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Science Fiction (diverse)



Thomas Thiemeyer

Das verbotene Eden:
David und Juna

rezensiert von Thomas Harbach

Nach fünf Wissenschaftsthrillern und drei Bänden seiner „Chroniken der Weltensucher“ beginnt Thomas Thiemeyer mit „Das verbotene Eden: David und Juna“ eine neue Science Fiction Buchreihe im PAN- Verlag, die sich wie die Chroniken an ein eher jugendliches Publikum wendet. Geschickt hat der Autor die Inspiration seines Romans – Shakespeares „Romeo und Julia“ – direkt in die laufende Handlung eingebaut.

Seine Geschichte beginnt im Jahre 2080. Seit 65 Jahren leben Männer und Frauen bis auf einige Begegnungen zur Zeugung von Nachkommen voneinander getrennt. Im Jahre 2015 hat ein Pharmakonzern ein künstliches Virus entwickelt, mit dessen Hilfe sie ihre Medikamente besser verkaufen wollten. Natürlich mutierte das Virus und sorgte für dramatische Antipathien zwischen Männern und Frauen. Nach einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen schlossen die Geschlechter den brüchigen Frieden. Die Männer leben in einer Extrapolation der spätmittelalterlichen Inquisition überwiegend in kleineren städtischen Gemeinden und suchen die rudimentär noch funktionierende Technik erst zum Überleben, dann zum Bau von Kriegsmaschinen zu nutzen. Angeführt werden sie von einem hasserfüllten Inquisitor, wobei Thomas Thiemeyer – wie sich im Verlaufe des Mittelteils des vorliegenden Buches etwas plottechnisch konstruiert, aber nachvollziehbar – dem obersten „Schurken“ ein überzeugendes Motiv zugesteht. Die Frauen leben in kleinen Gemeinschaften auf und vom Land. Sie werden von einer Hohepriesterin angeführt und verteidigen sich – ebenfalls nicht ganz nachvollziehbar – mit archaischen Kampftechniken auf Amazonenniveau.
Das labile Gleichgewicht wird empfindlich gestört, als eine Rattenplage die Erntevorräte der Männer – sie scheinen von einem Zehntel der Frauenernte zumindest miternährt zu werden – vernichtet und diese beginnen, Dorfgemeinschaften der Frauen nicht nur zu überfallen, sondern die Frauen auch zu vergewaltigen. Die Frauen wollen sich dieses aggressive Vorgehen der Männer nicht mehr lange gefallen lassen.

