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Science Fiction (diverse)



Timothy Zahn

Eroberer- die Rache

rezensiert von Thomas Harbach

Der deutsche Titel für “Conqueror´s Legacy” ist ein wenig zu plakativ gewählt. Es handelt sich um den dritten und abschließenden Band der schon Mitte der neunziger Jahre veröffentlichten “Conqueror” Trilogie aus der Feder des Amerikaners Timothy Zahn. Den ersten Roman hat Zahn ausschließlich aus der Perspektive der Menschen erzählt, die plötzlich von einer fremden und technisch augenscheinlich überlegenen Fremdrasse angegriffen worden sind. Im zweiten Roman hat er das Geschehen ausschließlich aus der Perspektive der Fremden erzählt. Während der erste Band eher eine klassische Space Opera mit zu heldenhaften und stellenweise zu stark konstruierten Handlungskomponenten gewesen ist, integrierte Zahn in die Fortsetzung zumindest ein wenig Mysteriöses und bemühte sich allerdings nur teilweise erfolgreich, den Aliens wirklich eine fremde Kultur zu geben. Der dritte hier vorliegende Roman sollte ursprünglich aus der neutralen Perspektive einer künstlichen Intelligenz erzählt werden. Dieses Vorhaben hat Zahn laut verschiedenen Interviews schließlich aufgegeben, da es sich für die damalige Zeit und seine Fähigkeiten als Autor als zu komplex erwiesen hat. Stattdessen wechselt der Autor die Perspektive zwischen den Außerirdischen Zhirrzh und den Menschen. Das lässt den Band auf den ersten Blick sprunghafter und stellenweise weniger komplex als die ersten beiden Teile erscheinen. Zumal der Autor zumindest teilweise einzelne nicht immer wirklich wichtige Sequenzen aus den jeweils unterschiedlichen Perspektiven ausführlich beschreibt.

Die grundlegende Handlung wirkt teilweise wie eine solide, aber nicht sonderlich originelle Mischung aus diversen Pulpabenteuern, wobei insbesondere Hamilton, van Vogt und schließlich auch E.E. Smith Pate gestanden haben. Es ist notwendig, die ersten beiden Romane gelesen zu haben. Zahn greift notwendigerweise auf die zwei Hände voll von Charakteren und Außerirdischen zurück. Sie müssen erst alleine, schließlich als Team den drohenden intergalaktischen Krieg verhindern. Im ersten Teil des vorliegenden Buches finden sie schließlich heraus, das die Ursache der gewaltsamen Auseinandersetzung zu Beginn des Konfliktes ein Missverständnis gewesen ist. Nur gemeinsam können sie ihr Ziel erreichen und dank eines stringenten und wenig abwechselungsreichen, aber zumindest zufrieden stellend spannend erzählten Plots erreichen sie eine für beide Seiten akzeptable, das Gesicht wahrende und schließlich auch friedliche Lösung.

Nicht zum ersten Mal - siehe auch die “Black Collar” Trilogie oder seine eher überdurchschnittlichen “Star Wars” Romane - lässt sich ein Timothy Zahn im Grunde auf zwei sehr unterschiedlichen Ebenen betrachten. Da wäre einmal der Plotverlauf. Nicht sonderlich originell, aber dynamisch und nicht zu ausgewalzt. Bevölkert wird seine Welt von eher eindimensionalen Charakteren, die sich ausschließlich über ihre Taten, Missionen und schließlich Ansichten definieren. Das gilt leider sowohl für die Menschen, die im ersten Band noch holzschnittartiger daherkommen als die Fremden. Die negative Überraschung der Serie ist, das die Unterschiede zwischen den Menschen und Fremden sich ausschließlich auf ihre jeweiligen Herkünfte konzentrieren. Handlungstechnisch ähneln sie sich zu sehr. Sehr zum Missfallen des Gefangenen im ersten Band, dessen verschiedene Fluchtversuche aus der Hand der Fremden jedes Mals im Vorwege durchkreuzt worden sind. Dabei benötigen seine Wächter zumindest in zwei Fällen einen menschlichen Intellekt, um die Pläne derartig weit im Vorwege ahnen zu können. Der Hintergrund seiner Aliens ist exotisch und faszinierend. Schon im zweiten Mittelband der Trilogie gelangen hier Timothy Zahn eine Reihe von interessanten Beschreibungen, die an Alan Dean Fosters Romane erinnern. Nur wenn sich Theorie - die Hintergrundbeschreibungen - und Praxis - deren Handlungen - mischen, funktioniert die vorliegende Serie erstaunlich eindimensional und leidlich unterhaltsam. Hinsichtlich der Menschen ist der ersten Band der Serie der Tiefpunkt gewesen. Zu militärisch statisch, zu wenig dreidimensional gezeichnet und vor allem dank der hölzernen bis gestelzten Dialoge unnahbar und unsympathisch. Im vorliegenden dritten Roman bemüht sich der Autor mehr, ihnen nicht nur Gestalt zu geben, sondern über die Dialogschiene ihnen auch überdenkenswerte Worte in den Mund zu legen. Immer wenn Zahn in den Bereich der Politikwissenschaften bzw. der Gruppendynamik abschweift und einige interessante, vor allem nicht erzkonservative Elfenbeintürme konstruiert, funktioniert “Conqueror´s Legacy” am Besten. Diese Szenen sind über den ganzen Roman verstreut und werden teilweise von leider sehr bekannten Szenarien überdeckt, aber wenn sie funkeln, dann gehören sie zu den interessantesten politischen Ideen, die Zahn in seiner langen Karriere insbesondere im Bereich der Military SF niedergeschrieben hat. Sie stehen aber in einem engen Zusammenhang mit der Gesamtauflösung des Plots.

