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Science Fiction (diverse)



Poul Anderson

Agentin des Imperiums

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Agentin des Imperiums“ legt der Bastei Verlag den letzten Roman von Poul Andersons „Dominic Flandry“ Reihe als Taschenbuch neu auf. Ein weiterer Band ist von Anderson zumindest Titel technisch geplant gewesen, aber nicht mehr niedergeschrieben worden. Zumindest kennzeichnet sie der Bastei Verlag für diese Neuauflage als „Diana Flandry“ Band, während sie in den USA noch immer in einem engen Zusammenhang mit den Missionen ihres Vaters verkauft werden. Leider hinterlässt der erste und letzte Roman dieser Subreihe ein sehr ambivalentes Bild. Um sich einigen der plottechnischen Probleme zu nähern, ist es wichtig, den Hintergrund der „Dominic Flandry“ Reihe kurz zu beleuchten. Sehr viele von Andersons Büchern spielen in der „Technics History“. An Robert A. Heinleins Romane orientierten sich die Geschichten um den leibesstarken, etwas arroganten Händler Nicholas van Rijn. Deutlich dunkler sind die Geschichten um die Technic Civilisation, die der Agent Dominic Flandry über 5 Jahrtausende verfolgen konnte. Diese Romane lehnen sich zumindest vordergründig an die Stories um Retief, den Diplomaten aus Keith Laumers Feder an. Dominic Flandy muss im Untergrund eines korrupten, machthungrigen galaktischen Imperiums arbeiten, um zu verhindern, dass die lange Nacht über der zivilisierten Bevölkerung vieler Welten einbricht. Diese lange Nacht bringt das Zeitalter der Barbarei. Zwischen dem letzten Flandry Roman und dem vorliegenden Epos hat der Agent die Fronten gewechselt. Nicht zuletzt aufgrund seines fortgeschrittenen Alters agiert er als Graue Eminenz ausgerechnet hinter dem Thron, dessen Politik Flandry nicht selten nur zähneknirschend durchgesetzt hat. Als alternder Admiral hat der Protagonist der früheren Romane nur wenige, sehr dosiert über den Band verteilte Auftritte. Es ist kein Dominic Flandry Abenteuer im eigentlichen Sinne. Im Mittelpunkt steht stattdessen seine augenscheinlich uneheliche Tochter Diana. Sie steht zwar am Anfang ihrer Laufbahn, hat aber sehr viel von ihrem Vater gelernt. Leider kann sie dieses Wissen nicht anwenden, denn der Plot läuft im Grunde an ihr vorbei. Das ist sicherlich Kein Zufall, denn Poul Anderson hat die grundlegende Idee in seiner langen Karriere nicht nur einmal, sondern mehrmals verwandt. Wer bislang noch keine Romane aus der Feder des produktiven Amerikaners gelesen hat, wird zumindest die grundlegende Idee, aber nicht unbedingt die Ausführung originell finden. Wer sich in Poul Andersons Schaffen nur ein wenig auskennt, kann die Ähnlichkeiten zu „A Stone in Heaven“, der Kurzgeschichte „The Warriors of Nowhere“ bzw. der Novelle „The Rebell Worlds“ nicht überlesen. „A Stone in Heaven“ ist der dritte Roman der Dominic Flandry Reihe. Im Gegensatz zum Neuling Diana Flandry lag Dominic Flandrys Welt damals in Scherben. Seine große Liebe und einer seiner Söhne sind tot, zwei andere seiner Söhne sind inkompetent – ein Wunder, dass Anderson nicht aus ihnen die Helden der kommerziellen Fortsetzungen gemacht hat - und nach dem Pyrrhussieg über seinen größten Feind hat Dominic Flandry auch keine Zukunft als Geheimagent der Erde gesehen.

