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Science Fiction (diverse)



Peter Watts

Wellen

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Wellen“ legt der Heyne- Verlag den Abschlussband der „Rifters“ Trilogie des amerikanischen Autoren Peter Watts in einem Band vor. In den USA ist der nicht sonderlich umfangreiche Science Fiction Roman unter den eher nichts sagenden und sicherlich keineswegs den Verkauf fördernden Titeln „Behemoth B- Max“ und „Behemoth: Seppuku“ veröffentlich worden. Im Gegensatz allerdings zu vielen Autoren, deren Bücher dank der Verlage einfach in zwei mühsam voneinander getrennte Teile aufgesplittet worden sind, macht es durchaus Sinn, aus der „Rifters“- Trilogie eine Tetralogie zu machen. Der erste Band beschreibt in der Gegenwartsform die Ereignisse, die unter und auf dem Meer spielen, während das zweite Buch in der Vergangenheitsform geschrieben sich überwiegend auf die Geschehnisse auf dem Land konzentriert. Der Spannungsbogen wird durch diese Trennung wenig berührt. Unabhängig von dieser Tatsache ist der Heyne- Verlag für die Idee zu loben, die beiden Romanteile wieder zusammenzufügen und ein zufrieden stellendes Preisleistungsverhältnis ausnutzend in einem Band zu veröffentlichen. Es ist aber unbedingt empfehlenswert, die ersten beiden ebenfalls bei Heyne veröffentlichten Werke im Vorwege zu lesen. Watts bezieht sich zwar immer mittels Einschüben und Dialogen auf die ersten Bücher, aber viele notwendige und wichtige Details bleiben den Neueinsteigern verborgen.

Zwischen den ersten beiden Teilen der „Rifters“ Serie und dem vorliegenden Abschlussroman sind fünf Jahre vergangen, seit dem der Rifter Lenie Clarke die tödliche Mikrobe Behemoth als Rache gegenüber der Menschheit freigelassen und verteilt hat. Die Ökologie und einhergehend die Ökonomie sind insbesondere in Nordamerika zusammengebrochen. Es gibt keine effektiven Mittel gegen diesen Supervirus. Eine weitere Gefahr droht durch die Anhänger von Clarke, die in seinem Canossa- Gang zur Verteilung des tödlichen Virus religiöse Motive ableiten. Tief unter dem Meer in der natürlich geheimen Forschungsstation Atlantis haben bislang die wichtigsten Konzernführer zusammen mit der Besatzung der Station und den letzten Rifters, den biologisch genetisch veränderten Menschen, überlebt. Die Konzernführer haben durch ihre Handlungen Clarkes Amoklauf erst möglich gemacht und gefördert. Natürlich leiden die vielen Menschen unter dem beengten Raum und die Spannungen drohen zu einer gewalttätigen Konfrontation zwischen den Funktionären und den bislang eher abfällig behandelten „Arbeitern“ auszuarten. Lenie Clarke wird inzwischen von Selbstzweifeln und Depressionen geplagt. Zusammen mit dem Auftragskiller Ken Lubin, der seinen Auftrag sie zu töten nicht ausführen konnte und sich inzwischen mit ihr befreundet hat, befindet sie sich ebenfalls innerhalb des Habitats. Gleich zu Beginn des Romans müssen die Bewohner des Habitats erkennen, dass eine weitere inzwischen genetisch veränderte Form des Virus sie auch tief unter der Meeresoberfläche bedroht. Auch scheint es nur auf der ersten Blick so, als trage Lenie die alleinige Verantwortung für die Verbreitung des Virus. Lennie und Ken müssen sich in der zweiten Hälfte des Romans wieder an Land begeben, um nach einem bislang verborgenen hinterhältigen Feind zu suchen.

Wie die ersten beiden Bücher hat Peter Watts den Abschluss seiner Trilogie als geradlinige, spannende Wissenschaftsthriller konzipiert, deren Handlungsgrundkonzept allerdings im Vergleich zu seinen bisherigen Arbeiten weniger interessante und vor allem innovative Aspekte präsentiert. Spätestens ab der Mitte des Buches sind die Abläufe klar zu erkennen und folgen klassischen Schemata. Ein wenig mehr plottechnische Überraschungen hätte sich der Leser hier gewünscht. Diese offensichtliche Schwäche gleicht der Autor allerdings durch einen Roman aus, der auf verschiedenen intellektuellen Ebenen und mit einem überraschend dreidimensionalen, fremdartigen Hintergrund versehen den Leser anspricht und zum Nachdenken anregt.

