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Science Fiction (diverse)



Andreas Brandhorst

Feuerträume

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Feuerträume“ beendet Andreas Brandhorst seine zweite Kantaki- Trilogie. Zum Abschluss der ersten, deutlich überzeugenderen Serie hat der Autor seinen Figuren eine zweite Chance, einen neuen Weg aufgezeigt. Am Ende dieser Trilogie bleiben zu viele Handlungsstränge offen, bzw. werden eher abstrakt erklärt als handlungstechnisch gelebt abgeschlossen. Das kann zwei Gründe haben: zum einen plant Andreas Brandhorst sicherlich schon die nächste Serie und hat ausreichend Material, um diese alleine schon aus den offenen Flanken zu füttern, zum anderen allerdings muss er sich den Vorwurf gefallen lassen, seine Bände ambitionierter und umfangreicher geplant zu haben als es letztlich der grundlegende Plot hergab.

Immerhin tobt der aussichtslose Krieg gegen die übermächtigen Graken seit inzwischen 12. Jahrhunderten. Nur eine Handvoll von Systemen kann noch unter zahlreichen Opfern Widerstand leisten. Mit der Energie der 21. Sonnen wollen die Graken den letzten Verteidigungsgürtel durchbrechen. Ein klassisches Rhodan Element. Eine Superwaffe mit unglaublicher Durchschlagskraft bedroht die letzten Reste der Zivilisation. Diese braucht im Grunde nicht mehr zur letzten Schlacht antreten, da es für sie gegen den technologisch und zahlenmäßig überlegenen Feind mit seiner jetzt neuen ultimativen Superwaffe keine Verteidigungsmöglichkeit gibt. Dazu kommt mit Nektar ein stoischer Held, der seine Familie bei einem Angriff der Graken verloren hat und sich selbst zwingt, sein Leben einem großen Sieg gegen die Graken unterzuordnen. Hier erinnert Andreas Brandhorsts Geschichte sehr stark an Orson Scott Cards „Ender“ Trilogie. Weniger vom Aufbau und der Extrapolation her als der Intention. Die Rebellin Dominique stößt bei ihrer Suche nach den legendären Kantaki auf einen seit Jahrtausenden in einem Stasi-Feld gefangen gehaltenen Humanoiden. Als dieser sie zu überwältigen droht stürzt Dominique mit ihrem altersschwachen Kantaki- Schiff in eine Zone der nichtlinearen Zeit.

