Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Thomas Thiemeyer

Das verbotene Eden - Logan und Gwen

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Das verbotene Eden: Logan & Gwen“ legt Thomas Thiemeyer den zweiten Band seiner utopischen Science Fiction Serie um eine Menschheit vor, in der ein Virus Frauen und Männer getrennt und die Zivilisation nach entsprechendem Bürgerkrieg in die Anarchie gestürzt hat. Im ersten Roman standen Juna und David im Mittelpunkt, die sich trotz des Misstrauens ihrer jeweiligen Stämme lieben lernten und schließlich aus dem Land der Frauen geflohen sind. Thomas Thiemeyer setzt diesen Handlungsbogen nicht fort, sondern wechselt die Perspektive. Im Grunde erzählt der Autor eine vergleichbare Geschichte mit anderen Charakteren und fügt trotzdem seinem etablierten Szenario einige neue Fakten hinzu.
Mit Juna hat Gwen ihre Gefährtin verloren. Gwen wird vorgeschlagen, die Prüfung als Heilerin abzulegen und damit offiziell in dem Beruf zu arbeiten, den sie bislang als sehr talentierte Helferin ausgeübt hat. Thomas Thiemeyer bemüht sich, Gwens Einsamkeit sowie ihren in dieser Hinsicht bestehenden Minderwertigkeitskomplex zu beschreiben. Ohne die eigentliche Geschichte voranzutreiben, etabliert der Autor eine im Vergleich zu Juna inzwischen mehr abgerundete Figur, deren Handlungen für den Leser leichter nachzuvollziehen sind. Da die Gewalttätigkeiten und der gegenseitige Hass zwischen Männern und Frauen immer mehr auflodern, entschließt sich die Anführerin der Frauen und etablierte, aber auch charismatisch agierende Anführerin Edana, einen Trupp von Freiwilligen in die Alte Stadt zu schicken. Sie sollen mit Marcus Capistranus den Anführer der Heiligen Lanze töten und damit der Männerbewegung den Kopf abschlagen. Gwen schließt sich als Heilerin der Gruppe von Frauen an. Sie versuchen über die U- Bahnschächte in die Alte Stadt einzudringen. Diese Odyssee beschreibt Thomas Thiemeyer atmosphärisch dicht und intensiv. Natürlich treffen die Frauen auf eine Reihe sehr unterschiedlicher Hindernisse.
Wie im ersten Roman muss auf einer parallel laufenden Handlungsebene natürlich auch ein Mann etabliert werden, der genau wie Gwen aus seinem Volk herausragt. Logan ist der Sohn des Schmiedes Gunnar. Im Arenakampf ist er gerade der jüngste Champion aller Zeiten geworden. Wie im ersten Buch versucht Thomas Thiemeyer die zukünftig die starre Ordnung zu ändernden Charaktere als eher aus der bisherigen Stammeshierarchie aufgrund ihrer Taten oder Intelligenz herausragend zu beschreiben. Mit Logan macht es sich der Autor anfänglich ein wenig zu einfach, in dem er den Jungen als zu überdurchschnittlich beschreibt. Logan trifft auf einem seiner Streifzüge auf Gwen, deren Expedition aufgrund der Angriffe ihnen bislang unbekannter Wesen gescheitert ist. Er rettet die junge Frau und bringt sie ins eigene Lager. Anfänglich will er sie als Beute auf dem Sklavenmarkt verkaufen, aber dann gewinnen seine Gefühle die Überhand.
Thomas Thiemeyer hat sich schon im Auftaktroman Mühe gegeben, insbesondere Gwen neben den beiden überdimensional erscheinenden Hauptfiguren zu etablieren. Obwohl Gwen sich in der Hierarchie des Stammes immer nach oben kämpfen musste, wirkte sie schon im Auftaktband sehr viel glaubwürdiger als ihre Freundin. Sie agierte mehr im Hintergrund. Der zumindest zeitweilige Wechsel in den Vordergrund tut der Figur als Ganzes keinen Abbruch. Thiemeyer macht nicht den Fehler, sie nach Logans Auftritt zu stark zurückzunehmen. Sie bleibt ihrer Linie treue, wobei die eigentliche Liebesgeschichte wie im Auftaktroman selbst für eine bislang romantische „Romeo &Julia“ Schwärmerei ein wenig zu sehr den bekannten Jugendbuchschemata folgt. Auf die Neckerei folgt schließlich Liebe. Zu wenig geht der Autor auf die harten Gesetze der Männerwelt mit Versklavung und Unterdrückung ein. Im Auftaktroman hat er diese Diskrepanzen sehr viel überzeugender