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Science Fiction (diverse)



Brian Falkner

Angriff aus dem Netz

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Angriff aus dem Netz“ liegt der zweite Science Fiction Roman des australischen Autoren Brian Falkner auf deutsch vor. Wie in „The Tomorrow Code“, dessen Prämisse auf sehr wackeligen Beinen gestanden hat, präsentiert der Autor einen ausgesprochen rasanten Thriller, der dem überwiegend jugendlichen Lesepublikum eine klare Identifikationsfigur bietet, die über sich in fast unmöglich erscheinenden Situationen hinauswächst.

Um politisch opportun zu sein, verlegt Brian Falkner die geradlinige Handlung in ein noch paranoideres Amerika als es die Gegenwart anbietet. Las Vegas wurde durch einen terroristischen Anschlag zerstört, was unter anderem in einem kompletten Überwachung der amerikanischen Großstädte durch das Militär gipfelt. Im Gegensatz zur Realität wurde dafür das „World Trade Center“ nicht Opfer eines Anschlags. Ansonsten hält sich Brian Falkner außerhalb der virtuellen Realität stark an die gegenwärtige Technik und versucht die Leser lange Zeit auf Augenhöhe seines differenziert gezeichneten, aber zusammenfassend nicht ganz zufrieden stellend charakterisierten Protagonisten zu behalten. Sam Wilson ist ein Hacker, einer der besten jugendlichen Hacker. Der Anfang des Plots wirkt zwar eher wie ein Hackermanual als Teil eines komplexen Romans, aber Autor, Protagonist und schließlich auch Leser unterliegen der Versuchung, dank der Anonymität des Internets mehr als Robin Hood zu spielen. Online Gaming ist zu einer Art akzeptierter Gesellschaftsdroge geworden und mittels implantierter „Headset“ kann der Spieler im Grunde eine Symbiose mit dem Computer und damit den virtuellen Welten eingehen. Manches erinnert an eine moderne Version des Cyberpunks im Allgemeinen und erstaunlicherweise erinnert einiges an Sergej Lukianenkos „Labyrinth“ Romane, die ebenfalls im Jahre 2011 auf deutsch veröffentlicht worden sind. Sam Wilson sieht das Internet aber auch als eine Art Selbstbedienungsladen. Bei einem der größten Telekommunikationsanbieter will er sich ein modernes, noch nicht auf dem Markt befindliches Headset erhacken. Die Folgen sind ein Tage lang anhaltender Zusammenbruch der Netzwerke insbesondere der offiziellen Netzwerke und eine Inhaftierung durch die Behörden. Im Grunde folgt Brian Falkner in der Exposition fast klassisch klischeehaften Regeln des Jugendbuchromans. Der Protagonist muss kurz vor dem ultimativen Triumph im Grunde entwurzelt werden. Das erfolgt entweder durch einen Umzug, die Scheidung der Eltern oder in diesem besonderen Fall durch die Inhaftierung sowie Einweisung in eine Besserungsanstalt. Hier wird ihm nur eine eng begrenzte Zeit an einem uralten, doppelt oder dreifach gesicherten Computer ohne Internetzugang zur Verfügung gestellt. Nur seine Mutter besucht ihn. Brian Falkner versucht Sam Wilsons Verzweifelung in einfache, dreidimensionale Bilder zu packen. Das gelingt ihm nur teilweise. Wie in seinem ersten Buch „The tommorow Code“ ist die Zeichnung von Protagonisten eine Schwäche des Autoren. Der Leser nimmt Sam Wilson diese depressive Stimmung keine Sekunde ab. In kürzester Zeit – eine der ersten cineastisch effektiv gestalteten Sequenzen – gelingt ihm natürlich als erstem Jungen der Ausbruch aus der Besserungsanstalt. Die Freude währt nicht lange, da ihn die Cyber Homeland Security einfängt, ihn das Hauptquartier bringt und ihm schließlich eine einmalige Chance gibt, sich selbst nach entsprechender Probezeit zu rehabilitieren und vor allem das eigene Vaterland vor Cyberangriffen zu schützen. Diese auf den ersten Blick unmögliche Aufgabe lässt Sam Wilson als Person reifen und zu einem verantwortungsbewussten Menschen werden. Diese Bewusstseinsveränderung wirkt ein wenig zu stark aufgesetzt. Brian Falkner hat nicht den Mut, Sam Wilson als eckige Persönlichkeit zu belassen, sondern formt ihn immer stärker stromlinienförmig. Dieses Moralisieren zeichnete leider auch „The tomorrow Code“ aus. Alle anderen Charaktere sind zufrieden stellend, aber wenig dreidimensional gezeichnet. Nicht selten dienen sie ausschließlich plottechnischen Funktionalitäten. Während Sams Sidekick Kiwi auch stilistisch mit einem breiten, für Missverständnisse sorgenden Akzent „spricht“, agieren das glatzköpfige Computergenie Dodge, sowie die auf den ersten Blick hartherzige Vienna eher wie Chiffren aus diversen Cyberpunkromanen, aus denen sich zumindest Anlehnungen in „Angriff aus dem Netz“ wieder finden. Im Vergleich zu „The tomorrow Code“ agiert Falkner in dieser Hinsicht origineller und konzentriert sich auf die eigene Handlung als über den Tellerrand bei bekannteren Vorbildern Anleihen zu nehmen, aber zusammengefasst sind die Figuren eher blass und spiegeln die vom Autoren solide entworfene Nahe Zukunft ungenügend wieder. Auch die Idee der neuen in erster Linie im Internet und deren virtueller Realität stattfindenden sozialen Kommunikation wird in entscheidenden Punkten zu wenig nachhaltig extrapoliert. Falkner versucht seinen Leser Hinweise zu geben und sie zum Nachdenken anzuregen, bietet aber zu wenig eigenen Diskussionsstoff an. Immer wenn der Plot auf eine sozialphilosophische Ebene abzudriften droht, holt Falkner nicht immer gänzlich zufrieden stellend die einzelnen roten Fäden mit einer gut geschriebenen Actionszene förmlich wieder ab.

