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Science Fiction (diverse)



Sergej Lukianenko

Der falsche Spiegel

rezensiert von Thomas Harbach

Drei Jahre nach “Labyrinth der Spiegel” verfasste der russische Autor Sergej Lukianenko die abschließende Fortsetzung “Der falsche Spiegel”. Litt der erste Band vor allem unter seinem enttäuschenden, nur auf den ersten Blick wirklich die virtuelle Welt der Tiefen verändernden Ende, erscheint “Der falsche Spiegel” von Beginn an auch aus der für das Internet unendlich erscheinenden Distanz von knapp zwölf Jahren nach der ersten russischen Veröffentlichung moderner, sperriger, sozialkritischer, aber auch handlungstechnisch sehr viel ambivalenter. Der Einfluss des ersten “Matrix” Streifens ist zu spüren. Lukianenkos Welt ist noch dunkler geworden als ihm ersten Teil dieses Doppelromans, zumal sich der Protagonist selbst im Grunde mit seinem Vorgehen arbeitslos gemacht hat.

Zwei Jahre sind nach dem Ende des „Labyrinth der Spiegel“ vergangen. Leonids Einsatz hat die gesetzlose Welt der Tiefe, des weltweiten Rechnerverbundes, etwas sicherer gemacht. Dabei hat Leonid aber auch sich selbst arbeitslos gemacht, da unvorsichtige Benutzer bzw. zu abenteuerliche Charaktere inzwischen wieder aus ihren virtuellen Abenteuern zurück in die Realität finden können, bevor ihr Körper an Entkräftung oder Nahrungs bzw. Wassermangel in der Gegenwart stirbt. Bislang haben die Diver diese extrem gefährliche Aufgabe übernommen. Lukianenko beschreibt den inneren Konflikt Leonids sehr plastisch, der als tragischer Held die Allgemeinheit gerettet und doch zum großen Verlierer geworden ist. Lukianenko hat sich für seinen Protagonisten einige interessante wie überflüssige Aufgaben ausgedacht, mit denen sich Leonid in einem wirtschaftlich kriselnden Russland über Wasser hält. Die Grundidee der Diver erinnert allerdings auch ein wenig an die Läufer aus seinem grandiosen und sehr viel interessanterem Roman „Spektrum“, nur das die Letzteren ohne Probleme durch geheimnisvolle Tore zu anderen Welten gehen konnten.

Plötzlich stirbt eine von Leonids alten Freunden, mit denen er seit langem keinen intensiven Kontakt mehr hat. Anscheinend gibt es eine Wechselwirkung zwischen der virtuellen und der „echten“ Realität. So hat sich sein Freund aus unerklärlichen Gründen die Zunge abgebissen und sein Anzug ist voller Blut. Schnell macht das Gerücht die Runde, das bislang unbekannte Kräfte eine interaktive Waffe entwickeln haben, deren Probelauf Leonids Freund zum Opfer gefallen ist. Leonid macht sich eher unfreiwillig auf die Suche nach den Hintermännern und setzt zum zweiten Mal sein eigenes Leben sowie seinen Verstand ein, um die phantastische Welt der Tiefe zu retten sowie die Hintermänner zu suchen.

Auch wenn der Klappentext suggeriert, das Lukianenkos Roman um die ewige Frage kreist, ob der Mensch noch Einfluss auf das Netz – im ersten Abenteuer ist das klassische Internet schon durch die Tiefe abgelöst worden – hat oder das Netz inzwischen den Menschen kontrolliert, liegt der Fokus eher auf einer geradlinigen Kriminalstory mit natürlich weltverschwörerischen Tendenzen. Anfänglich beschreibt Lukianenkos inzwischen zusammengebrochene Welt mit dem für sein Werk so typisch russischen melancholischen Unterton, in dem zumindest manchmal auch Kritik an den gegenwärtigen Zuständen in Russland einfließt. Überraschend ist, dass Leonid überhaupt in der Lage ist, eine Beziehung zu einer Frau aufzunehmen – ein Novum in Lukianenkos inzwischen umfangreichen Werk – zu unterhalten, die aber aufgrund Leonids beruflichen Fall in Ritualen erstarrt ist. Depressiv, voller Selbstmitleid balanciert Leonids Charakterisierung auf dem sehr schmalen Grad zwischen nachvollziehbarer Akzeptanz durch den Leser und einer Ansammlung von fast kitschigen Klischees. Diese Art von emotionaler Selbstkasteiung haben insbesondere langjährige Leser seiner Werkes zu oft gelesen. Auf der anderen Seite haben Lukianenkos Figuren immer eine Art Halt gehabt Die Mitglieder der „Wache“ bei ihrem Kampf gegen übernatürliche Eindringlinge, während sich ihre Realität im Zuge des frühkapitalistischen Russlands verändert hat oder in den Science Fiction Romanen der feste Glaube an das Gute der eigenen Mission. In „Der falsche Spiegel“ bleibt Leonid anfänglich gar nichts. Erst durch den Tod des ehemaligen Freundes bekommt er wieder eine Aufgabe, an der er auch menschlich wächst.
Während Leonid zufrieden stellend bis stellenweise sehr gut, im Vergleich zum ersten Band aber nicht unbedingt weiterentwickelt charakterisiert worden ist, wirken alle anderen Nebenfiguren eher eindimensional und teilweise stark klischeehaft. Hier setzt sich die Tendenz aus dem ersten Band dieser Duologie leider fort.