Unabhängig von Andersons Neigung, sich selbst zu zitieren, ist positiv gesprochen der Einfluss Kiplings an jeder Stelle der exotischen und fremden Welt zu spüren. Wie Robert A. Heinlein in seinem Jugendroman „Citizen of the Galaxy“ hat Anderson für „The Game of Empire“ ausgiebig Kiplings „Kim“ zitiert. Es empfiehlt sich vor der Lektüre dieses Bandes bzw. des deutlich besseren Werkes „A Stone in Heaven“ Kiplings „Kim“ zu lesen. Nicht zuletzt dank seiner vielen Jahren in Indien hat es Kipling geschafft, eine für den Mitteleuropäer fremdartige und über weite Strecken kulturell unverständliche Welt auf intensive und eindrucksvolle Bilder zu reduzieren. Nicht umsonst reisen sowohl in Kiplings „Kim“ als auch „Agentin des Imperiums“ zwei unerfahrene, junge Charaktere durch diese fremde Welt. Mit Dominic Flandry an den Kontrollen hätte der Roman nicht funktioniert. Beide Geschichte betonen den Kulturschock, den eine altehrwürdige, nicht unbedingt rückständige Zivilisation bei der Begegnung mit einer ausschließlich technokratisch orientierten Kultur erfahren muss. Während Jack Vance immer wieder die Vorteile seiner Science Fantasy Kulturen mit ihren reichhaltigen Hintergründen betont hat, konzentriert sich Poul Anderson im vorliegenden Band ausschließlich auf die Perspektive der Fremden in einer fremden Welt. Damit fehlt dem Buch eine gewisse Ambivalenz, die viele umständliche und viel zu lange extrapolierte Plotpassagen positiv ausgleichen könnte. Die Hintergründe des vorliegenden Bandes gehören zu den wenigen Stärken. Poul Anderson ist in seiner langen Karriere niemals ein wirklich Charaktergetriebener Autor gewesen. Bis auf die Modernisierungen nordischer Sagen, in denen seine archaischen Figuren sehr lebendig erschienen, hat er sich bei den Science Fiction Werken mehr für die technischen Möglichkeiten bzw. politischen Extravaganzen interessiert. Dominic Flandry verliert als alternder Admiral, der hinter eher obskuren Kulissen wirken soll, viel von seiner Dynamik und seiner Originalität. Seine Tochter Diana Flandry ist weder mit einem akzeptabel Hintergrund ausgestattet noch kann sie als Person überzeugen. Nicht einmal ihre Herkunft wird einwandfrei erläutert. Bislang ist immer nur von Flandrys sich sehr unterschiedlich entwickelnden Söhnen geschrieben worden.

Zu eindimensional, zu schwach und vor allem zu klischeehaft zeichnet Anderson sie. Auf ihren Schultern ruht im Grunde der ganze Roman. Findet eine Identifikation mit der Hauptfigur nicht statt, so kann die Handlung nicht funktionieren. Diana Flandry fehlt im vorliegenden Roman die Tiefe, die ihren Vater insbesondere in „A Stone in Heaven“, aber auch dem ebenfalls empfehlenswerten Vorgänger „A Knight of Ghost and Shadows“ so ausgezeichnet hat. Dieser innerlich gebrochene Mann zieht sich an dem Geheimnis auf Ramnau im wahrsten Sinne des Wortes hoch und damit aus dem Sumpf. Im Zuge seiner Ermittlungen muss Flandry allerdings fast masochistisch auch durch ein Tal der Tränen gehen. Diese dreidimensionale Charakterbeschreibung macht einen großen Teil des Flairs der Originalvorlage aus. Im vorliegenden Band bleibt Anderson in vielerlei Hinsicht seinen Schwächen treu. Die Hauptfigur ist relativ blass, ihr Vater gibt nur den Namen für einen anscheinend schon dem Verlag versprochenen Roman und die Antagonisten sind spärlich bis gar nicht charakterisiert. Dabei wird ausgesprochen viel Potential verschenkt. Zwar muss Diana Flandry in diese fremde Welt eintauchen, um überhaupt eine Chance zu haben, ihren Erfolg zu erledigen, aber es gelingt Anderson nicht, sie in die Handlung wirklich zu integrieren. Zu sehr dominiert das deutlich besser gelungene Portrait aus „A Stone in Heaven“ den vorliegenden Roman. Es fehlen die weiblichen Ideen. Zumindest der Versuch hätte unternommen werden müssen, sie vielleicht auch hinsichtlich ihrer Ideologie von ihrem Vater abzugrenzen.

Bis die eigentliche Handlung ins Laufen kommt, dauert es zu lange. Poul Anderon hält sich an sehr vielen unnötigen Details auf. Wie in seinen anderen Spätwerken – Ausnahme ist der wirklich gelungene „A Boat of a million Years“ – zeigt der Autor ein spürbares Desinteresse an den kompakten, sehr intelligent konzipierten und dann fast karg erzählten Plots seiner frühen Bücher. Vor allem hat der Leser keine Sekunde das Gefühl, das Poul Anderson akzeptiert, eine junge, aktive Frau als Protagonisten ausgewählt zu haben. Ihm fehlt das Einfühlungsvermögen in eine solche Figur. Aber nicht nur ihr, auch alle anderen Protagonisten des Buches können sehr wenig mit ihr anfangen. Der Roman selbst erscheint aufgebläht, vor knapp zwanzig Jahren scheint das Buch etwas mehr gekürzt im Rahmen der Bastei Action Reihe veröffentlicht worden sein. Ungekürzt lässt sich der Leser bei der Beschreibung der exotischen Welt diese Seitenschinderei noch gefallen, hinsichtlich des bekannten Plots nicht. Ein unnötiger Tiefpunkt der Dominic Flandry Familiensaga, der nur aus kommerziellen Gründen zusammengeschustert worden ist.

Poul Anderson: "Agentin des Imperiums"
Roman, Softcover, 304 Seiten
Bastei Verlag 2009

ISBN 9-7834-0424-8822

Weitere Bücher von Poul Anderson:
 - Die Kzin- Kriege 3. Eisen. Abenteuer aus dem Ringwelt- Universum.

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