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Science Fiction (diverse)



Sergej Lukianenko

Sternenspiel

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Sternenspiel“ legt der Heyne- Verlag den ersten Band einer offensichtlichen Trilogie des „WĂ€chter der Nacht“ Zyklus Sergej Lukianenko vor. Es ist nicht sein erster Ausflug in den Bereich der Science Fiction. Sowohl das Jugendbuch „Das Schlangenschwert“ als auch sein bislang bester Roman „Spektrum“ wie auch die Romane „WeltengĂ€nger“/ „WeltentrĂ€umer“ verbanden sehr viele klassische Elemente der Science Fiction mit Sergej Lukianenkos manchmal sehr angenehmen, dann wieder tendenziösen und vor allem
GeschwĂ€tzigen Plaudertion. Das Vorbild des vorliegenden Romans „Sternenbild“ ist offensichtlich. Die „SternentagebĂŒcher“ eines Stanislaw Lem sollen es sein. Ungewöhnliche Abenteuer eines eher durchschnittlichen Helden in einem futuristischen Universum, das irgendwie die Kontrolle ĂŒber seine verschieden rassigen Bewohner verloren hat. Und mitten drin ein einfacher Mann der Erde, der eher durch Zufall als aufgrund seiner zumindest zu Beginn der Geschichte wenig ausgeprĂ€gten FĂ€higkeiten den SchlĂŒssel fĂŒr das Universum und den ganzen Rest in HĂ€nden hĂ€lt. Ganz bewusst baut der Autor zu Beginn des Buches in einem fast schnodderigen Stil eine lockere AtmosphĂ€re auf. Der Low Tech Ansatz ermöglicht es den Lesern im Vergleich zu den verfremdenden britischen Gothic Space Opera, sowohl die Zukunft einzuordnen als auch zumindest einen leichten Zugang zum weltlichen Problemen zugetanen Protagonisten zu finden. So philosophiert Piotr nicht nur ĂŒber die VorzĂŒge der schönen Uniformen der deutschen Stewardessen und verteilt fĂŒr den Autor krĂ€ftige Seitenhiebe auf die Deutschen, sondern kurze Zeit spĂ€ter muss er zur Ă€rztlichen Tauglichkeitsuntersuchung und versucht die Alkoholexzessen der vorangegangenen Nacht ein wenig zu relativieren. Ein lockerer, leicht parodistischer Auftakt. Eine Art Retrozukunft, in welcher der Leser in erster Linie an die harten Abenteuerthriller eines Alistair MacLeans oder die mosaikartig zusammengesetzten Katastrophenfilme insbesondere der siebziger Jahre erinnert wird. Ohne zu ĂŒbertreiben versucht der Autor den Flug zu den Sternen noch immer fĂŒr den Leser/ die Bevölkerung als etwas Besonderes darzustellen. Die Piloten sind gegenĂŒber dem einfachen Volk zugeknöpft und arrogant. SpĂ€ter gibt es eine herrlich ĂŒberdrehte Notlandung auf einer gesperrten Straße die in der Zerstörung eines Busses voll chinesischer Tomanten kumuliert. Der geschockte Besitzer des Busses beschimpft den notgelandeten Piotr und lĂ€sst sich erst beruhigen, als ihm trotz der eigenen Dummheit eines entsprechende EntschĂ€digung, eine großzĂŒgige EntschĂ€digung versprochen wird. Alles Szenen, welche dem Leser von der grundsĂ€tzlichen Ausrichtung bekannt vorkommen, die im reinen harten Science Fiction Roman bislang keine Verwendung gefunden haben. Dieses lockere ErzĂ€hlen, das ZusammenfĂŒgen von bekannten, fast slapstickartigen Episode in einem Science Fiction Roman gehört zu den StĂ€rken der vorliegenden Geschichte und zeigt, das Sergej Lukianenko wenn er sich diszipliniert und vor allem von der grundlegenden Idee begeistert ist, ein sehr guter Plauderer anstatt reiner ErzĂ€hler ist.