Wie es sich für eine derartige Geschlechtergeschichte gehört, erzählt Thomas Thiemeyer den Plot aus zwei unterschiedlichen, anfänglich natürlich konträren Perspektiven. Juna ist die siebzehnjährige Tochter der Hohepriesterin. Sie ist eine geschickte Kriegerin. Zu Beginn des Buches bringt sie in neugeborenes Junge zu einem markierten Kreis. Dort wird der Junge abgelegt und von den männlichen Mönchen der Gegenseite abgeholt. Neugierig beobachtet sie den jungen Mönch David, der zusammen mit seinem Lehrmeister das Baby abholt. Natürlich fällt ihr der attraktive Junge gleich auf, ohne dass sie es sich erklären kann.
David dagegen ist ein junger introvertierter Mönch, zu dessen Hauptaufgaben die Restaurierung alter Bücher im Kloster gehört. Seine Lieblingslektüre ist natürlich Shakespeares „Romeo und Julia“.
David und Juna stehen natürlich aktiv wie passiv im Mittelpunkt, als die Spirale der Gewalt sowohl vom Inquisitor als auch der fanatischen Dorfvorsteherin konsequent, aber leider auch vorhersehbar angezogen wird. Die beiden jungen Leute sind Außenseiter in ihren jeweiligen Gesellschaften und ragen wie die Vorbilder Romeo und Julia aus der Menge heraus. Während Junas Herkunft als Tochter der Hohepriesterin von Beginn an dem Leser und ihr bekannt ist, schließt sich bei David der Kreis erst nach dem Aufkommen eines anfänglich hinter vorgehaltener Hand erzählten Gerüchts. Thomas Thiemeyer gibt sich aber Mühe, den beiden Protagonisten erst einmal nicht nur herausragende, sondern griffige Profile zu geben. Das ist beim neugierigen, romantischen, intelligenten David ein wenig leichter als bei Juan, die – dem Plot geschuldet – im Grunde einen kompletten Charakterwechsel durchlaufen muss. Das dieser mit so wenigen Widersprüchen beim zweiten Aufeinandertreffen mit David gegen die bislang herrschenden Sitten und Gebräuche erfolgt, glaubt Thomas Thiemeyer auch nicht. Also führt der Autor eine Widersacherin in der Frauengemeinschaft ein, die David und den anderen entführten Mann erst einmal brutal foltern lässt, um an Informationen zu kommen. Diese brutale wie den Frauenregeln widersprechende Methode weckt den letzten Widerstand in Juna erst auf der persönlichen und dann überraschend mit einer starken Verbündeten auf der gesellschaftlichen Ebene. David dagegen verliert im cineastisch sicherlich interessanten, Handlungsbedingt vollkommen überzogenen Showdown an Persönlichkeit. Ohne Skrupel agiert er irgendwo zwischen Vigilanten und Prophet, die einzige Verbindung – seinen Stiefvater – verloren frei von den klösterlichen Zwängen. Diese Wandlung der Persönlichkeit trifft den Leser genauso unvorbereitet wie Davids aus dem Nichts erscheinende technische Fähigkeiten.
Um David und Juna herum platziert der Autor allerdings eher stereotyp entwickelte Figuren. Wie schon angedeutet schenkt er dem Inquisitor zumindest ein brauchbares Motiv, überspannt den Bogen aber auch, in dem er das Handbuch zur Folter von Hexen neben ihn legt. Die geistige Degeneration der Menschen erfolgt anscheinend auf literarisch- sozialem Gebiet sehr viel stärker als auf technischem. Natürlich ist die Idee eines kompletten Zusammenbruchs aller Technik und die sich daraus ergebenden sozialen Katastrophen ein reizvolles Thema, aber Thomas Thiemeyer schließt den Kreis nicht konsequent genug. Seine männliche Domäne klebt zu sehr an den teilweise damals wie heute herrschenden Vorurteilen, während die Frauen sich nur auf den ersten Blick von der Herrschaft des Mannes separiert haben. Sie greifen zu den gleichen Mitteln wie die Männer. Wenn das eine der Botschaften des Buches sein soll, dann trifft Thomas Thiemeyer den Punkt. Es gibt in seiner Welt – bis auf impliziert David und Juna – keine Schuldigen, aber auch keine echten Unschuldigen. Diese Ambivalenz zeichnet der Autor mit einem groben Pinsel, was nicht immer passend ist.
