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rezensiert von Thomas Harbach
Mit E.E. Knights “Vampire Earth” aus dem Jahre 2003 startet der Heyne- Verlag eine neue Science Fiction Vampir Trilogie. Nach der Lektüre des ersten Bandes drängt sich dem Leser unwillkürlich eine Art Terminator- Vampirmischung auf. Der Autor E.E. Knight ist in LaCrosse geboren worden, in Minnesota aufgewachsen und hat sowohl Politwissenschaften as auch Geschichte studiert. Inzwischen lebt Knight in Chicago. Sowohl in den USA als auch Großbritannien haben sich die Romane - was nach der Lektüre nicht sonderlich verwundert - sehr gut verkauft.
In Rückblenden wird der “Tag der Finsternis” - der Originaltitel “Way of tue Wolf” bezieht sich auf den wichtigsten Protagonisten der Serie und ist deutlich passender - dem Leser erläutert. Im Jahre 2022 landen Außerirdische, welche sich selbst die Kurians nennen, auf der Erde. Es ist nicht ihr erster Versuch, die Erde zu erobern. Zumindest impliziert Knight, dass ihre Vorfahren wie eben Dracula oder andere Vampire beim ersten, eher unorganisierten Invasionsversuch am Widerstand der Menschheit, aber auch dem eigenen Unvermögen gescheitert sind. Inzwischen befindet sich die Erde seit knapp dreißig Jahren unter dem Joch der Kurians, die mittels ihrer Reaper die überlebenden Menschen kontrollieren. Diese Reaper durchstreifen die Nacht und stellen die Menschen ihre Aura oder Lebenskraft. Spätestens in dieser Sekunde muss ein älterer Leser an Tope Hoppers Science Fiction Extravaganz “Lifeforce” und Wilsons Roman “Vampire aus dem All” denken, der eine ähnliche Prämisse allerdings in einem bescheidenen Rahmen vorzuweisen hatte. Dank der gestohlenen Auras sind die Kurians unsterblich. Knight macht deutlich, dass viele Menschen mit den Fremden paktieren, in dem sie einfach die Aura der Nachbarn dank Denunziation anbieten und so zumindest kurzfristig brüchige Pakte mit den Invasoren schließen. Diese Idee soll den Paranoia Gedanken im Roman verstärken und ist eines der am leichtesten erkennbaren Motive dieses fast klassisch zu nennenden Post 09/11 Buches. Unabhängig von diese fortlaufenden Verrat haben die Kurians dank der Reaper sowieso den größten Teil der Menschheit unter Kontrolle und halten sie wie Vieh für die außerirdischen Machthaber. Diese Informationen offeriert Knight seinen Lesern zum einen in Form von Rückblenden, welche die actionhaltige, sehr stringente Handlung eher störend unterbrechen und zum anderen dank der Erziehung der Identifikationsfigur der Leser: David Valentine. Valentine ist früh Waise geworden, weil Menschen und nicht Reaper seine Familie ausgelöscht haben. Trotzdem schließt sich Valentine dem südlichen Kommando an, das nach Freiwilligen im Kampf gegen die Reaper und Kurians sucht. Schon sein Vater gehörte zu den Wölfen, wie das Elitekommando im Guerilla- Kampf gegen die Kurians genannt worden ist. Natürlich wird Valentine nach einer Reihe von Rückschlägen, Enttäuschungen und herben Niederlagen zu einer Art John Connor der Vampirwelt, der quasi die Kurians alleine besiegen und den Rest der Menschheit retten soll.
