohlich das Ausgangsszenario auch sein mag; egal wie unwahrscheinlich eine Rettung in letzter Sekunde erscheint oder Kittys Wissen/ Erfahrung im Grunde nicht ausreichen kann, um die Situation zu bereinigen, die Autorin verf√ľgt nicht nur √ľber einen ausreichenden K√∂cher an L√∂sungen, sondern weitergehend √ľber die entsprechenden Nebenfiguren, um Heilung zu versprechen. Die Anzahl der auftretenden Menschen/ Aliens wirkt fast inflation√§r.

Gini Koch macht nicht den Fehler, das Tempo kontinuierlich zu steigern. Im letzten eher ruhigeren, aber nicht phlegmatischen Drittel arbeitet sie, so weit es das Konzept erlaubt, die offenen F√§den souver√§n und deutlich √ľberzeugender als im ersten Buch ab. Durch diese systematische Vorgehensweise √ľberzeugt ‚ÄěAlien Tango‚Äú strukturell mehr als der √ľberdrehte, √ľberambitioniert von der romantisch emotionalen Idee des idealen Liebhabers getriebene erste Roman. Zusammengefasst fehlt ‚ÄěAlien Tango‚Äú die anarchistische Spontanit√§t des Auftaktbandes. Die Figuren sind gesetzter, abgerundeter und vertrauter. Allerdings vermisst der Leser aufgrund der Pr√§missen eine stringentere Weiterentwicklung der Figuren und eine Verdichtung der Konfliktsituationen. Stattdessen erweitert die Autorin manchmal pointiert, manchmal launisch ihr M√§nnerorientiertes Universum, w√§hrend sie ihre St√§rken ‚Äď solide Actionszenen mit weiblich warmherzigem Humor geschrieben ‚Äď zu Gunsten irgendwann nerviger perfekter PG Sexszenen vernachl√§ssigt. Reicht nicht an den Auftaktband heran, wird aber Gini Kochs wachsende in erster Linie weibliche Fangemeinde zufriedenstellend, w√§hrend m√§nnliche Leser zwischendurch von derartig vieler Perfektionismus auf Jeffs Seite eher abgesto√üen sein werden, zumal das alles Kitty anscheinend in einem dunklen Winkel ihres Gewissens nicht einmal gen√ľgt.

Gini Koch: "Alien Tango"
Roman, Softcover, 512 Seiten
Piper Verlag 2012

ISBN 9-7834-9226-8561

Weitere BŁcher von Gini Koch:
 - Aliens in Armani

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