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Science Fiction (diverse)



Sergej Lukianenko

Die Ritter der vierzig Inseln

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Die Ritter der vierzig Inseln“ legt der Heyne- Verlag als Hardcover ein weiteres Frühwerk und durchaus nicht negativ gemeint als Jugendbuch konzipiertes Frühwerk dessen russischen Autoren Sergej Lukianenko auf Deutsch vor. Der Copyright Vermerk weißt auf ein erstes Erscheinen im Jahre 1992, eine überarbeitete Neuveröffentlichung im Jahre 1997 hin. Bislang sind die anderen Werke, die sich an ein jugendliches Publikum wenden, in erster Linie im Beltz Verlag veröffentlicht worden.

Lukianenko ist ein Autor, der in seinen Werken die Ich- Perspektive des Erzählers bevorzugt. Diese intime Atmosphäre überbrückt sehr gelungen die Distanz zwischen dem Leser und den Protagonisten. Der Leser ist hautnah bei den Helden. Nachteilig ist die Tatsache, dass der Autor sehr diszipliniert das ganze Geschehen aus der Perspektive erzählen und nicht mittels schriftstellerischer Tricks Informationen aus dritter Hand einflechten sollte. Weiterhin ist diese Erzähltechnik Spannung mindernd, da der Erzähler das Geschehen zumindest solange überleben muss, um einem Dritten – stellvertretend für den Leser – von den Ereignissen zu erzählen.

Der Autor eröffnet die Handlung gleich mit einem Paukenschlag. Kaum hat sich der Ich- Erzähler und Protagonist Dima, vierzehn Jahre alt, wohnhaft in Russland, vorgestellt, wird während der Ferien von einem Unbekannten gebeten, in der Nähe eines Parks für ein Foto zu posieren. Im nächsten Augenblick findet er sich über einer kleinen paradiesischen Insel wieder. In zehn Meter Höhe wird er im wahrsten Sinne des Wortes an die Luft gesetzt und schlägt eher unsanft auf dem Strand auf. Einige Jugendliche kümmern sich um ihn und erläutern Dima, wo er sich plötzlich befindet. Augenscheinlich ist er wie fast alle anderen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern – das angesprochene Spektrum reicht von Australien/ Japan über ganz Europa bis nach Amerika – entführt und zu einem perfiden Spiel auf Leben und Tod verurteilt worden. Das Spielfeld sind insgesamt vierzig Inseln, die über Brücken verbunden sind. Jede Insel ist mit den Nachbarinseln über drei Brücken verbunden. Die Brücken dehnen sich im Zuge der starken Sonneneinstrahlung aus und ermöglichen Eroberungsfeldzüge von den anderen Inseln. Die Gruppe, welche alle vierzig Inseln unter ihre Kontrolle bringt, darf nach den ungeschriebenen und seit augenscheinlich langer Zeit mündlich überlieferten Regeln nach Hause. Zu erst ist Dima amüsiert, dass die Waffen der Kinder Holzschwerter sind. Im Kampf verwandeln sich diese „Übungswerkzeuge“ allerdings in tödliche stählerne Waffen. Zusätzlich erfährt Dima, dass die Fremden die Kinder nur ausgetauscht haben. Bei den Eltern auf der Erde lebt in der Zwischenzeit eine Kopie. Jegliche Versuche, mit Intelligenz und Verhandlungsgeschick Koalitionen zu bilden und so gemeinsam das große Ziel zu erreichen, wird von eingeschleusten Verrätern sofort sabotiert. Es gibt einige Legenden von einem selbst gebauten Schiff, das eine Handvoll von Kindern zu einem Land außerhalb der Inseln gebracht hat und wie ein Fliegender Holländer nicht mehr nach Hause kommen kann. Aber ob diese Legenden stimmen, lässt sich von Dima nicht nachvollziehen.