Als erster Band zumindest eine Trilogie muss E.E. Knight seinen Lesern den Hintergrund der Geschichte sehr umfangreich erläutern. Das geht insbesondere in der ersten Hälfte des Buches zu Lasten jeglicher Spannung. Die Sprünge zwischen der stringenten Gegenwartshandlung und der deprimierenden Lebensgeschichte David Valentine machen es nicht leichter, einen zufrieden stellenden Handlungsbogen zu entwickeln. Der Leser ahnt insbesondere in den Rückblicken zu viele Informationen zu weit im voraus. E.E. Knight bemüht sich viel zu wenig, Valentine als eine Art von Helden zu etablieren. Andere Bücher wie David Brins “The Postman” oder “The Road” bezogen einen Teil ihrer Spannung, aber vor allem auch plottechnischen Innovation aus der Tatsache, dass sie ganz bewusst Antihelden entwickelt haben, die sich gegen den eigenen Willen als Helden etablierten. Nicht aufgrund ihrer Geschichte, sondern gegen das bisherige Leben. David Valentine wirkt viel zu glatt, sein Schicksal zu programmatisch dunkel und doch für die ganze Menschheit richtungweisend. Als Charakter ist er viel zu eindimensional beschrieben und seine Taten rechtfertigen nicht die Ausführlichkeit, mit welcher sich Knight mit diesem im Grunde klassischen Pulphelden auseinandersetzt. Um den Spannungsbogen noch weiter auf dieser Ebene zu negieren, sind die “Wölfe” anscheinend immun gegenüber den Kurians. Warum eigentlich? Andere postapokalyptische Science Fiction Serien haben immer die Helden den alltäglichen Opfern gleichgestellt. Sie haben sich durch ihre Rücksichtslosigkeit, Intelligenz oder ganz einfach Entschlossenheit von den Schafen - in diesem Roman ist das wörtlich zu nehmen - unterschieden? Knight kapituliert mit dieser Idee vor einer deutlich spannenderen Plotmöglichkeit und geht unbewusst zu viele Kompromisse ein. Zwar werden erst die nächsten beiden Romane aufzeigen, in welche Richtung sich die Immunität er Wölfe gegenüber den Kurians entwickelt, aber wenn der Autor diese herausragende passive Fähigkeit als einzige Chance sieht, die Invasoren zu besiegen und zu vertreiben, verheißt es nicht viel wirklich gutes für die Folgeromane.
Unabhängig von dieser Schwäche und Valentines Überzeichnung als Superheld greift Knight eine Paranoiaidee sowohl der gegenwärtigen amerikanischen Literatur als auch jeglichen unter der Knute der Diktatur lebenden Völker auf und extrapoliert diese sehr geschickt. Wer ist gefährlicher? Freund oder Feind. Zwar arbeitet der Autor nicht ganz sorgfältig die Motive der Verräter heraus, da ihnen augenscheinlich außer leeren Versprechungen nicht viele Vorteile gewährt haben, aber wenn der Leser diese eher unwahrscheinliche Prämisse akzeptiert, entwickelt Knight eine Reihe von solide geschriebenen und spannungstechnisch gut gemachten Szenarien, welche über den eher mechanischen bis phlegmatischen Aufbau in der ersten Hälfte hinwegtäuschen. Nicht umsonst zeigt der Autor gleich zu Beginn des Buches exemplarisch am jungen Valentine auf, dass immer noch der größte Feind des Menschen der Mensch selbst ist. Da braucht man im Grunde weder Vampire oder Kurians sowie ihre natürlich fiesen und übernatürliche Reaperfreunde.
Nach einem eher verhaltenen Auftakt gewinnt Knights Roman an Dynamik, aber nicht unbedingt an Spannung, in dem er sehr ausführlich und atmosphärisch intensiv selbst in der teilweise etwas zu distanzierten und leider steif wirkenden Übersetzung von Regine Winter auf verschiedene Missionen eingeht. Die Actionszenen sind brutal, intensiv und packend geschrieben. Immer von sich der Autor von seinem teilweise doch arg erdrückenden und wie schon angesprochen aus zahlreichen Versatzstücken anderer Autoren zusammengesetzten Hintergrund etwas entfernt und sich alleine auf einzelne Handlungsabschnitte konzentriert, gewinnt der Roman an Tiefe und Leben. As klassischer, dogmatischer Held und inzwischen einer der erfahrensten Wölfe gelingt es Valentine, seine kleine Truppe ein ähnlich unwahrscheinliches Szenario überleben zu lassen wie es John Connor gegen die Terminator geschafft hat. Für Leser ist es am sinnvollsten, das Hirn einfach auszuschalten und die einzelnen Szenen wie bei einen guten, aber nicht zum Nachdenken anregenden Actionthriller vor den Augen passieren zu lassen. In dieser Hinsicht funktioniert “Vampire Earth”
am Besten. Hoffentlich überwindet Knight die spürbaren Schwächen eines Erstlingsromans und fügt seiner dunklen Endzeitvision in den beiden folgenden Romanen „Wolfsdämmerung“ und „Donnerschläge“ - die Titel suggerieren leider schon den zukünftigen Handlungsverlauf - noch einige originelle Ideen hinzu. Aus der Prämisse hätte Knight deutlich mehr machen können, zu sehr konzentriert er sich auf eher eindimensionale und leider nicht sonderlich interessante Charaktere und eine Reihe von dann allerdings gut geschriebenen Actionversatzstücken.
E.E. Knight: "Vampire Earth- Tag der Finsternis"
Roman, Softcover, 448 Seiten
Heyne- Verlag 2009
ISBN 9-7834-5352-6181
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