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Science Fiction (diverse)



Eoin Colfer

Und ĂĽbrigens noch was

rezensiert von Thomas harbaxh

Der Ire Eoin Colfer hat den sechsten teil der fünfteiligen „Peter Anhalter durch
die Galaxis“ Trilogie geschrieben. Das Buch „Und übrigens noch was“ erscheint zeitgleich in den USA, England und Deutschland als Hardcover. Douglas Adams hat die Serie, deren Wurzeln so fest in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts verankert ist, über fünf qualitativ sehr unterschiedliche Romane entwickelt und durch alle Medien – vom Hörspiel über die Fernsehserie, den Comics, das Rollenspiel und schließlich auch eine teure Hollywoodverfilmung - gejagt. Mit noch nicht einmal fünfzig Jahren ist der Autor
1992 gestorben. Adams Witwe hat jetzt den erfolgreichen irischen Kinder- und Jugendbuchautoren Eoin Colfer beauftragt, einen weiteren Band zu schreiben. „Per Anhalter durch die Galaxis“ lebte von der Parodie des britischen sehr antiquierten Lebensstils, während Colfer als Ire zumindest einen ureignen irischen Charaktere, aber zum Beispiele keine Trolle oder Elfen in die Handlung integrieren konnte. Der größte Unterschied zwischen den Schriftstellern Adams und Colfer liegt aber in der Herangehensweise an ihre Charaktere. In den erfolgreichen und leider als Serie qualitativ sehr unterschiedlichen „Artemis Fowl“ Büchern hat der Autor bewiesen, dass er stringente Handlungen mit pfiffigen Humor und exzentrischen, aber liebevollen Charakteren anreichen kann. Aber die Romane funktionieren alleine über ihre Geschichten. Die „Per Anhalter durch die Galaxis“ Romane zeichnen sich in erster Linie durch exzentrische Ideen und überdrehte Charaktere aus, die mehr oder minder zufällig über verschiedene, dank mühsamer und nicht immer nachvollziehbarer Konstruktionen verbundene isolierte Ideen stolpern. Am Ende ergibt sich eine Art von Collagegeschichte, aus der einzelne Begriffe – das reicht von der Nutzung des Handtuchs bis zur Antwort „42“ oder Szenen – „Das Restaurant am Ende des Universums“ oder der Abschied der Delphine – herausragen. Aber packende Romane im klassischen Sinne sind alle fünf Teile der Trilogie niemals gewesen. Colfers Ansatz in „Und übrigens noch was“ – ein Sprichwort aus dem fünften „Per Anhalter durch die Galaxis“ Roman – ist eine Hommage an Douglas Adams unstrukturierte Art der Erzählung mit den wichtigsten Charakteren aus der Serie unter jeglichen Verzicht auf eine wirkliche Handlung.

Der Plot lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen. Die Erde ist zerstört, weil sie einer intergalaktischen Autobahn Platz machen musste. Alle Menschen bis auf Arthur Dent und seine geliebte und geschiedene Frau sind ums Leben gekommen. Alle Menschen? Natürlich nicht. Vor vielen Jahren ist eine Gruppe von religiösen Fanatikern vom damaligen regierenden Präsidenten der Galaxis – der Leser braucht nicht lange raten, um die Zusammenhänge zu begreifen – zu einem abgeschiedenen, kleinen Planeten oder Planetoiden ausgesiedelt worden. Da die Vogonnen nicht nur die Menschen hassen, sondern in ihrem Blut der Beamtenstatus inklusiv eines exzessiven Formularwesens verankert ist, müssen sie umsonst die letzten Menschen umbringen und ihre Welt zerstören. Die bekannten „Helden“ bzw. Antihelden werden nach dem großen Prinzip des Zufalls versammelt, um schließlich durch eine plottechnische Eingebung diese „unschuldigen“ Menschen auf der Suche nach einem wahren Gott vor den Vorgonnen und ihrer Vernichtung zu retten.

