Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Clifford D. Simak

Als es noch Menschen gab

rezensiert von Thomas harbach

Im Rahmen seiner Meisterwerk der Science Fiction legt der Heyne- Verlag sicherlich einen der berühmtesten Episodenromane des Genres – ausgezeichnet mit dem World Fantasy Award – in einer Titelbildtechnisch schönen Neuauflage mit dem in den siebziger Jahren hinzugefügten gleichnamigen Epilog, sowie dem einleitenden Vorwort des jungen kanadischen Science Fiction Autoren Peter Watts versehen als Taschenbuch neu auf. So schön diese Neuauflage auch auf den ersten Blick ist, so schmerzlich muss die Tatsache angemerkt werden, das er Heyne Verlag auf die alte Goldmann Übersetzung von Tony Westermayr zurückgegriffen hat. Es findet sich auch kein Hinweis, das die wie damals übliche Bearbeitung und Kürzung auf das vertreibbare Niveau rückgängig gemacht worden ist. Tony Westermayr ist allerhöchstens ein adäquater Übersetzer gewesen, dem in erster Linie technisch orientierte Texte eines Arthur C. Clarkes gelegen haben. Es empfiehlt sich trotz dieser Neuaufgabe, auf die überall verfügbaren Originalausgaben auszumachen, welche die sprachliche Intensität sowie die melancholische Grundstimmung Simaks sehr viel besser wiedergeben als die etwas sperrig und teilweise zu distanziert zu lesende deutsche Ausgabe. Ulrich Thiele hat sowohl „Epilog“ als auch das Vorwort sowie die eher besinnlich nachdenkliche Erläuterung Simaks zur Neuauflage übersetzt. Da „Epilog“ als Andenken an John W. Campbell, in dessen Magazinen der größte Teil der einzelnen „Als es Menschen gab ausmachenden Geschichten erschienen ist, eher gegen den Willen Simaks geschrieben worden ist, und vom Autoren nicht unbedingt als Bestandteil des eigentlichen „City“ – so heißt der Roman profan wie effektiv im Original – Kanons angesehen worden ist, ist Ulrich Thiele vernünftige, aber ebenfalls sehr gefühlslose Übersetzung zufrieden stellend.

Peter Watts Vorwort zeigt die Hilflosigkeit insbesondere einer jungen Generation, sich in die Zeit der fünfziger Jahre zurückzuversetzen. Natürlich ist „City“ kein perfektes Meisterwerk, aber das ist auch der zweite herausragende Episodenroman dieser Epoche „Die Mars- Chroniken“ von Ray Bradbury nicht. Es gibt in Simaks Geschichten eine wichtige Brücke zu Bradburys Klassiker. So lebt ein Philosoph auf dem Mars, dessen Thesen die Degression der Menschen retten könnten, wenn nur ein Mitglied der Websterfamilie – diese im Grunde klassisch angelegte amerikanische Frontierfamilie durchzieht direkt oder indirekt alle Geschichten der Sammlung – sich aus seiner Lethargie lösen könnte, um den Philosophen vor dessen Tod auf dem Mars zu besuchen. Als Antiasimov wird das im Vorgarten landende Raumschiff mit seiner Besatzung vom Robothausdiener brüsk und ohne den Hausherren wieder auf die Heimreise geschickt. Die Menschheit ist damit zum „Untergang“ verdammt. Hier agiert Clifford D. Simak als interessantes wie diskutierenswertes Gegengewicht zu Olaf Stapledons Zukunftschroniken, die im Gegensatz zum vorliegenden Episodenroman vor dem verheerenden und insbesondere Simak negativ stimmenden Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Peter Watts versucht eher die technische Naivität Simaks herauszuarbeiten und zum Beispiel die sprachlichen Fähigkeiten der Hunde durch einfache Stimmbandmanipulation ebenso in Frage zu stellen wie das Entstehen eines höher entwickelnden Ameisenstaats durch den Entzug des Winterschlafzyklus. Erstaunlicherweise hat Vernor Vinge diese Idee in seinen Preis gekrönten Space Operas wieder aufgenommen und technisch geschickter extrapoliert. Clifford Simak gehört ohne Frage zu den großen philosophischen Erzählern des Genres und hat sich – im Gegensatz zu Peter Watts mit seinem bisher bescheidenen und viel zu nihilistisch orientierten Werk – weniger um die Naturwissenschaften denn die geistige Gesundheit der Menschen gekümmert. Aus dieser Perspektive müssen auch die einzelnen Legenden, welche die Grundlage von „Als es Menschen gab“ betrachtet werden. Denn es handelt sich um über Generationen mündlich vorgetragene Geschichten von einem legendären Lebewesen namens Menschen, dessen Existenz per se inzwischen angezweifelt wird. Diesen so spektakulären wie intelligenten Ansatz ignoriert Peter Watts in seinem in der Luft argumentierenden Vorwort gänzlich und „verdirbt“ etwas die Vorfreude, die Geschichten noch einmal zu lesen. Die zweite Enttäuschung ist die Nutzung der inzwischen fast vierzig Jahre alten Übersetzung. Hier hätte der Verlag im Rahmen dieser Reihe eine Neuübersetzung anbieten müssen. Aber auch schon die „Bibliothek der Science Fiction Literatur“ litt unter diesem Manko.

