Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: SachbĂĽcher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Sergej Lukianenko

Sternenschatten

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem Roman „Sternenschatten“ liegt die unmittelbare Fortsetzung und der Abschluss von Lukianenkos schon 1998 in Russland veröffentlichten „Sternenspiel“ vor. Dieser Doppelroman ist die bislang früheste Veröffentlichung seines umfangreichen Werkes in Deutschland. Vorher hatte Lukianenko unter anderem in Zusammenarbeit mit Juli Birkin drei Trilogien verfasst, die eine interessante Mischung zwischen Robert A. Heinlein und dem russischen Autoren Wladislaw Petrowitsch Krapiwin. Sowohl Heinlein als auch Krapiwin haben phantastische Jugendbuchabenteuer geschrieben. Lukianenko ist im Verlaufe seiner sehr erfolgreichen Karriere immer wieder in den Bereich des Jugendbuches zurückgekehrt. „Sternenspiel“ und „Sternenschatten“ orientieren sich eher an der wissenschaftlichen Phantastik der Brüder Strugazki. Ganz bewusst spielt Lukianenko unter anderem auf deren Roman „Ein Käfer im Ameisenhaufen“ an. Sehr auffällig ist die Kritik an der kommunistischen Weltverbesserungspolemik insbesondere der späten achtziger und frühen neunziger Jahre. Sowohl die Strugazkis als auch Lukianenko halten impliziert dem Kommunismus und damit den Parteiobrigkeiten den Spiegel ins Gesicht. In seinen späteren Werken beginnend mit der „Wächter“- Tetralogie parodiert Lukianenko auf der einen Seite die melancholische Wehmut der Russen nach der guten alten Zeit, verteufelt die Vergötterung jeglicher westlicher Kultur auf der anderen Seite. Die Fingerübungen lassen sich aus dem vorliegenden Roman gut ablesen.

Mit den übermächtigen Außerirdischen seines intergalaktischen Sternenreiches hat Lukianenko die entsprechenden politischen Antagonisten entwickelt, die gegen den Willen der kommunistischen Mächtigen verbessernd in das politische System der Erde eingreifen können, während der Kommunismus noch an seinem Sendungsbewusstsein erstickt. Nicht umsonst dienen die Menschen als Transporteure auf der niedrigsten Kastenstufe in dem intergalaktischen Reich. In der bestehenden Ordnung muss man sich Hocharbeiten bzw. Hochdienen. Als die bestehende Ordnung mit dem Auftreten der Menschen verblüffend ähnlich aussehenden Geometern durcheinander gebracht wird, schlägt die Stunde Pjotr Chrumows. Er schlich sich aufgrund seiner Ähnlichkeit bei ihnen ein und kundschaftete sie fast in der Tradition des Western aus. Dabei hat er erkannt, dass bei einem Konflikt zwischen der herrschenden Konklave und den Geometern von der Menschheit nichts mehr übrig bleiben würde. Augenscheinlich sind in erster der arg konstruierten Sequenzen des Buches die Geometer aus dem Zentrum der Galaxis in den Bereich der Konklave geflohen. Sollte es gegen alle logischen Wahrscheinlichkeiten im Zentrum eine dritte Kraft geben, die als Feind der Geometer logischerweise ein Verbündeter der Menschen sein könnte? Natürlich macht sich Pjotr in der vorliegenden zweiten Hälfte des Doppelromans in das Zentrum der Galaxis auf, um nach Verbündeten zu suchen.

Mit knapp über tausendzweihundert Seiten leidet der vorliegende Doppelband allerdings auch noch unter der Unerfahrenheit des Autoren. Die Ziele sind klar: auf der einen Seite einen farbigenprächtigen und spannenden Abenteuer- Science Fiction Roman zu schreiben, auf der anderen Seite die gesellschaftskritischen Strukturen der wissenschaftlichen Phantastik zu extrapolieren.