Unabhängig von dieser prämissentechnischen Schwäche folgt der Roman zu sehr – selbst für ein Jugendbuch – starren Handlungsmustern, die im Detail überraschen, als Ganzes aber zu konstruiert erscheinen. Im Gegensatz zu seinen deutlich originelleren „Chroniken der Weltensucher“ orientiert sich Thomas Thimeyer plottechnisch zu sehr an den Mustern seiner letzten, auch eher durchschnittlichen und schematisch geschriebenen Wissenschaftsthriller. Die einzelnen Konflikte bauen systematisch aufeinander auf. Die Eskalation der Gewalt ist vorhersehbar wie schematisch. Die Männer bauen auf „Gewalt“, um die eigene Missernte auszugleichen, während die Frauen mit Sturheit auf dem abgeschlossenen Vertrag bestehen. Beide Seiten unterschätzen das jeweils andere Geschlecht. Die Auseinandersetzungen werden blutiger, wobei die Frauen mit einem Präventivschlag gegen die Raffinerie der Männer die Oberhand behalten wollen. Während bei den Männern die Gehorsamsketten mit dem Inquisitor als Oberhaupt klar strukturiert – sie sind im Kern eine erneute Verschärfung der Auseinandersetzung, die der charismatische wie Macht besessene Inquisitor schon einmal betrieben hat – scheint bei den Frauen nicht ganz klar und überzeugend herausgearbeitet eine Art anarchistische Oligarchie zu herrschen. Es wäre sinnvoller gewesen, das Religiöse entweder vom Weltlichen besser zu trennen – das hätte allerdings die Position von Junas Mutter untergraben – oder den potentiellen Tochter/ Mutterkonflikt nachhaltiger zu etablieren.
Die letzte offensichtliche Schwäche ist das immer stärker implizierte Auflösen der sozialen „Gefüge“ durch eine Art MacGuffin Lösung, wobei auch hier die emotionaleren Frauen zuerst die Veränderungen spüren. Warum die nach gut einem Drittel des Romans etablierte Ordnung nicht weiter fortführen? Dadurch erhielte die romantische Beziehung zwischen David und Juna nicht nur mehr Konfliktpotential, sondern harmoniert besser mit der immer wieder erwähnten Liebestragödie Shakespeares. Für potentielle Fortsetzungen wirft Thomas Thiemeyer das bislang idealisierte Bild einer legendären „Zuflucht“ in den Plot. Unwillkürlich erinnern sich ältere Generationen an Michael Yorks „Läufer“ in „Flucht ins 23. Jahrhundert“. Es besteht aber berechtigte Hoffnung, dass sich Thomas Thiemeyer losgelöst von den „Fesseln“ des Shakespeare- Dramas in weiteren Bänden dieser Jugendserie mutiger, experimenteller und vor allem handlungstechnisch etwas vielschichtiger gibt. Potential ist ausreichend vorhanden, der Stuttgarter kann es nur zu selten heben.
Positiv sind seine Seitenhiebe auf die Exzesse menschlicher und im Speziellen männlicher Dummheit, die Thomas Thiemeyer fast sadistisch detailliert beschreibt. In Kombination mit dem Sprichwort „Hochmut kommt vor dem Fall“ sicherlich einer lesenswerte und pointierte Beimischung. Der Autor kritisiert dank seinen überwiegend zugänglich gezeichneten Figuren blinde Vorurteile genauso wie blindes Vertrauen bis zur naiven Hörigkeiten gegenüber den Vorgesetzten.
Die romantische Liebesbeziehung funktioniert besser als erwartet. Junas anfängliche Abscheu gegenüber dem jungen David – obwohl Juna keine lesbischen Tendenzen zeigt, während bei den Männern Homosexualität inzwischen gang und gäbe ist – hin zu Sympathie und schließlich „natürliche“ Leidenschaft wird ohne explizierten Sex gut und von Thomas Thiemeyer einfühlsam beschrieben. Überraschend wird Juna aus dem Nichts heraus ein positives Beispiel für ein glückliches Zusammenleben von Männern und Frauen präsentiert, was ihre Haltung gegenüber David auch beeinflusst.

Zusammengefasst birgt „Das verlorene Eden“ ausgesprochen viel, noch nicht wirklich zufriedenstellend gehobenes Potential und sucht der anfänglich dystopischen, aber das alte Thema vom Geschlechterkampf ohne größere Überraschungen erzählenden Grundhaltung insbesondere im allerdings überhastet geschriebenen Showdown zu entkommen. Während die Romanze weder kitschig noch pathetisch erscheint und von Thomas Thiemeyer positiv humorvoll erzählt wird, hätte der Plot etwas origineller und vor allem etwas stringenter erzählt werden können. Der Pan Verlag veröffentlicht Thomas Thiemeyers Roman mit einem eindruckvollen und trotz der einfachen Gestaltung visuell auffallenden Titelbild.

Thomas Thiemeyer: "Das verbotene Eden: David und Juna "
Roman, Hardcover, 462 Seiten
PAN Verlag 2011

ISBN 9-7834-2628-3608

Weitere Bücher von Thomas Thiemeyer:
 - Das verbotene Eden - Logan und Gwen
 - Der gläserne Fluch
 - Der Palast des Poseidon
 - Die Stadt der Regenfresser
 - Korona
 - Magma
 - Medusa
 - Nerba
 - Reptilia

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