Clifford D. Simak beginnt seine Zukunftschronik ohne Menschen nicht mit den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, sondern extrapoliert die Zurück zur Natur Bewegung nach dem Krieg zu einer Art Stadtflucht, in welcher nicht zuletzt dank Hydrotankzüchtungen und dem Ersatz des Autos durch Kleinflugzeuge sowohl das Stadtleben als auch die Landwirtschaft zum Aussterben verurteilt. In der ersten Geschichte zeigt Simak melancholisch die leeren Vorstädte, in denen nur noch ein Webster lebt. Seine Nachbarn sind alle aufs Land gezogen, seine Frau drängt ihn ebenfalls zu diesem Schritt. Webster macht sich in erster Linie Gedanken, wann sein Roboterrasenmäher durchdreht. Erst als die im Grunde obsoleten Stadtregierungen die leer stehenden Häuser abbrennen wollen, regt sich Widerstand. Man will eine Touristenfarm aufbauen, wo sich die Landleute wie an der amerikanischen Frontier fühlen können. Konsequenter wäre es gewesen, eine Touristenstadt aufzubauen, wo sich die auf dem Land lebenden Menschen wie Städter fühlen könnten. Aber diese kleinen plottechnischen Schwächen ziehen sich durch einige der Geschichten, die anscheinend zum Teil unter einem gewissen Zeitdruck für „Astounding“ niedergeschrieben worden sind. Mit dem Niedergang der menschlichen Zivilisation beginnen die Hunde – allerdings niemals wirklich autark, sondern mehr oder minder als Helfer der Menschen – sowie die Ameisen ihren sozialen wie gesellschaftlichen Aufstieg. Vorläufiger Höhepunkt ist nicht nur die Besiedelung des Jupiters durch Mensch und Hund. Hier müssen die zukünftigen Bewohner operativ angepasst werden. Auf dem Jupiter durch die Gaswolken driftend führen die neuen Wesen – es sind ja nicht nur die Menschen, sondern auch die Hunde – ein paradiesisches Leben führen. Auf der Erde verbreitet sich mehr und mehr die Legende von den alten Menschen, während auf der Erde ein vegetarisches Utopia von den Hunden – auch hier fehlt eine wirklich überzeugende Erklärung für diesen Nahrungswandel bei den Vierbeinern – errichtet wird. In den folgenden Geschichten konzentriert sich Simak auf die Degeneration des Menschen durch Mutation; die Entwicklung der Hunde aber immer noch als Begleiter des Menschen und das Zivilisationsbestreben der Ameisen in ihren Kolonien. Am Ende steht noch als Relikt der Menschheit das alte Haus der Websters, vor dem der fast unsterbliche Roboter Jenkins als aktives Verbindungsglied zwischen den Geschichten das Geschehen reflektiert.

Die Idee einer Gesellschaft ohne Engstirnigkeit und Vorurteile – nicht umsonst etabliert Simak zu Beginn seiner Sammlung fast stoisch den Menschen als aggressives und egoistisches Wesen, auch wenn tatsächliche Gewalt in einem sehr engen Rahmen gehalten worden ist – ist für den Leser nachvollziehbar. Der fehlende Fortschrittsdrang – die Besiedelung des Jupiters dank genetischer Manipulation der zukünftigen Bewohner wirkt im Gesamtkontext wie ein Anachronismus auf der einen Seite sowie der Höhepunkt einer nach außen orientierten Entwicklung von der Stadt über das Land zu fremden Planeten auf der anderen Seite – kumuliert schließlich in Degeneration und folgerichtig dem Aussterben der Menschen. Simak als romantischer Pessimist sieht in dieser Entwicklung grundsätzlich nichts Negatives. Am Ende der insgesamt neun Geschichten bleibt im Grunde nur die fast göttliche Unendlichkeit und die Erinnerung nicht nur an die Menschen, sondern auch die kurzzeitig die Erde annektierenden Ameisen aus der Sicht eines Roboters, der von Menschen – als typische Simak´sche Ironie – geschaffen worden ist.

Hinsichtlich sozial technologischer Tendenzen lässt sich Simaks Werk aufgrund der verschiedenen Themen, die Simak opportunistisch einsetzt und/oder negiert schwer beurteilt. Es ist das optimistische Portrait des Menschen per se – insbesondere in den ersten beiden Geschichten – in der Tradition des Regisseurs Frank Capras, der als Rasse versagt hat. Es ist eine melancholische Zukunftschronik, die zwischen Wehmut und Optimismus das Alte betrauert und das Neue – so unspezifisch es auch sein mag – Willkommen heißt. Es ist schlicht und ergreifend selbst in der eher als Kompromiss aufzufassenden deutschen Version eine der besten Science Fiction Geschichtensammlungen des Genres und eine uneingeschränkt zu empfehlende Lektüre. Ein „humanistisches“ Meisterwerk eines der ganz großen Erzähler, das der Leser erleben, fühlen und nicht analysieren sollte.






Clifford D. Simak: "Als es noch Menschen gab"
Roman, Softcover, 416 Seiten
Heyne Verlag 2010

ISBN 9-7834-5352-6280

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::