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Science Fiction (diverse)



Thomas Thiemeyer

Das verbotene Eden - Logan und Gwen

rezensiert von Thomas Harbach

Mit ÔÇ×Das verbotene Eden: Logan & GwenÔÇť legt Thomas Thiemeyer den zweiten Band seiner utopischen Science Fiction Serie um eine Menschheit vor, in der ein Virus Frauen und M├Ąnner getrennt und die Zivilisation nach entsprechendem B├╝rgerkrieg in die Anarchie gest├╝rzt hat. Im ersten Roman standen Juna und David im Mittelpunkt, die sich trotz des Misstrauens ihrer jeweiligen St├Ąmme lieben lernten und schlie├člich aus dem Land der Frauen geflohen sind. Thomas Thiemeyer setzt diesen Handlungsbogen nicht fort, sondern wechselt die Perspektive. Im Grunde erz├Ąhlt der Autor eine vergleichbare Geschichte mit anderen Charakteren und f├╝gt trotzdem seinem etablierten Szenario einige neue Fakten hinzu.
Mit Juna hat Gwen ihre Gef├Ąhrtin verloren. Gwen wird vorgeschlagen, die Pr├╝fung als Heilerin abzulegen und damit offiziell in dem Beruf zu arbeiten, den sie bislang als sehr talentierte Helferin ausge├╝bt hat. Thomas Thiemeyer bem├╝ht sich, Gwens Einsamkeit sowie ihren in dieser Hinsicht bestehenden Minderwertigkeitskomplex zu beschreiben. Ohne die eigentliche Geschichte voranzutreiben, etabliert der Autor eine im Vergleich zu Juna inzwischen mehr abgerundete Figur, deren Handlungen f├╝r den Leser leichter nachzuvollziehen sind. Da die Gewaltt├Ątigkeiten und der gegenseitige Hass zwischen M├Ąnnern und Frauen immer mehr auflodern, entschlie├čt sich die Anf├╝hrerin der Frauen und etablierte, aber auch charismatisch agierende Anf├╝hrerin Edana, einen Trupp von Freiwilligen in die Alte Stadt zu schicken. Sie sollen mit Marcus Capistranus den Anf├╝hrer der Heiligen Lanze t├Âten und damit der M├Ąnnerbewegung den Kopf abschlagen. Gwen schlie├čt sich als Heilerin der Gruppe von Frauen an. Sie versuchen ├╝ber die U- Bahnsch├Ąchte in die Alte Stadt einzudringen. Diese Odyssee beschreibt Thomas Thiemeyer atmosph├Ąrisch dicht und intensiv. Nat├╝rlich treffen die Frauen auf eine Reihe sehr unterschiedlicher Hindernisse.
Wie im ersten Roman muss auf einer parallel laufenden Handlungsebene nat├╝rlich auch ein Mann etabliert werden, der genau wie Gwen aus seinem Volk herausragt. Logan ist der Sohn des Schmiedes Gunnar. Im Arenakampf ist er gerade der j├╝ngste Champion aller Zeiten geworden. Wie im ersten Buch versucht Thomas Thiemeyer die zuk├╝nftig die starre Ordnung zu ├Ąndernden Charaktere als eher aus der bisherigen Stammeshierarchie aufgrund ihrer Taten oder Intelligenz herausragend zu beschreiben. Mit Logan macht es sich der Autor anf├Ąnglich ein wenig zu einfach, in dem er den Jungen als zu ├╝berdurchschnittlich beschreibt. Logan trifft auf einem seiner Streifz├╝ge auf Gwen, deren Expedition aufgrund der Angriffe ihnen bislang unbekannter Wesen gescheitert ist. Er rettet die junge Frau und bringt sie ins eigene Lager. Anf├Ąnglich will er sie als Beute auf dem Sklavenmarkt verkaufen, aber dann gewinnen seine Gef├╝hle die ├ťberhand.
Thomas Thiemeyer hat sich schon im Auftaktroman M├╝he gegeben, insbesondere Gwen neben den beiden ├╝berdimensional erscheinenden Hauptfiguren zu etablieren. Obwohl Gwen sich in der Hierarchie des Stammes immer nach oben k├Ąmpfen musste, wirkte sie schon im Auftaktband sehr viel glaubw├╝rdiger als ihre Freundin. Sie agierte mehr im Hintergrund. Der zumindest zeitweilige Wechsel in den Vordergrund tut der Figur als Ganzes keinen Abbruch. Thiemeyer macht nicht den Fehler, sie nach Logans Auftritt zu stark zur├╝ckzunehmen. Sie bleibt ihrer Linie treue, wobei die eigentliche Liebesgeschichte wie im Auftaktroman selbst f├╝r eine bislang romantische ÔÇ×Romeo &JuliaÔÇť Schw├Ąrmerei ein wenig zu sehr den bekannten Jugendbuchschemata folgt. Auf die Neckerei folgt schlie├člich Liebe. Zu wenig geht der Autor auf die harten Gesetze der M├Ąnnerwelt mit Versklavung und Unterdr├╝ckung ein. Im Auftaktroman hat er diese Diskrepanzen sehr viel ├╝berzeugender