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Science Fiction (diverse)



John Scalzi

Androidenträume

rezensiert von Thomas Harbach

Alleine der Titel des insgesamt vierten John Scalzi Romans sagt fast alles: The Android´s Dream. Alles nur geträumt? Die Anspielung auf Philip K. Dicks „Do Androids dream of electric sheeps?“ betrifft nicht nur den Titel, sondern auch Teile des vorliegenden Romans. Im Gegensatz zu den militärisch angehauchten, sehr geradlinigen und teilweise ausgesprochen brutal dunklen ersten Romanen versuchte sich der Amerikaner John Scalzi an einer ausgesprochenen Farce. Viele Kritiker sprachen bei seinen bisherigen Arbeiten „Old Man´s War“ oder „The Ghost Brigade“ von Werken, die von Robert A. Heinlein durchaus inspiriert worden sind. Im vorliegenden Band geht Scalzi einen Schritt weiter und nimmt insbesondere Heinleins „Weltraummolusken erobern die Erde“ direkt auf die Schippe. In den Actionszenen extrapoliert der Autor die aktuellen James Bond Films ins All, ohne auf das Einstreuen einer Prise John Waters zu verzichten. Selten hat der Leser auf den ersten Seiten so viele Anspielungen auf nicht immer angenehme Körperdufte lesen können wie im vorliegenden Buch. Wer mit dem provozierend schlechten Geschmacks eines John Waters nichts anfangen kann, wird den Roman nach den ersten Seiten enttäuscht und frustriert zur Seite legen. Oberstes Gebot ist bei der Lektüre, nichts und niemanden ernst zu nehmen. Ansonsten funktioniert das vorliegende Buch nicht. Unabhängig von seinen diversen Anspielungen auf Körperöffnungen und ihre Ausdünstungen finden sich die schon aus seinen vorangegangenen drei Büchern bekannten kritischen Anmerkungen zu jeglicher politischer Betätigung der Menschen. Immer wieder entlarvt er insbesondere Verantwortliche als egoistische Opportunisten, die lieber das Hemd des Nachbarn – aber niemals das eigene – verkaufen, um einen scheinbaren Vorteil zu wahren. Im Rahmen seiner politischen Satire entlarvt er sowohl Generäle als auch die Regierungsorgane als hilflos überfordert. Den Menschen gegenüber stehen die natürlich absolut fremdartigen Außerirdischen, die neben ihren grotesken Paarungsverhalten und Eßgewohnheiten eines gemeinsam haben: sie sind in ihrer Bauernschläue den Menschen überlegen. Über die technische Seite brauchen wir nicht zu sprechen. Während Scalzi in seinen lose zusammenhängenden ersten drei Romanen auf die heroischen Tugenden oder Untugenden aus Heinleins „Sternenkrieger“ zurückgegriffen hat, nähert er sich postmodern Keith Laumers ungewöhnlich unterhaltsamen „Retief“ Büchern an. Der schwarze britische Humor liegt allerdings dem Amerikaner weniger. Im Gegensatz zum Diplomaten Retief, der mit Intelligenz und einer gewissen Subversivität seine aussichtslosen Missionen zumindest vor dem eigenen Gewissen zufrieden stellend erledigte, greift Scalzi teilweise massiv zu Holzhammermethoden.

Die Vorgehensweise lässt sich sehr gut an Hand des Auftaktkapitels nachvollziehen. Die Menschen sind unbedeutende Mitglieder des intergalaktischen Commonwealth. Sie haben eine eher brüchige Allianz mit den technisch überlegenen Nidu, einer unsympathischen, arroganten und aggressiv reaktionären Rasse, die in erster Linie durch Gerüche kommuniziert. Die Nidu haben die Truppen der Erde schon einmal in einen Aufstand auf einem Kolonialplaneten einbezogen, der mit einer vernichtenden Niederlage für die irdischen Truppen endete, während die Außerirdischen rechtzeitig im wahrsten Sinne des Wortes ihre Schäfchen in Sicherheit gebracht haben. Reaktionäre Kräfte auf der Erde wollen dem Treiben der Fremden einen Riegel vorschieben und planen ein perfides Attentat auf den Handelsattache der Nidu. Das Ziel ist eine größere Anerkennung durch den Commonwealth und eine Machtbeschneidung der Nidu. Während einer Handelskonferenz tötet ein menschlicher Attentäter die Botschafter, in dem er aus einer in seinen Hintern hineinoperierten Sonde Gase entweichen lässt, die für die empfindlichen Fremden tödlich sind. Jegliche diplomatische Bemühungen, diese Provokation aus der Welt zu schaffen und die Luft wieder zu reinigen, scheitern und die Nidu drohen, die Menschen vom blauen Planeten zu pusten. In letzter Sekunde bieten die Nidu einen Kompromiss an. Die Menschen sollen ihnen helfen, eine Rasse von genetisch manipulierten Schafen zu finden – daher der Titel „Android´s Dream“ für den Roman und die Kunstrasse -, welche die Nidu in den Mittelpunkt ihrer in einer Woche beginnenden Zeremonie stellen wollen. Sollten die Menschen diese „Mission Impossible“ erfolgreich beenden, wäre das Attentat auf die Botschafter natürlich vergeben und vergessen. Ansonsten können die überdimensionalen Raumschiffe im Orbit um die Erde natürlich nur aus Versehen einige überdimensionale Bomben verlieren. Washington beauftragt Harry Creek, einen Veteranen aus den Kolonialkriegen, mit dieser Mission. Bislang hatte Creek immer die undankbare Aufgabe, Mitgliedern fremder Rassen schlechte Botschaften zu überbringen. Während die Nidu seiner Mission wohlwollend zuschauen, gibt es genügend Gruppen auf der Erde und anderen außerirdischen Welten, welche die künstlichen Schafe mittels eines Virus immer rechtzeitig töten und somit Creeks Auftrag sabotieren. Bis er das Unmöglich schafft und an einem außergewöhnlichen Ort ein einziges Schaf findet.

