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Science Fiction (diverse)



Andy Remic

Combat Planet

rezensiert von Thomas Harbach

Der Engländer Andy Remic hat schon mehrere Romane mit den Schwerpunkten Military Science Fiction bzw. Kriegsthemen in England veröffentlicht. Mit dem eher unglücklich betitelten “Combat Planet” - im Original heißt der Roman passender “Theme Planet” - legt er den ersten Band einer Trilogie vor, welche den Versuch unternimmt, bekannte Themen wie “Westworld” /”Futureworld” mit einem intergalaktischen Geheimnis sowie Aspekten von Philip K. Dicks paranoider Suche nach dem eigenen Ich zu kombinieren.
Im Prolog wird aber mit Amba eine professionelle Mörderin und Androidin eingeführt, die als Handlangerin eher im Hintergrund agierender Kräfte bei der hier beschriebenen Missionen nicht ihr Ziel erreicht. Natürlich zum ersten Mal in ihrer bislang so erfolgreichen Laufbahn.
Im ersten Kapitel stellt Andy Remic dem Leser Dexter Colls vor. Ein ambitionierter Polizist mit einer bezaubernden Frau und zwei reizend nervigen Kindern. An seinem letzten Arbeitstag vor einem lange verdienten Erholungsurlaub geht fast alles falltechnisch schief. So muss er einen Freund verhaften, der anscheinend einen Mord begangen hat. Alle Indizien deuten auf ihn als einzigem in Frage kommenden Täter und seine Ausrede ist eher schwach. Interessanterweise ist diese Szene auch ein deutlicher Hinweis auf alles, was noch kommen wird. Nichts ist - getreu Dicks Arbeiten und leider auch der Verfilmung von “Total Recall” so, wie es erscheint . Trotz des vordergründigen Erfolges nicht sonderlich zufrieden tritt er mit seiner Familie einen besonderen Urlaub an. Sie haben einen Urlaub auf dem Themenplaneten gebucht. Es handelt sich um einen künstlichen Himmelskörper, der zu einem gigantischen Freizeitpark ausgebaut worden ist. Wie in den schon angesprochenen Michael Crichton Arbeiten gibt es unterschiedliche Zonen für die Besucher, wobei die kritischen Erwachsenenbereiche über weite Strecken des Buches verschlossen sind. Remic geht den obligatorischen Schritt weiter und extrapoliert die Ideen insbesondere aus “Futureworld” in einer ferneren Zukunft. Alles ist gigantisch groß und laut und bunt. Hinzu kommt, dass die Remics durchgehend ihren besonderen, warmherzigen, aber auch künstlich erscheinenden Humor behalten. Viele Dialoge sind in der deutschen Übersetzung ohne Frage pointiert und lesenswert, aber sie wirken auch schrecklich überzogen und irgendwie amerikanisch. Auch in diesem Punkt reicht der Autor im letzten Viertel des Romans eine Reihe von möglichen Erklärungen nach. In diesem Abschnitt des Plots bereitet er sich aber zu stark auf die weiteren beiden Teile der Trilogie vor und beschränkt sich auf das Zeigen und weniger das tiefer gehende Erläutern.
Zumindest nimmt sich der Autor die Zeit und den Raum, um die Attraktionen des Planeten ausführlicher darzustellen. Remic ist wie sein Protagonist Vater zweier Kinder und scheint zu wissen, wie man sich auf einem überdimensionalen Rummelplatz eine wunderschöne Zeit macht. Es sind die vielen kleinen Details, die “Combat Planet” so lebendig, so ansprechend erscheinen lassen. Quasi auf dem Höhepunkt dieser “Unterhaltungsorgie” dreht sich die Handlung nicht zum letzten Mal.
Remic arbeitet gerne mit Dopplereffekten. Colls muss das erleiden, was er an seinem letzten Arbeitstag seinem Freund angetan hat. Er wird verdächtigt, einen Mord begangen zu haben. Die Beweise spreche gegen ihn. Als er sich zu wehren beginnt, werden seine Frau und seine Kinder entführt. Es gibt anscheinend Kräfte, die ihn unbedingt vom Planeten haben wollen. Und diese Kräfte sind mächtiger, als es der überforderte, aber stetig auf der Flucht befindliche Polizist ahnt. Auf der zweiten Handlungsebene ist inzwischen auch Amba auf dem Planeten angekommen. Es soll - auch ein Klischee, das wenig effektiv eingesetzt worden ist - ihr letzter Auftrag sein, bevor sie sich zur Ruhe setzen könnte.
Während Colls nach seiner Familie sucht, versucht Amba hinter den Kulissen das Rätsel dieser Welt zu lösen.