Die Suche von Pjotr nach den Schatten im Zentrum der Galaxis, die Unsterblichkeit gegen einen radikalen Individualismus – das Feindbild des Kommunismus schlechthin – versprechen, wird zu sprunghaft erzählt. Einzelne Episoden reihen sich aneinander, aber im Gegensatz zu seinen späteren Werken fällt der rote Faden. Vor allem springt Lukianenko eher hektisch von einem markanten Punkt zum nächsten, ohne die entsprechenden Szenen spannungstechnisch vorzubereiten und zufrieden stellend zu erzählen. Die wenigen originellen Wendungen insbesondere gegen Ende des Buches können den phlegmatischen und teilweise langweilig belehrenden Eindruck nicht widerlegen. Im Verlaufe des vorliegenden Bandes hat der Leser immer verstärkter den Eindruck, als wolle Lukianenko seine gesellschaftliche Kritik gegenüber der Handlung in den Vordergrund stellen und verzichtet ganz bewusst auf eine stringente, spannende Erzählstruktur. Anstatt seinen skurrilen, aber interessant gezeichneten Charakteren einen entsprechenden Freiraum zu geben, unterbricht der Autor die laufende Handlung durch seitenlange Beschreibungen von uninteressanten Hintergründen. Weiterhin versucht der Autor auf einer pseudophilosophisch penetrant aufdringlichen zweiten Erzählebene, seinem Werk Tiefe zu geben. In dieser Hinsicht verwickelt sich Lukianenko teilweise in erschreckende Widersprüche. Parodistische Ansätze lassen sich in diesen Sequenzen nicht erkennen, also scheint es der Russe wirklich ernst zu meinen. Anstelle einer satirischen Kritik am herrschenden verblendeten Kommunismus mit seiner Pseudophilosophie verstrickt sich der Autor dank seines Alter Egos Pjotr in martialische Durchhalteparolen.

So ist Pjotr überrascht, dass er bei der Begegnung mit den Schatten nicht auf die überzivilisierten Fremden trifft, sondern ein Volk, das Konflikte lebt und nicht scheut. Die Distanz zwischen den Kultur und dem überdimensionalen und damit leider auch zu klischeehaften gezeichneten menschlichen Helden wird zu schnell überbrückt. Der fehlende Respekt Pjtors gegenüber den Fremden greift seiner „Wächter“ Tetralogie vorweg, in welcher sich der Autor sehr gerne über verschiedene Klischees des Genres lustig gemacht hat. Im vorliegenden Roman funktioniert die Parodie zu wenig und die Ideen-Science Fiction, welche Lukianenko anbieten möchte, endet in absurden Thesen und Antithesen. Ohne den Reflektionsboden einer lesenswerten Handlung bleibt vieles Stückwerk. Zumal die Schatten zu eindimensional und zu wenig überraschend beschrieben worden sind. Eine weitere Schwäche liegt in der Tatsache begründet, das am Ende des Buches alles zu einfach, zu schnell geht. Immerhin hat Pjtor die halbe Galaxis durchquert, um die Schatten zu finden und die Warnung, sich mit einem derartig mächtigen Volk anzulegen, das er als Verbündete unbedingt braucht, wird ohne nähere Begründung in den Wind geschlagen.

Umfangtechnisch hätte der Doppelroman um die Hälfte gekürzt werden können. Die interessante Zeichnung einer Handvoll von Nebenfiguren in Kombination mit wenigen wirklich guten Ideen kann die pseudointellektuellen und sehr oberflächlichen elfenbeinturmähnlichen Gedankenmodelle Lukianenkos nicht negieren. Die Fähigkeit der Strugazkis, komplexe Gedankenmodelle sehr einfach, aber niemals simpel zu beschreiben, erreicht der russische Autor trotz aller Bemühungen zu keiner Phase des vorliegenden Romans. Im Vergleich zu seinen späteren Romanen fehlen ihm auch die erzählerische Leichtigkeit und eine ansprechende Ideenvielfalt. Sowohl „Sternenschatten“ als auch „Sternenspiel“ stehend sinnbildlich für die positive Entwicklung Lukianenkos als Schriftsteller, die der Russe in den letzten zehn Jahren durchlaufen hat. Insbesondere der Heyne- Verlag hat sich in den letzten Jahren angewöhnt, einen Autoren mit seinen besten Büchern markttechnisch zu testen und zu etablieren. Danach kommen ohne Hinweis auf das Alter der Bücher die schwächeren, früheren Werke und verderben den teilweise guten Ruf, den sich ein Erzähler wie Lukianenko aufgebaut hat.

Sergej Lukianenko: "Sternenschatten"
Roman, Softcover, 624 Seiten
Heyne- Verlag 2009

ISBN 9-7834-5352-5535

Weitere Bücher von Sergej Lukianenko:
 - Das Schlangenschwert
 - Der falsche Spiegel
 - Der Herr der Finsternis
 - Die Ritter der vierzig Inseln
 - Labyrinth der Spiegel
 - Spektrum
 - Sternenspiel
 - Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel
 - Weltengänger
 - Weltenträumer
 - Wächter der Ewigkeit
 - Wächter der Nacht
 - Wächter des Morgen

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::