Andreas Brandhorst kann im Vergleich zu seinen anderen Romanen den Protagonisten wenig überzeugendes Leben einhauchen. Dominique ist im Grunde eine entfernte Nachkommin von Doktor Kimble, ebenfalls auf der Flucht. Im Gegensatz allerdings zu einigen anderen legendären Flüchtlingen stellt sie sich teilweise sehr naiv an. Das beginnt bei der Entdeckung des Humanoiden im Wrack bis zur Auflösung des Plots in der nichtlinearen Zeit. Letztere stellt zumindest für Brandhorst ein effektives, nicht mit Logik erklärliches Vehikel dar, um seinen zu komplizierten, aber nicht komplexen Plot mit einigen wenigen Federstrichen aufzulösen. Die Wanderung durch die Dimensionen und die Verstrickungen mit der Zeit gehören dabei noch zu den interessantesten Teilen des Buches. Allerdings wirkt der Plot teilweise unnötig gedehnt und nicht selten beginnt sich Brandhorst in seinem Kosmos selbst zu imitieren. Der Leser hat insbesondere gegen Ende von Dominiques Reisen das Gefühl, als habe Brandhorst den Band unter erheblichen Zeitdruck abgeschlossen. Die Metaphysik erreicht die Grenze des Erträglichen und erinnert sehr stark an Frank Herberts „Dune“ Romane. Weiterhin hätten insbesondere Dominiques Passagen ohne Probleme um mindestens ein Drittel des Textes gekürzt werden können, ohne dass der Handlungsbogen Schaden genommen hätte.
Der Krieg gegen die übermächtigen Graken ist die Nekatrs Handlungsebene. Während Dominique naiv und unentschlossen durch das Geschehen stolpert, präsentiert Andreas Brandhorst den jungen Nektar natürlich als militärisches Naturtalent, dass sich mit seinen Feinden auseinandersetzt, die eigenen Leute so weit wie möglich schont, einen Antagonisten aus der eigenen Einheit erst konfrontiert und später an den Lager besucht. Er hat sich ein Ziel gesetzt: eine Raumschlacht gegen die Graken zu gewinnen, einen wichtigen Sieg zu erringen. Das er dieses Ziel erreichen wird, steht schon nach den ersten hundert Seiten außer Frage und genauso agiert Brandhorst auf dieser Handlungsebene. Ein wenig zu verbissen, zu stoisch und vor allem teilweise herrlich naiv. Natürlich entjungfert ihn eine ältere Kameradin, natürlich verliebt er sich in diese kaum ältere Frau, die allerdings von einer ernsthaften Beziehung nichts wissen will und natürlich gewinnt er letzt endlich die entscheidende Schlacht, auch wenn er für diesen Pyrrhussieg sein ganzes Leben und seine ganze Entwicklung geopfert hat. Auf dieser routiniert geschriebenen Handlungsebene gibt es im Grunde keine Überraschungen und Brandhorst fehlt die ironische Überspitzung, welche diesen Teil als Satire auf das militärische Gehabe und den Gottglauben selbst in den verzweifelten Situation hätte entlarven können. Vor allem ist diese zweite Ebene des Buches mit eindimensionalen und kaum skizzierten Charakteren geradezu übersäht, was die Lektüre nicht unbedingt spannender oder packender macht. Wie bei vielen Science Fiction Zyklen hat Andreas Brandhorst spätestens mit dem vorliegenden Band den Scheitelpunkt seiner Schöpfung überschritten. Die einzige Möglichkeit, neue überzeugende Kantaki- Romane zu präsentieren, wäre eine komplette Zensur und ein Neuanfang mit einem neuen Plot und vor allem neuen Charakteren. Natürlich hat sich Andreas Brandhorst mit seiner ersten, deutlich komplexeren und vor allem weniger belehrenden Trilogie die Meßlatte selbst hochgelegt, aber was hier in „Feuerträume“ insbesondere auf den letzten fünfzig Seiten präsentiert wird, ist schwach und lustlos. Der Dialog zwischen Dominique und dem Halbgott hätte der Höhepunkt der Serie sein müssen. Auf der zweiten Handlungsebene kommt es zur letzten Raumschlacht zwischen den im Grunde schon geschlagenen Verbündeten und den Graken. Dieser nihilistische Fatalismus hätte sich in den Figuren widerspiegeln müssen. Ein wenig mehr Pathos und Heroismus wären schon angebracht gewesen, vor allem nach der Vorgeschichte im vorliegenden Band. Stattdessen räumt Brandhorst sehr ordentlich und sachlich mit seinen verschiedenen Ideen auf. Was er nicht mehr gebrauchen kann, wird distanziert und vor allem unaufgeregt abgehandelt, der Rest bleibt eher vage. Mit einem kleinen Cliffhanger rettet man sich in die nächste Trilogie. Das wirkt kommerziell und zeigt vor allem die Schwächen seiner frühen Werke, in denen er zwei Handvoll von Ideen auf immerhin Dutzende von Heftromanen und zwei Handvoll Taschenbücher ausdehnen konnte. Andreas Brandhorst gelingt es, einige sehr exotische und überzeugende Welten zu erschaffen und diese vor allem wieder mit fremdartigen Wesen und Zivilisationen zu erfüllen. Dann fehlt seinem Roman aber nicht selten der zweite, der entscheidende Schritt. So möchte der Leser mehr über die einzigartige und auch gut beschriebene Maschinenzivilisation erfahren, stattdessen folgt er Dominiques Wanderungen durch das finstere „Tal“- „Feierträume“ ist kein guter Abschluss der zweiten „Kantaki“- Trilogie und für einen routinierten Autoren wie Andreas Brandhorst ein auf allen Ebenen sehr durchschnittliches Buch. Es fehlt ihm im wahrsten Sinne des Wortes das innere Feuer, der Drang, eine sehr komplexe und insbesondere im ersten Band der Serie „Feuervögel“ gut unterhaltend beginnende Geschichte auf einem Niveau zu Ende zu bringen, dass der Leser verdient hat.






Andreas Brandhorst: "Feuerträume"
Roman, Softcover, 574 Seiten
Heyne- Verlag 2008

ISBN 9-7834-5352-2992

Weitere Bücher von Andreas Brandhorst:
 - Feuerstürme
 - Feuervögel
 - Kinder der Ewigkeit
 - Lemuria 3 - Exodus der Generationen
 - Pan-Thau-Ra 2. Die Trümmersphäre
 - Äon
 - Äon
 - Äon

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