Deutlich störender ist - aus heutiger Sicht für einen fast fünfzehn Jahre alten Roman fast noch moderat - die unnötige Hektik, welche Timothy Zahn um die teilweise Plotleere in seinem Werk zu überdecken erzeugt. Obwohl der Hintergrund sich ausgezeichnet für ein heroisches Heldenepos eignet, bleibt der Autor teilweise erstaunlich bieder und emotionslos. Der Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssorten erfolgt nicht immer wirklich überzeugend und teilweise versucht Tmothy Zahn an einzelnen Stellen Spannung zu erzeugen, wo das erstens nicht notwendig ist und zweitens eine interessante Handlungsebene durch etwas Bekanntes bis klischeehaft Naives ersetzt worden ist. Noch unverständlicher ist Timothy Zahns Neigung, zu erst die Handlung möglichst weit aufzusplittern. Im Vergleich zu den eher kompakten ersten und zweiten Teil der Trilogie springen Zahns Figuren im Grunde durch den Raum, landen und starten auf Planeten und beäugen kritisch die jeweilige Gegenseite. So weit, so gut. Dann versucht der Autor allerdings eher krampfhaft auf den letzten Seiten, nicht nur die Fronten, sondern vor allem die Menschen wie Aliens zusammenzubringen. Im vorliegenden Band übertreibt der Autor mit seiner Neigung, alles auf einen Punkt zu konzentrieren und dabei möglichst wenig vom Plot konstruiert erscheinen zu lassen. Dabei gibt es doch einen großen Plan im Hintergrund, der spannungstechnisch fördernd die einzelnen Aktionen der Protagonisten hätte einschließen können. Die Figuren müssen ja nicht nur ihre Reiseaktivitäten beenden, sie müssen auch das Missverständnis aufklären.

Was aus heutiger Sicht zusammenfassend bleibt ist ein teilweise spannende, nicht selten aber nur mäßig interessante Space Opera, die aus ihren grundlegenden Ideen insbesondere im ersten Band viel zu wenig macht, die im zweiten Roman dank der exotischen außerirdischen Rasse das Interesse des Lesers aufrechterhält und die im vorliegenden dritten Band zumindest zufrieden stellend und konsequent von Timothy Zahn abgeschlossen worden ist. Nicht alles funktioniert wirklich zufrieden stellend, aber im Vergleich zu den heutigen Military SF Serien eines David Weber und John Ringo stellt Timothy Zahns “Conqueror” Trilogie mit einem noch erträglichen Waffenfetischismus, fehlender politischer schwarzweiß Malerei und vor allem nicht überzeugenden, aber zumindest zufrieden stellend entwickelten Charakteren solide Unterhaltung mit einem gewissen Niveau dar.

Timothy Zahn: "Eroberer- die Rache"
Roman, Softcover, 720 Seiten
Heyne Verlag 2009

ISBN 9-7834-5352-6488

Weitere Bücher von Timothy Zahn:
 - Die Backlash-Mission
 - Eroberer
 - Eroberer- die Rückkehr
 - Terminator: die Erlösung - nach dem Feuer
Weitere Links zu diesem Thema:
 - Timothy Zahn: Biographie

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