Selbst die Zukunft, welche den Hintergrund dieser ersten Geschichte bildet, ist originell. Nicht ganz ernst zu nehmen, aber interessant ausgestaltet. So gehört die Menschheit in einem galaktischen Konvent zu einer der schwachen Rassen der Galaxis. Die Außerirdischen haben vor Jahrzehnten mit der Erde Kontakt aufgenommen, um es allerdings platt zu sagen, haben die Menschen keine Lobby unter den verschiedenen Völkern dieser Galaxis. Die niedrigen Rassen des Konvents mĂŒssen in diesem eher oberflĂ€chlich beschriebenen und zumindest in der ersten HĂ€lfte des Romans absichtlich wage gehaltenen Sternenbund niedere, aber elementare Aufgaben ĂŒbernehmen. So vertragen die Menschen als einziges Volk den Überlichtsprung, wie die Forschung durch einen Zufall festgestellt haben. So sind die Raumpiloten die FuhrmĂ€nner der Galaxis, sie sind die Dienstboten, aber nicht Kaufleute des interstellaren Handels. Anderen Rassen hat Sergej Lukianenko ganz bewusst funktionelle Namen wie Blinker fĂŒr die Kommunikationsspezialisten oder ZĂ€hler fĂŒr die Rechenspezialisten und ein wenig polemisch StĂ€ubler fĂŒr die niedrigste Kaste zugeordnet. Dieses Kastendenken wird vom Autoren in erster Linie prozyklisch angewandt. Wenn die FĂ€higkeiten den teilweise sehr weitschweifigen Plot vorantreiben, greift der Autor aktiv zu, ansonsten bequemt er sich nur selten, ĂŒber eine Schlagworte hinaus die Außerirdischen zu definieren. So zeigt er sie als willige Opfer der irdischen Kitschbilder in der Tradition des bunten Sonnenuntergangs oder zumindest impliziert des röhrenden Hirsches, die in der Galaxis reißen Absatz finden. Das Kastendenken wird durchbrochen, als Piotr nach einem Überlichtsprung einen außerirdischen blinden Passagier an Bord
Seines Raumes findet, der durch den Sprung nicht wahnsinnig geworden ist. Augenscheinlich konnte er sein Ersthirn ausschalten und damit sich in eine Art Starre versetzen, welche die Folgen des Überlichtsprungs komplett absorbiert hat. Die labile Struktur des Konvents droht nicht nur zu zerfallen, die Menschen als Volk drohen ins Abseits gedrĂ€ngt zu werden. Anstatt diese grundlegende bizarre Idee weiterzufĂŒhren und die Menschen in der Tradition der Romane eines Eric Frank Russells oder Murray Leinsters einen wirtschaftlichen Überlebenskrieg gegen den Konvent fĂŒhren zu lassen, greift Sergej Lukianenko in der zweiten HĂ€lfte des Buches auf eine enttĂ€uschende Ansammlung von Klischees zurĂŒck, die in den folgenden BĂ€nden der Trilogie wahrscheinlich ausgebrochen breit getreten weiter extrapoliert und im letzten Roman auf den letzten DrĂŒcker abgeschlossen werden. So will der blinde außerirdische Passagier natĂŒrlich zur Erde, um die Menschen vor den ĂŒbermĂ€chtigen Feinden des Konvents zu warnen und die Reise des eher unbedarften, ein wenig naiven und stellenweise eindimensional charakterisierten Piotr wird schnell zu einer Überlebensmission fĂŒr die ganze Menschheit. Wie schon angesprochen verliert sich Sergej Lukianenko nach den ersten solide erzĂ€hlten einhundertfĂŒnfzig Seiten in einer Reihe von Klischees. Das beginnt mit dem obligatorischen russischen Großvater, der ohne wirklich eine wichtige Rolle im Roman zu spielen, im zweiten Viertel des Buches ausfĂŒhrlich charakterisiert und dialogtechnisch viel zu lang in die Handlung integriert wird, geht weiter ĂŒber die inzwischen unsĂ€glichen Litaneien ĂŒber russische Gerichte - die Anspielungen auf die amerikanische Esskultur in den WĂ€chter- Romanen sind zumindest lustig bizarr gewesen - und viel schlimmer pathetisch patriotisch ĂŒber den realen Ruhm der russischen