Im Vergleich zu zahlreichen anderen in erster Linie von amerikanischen Science Fiction Autoren verfassten Büchern setzt sich Brian Falkner deutlich ambivalenter mit den „neuen“ USA nach dem mit einer atomaren Waffe ausgeführten Anschlag auf Las Vegas auseinander. Die Repressalien der verschiedenen Homeland Security Abteilungen werden durchaus kritisch mahnend hinterfragt. Die Menschenwürde und die Grundrechte sind Falker und damit auch seinem Alter Ego Sam Wilson heilig, während die politisch militärischen Kräfte zwar opportunistisch, aber erstaunlich nuanciert beschrieben werden. Natürlich ist Sam Wilson eine „Waffe“ des Guten, ohne dessen überragende und teilweise unrealistisch beschriebene Computerfähigkeiten Amerika als Erstes und die ganze Welt als Zweites verloren wären. Aber dem Roman fehlt ausgesprochen angenehm jeglicher patriotisch kitschiger Pathos und die Bedrohung inklusiv der künstlichen Intelligenz wird zufrieden stellend ambivalent beschrieben. Die verschiedenen technischen Weiterentwicklungen sind in dieser Hinsicht absolut überzeugend und Brian Falkner gibt sich sehr viel Mühe, sie dem insbesondere jugendlichen Leser in allgemein verständlichen nicht belehrenden Beschreibungen zu vermitteln.
Das Brian Falkner ein talentierter, sehr cineastisch schreibender Autor ist, beweist er im vorliegenden Technothriller genauso wie im ökologisch beeinflussten „The tomorrow Code“. Nicht jede Szene ist wirklich nachvollziehbar und manchmal überspannt der Autor – wie seine offensichtlichen Vorbilder aus Hollywood – den Bogen, aber der Leser wird durch die Rasanz des stringenten Plots mitgerissen. Sehr viel besser strukturiert als sein Erstling gehört der vorliegende Roman zu den besseren Science Fiction Jugendbüchern der letzten Zeit, der allerdings auf einem sehr schmalen Grad zwischen aus anderen Werken bekannten Plotelementen sowie einer Handvoll in erster Linie technisch inspirierter Ideen seine Leser solide, teilweise inspiriert unterhält.


Brian Falkner: "Angriff aus dem Netz "
Roman, Softcover, 420 Seiten
DTV 2011

ISBN 9-7834-2324-8419

Weitere Bücher von Brian Falkner:
 - Der Tomorrow Code

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