Natürlich verfügt der Themenplanet über ein Geheimnis. Im Gegensatz zu den dunklen Machenschaften Crichtons ist dieses sogar interessant, wenn auch nicht gänzlich originell angelegt. Der Themenplanet ist über den Hinterlassenschaften einer fremden Rasse erbaut worden. Die Provax leben immer noch hinter den Kulissen dieses Vergnügungsplaneten und wachen argwöhnisch darüber, dass die Menschen zwar eine gute, aber keine sehr gute Zeit haben. Die Grundidee wird relativ spät in den vorliegenden Roman integriert, ist aber nicht schlecht ausgestaltet. Ein wenig erinnert manches an eine technologische Variation der ersten “Star Trek- The Next Generation” Episode “Mission to Farpoint”. Wahrscheinlich geht Remic in den nächsten Roman näher auf die Zusammenhänge ein.
Die Doppleridee treibt er weiter. So erfährt Colls genauso viel über seinen Hintergrund wie Amba. Für beide bricht im Grunde ihre bisherige Welt zusammen, wobei dieser Effekt bei Colls durch das Wiederauffinden seiner Frau und seiner Kinder noch verstärkt wird. Dieses Auseinanderbrechen bestehender Welten und die Erkenntnis, bislang in Illusionen und mittels künstlicher Manipulationen gelebt zu haben, ist purer Philip K. Dick durch den Actionhintergrund auf Speed extrapoliert. Natürlich wird der Leser von den Entwicklungen wie Remics Protagonisten auch überrascht. Remic bereitet diese beiden Überraschungen - wieder ein Dopplereffekt, der fast überambitioniert erscheint - solide vor. Ihm gelingt es allerdings nicht, nach dem Paukenschlag wirklich nachzulegen. Existentielle Fragen nach der Identität eines Menschen oder eines Androiden gehen in einem Actionfeuerwerk unter, das zwar gut bis teilweise inspiriert geschrieben worden ist, das aber dem Roman die in diesem Abschnitt notwendige Tiefe nimmt.
In seinem Nachwort spricht der Autor davon, dass er die erste Idee schon 1995 gehabt hat und das der vorliegende Auftaktband der Trilogie durch verschiedene Entwicklungsstadion und Konzepte gelaufen ist, bevor er in der vorliegenden Form veröffentlicht worden ist. Diese Ambivalenz zeigt sich immer, wenn Remic die Grundlagen seines Plots - Themenplanet, galaktische Verschwörung - verlässt und wieder näher auf die Figuren einzugehen sucht. Die Abrechnung seiner Ehefrau mit ihm als in Liebesdingen tollpatschigen Versager bildet den letzten Doppleffekt des Romans. Zu Beginn konnte man en Detail noch lesen, wie sehr sie ihren Mann auch körperlich liebte.
Die Idee, Realität und Illusion so miteinander zu verbinden, das es im Gegensatz zu Dicks Charakteren keine wirklichen Auswegen gibt, ist ambitioniert. Da der Autor mit seinem bodenständigen und sympathischen Polizisten Colls im Grunde nur eine Figur wirklich überzeugend und dreidimensional angelegt hat, deutet zu viel in dieser Richtung. Natürlich ist es interessant, mit welch satirisch überzogenen Figuren und Geschöpfen Remic seinen wichtigsten Protagonisten umgibt. Dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Sie beleben das mehrfach angesprochene “Westworld” Szenario und schlagen die Brücke zum K.I. Thriller.
Zusammengefasst ist “Combat Planet” wie andere Titel der Heyne “Space Action” Reihe keine reine Space Opera. Der Autor hat Konzepte Philip K. Dicks übernommen und in seine Amüsierwelt übertragen. Nur war er schriftstellerisch nicht in der Lage, Dicks einzigartigen Visionen neue Impulse zu geben. Für den Auftaktband der Trilogie ist “Combat Planet” vielleicht trotz pausenloser einfallsreicher Actionszenen ein wenig zu lang geworden. Manche Szene wird umständlich erzählt als das Remic einer entsprechenden Wirkung auf den Leser vertraut. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Autor mit den beiden nächsten Romanen der Trilogie von den aus verschiedenen anderen Werken vertrauten Ideen, Konzepten und Gerüsten lösen und mehr hintergründige Originalität präsentieren kann.

Andy Remic: "Combat Planet"
Roman, Softcover, 544 Seiten
Heyne Verlag 2013

ISBN 9-7834-5352-9588

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