beschrieben, wobei er sich handlungstechnisch insgesamt auf einem schmalen Grad bewegt. Nach einem zu dominanten Auftakt auf der Logan Ebene nimmt sich der Autor hier deutlich zurück und versucht ihn als herausragender Mitglied einer teilweise Schutz bedürftigen Familie zu etablieren. Mit dem kleinen Bruder Dachs verfügt das Buch über ein in dieser Hinsicht ausgleichendes Element. Der jüngere Bruder ist stumm, kann aber trotzdem in dieser harschen Welt überleben. Da die Männerdomäne nicht über Frauen verfügt, gelingt es Thomas Thiemeyer sehr viel besser als im ersten Roman, eine „Männerfamilie“ zu beschreiben und die Arbeit der Frauen zu verteilen, ohne das er auf Mechanismen zurückgreifen muss.
Die Etablierung neuer bzw. neu in den Vordergrund tretender Figuren in einer inzwischen allerdings etablierten Welt geht zu Lasten der Handlung. Die Leser, welche eine konsequente Fortführung des Konfliktes zwischen den Männer und Frauen erwarten, werden ohne Frage insbesondere im sehr ruhigen, teilweise ein wenig zu langen und zu phlegmatischen Mittelteil enttäuscht. Natürlich ist es eine kleine Provokation, die gleiche Geschichte mit anderen Charakteren noch einmal zu erzählen, zumal die Grundidee „Romeo & Julia“ entlehnt und in die Zukunft transportiert worden ist. Es bleibt abzuwarten, in wie weit der Autor diese beiden Liebespaare im letzten, wahrscheinlich die Serie abschließenden Roman als Prototypen einer neuen, für den Leser aber normalen Gesellschaft zusammenführt.
Während Thomas Thiemeyer die Protagonisten ausreichend charakterisiert und überzeugend nuanciert darstellt, greift er mit Cedric als Sohn des Kriegherren und damit des Häuptlings von Logans Clans auf einen eindimensionalen Schurken zurück, der für alle Klischees der Beziehung zwischen Männern und Frauen steht. Ein etwas nuancierter charakterisierter und vor allem überraschender handelnder Antagonist hätte dem Roman gut getan. Stattdessen soll Cedric als Spiegelbild für alle Klischee herhalten. Anstelle einer kritischen Gegenposition verstärkt Thomas Thiemeyer mit solchen Figuren den Endruck im Leser, als fehle ihm für den vorliegenden Band eine handlungstechnische Initialzündung. Viel wichtiger wäre es gewesen, die im ersten Buch relevanten Figuren wie die Hohepriesterin Arkana und ihren seit zwanzig Jahren in einem Versteck lebenden Ehemann Claudius weiterzuentwickeln, die trotz der sozialen Veränderungen für die alte Zeit stehen und einer neuen, wieder die Geschlechter miteinander verbindenden Gesellschaftsordnung den Weg bahnen könnten.
Wie schon angesprochen ist „Logan & Gwen“ eher eine Variation der Ideen des Auftaktromans als der Mittelteil einer Trilogie. Einige Facetten sind von Thomas Thiemeyer absichtlich verschoben worden und geben so eine interessante, wenn auch ein wenig verzerrte Perspektive auf die schon im Auftaktroman beschriebenen Entwicklungen. Es bleibt abzuwarten, ob der Autor im abschließenden dritten Buch der Serie noch nachlegen und überraschen kann. „Logan & Gwen“ verfestigt eher die etablierte Welt und gibt Neueinsteigern die Möglichkeit, eine manchmal am Rand des Kitsches entlang schleifende, über weite Strecken aber für Teenager nachvollziehbare Liebesgeschichte zu verfolgen, die nicht nur gegen die bestehende Ordnung ist, sondern wie im ersten Buch zeigt, das die Natur sich ihren Weg durch jegliches Misstrauen oder Angst bahnt. Gute Unterhaltung im bekannt cineastischen Thomas Thiemeyer Stil geschrieben, wenn auch der ganz große „Aha“ Effekt für den abschließenden Roman zurückgehalten worden ist.

Thomas Thiemeyer: "Das verbotene Eden - Logan und Gwen"
Roman, Hardcover, 464 Seiten
Knaur Verlag 2012

ISBN 9-7834-2665-3258

Weitere Bücher von Thomas Thiemeyer:
 - Das verbotene Eden: David und Juna
 - Der gläserne Fluch
 - Der Palast des Poseidon
 - Die Stadt der Regenfresser
 - Korona
 - Magma
 - Medusa
 - Nerba
 - Reptilia

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::