Auf den ersten Blick wirkt Lukianenkos anfänglich sehr rasant geschriebener Roman wie eine Mischung aus „Herr der Fliegen“ und Rollenspielabenteuern. Nicht umsonst erinnert das Spielfeld an eine Reihe von Strategiespielfeldern. Die Regeln sind im Kern frustrierend simpel und deswegen insbesondere für intelligente und nicht auf Gewalt stehende Protagonisten in dieser Form frustrierend. Insbesondere im ersten Drittel des Romans hat Lukianenko sichtlich Vergnügen, jegliche Überlegung, jeglichen Plan seines jungen Protagonisten schon im Keim zu ersticken. Dima lernt sehr schnell, dass die ständige Überwachung durch die eingeschleusten Spione eine Gefahr für sein Leben darstellt und das die Handlanger direkt oder indirekt nicht davor zurückschrecken, alle Elemente zu vernichten, welche die spieltechnische Ordnung stören könnte. Ein Schelm, der insbesondere im Russland nach der Wende nicht an die Diktatur des Kommunismus denkt. Einige Szenen wirken allerdings auch in dieser Exposition wie ein Kompromiss gegenüber dem in erster Linie jugendlichen Lesepublikum. So trifft Dima als einziger Junge eine Bekannte aus der Realität und kann dank dieser Begegnung erkennen, dass die Fremden Doppelgänger einsetzen. Ein auf den ersten Blick beruhigender Gedanke, der allerdings plottechnisch eher die nihilistische Atmosphäre stört. Es ist ja auch für weite Strecken des Romans ohne Belang. An andere Informationen kommt insbesondere immer wieder Dima zu leicht. Erst im eher lang gestreckten und teilweise etwas zu chaotisch aufgebauten Mittelteil etabliert Lukianenko eine Reihe von interessanten Figuren, die dank ihrer jahrelangen Kampferfahrung inzwischen einige Tücken dieser Welt kennen. Sobald sich das Szenario auf mehrere Schultern verteilt – alle aus Dimas Perspektive beobachtet – wirkt der Roman auch weniger statisch, weniger starr. Insbesondere im Mittelteil vereitelt Lukianenko alle Versuche, mittels einer Förderation zumindest einen Teil der Inseln friedlich zu einen. Eine Expedition mit einem geborgenen und reparierten Boot führt zu einem interessanten, aber hinsichtlich des Gesamtplots gegenteiligen Ergebnis. Am Ende des Buches steht Lukianenko aber vor der beinahe überwindlichen Schwierigkeit, seinen Roman auf einer für seine Leser nachvollziehbaren Note zu beenden. Bevor Lukianenko sich als Schriftsteller selbstständig gemacht hat, studierte er Medizin und arbeitete als Psychiater. Im Gegensatz zu seinen oft geschwätzigen gegenwärtigen Romanen ist „Die Ritter der vierzig Inseln“ eine sehr kompakte und psychologisch nicht uninteressant aufgebaute Geschichte. Der Autor geht einen Schritt weiter als Goldings „Herr der Fliegen“. Im vorliegenden Buch müssen die Jugendlichen kämpfen, um überhaupt eine kleine Chance zu haben, nach Hause zu kommen. Nur selten wird diese Prämisse in Frage gestellt. Vielleicht eine der Schwächen des Buches, denn der Autor zeigt nicht nur auf, dass Jugendliche durchaus in der Lage sind, mittels Gewalt ihre Ziele durchzusetzen, dass sie ebenso wie die Erwachsenen unter Druck zusammenbrechen und gegen Kameraden vorgehen und dass sie ebenso ehrlich und mutig wie hinterhältig und brutal sind. Es gibt im vorliegenden Band zu wenig Unterschiede zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen. Natürlich müssen die jungen Menschen aufgrund der ungewöhnlichen, ja sogar einzigartigen Situation plötzlich lernen, mit Druck und Verantwortung umzugehen. Das Dima allerdings in dieser Hinsicht kein Kind von Traurigkeit ist, zeigt der Autor gleich im ersten Kapitel. Kein Bücherwurm, sondern ein Junge, der sich alleine wie auch in der Gruppe seiner Haut zu wehren versteht. Manches wirkt psychologisch ein wenig arg bemüht. Lukianenko versucht seinem Buch den Anstrich einer Studie und weniger einer Abenteuergeschichte zu geben. Einige Charaktere wirken daher auch eher wie Chiffren und wenn die Kinder durch einen Hinterhalt oder Verrat sterben, ergreift es nicht immer gleich den Zuschauer. Ein wenig mehr Hintergrundarbeit hätte den Handlungsbogen des vorliegenden Romans nicht überfrachtet, aber die emotionale Bindung – eine absolute Notwendigkeit bei der vorliegenden Geschichte – deutlich verstärkt. Alle klassischen Themen werden angesprochen und teilweise direkt, aber nicht immer revolutionär angesprochen. Es ist teilweise bestürzend, wie intensiv einfache und simple Weisheiten noch durchgesprochen werden müssen. Wenn der Autor auf der anderen Seite die Verrohung der Jugendlichen aufzeigen will, dann fehlt die Bindung zu ihrer jeweiligen Realität. Der Mittelteil des Buches wirkt nicht zuletzt aufgrund dieser eher ambivalent gehaltenen Themen und Thesen ein wenig zu seicht, zu konstruiert. Die Hintergründe der Inselwelt hätten viel länger und viel besser verschlossen bleiben sollen. Die Idee der „Außerirdischen“ wirkt selbst aus der Sicht der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts ein wenig zu antiquiert und erinnert an klassische Geschichten wie Fredric Browns „Arena“ oder diverse andere Pulpabenteuer. Nur mit jugendlichen, die hinsichtlich ihrer Bauernschläue und Rücksichtslosigkeit die eindimensionalen Helden der SF Magazine längst hinter sich gelassen haben. Am Ende gelingt es Lukianenko zumindest, das Tempo anzuziehen und das Buch zu einem befriedigenden, wenn auch nicht unbedingt aufwühlenden Ende zu bringen.

Stilistisch ansprechend, aber ein wenig zu distanziert von Matthias Dondl übersetzt gehört „Die Ritter der vierzig Inseln“ sicherlich und ohne Frage zu den besseren Geschichten Lukianenkos. Wer den Russen kennen lernen möchte, kann neben „Spektrum“ und den ersten Teilen der „Wächter“ Tetralogie ohne Reue zum vorliegenden Band greifen. Es ist aber kein Bahnbrechender Roman wie Golding „Herr der Fliegen“ und will es auch keinen Moment wirklich sein.

Sergej Lukianenko: "Die Ritter der vierzig Inseln"
Roman, Hardcover, 397 Seiten
Heyne Verlag 2009

ISBN 9-7834-5326-6278

Weitere Bücher von Sergej Lukianenko:
 - Das Schlangenschwert
 - Der falsche Spiegel
 - Der Herr der Finsternis
 - Labyrinth der Spiegel
 - Spektrum
 - Sternenschatten
 - Sternenspiel
 - Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel
 - Weltengänger
 - Weltenträumer
 - Wächter der Ewigkeit
 - Wächter der Nacht
 - Wächter des Morgen

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