Während „Die Tiefe“ insbesondere im „Labyrinth der Spiegel“ eher archaisch amibivalent beschrieben worden ist, gibt sich Lukianenko im vorliegenden Band sehr viel mehr Mühe. Die Idee, das aus dem Internet heraus die Realität nicht nur manipuliert, sondern im Grunde als eine Art Waffe benutzt werden kann, ist nicht sonderlich neu und wird vom Autoren auch eher als Mittel zum Zweck benutzt. Natürlich ist es ein faszinierender Ort, an dem Lukianenko wie in seiner „Wächter“ Tetralogie seiner Phantasie die Zügel geben kann. Die ein wenig skurrilen Beschreibungen geben der bedrohlichen Atmosphäre – in dieser Hinsicht überzeugen fast alle von Lukianenkos Romanen – ein besonders Flair.

Im Vergleich zum Abschluss des Auftaktesbandes – zu stark moralisierend, zu ambivalent und vor allem ein wenig zu stark konstruiert – gelingt es dem Autoren sehr viel besser, diese Jagd nicht nur nach der Wunderwaffe, sondern vor allem den skrupellosen Hintermännern spannender und für den Leser jederzeit nachvollziehbar zu gestalten. Wie in fast allen anderen seiner Duologien beendet Lukianenko den Handlungsbogen sehr konsequent. Erst im Jahre 2011 ist er für eine kürzere Arbeit noch einmal zur „Tiefe“ zurückgekehrt. Diese Geschichte liegt aber noch nicht auf Deutsch vor.

„Labyrinth der Spiegel“ und „Der falsche Spiegel“ müssen im Grunde als ein Roman betrachtet werden. Die Geschichte hätte sehr viel kompakter – hier bezogen auf den ersten Teil, der sehr viele Längen aufweist – und selbst für die letzten Jahre des letzten Jahrtausend in technologischer Hinsicht sehr viel interessanter erzählt werden können. Zu den Stärken gehört der entwurzelte Hauptprotagonist Leonid, der wie viele von Lukianenkos Antihelden irgendwo zwischen allen realen wie fiktiven Welten gefangen ist. Im Vergleich zum experimentelleren „Spektrum“ eine eher durchschnittliche Arbeit. Als Einstieg bieten sich weiterhin neben dem mehrfach angesprochenen „Spektrum“ eher die Romane der „Wächter“ Tetralogie an, in denen der populäre Russe seiner Phantasie immer im Bodenkontakt zur nicht einfachen russischen Gegenwart eher die Sporen gegeben hat.

Sergej Lukianenko: "Der falsche Spiegel"
Roman, Softcover, 576 Seiten
Heyne- Verlag 2011

ISBN 9-7834-5353-3721

Weitere Bücher von Sergej Lukianenko:
 - Das Schlangenschwert
 - Der Herr der Finsternis
 - Die Ritter der vierzig Inseln
 - Labyrinth der Spiegel
 - Spektrum
 - Sternenschatten
 - Sternenspiel
 - Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel
 - Weltengänger
 - Weltenträumer
 - Wächter der Ewigkeit
 - Wächter der Nacht
 - Wächter des Morgen

Leserrezensionen

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30.12.11, 09:06 Uhr
huyanghui
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