beschrieben, wobei er sich handlungstechnisch insgesamt auf einem schmalen Grad bewegt. Nach einem zu dominanten Auftakt auf der Logan Ebene nimmt sich der Autor hier deutlich zur├╝ck und versucht ihn als herausragender Mitglied einer teilweise Schutz bed├╝rftigen Familie zu etablieren. Mit dem kleinen Bruder Dachs verf├╝gt das Buch ├╝ber ein in dieser Hinsicht ausgleichendes Element. Der j├╝ngere Bruder ist stumm, kann aber trotzdem in dieser harschen Welt ├╝berleben. Da die M├Ąnnerdom├Ąne nicht ├╝ber Frauen verf├╝gt, gelingt es Thomas Thiemeyer sehr viel besser als im ersten Roman, eine ÔÇ×M├ĄnnerfamilieÔÇť zu beschreiben und die Arbeit der Frauen zu verteilen, ohne das er auf Mechanismen zur├╝ckgreifen muss.
Die Etablierung neuer bzw. neu in den Vordergrund tretender Figuren in einer inzwischen allerdings etablierten Welt geht zu Lasten der Handlung. Die Leser, welche eine konsequente Fortf├╝hrung des Konfliktes zwischen den M├Ąnner und Frauen erwarten, werden ohne Frage insbesondere im sehr ruhigen, teilweise ein wenig zu langen und zu phlegmatischen Mittelteil entt├Ąuscht. Nat├╝rlich ist es eine kleine Provokation, die gleiche Geschichte mit anderen Charakteren noch einmal zu erz├Ąhlen, zumal die Grundidee ÔÇ×Romeo & JuliaÔÇť entlehnt und in die Zukunft transportiert worden ist. Es bleibt abzuwarten, in wie weit der Autor diese beiden Liebespaare im letzten, wahrscheinlich die Serie abschlie├čenden Roman als Prototypen einer neuen, f├╝r den Leser aber normalen Gesellschaft zusammenf├╝hrt.
W├Ąhrend Thomas Thiemeyer die Protagonisten ausreichend charakterisiert und ├╝berzeugend nuanciert darstellt, greift er mit Cedric als Sohn des Kriegherren und damit des H├Ąuptlings von Logans Clans auf einen eindimensionalen Schurken zur├╝ck, der f├╝r alle Klischees der Beziehung zwischen M├Ąnnern und Frauen steht. Ein etwas nuancierter charakterisierter und vor allem ├╝berraschender handelnder Antagonist h├Ątte dem Roman gut getan. Stattdessen soll Cedric als Spiegelbild f├╝r alle Klischee herhalten. Anstelle einer kritischen Gegenposition verst├Ąrkt Thomas Thiemeyer mit solchen Figuren den Endruck im Leser, als fehle ihm f├╝r den vorliegenden Band eine handlungstechnische Initialz├╝ndung. Viel wichtiger w├Ąre es gewesen, die im ersten Buch relevanten Figuren wie die Hohepriesterin Arkana und ihren seit zwanzig Jahren in einem Versteck lebenden Ehemann Claudius weiterzuentwickeln, die trotz der sozialen Ver├Ąnderungen f├╝r die alte Zeit stehen und einer neuen, wieder die Geschlechter miteinander verbindenden Gesellschaftsordnung den Weg bahnen k├Ânnten.
Wie schon angesprochen ist ÔÇ×Logan & GwenÔÇť eher eine Variation der Ideen des Auftaktromans als der Mittelteil einer Trilogie. Einige Facetten sind von Thomas Thiemeyer absichtlich verschoben worden und geben so eine interessante, wenn auch ein wenig verzerrte Perspektive auf die schon im Auftaktroman beschriebenen Entwicklungen. Es bleibt abzuwarten, ob der Autor im abschlie├čenden dritten Buch der Serie noch nachlegen und ├╝berraschen kann. ÔÇ×Logan & GwenÔÇť verfestigt eher die etablierte Welt und gibt Neueinsteigern die M├Âglichkeit, eine manchmal am Rand des Kitsches entlang schleifende, ├╝ber weite Strecken aber f├╝r Teenager nachvollziehbare Liebesgeschichte zu verfolgen, die nicht nur gegen die bestehende Ordnung ist, sondern wie im ersten Buch zeigt, das die Natur sich ihren Weg durch jegliches Misstrauen oder Angst bahnt. Gute Unterhaltung im bekannt cineastischen Thomas Thiemeyer Stil geschrieben, wenn auch der ganz gro├če ÔÇ×AhaÔÇť Effekt f├╝r den abschlie├čenden Roman zur├╝ckgehalten worden ist.

Thomas Thiemeyer: "Das verbotene Eden - Logan und Gwen"
Roman, Hardcover, 464 Seiten
Knaur Verlag 2012

ISBN 9-7834-2665-3258

Weitere BŘcher von Thomas Thiemeyer:
 - Das verbotene Eden: David und Juna
 - Der gl├Ąserne Fluch
 - Der Palast des Poseidon
 - Die Stadt der Regenfresser
 - Korona
 - Magma
 - Medusa
 - Nerba
 - Reptilia

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