Dabei wendet Eoin Colfer alleine ein Viertel des Romans auf, um die einzelnen Protagonisten aus ihren virtuellen Irrealitäten zu befreien und zusammenzuführen. Arthur Dent hat die Äonen an einem einsamen Strand verbracht, Ford Prefect irgendwo in einem Urlauberparadies auf Kosten seines Arbeitgebers – dem Herausgeber des „Peter Anhalter durch die Galaxis“. Trillian wird inklusiv bockiger Tochter und Ex- Präsidentin des bekannten Universums an Bord des Raumschiffs eines Unsterblichen mit Todessehnsucht gebeamt. Hier finden sich die einzelnen Figuren plötzlich nicht nur mit einem neuen Autoren konfrontiert, sondern natürlich auch mit Zaphod Beebleborx, Adams ehemals intergalaktischem Tu-Nicht-gut, Promoter und gegen den eigenen Willen intergalaktischer Held. Auf den ersten einhundertzwanzig Seiten nimmt sich Colfer die Zeit gegen den Willen seiner Leser, die Charaktere expliziert vorzustellen. Warum eigentlich? Das Buch wird in erster Linie unter den Uraltfans seine Leser und Käufer finden. Und die kennen sich mit den Figuren besser aus als der irische Autor. Diese Vorgehensweise macht bis auf den Hinweis der Seitenschinderei nicht viel Sinn. Zumal die meisten Episoden weder originell noch unterhaltsam sind. Die Dialoge wirken insbesondere in der deutschen Übersetzung schwerfällig und manches Wortspiel enthält selbst bei einer mühsamen Rückübersetzung allenfalls einen geschrumpften Witz auf sehr kindlichem bis kindischem Humor. Wenn Douglas Adams sich in seinen Romanen schon für den langen Anflug auf den absurden Showdown gerüstet hat, ist bei Colfer die Handlung noch nicht einmal angesprungen. Vor allem hat sich Douglas Adams niemals darum gekümmert, ob sein Publikum seine Witze verstanden hat oder nicht. Wer nicht lacht, hat selbst schuld. Colfer bemüht sich mit seinem phlegmatischen bis statischen Handlungsaufbau, es allen gerecht zu machen. Bei dieser Sisyphusaufgabe kann er nur scheitern, zumal er gegen die Regeln seiner eigenen „Artemis Fowl“ Romane verstößt. Colfer fehlt an allen Ecken und Kanten die Subversivität eines Douglas Adams und der Griff zur Subtilität ist so fade wie der humorlose irische Bürgermeister und Besitzer der kleinen menschlichen Kolonie am Rande des bekannten Universums.
Während Douglas Adams aus der verzerrten Perspektive des übertrieben gekünstelten langweiligen britischen Mittelstands sowohl die Überflussgesellschaft mit ihrem ziel- und sinnlosen Dahintreiben aufs Korn genommen hat und jegliche Politik als andre Form der Diktatur ablehnte, den Menschen hinsichtlich der systematischen Umweltvernichtung den Eulenspiegel ins Gesicht hielt und schließlich Religion als Manna für die Geistigarmen deklassierte, kann sich Eoin Colfer in den beiden einzig wirklich gelungenen Szenen auf eine Parodie eines klassischen Bewerbergesprächs – in diesem Fall für eine Stelle als Gott der ersten Ordnung- und den Konflikt auf einem Wellness- Planeten zwischen den gelangweilten dekadenten Superreichen und einer marxistischen Revolution durch die stahlharter, vor Gesundheit strotzenden und selbst gar gebräunter Fittnesstrainer berufen. Herzlich wenig für einen umfangreichen Roman, der vor Filmzitaten und Pulpcharakteren nur so trotz.

Neben den eher dünn und wie brüchige Kopien der ursprünglichen Charaktere wirkenden Protagonisten führt Eoin Colfer zu wenige neue Figuren in die nach einem soliden Mittelteil leider im Nichts endete Handlung ein. Bedenkt der Leser, dass die Befreiung der letzten Menschheitsreste einen Flug durch die halbe bzw. dreiviertel Galaxis bedingt, ist das vorhersehbare Ende mit Beebleborx Schützling ganz ganz schwach. Fast unauffällig beschämt lässt Colfer seinen Handlungsbogen in mehreren kleinen Epilogen enden, die im Gegensatz zum Prolog zum Wohle des Lesers keine hundertzwanzig Seiten umfassen.

Selbst als allein stehende Geschichte setzt sich der Plot aus einer Reihe von Klischees und eher biederen Ideen zusammen. Der Leser wird sehr schmerzlich daran erinnert, dass Colfers Gesamtwerk sich nicht nur aus gelungenen Artemis Fowl Geschichten zusammensetzt, sondern einige seiner utopischen Jugendbücher eindimensional und farblos sind. Wahrscheinlich ist Colfer als Standup Komiker und wacher Zeitgeist nicht der richtige Autor für diese überflüssige und alleine aus kommerziellen und damit niederen Gründen in Auftrag gegebene Geschichte. Alleine ein anderer Brite hätte Adams archaische Strukturen, seinen subversiven Humor und seine Fähigkeit, aus einem Klischee eben einen Lacher zu machen, für ein neues Jahrtausend konservieren können: Neil Gaiman, dessen „American Gods“ genau die Ideen aufgreift, die Eoin Colfe eher verzweifelt in der zweiten Handlungsebene abzuarbeiten sucht. „Und übrigens noch was...“ ist der schwächste „Peter Anhalter durch die Galaxis“ Roman. Es ist ein teilweise langweiliges und schwerfälliges Buch, das verzweifelt einen roten Faden sucht. Vor allem lässt sich eine in den achtziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts teilweise künstlerisch, aber auf jeden Fall kommerziell erfolgreiche Buchserie ohne Mut für einen Neuanfang und innovative Veränderungen nicht in die Zukunft übertragen. Colfer fasst zu Beginn des Romans die grobe Handlung der ersten fünf „Per Anhalter durch die Galaxis“ Bände zusammen und zeigt dabei unabsichtlich auf, welche Schwierigkeiten Douglas Adams mit jedem folgenden Roman hatte, etwas Neues oder gar Originelles oder einfach nur Lesenswertes zu produzieren. Colfer hat aber aus diesen Schwächen nichts gelernt, sie nur ins Überdimensionale extrapoliert.


Eoin Colfer: "Und ĂĽbrigens noch was"
Roman, Hardcover, 416 Seiten
Heyne- Verlag 2009

ISBN 9-7834-5326-6407

Weitere Bücher von Eoin Colfer:
 - Artemis Fowl - die verlorene Kolonie
 - Artemis Fowl- Das Zeitparadox
 - Artemis Fowl- Der Geheimcode
 - Artemis Fowl: Der Atlantis- Komplex
 - Cosmo Hill- der Supernaturalist
 - Fletcher Moon - Privatdetektiv
 - Meg Finn und die Liste der vier WĂĽnsche

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