Wie in seinen ersten Romanen greift John Scalzi auf einen erfahrenen und mit allen Wassern gewaschenen Veteranen alsTypus klassischer Held zurück. In „Old Man´s War“ sind die alten Menschen in junge Körper gesteckt worden, sie verfügten nicht unbedingt über die entsprechende Kampferfahrung, aber zumindest eine nicht zu leugnende Lebenserfahrung. Harry Creek ist aus ähnlichem Holz geschnitzt. Wieder ein Querdenker, der sich mit einer Prise Zynismus durch unmögliche Missionen schlägt und dabei opportunistisch die eigene Haut zu erst rettet. Scalzi macht nicht den Fehler, seiner parodistischen Farce auch einen lächerlichen oder weichen Protagonisten hinzuzufügen. So bewegt sich der Autor immer auf der richtigen Seite der Satire. Neben dem überzeugend gezeichneten Protagonisten in einer im Grunde aus jeglichen Angeln der Vernunft oder der Logik gerissenen Welt greift Scalzi auf seine besondere Fähigkeit zurück, Actionszenen nicht nur rasant, sondern unglaublich packend zu beschreiben. Wie es sich für eine futuristische James Bond Parodie gehört, muss der Agent aller Erdenbürger seine Mission unter einem gewissen, im Grunde unmöglich zu bewältigenden zeitlichen Druck abschließen. Zu den dramatischen Szenen des Buches gehört eine Kampfszene in einem überdimensionalen Einkaufszentrum und mit einer Verbeugung vor „Speed 2“ eine wilde Verfolgungsjagd inklusiv der Flucht in der letzten Sekunde von einem intergalaktischen Luxusliner. In den Szenen, in denen sich Creek direkt seinen Antagonisten stellen muss, verzichtet Scalzi über die grotesken Beschreibungen hinaus auf Humor oder Satire. Diese Kapitel sind geradlinig, dunkel und bedrohlich geschrieben. Auf den ersten Blick stehen sie in einem starken Kontrast insbesondere zum geschmacklos riechenden Auftakt des Romans, aber dieser stetige Wechsel zwischen lustig und ernst funktioniert im vorliegenden Buch sehr gut. Der Leser hat zumindest abschnittweise das Gefühl, als ginge es Scalzi erst einmal darum, eine Geschichte zu erzählen und dann erst, die Farce weiterzuentwickeln. Die wilde Jagd durch das Universum erinnert stellenweise an eine überdrehte Parodie auf die nicht weniger überdrehten und satirischen Douglas Adams Romane „The Long Dark Tea Time of the Soul“ und insbesondere „So Long and Thanks for all the Fish“.

Zu den Stärken des Buches gehört die Charakterisierung der Mitglieder diverser Randgruppen, denen Harry Creek auf seiner Jagd nach den elektrischen Schafen begegnet. Vo n den furzenden Attentätern über eine der Scientology Sekte nachempfundene religiöse Gemeinschaft von Schafliebhabern bis zur obligatorischen künstlichen Intelligenz namens Brian. Die Nidu als Fleischfresser knüpfen gleich zu Beginn des Romans ihre Kontakte zu einem Metzger, der früh an einem Herzinfarkt stirbt. Insbesondere auf den ersten Seiten hat der Leser das Gefühl, einen kontinuierlichen Appell eines Vegetariers an seine Mitmenschen zu lesen.

„The Android´s Dream“ funktioniert im Vergleich zu einigen anderen modernen Parodien - siehe John Clutes unlesbarem Roman „Appleseed“ - deutlich besser, weil der Autor über weite Strecken die Balance zwischen intelligenter, manchmal ein wenig platter und in der deutschen Übersetzung sicherlich unlustiger Satire und klassisch geradliniger Space Opera beherrscht. Die Auflösung des Plots ist dem Autoren vor allem im Vergleich zu der Hintergrundgeschichte des letzten überlebenden elektrischen Schafes zu profan, zu konstruiert. Unabhängig von den angesprochenen kleineren Schwächen ist Scalzis Buch eine gut lesbare Space Opera Parodie, an welche sich die Anhänger seiner bisherigen der Military SF zugehörigen Werke erst gewöhnen müssen.

John Scalzi: "Androidenträume"
Roman, Softcover, 493 Seiten
Heyne 2009

ISBN 9-7834-5352-5047

Weitere Bücher von John Scalzi:
 - Agent der Sterne
 - Der wilde Planet
 - Die letzte Kolonie
 - Geisterbrigaden
 - Krieg der Klone
 - Zwischen den Sternen

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