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Science Fiction (diverse)



Andreas Brandhorst

Kinder der Ewigkeit

rezensiert von Thomas Harbach

Nach dem Abschluss seiner in ferner Zukunft spielenden „Kantaki“ Serie und dem zumindest kommerziellen Erfolg des Gegenwartsthriller „Äon“ kehrt Andreas Brandhorst mit „Kinder der Ewigkeit“ nicht nur in die ferne Zukunft zurück, sondern legt wahrscheinlich auch den Grundstein für eine neue, vielschichtige Science Fiction Serie. Die Komplexität des Hintergrunds mit unter anderem einer Elite von Unsterblichen; Gentechnik; politischen Ränkespielen und ein an das die Rhodanserie angelegtes Transmittersystem spricht gegen die Idee eines Soloabenteuers.

Der eigentliche Plot ist schnell erzählt und wirkt auch nicht sonderlich originell. Esebian arbeitet seit vielen Jahren als Wissenschaftler und Forscher. Eines Tages holt ihn seine Vergangenheit ein. Ein Unbekannter kennt seine Identität als Auftragsmörder und bietet ihm an, einen ganz besonderen Auftrag zu übernehmen. Neben der außerordentlichen Bezahlung – dabei handelt es sich nicht nur um Geld, sondern teilweise in Meriten, mit denen die Unsterblichkeit gesichert werden kann – wird der Fremde über Esebians Vergangenheit schweigen. Das potentielle Opfer ist eine der mächtigsten Männer der Galaxis, ein Unsterblicher. Die Exposition des Romans ist klar umrissen. Bevor der Leser Esebian überhaupt richtig kennenlernen kann, wird an seinem Schicksal das Drehmoment des Brandhorstschen Universums erläutert. Um unsterblich zu werden, muss Esebian sich als Wissenschaftler 50.000 Meriten verdienen. Zum Vergleich erhält der später gegen ihn ermittelnde „Polizist“ 5000 Meriten. Ziel ist die Unsterblichkeit. Brandhorst deckt zumindest impliziert auf, dass es sich bei Esebian um einen der talentiertesten Berufskiller seiner Zunft handelt. Wie auch an anderen Stellen des Buches gibt sich Andreas Brandhorst nicht mit Mittelmäßigkeit ab. Die Vorbereitung auf den Anschlag erfolgt minutiös, wobei die Zusammenhänge sich dem Leser nicht immer entschließen. Der eigentliche Mordanschlag wird im vorübergehen erzählt. Im letzten Drittel des Buches weiß der Leser, warum Andreas Brandhorst diese spannungstechnische Sequenz nicht weiter ausschmückt. Kaum hat Esebian seine Pflicht getan, wird er zum Freiwild erklärt und von mehreren Seiten gehetzt. Zum einen beginnen die Ordnungskräfte nach ihm zu fahnden, seine Persönlichkeit ist schnell bekannt. Zum anderen wollen die Auftraggeber natürlich – welch eine Überraschung – unliebsame Zeugen loswerden. Bis in die Mitte des Buches folgt Andreas Brandhorst auf der rudimentärsten Ebene des Buches teilweise fast sklavisch den Klischees des Thrillers. Esebian erhält Hilfe von gänzlich unerwarteter Seite. Eine junge Frau Leandra mit eher unbestimmt definierten PSI Gaben springt ihm zur Seite und hilft ihm mehrmals mit unterschiedlichen Fähigkeiten aus gefährlichen bis tödlichen Situationen. Diese Deus Ex Machina Variante wird durch eine gemeinsame Vergangenheit – beide stammen aus den Gemischten Gebieten, eine Art moderner „Slum“, aus dem normalerweise keine Unsterblichen kommen können – angereichert. Mit der neuen Helferin an seiner Seite kann Andreas Brandhorst das Spektrum auf zwei Ebenen erweitern. Die Dialoge zwischen den beiden Gejagten geben dem Leser die Möglichkeit, das fremdartig futuristische Universum aus einer persönlichen Perspektive kennenzulernen und zweitens lenkt Andreas Brandhorst von einer möglichen Heroisierung seines Profikillers mit Instinkt wie auch Manieren ein wenig ab. Da Leandra eher zwielichtig angelegt worden ist, bleibt die Möglichkeit einer geschickten perfiden Falle offen. Diese Vorgehensweise erhöht die zwischenmenschliche Dramatik, auch wenn sie an der grundsätzlichen Problematik des Romans nicht viel ändert. Zusätzlich ist es erstaunlich, wie einfach die Beiden mancher raffiniert gestellter Falle entkommen können. Beim außen stehenden Betrachter herrscht das unbestimmte Gefühl vor, als wenn Andreas Brandhorst weniger logisch vorgeht als nach der „Anything Goes“ Methode des amerikanischen Kinos für Bewegung zu sorgen sucht. Koste es, was es wolle. Nach einigen zumindest spannend geschriebenen Szenen dreht Esebias den Spieß um. Natürlich will er Rache an seinen Auftraggebern für den Verrat und natürlich erkennt er, dass sein bisheriges Leben eine Art Farce gewesen ist. Anscheinend haben ihn die Mächtigen des Universums seit seiner Geburt nur manipuliert und gesteuert. Hier schwenkt Andreas Brandhorst in den Bereich der „Matrix“- Verfilmungen bzw. Galouyes „Welt am Draht“ über. Auf den letzten Seiten versucht Esebias, nicht nur die eigene Vergangenheit zu erhellen, sondern im Grunde die Nahtstellen des bekannten Universums auf ihre Festigkeit zu prüfen. Das wirkt am Ende übertrieben. So stellt sich der Mord an einem der legendären Unsterblichen als Teil einer raffinierten Falle heraus, in welche Esebias mit ein wenig besserer Vorbereitung alleine aufgrund seiner Erfahrung nicht hätten tappen dürfen. Insbesondere im letzten Drittel wirkt „Kinder der Ewigkeit“ zu weich, zu ambivalent, zu konstruiert phlegmatisch, um wirklich die immer offensichtlicher werdenden konstruktiven Schwächen und Brandhorsts Hang zum Absolutismus mit einer stringenten und natürlich erscheinenden Handlung auszugleichen.