Im Mittelpunkt insbesondere der zweiten Hälfte des Buches stehen die am meisten überzeugend herausgearbeiteten Figuren Ken und Lennie. Die erste Hälfte des Buches wird von Fragen der Schuld/ Mitschuld und der Verantwortung für die eigenen Taten dominiert. Dieses philosophisch für einen Unterhaltungsroman solide aufgearbeitete Szenario im Kleinen extrapoliert der Autor mit dem vorliegenden Schlussband zynisch ins Große. Zwar impliziert der Autor, das Verantwortung zukünftig ein kleiner Teil eines genetisch veränderten Gehirns sein wird, aber in der Auseinandersetzung mit dem Großkapital und ihrem verantwortungslosen Profitdenken markiert der Autor seine antikapitalistischen, aber nicht sozialistischen Ideale. Theologisch könnte ein Leser aber Peter Watts als Schwäche auslegen, dass seine wichtigsten Protagonisten im Grunde Sozio – bzw. Psychopathen sind. Dank der verschiedenen genetischen Experimente sind nicht nur ihre Persönlichkeiten verändert, sondern vor allem ihre sozialen Strukturen – so weit überhaupt vorhanden – aufgelöst worden. Im Verlaufe des Plots arbeitet Peter Watts als einzigen positiven Strang in seinem dunklen, nihilistischen und kritischen Roman heraus, dass das menschliche Sozialverhalten nicht auf seine chemischen Komponenten – eine gewagte These, die schon im ersten Buch der Serie eher oberflächlich und nur den Plot treibend herausgearbeitet worden ist – reduziert werden kann. Die Balance zwischen stereotypen Musterbeispielen und dreidimensionalen, überzeugend und Sympathien erweckenden Charakteren ist im vorliegenden Band etwas besser als insbesondere im ersten, teilweise zu prophetisch provozierend geschriebenen Roman der Serie. Insbesondere die Odyssee an Land – im Grunde eine Umkehrung der Reise, die Leslie Clarke bei der Verbreitung des Virus gehen musste – bringt den Leser Watts Charakteren deutlich näher und schleift eine Reihe von Ecken und Kanten ab.

Unabhängig von der moralischen Handlungsebene extrapoliert der Autor den Frankensteingedanken. Bis zu welchem Grad sind die Rifters noch menschlich zu nennen und wann werden sie zu Abstraktionen ihrer Schöpfer? Das enge Zusammenleben in dem Habibat bringt nicht nur die Spannungen zwischen den beiden Gruppen – Kreatur und Schöpfer – hervor, es überbrückt auch die Differenzen. So nähern sich Leslie Clarke und Pat Rowan, der Anführer der „Corpses“, wie die Menschen genannt werden – nach den Spannungen insbesondere im ersten Band wieder an. Peter Watts bietet seinen Lesern kein Happy- End an, aber reicht zumindest die Hand zur Versöhnung. Sicherlich auch bedingt durch die Tatsache, dass wie früh erkennbar die „Nichtmenschen“ den Schlüssel zur Rettung der inzwischen fast ausgerotteten Menschheit in den Händen halten.

Peter Watts „Rifters“ Serie überzeugt aber in erster Linie durch den vom Autoren hervorragend extrapolierten und kraftvollen beschriebenen Hintergrund. Wirkte schon die Tiefseewelt bizarr, fremdartig und doch irgendwie latent vertraut, beschreibt der Autor im vorliegenden dritten Band der Serie ein klassisches Postdoomsdayszenario. Die Menschen haben sich in wenige kleine isolierte Städte zurückgezogen, deren Schutzmaßnahmen – wie alle wissen – nur für eine begrenzte Zeit wirksam sind. Im Meer selbst beginnen sich die Rifters zu verändernden und nähern sich evolutionstechnisch den anderen Meeresbewohnern. Die beiden Entwicklungen beschreibt der Autor insbesondere auch in der guten deutschen Übersetzung mit intensiven sprachlich gut gestalteten Bildern. Die Exzesse der Umweltkatastrophe werden ausführlich beschrieben und Peter Watts Roman durchzieht von der ersten Szene an eine nihilistische deprimierende Stimmung. Im Vergleich zu anderen Postdoomsday- Geschichten – dabei reicht das Spektrum von „Twelve Monkeys“ bis „Die letzte Flut“ aus der Feder Stephen Baxters – bewegt sich der Autor auf einer Ebene mit „The Road“, dieser kargen dunklen und unbestimmten Überlebensgeschichte. Im Gegensatz allerdings zu dem sehr viel intensiver und kompakter geschriebenen Roman setzt sich Peter Watts in seiner Trilogie nicht nur mit den Folgen auseinander, sondern untersucht teilweise interessant spekulierend die Ursachen, deren Wurzeln schon heute laut seiner Ansicht in den Menschen stecken. Das macht die drei Romane brisant und aktuell. Alle drei Romane zusammengenommen hauchen nicht nur dem inzwischen wieder ungeheuer populär gewordenen Postdoomsday- Subgenre neues bizarres Leben ein, sie gehören aufgrund ihres solide recherchierten und in Anhängen sorgfältig erläuterten wissenschaftlichen Hintergrund, den dunklen, ohne Kompromisse entwickelten Figuren und einer soliden, sich am Actionfilm orientieren intelligenten Handlung zu den lesenswertesten Veröffentlichungen der letzten Jahre.

Peter Watts : "Wellen"
Roman, Softcover, 688 Seiten
Heyne- Verlag 2009

ISBN 9-7834-5352-5658

Weitere Bücher von Peter Watts :
 - Abgrund
 - Blindflug
 - Mahlstrom

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