StreitkrĂ€fte im großen VaterlĂ€ndischen Krieg bis zu den nicht unbedingt augenzwinkernd gelungenen Seitenhieben auf den fahlen Glanz der eher theoretisch vorhandenen gegenwĂ€rtigen russischen Truppen und endet in einem „Konvent“ Universum, das seltsam rudimentĂ€r extrapoliert worden ist. Mehr und mehr verliebt sich Lukianenko in seiner Monologe und oberflĂ€chlich philosophisch angehauchten Betrachtungen als wirklich den kaum vorhandenen Plot voranzutreiben. Die Taktik, aus der unterhaltsamen, aber auf keinen Fall neuartigen oder innovativen Grundidee des Romans eine umfangreiche Trilogie zu machen, ist allgegenwĂ€rtig und nimmt dem Roman das bisschen Charme der ersten Seiten. Der Versuch, ein russisches Äquivalent zu Douglas Adams oder zumindest in AnsĂ€tzen Stanislaw Lem zu etablieren, ist gescheitert. Die Handlung plĂ€tschert ohne den Druck eines wirklich Plots dahin. Die Witze sind nicht selten schal und erinnern an seine frĂŒheren Romane. De Charaktere - insbesondere die menschlichen Protagonisten - sind eindimensional bis klischeehaft angelegt, kaum entwickelt und leiden unter erstaunlich flachen und stellenweise unlustigen, denn parodistisch geschriebenen Dialogen. Im Mittelteil des Buches hat der Leser ganz deutlich das GefĂŒhl, als wisse Lukianenko noch gar nicht, in welche Richtung sich diese galaxisweite Verschwörung wirklich entwickeln soll. Wie die Protagonisten tappen Leser und Protagonist im wahrsten Sinne des Wortes im Dunklen. Die einzelnen Stationen der Odyssee sind von sehr unterschiedlichen QualitĂ€t. Manchmal blitzt das so fĂŒr Lukianenko markante schelmische Element in den Szenen auf, nicht selten gelingt es dem Autoren nicht, seine BehĂ€bigkeit zu ĂŒberwinden und wirklich etwas zu ErzĂ€hlen. Viele der futuristischen Ideen erinnern eher an eine unabsichtliche Hommage auf
die osteuropĂ€ische Science Fiction Literatur mit ihrem politisch gewollten Sendungsbewusstsein. Sollte diese „WĂŒrdigung“ seiner Jugendliteratur von Lukianenko beabsichtigt worden sein, fehlt diesem Buch der Esprit seines Jugendromans „Das Schlangenschwert“, in welchem der Autor die Tugenden der technisch utopischen Romane in einem lesenswerten und originellen Plot integriert hat. Zusammengefasst ist „Sternenspiel“ eine ermĂŒdende LektĂŒre mit vielen ausgewalzten bis langweiligen Szenen. Die krude Notlandung inklusiv der anschließenden Diskussion sowie die Eröffnung dieses galaktischen „Schachspiels“ gehören zu den wenigen wirklich originellen und lesenswerten Szenen. FĂŒr einen Roman mit mehr als sechshundert allerdings in der deutschen Ausgabe ein wenig großzĂŒgiger bedruckten Seiten viel zu wenig. „Sternenspiel“ schließt sich nahtlos der deutlich schwĂ€cheren QualitĂ€t der letzten Fugen der „WĂ€chter Trilogie“ an. Vor allem sollte der Autor sich in seinen nĂ€chsten BĂŒchern auf die Plots konzentrieren und mittels einer soliden Geschichte zu seinen unbestreitbar vorhandenen StĂ€rken zurĂŒckfinden als sich weiter als oberflĂ€chlicher Plauderonkel mit einer sehr ambivalenten politischen wie sozialen Gesinnung zu versuchen.

Sergej Lukianenko: "Sternenspiel"
Roman, Softcover, 638 Seiten
Heyne- Verlag 2009

ISBN 9-7834-5352-4118

Weitere Bücher von Sergej Lukianenko:
 - Das Schlangenschwert
 - Der falsche Spiegel
 - Der Herr der Finsternis
 - Die Ritter der vierzig Inseln
 - Labyrinth der Spiegel
 - Spektrum
 - Sternenschatten
 - Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel
 - WeltengĂ€nger
 - WeltentrĂ€umer
 - WĂ€chter der Ewigkeit
 - WĂ€chter der Nacht
 - WĂ€chter des Morgen

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