Esebias als wichtigste Identifikationsfigur durchläuft alle emotionalen Aggregatzustände. Neid, Verlust, Trauer, Ehrgeiz, Misstrauen, Hoffnung und Liebe. In den Rückblenden versucht Andreas Brandhorst Esebias noch ein wenig Tiefe zu geben. Da der Autor den Roman handlungstechnisch außergewöhnlich breit ohne solides Plotfundament erzählt, bleibt ihm ausreichend Raum für Emotionen, die allerdings als Ganzes betrachtet unnatürlich und aufgesetzt wirken. Die größte Schwäche Andreas Brandhorst – eine überzeugende Charakterisierung der handelnden Personen – setzt sich nahtlos fort. Die PSI begabte Leandra – später entpuppt sie sich als internierte Psychopathin – wird von Brandhorst bis zum Ende des Buches mit einer Mischung aus subjektivem Misstrauen ihr gegenüber und kindlicher Naivität in einem starken Kontrast zu ihren überdurchschnittlichen und im Grunde im Verlaufe des Romans anwachsenden Fähigkeiten. Am zugänglichsten ist Akir Thalon als Ermittler. Auf der einen Seite ist er ein im Grunde in der Gemeinschaft aufgehender treuer Opportunist, der im Kern mit seinen Aufgaben wächst, sich aber bislang nicht über die jeweilige Mission gestellt hat. Bei der Aufklärung von Verbrechen kennt er weder Freund noch Feind. Auch heimliche Zugeständnisse oder Klüngelwirtschaft sind
Ihm zuwider. Thalon ist nicht der klassische Beamte, aber Andreas Brandhorst agiert positiv gegen das Klischee des Schnüfflers. Von allen Figuren ist Thalon am dreidimensionalsten angelegt. Die grauen Eminenzen – in erster Linie die Unsterblichen – agieren dagegen zu schematisch, so das ihre Ränkespiele teilweise dem Roman sogar die Spannung nehmen.
Plottechnisch wirkt allerdings viel gedehnt, bemüht und übertrieben erläutert. Was kurz und prägnant erzählt werden könnte, zieht sich durch viele Seiten. Wie schon angesprochen ist der grundlegende Plot rudimentär und zu einfach gestaltet.
Fleisch erhält „Kinder der Ewigkeit“ durch Brandhorst nicht immer wirklich überzeugende Exkurse in den Bereich des Philosophischen. Lohnt es sich, unsterblich zu sein? Die Frage beantwortet der Autor eher mit Phrasen, da die meisten Charaktere ja fast verzweifelt nach den Meriten für die Unsterblichkeit hinterher jagen. Dass die Forschung positiv die Arbeit als notwendiges Übel ersetzt, wirkt dank des kommunistisch- sozialistischen Ansatzes antiquiert. Auf wirtschaftlicher – politischer Ebene bleibt Andreas Brandhorst vage und unbestimmt. Nur das Notwendige dieses Oligarchenrats wird offenbart. In diesem Punkt lässt der Hintergrund zu viele Fragen offen. Auch die körperlichen Veränderungen erinnern eher an moderne Interpretationen des Cyberpunks. Hier geht Andreas Brandhorst keinen Schritt weiter als zum Beispiel Charles Stross oder M. John Harrison. Er wiederholt eher deren vor einigen Jahren innovative Ideen und bewegt sich grundsätzlich auf einem sicheren als herausfordernden Terrain.
Zu den Stärken Brandhorst gehören die exotischen Handlungsplätze. Sie ragen auch aus dem vorliegenden Epos heraus. Mit viel Gefühl gelingt es dem Autoren, eine überzeugende Zukunft mit einem farbenprächtigen, wenn auch breiten Pinsel zu malen. Brandhorst erreicht zwar nicht das Niveau seiner früheren in erster Linie bei BASTEI erschienen Romane, er unterstreicht allerdings, dass er zu den besten Erzählern und Visionären der deutschen Science Fiction in der Gegenwart gehört. Negativ ist, dass der Roman ohne Probleme um mindestens ein Drittel kürzer hätte ausfallen können. Auch die Paperbackveröffentlichung hätte nicht sein müssen. Das Schriftbild ist großzügig und die Kapitel sind mit viel Platz voneinander getrennt. Im Vergleich zu seinem ersten „Kantaki“ Roman ist „Kinder der Ewigkeit“ handlungstechnisch eine allenfalls solide, aber nicht wirklich inspiriert konstruierte Geschichte mit viel Schein und leider zu wenig Sein.

Andreas Brandhorst: "Kinder der Ewigkeit"
Roman, Softcover, 688 Seiten
Heyne- Verlag 2010

ISBN 9-7834-5352-6105

Weitere Bücher von Andreas Brandhorst:
 - Das Artefakt
 - Die Stadt
 - Die Stadt
 - FeuerstĂĽrme
 - Feuerträume
 - Feuervögel
 - Lemuria 3 - Exodus der Generationen
 - Pan-Thau-Ra 2. Die TrĂĽmmersphäre
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