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rezensiert von Thomas Harbach
Mit „Die Echsenwelt“ – im Original „Reunion“ – legt der Bastei Verlag einen weiteren Pip und Flinx Roman aus dem Jahre 2001 zum ersten Mal auf Deutsch vor. Bevor Alan Dean Foster mit der inzwischen schon komplett übersetzt vorliegenden frühen Commonwealth- Trilogie sich an die Arbeit gemacht hat, seinem umfangreichen Universum nicht nur eine Basis, sondern mehr und mehr Verbindungsstangen zu den bislang isoliert stehenden Büchern zu geben, hat Foster eine Reihe von Fortsetzungen zu seinem frühen Werk „Flinx von Außenwelt“ geschrieben. In kurzen Abständen veröffentlicht der Bastei- Verlag in den kommenden Monaten die weiteren Bände dieses Subzyklus. Flinx ist der junge Philip Lynx, dessen empathische Fähigkeit das Ergebnis von gezielten genetischen Manipulationen ist. Pip ist nicht nur ein außerirdisches Wesen in der Gestalt eines Mini- Drachen, sondern vor allem Flinx lebenslanger getreuer Freund, Verbündete und teilweise emotionales Alter Ego. Aufgrund seiner Wehrhaftigkeit hat Pip seinen menschlichen Freund schon aus verschiedenen schwierigen Situationen gerettet. Flinx ist nicht zuletzt aufgrund seiner empathischen Fähigkeiten nicht nur ein Außenseiter der menschlichen Gesellschaft, er versucht zuerst seine Wurzeln zu finden und agiert später als Botschafter zwischen den Menschen und den Fremden. Die neuen Romane beschreiben die einzelnen Stationen seiner Suche nach der eigenen Vergangenheit. „Die Echsenwelt“ beginnt allerdings auf der Erde. Flinx findet heraus, das eine Computerdatei mit wichtigen Daten über seine Geburt gestohlen worden ist. Eine Kopie existiert nur auf der abgelegenen Wüstenwelt Pyrassis, die unter der Kontrolle der AAnn sind. Diese Echsenabkömmlinge stellen in allen Romanen Fosters den Urfeind des zivilisierten Commonwealth dar. Flinx fliegt nach Pyrassis und beginnt seine Untersuchungen auf dieser unwirtlichen Welt. So findet er unter anderem einen seit mindestens einer halben Millionen Jahre unbenutzten und unbekannten Transmitter außerirdischer Bauart. Während einer Auseinandersetzung wird ein Signal zu einem Mond des auch dem Autoren unbekannten Planeten im Sonnensystem ausgeschickt. Sowohl in der Originalfassung als auch der deutschen Übersetzung darf der Leser zwischen dem sechsten oder zehnten Planeten des Sonnensystems wählen. Hier hätte zumindest der Lektor aufpassen müssen. Schnell steht Flinx zwischen allen Fronten. Zum einen jagen ihn die AAnn – wie nicht selten in den Romanen -, dann führt sein Alter Ego eine menschliche Expedition zu diesem Mond und drittens muss sich Flinx wieder mit einigen Bruchstücken seiner nicht immer positiven Vergangenheit auseinandersetzen.
Mitte der siebziger Jahre mit seinen ersten Romanen wie „Die denkenden Wälder“ verglich die Kritik Alan Dean Foster mit Harry Harrison und Eric Frank Russell. Stilistisch überzeugend mit bodenständigen, aber eindinglichen Plots, gut gezeichneten Charakteren, aber vor allem hervorragend entwickelten fremden Landschaften gehörte Foster zu den Autoren, die sich vom immer kritisch und schwerfällig werdenden New Wave auf den Sense of Wonder der Pulp Science Fiction besannen und diesen Geschichten ein modernes, durchaus ökologisch aktives Bewusstsein schenkten. Im vorliegenden Band sind diese Ansätze leider nur noch oberflächlich vorhanden. Natürlich gehört die Echsenwelt zu den besseren und farbenprächtigen Schöpfungen Alan Dean Fosters seit vielen Jahren. Im Mittelteil nimmt sich Foster sehr viel Zeit, die Gefahren dieser Welt detailliert zu beschreiben. Flinx wandert über die Wüstenoberfläche dieser Welt. Er leidet Durst und Hunger. Foster bemüht sich, für diese Gefahr überzeugende Lösungsansätze zu beschreiben. Er wird von gut getarnten Reptilien bedroht. Dazu kommen die AAnns, welche ihn töten wollen. Je romantechnisch und unnötig stilistisch überfrachtet länger sich Flinx in der Wüste aufhält, desto weniger wirklich originelle Ideen präsentiert Alan Dean Foster. Handlungstechnisch gelingt es Flinx nicht nur, den Supertransmitter zu finden, sondern ihn natürlich zu aktivieren und gleichzeitig auch noch eine Gruppe von menschlichen Eindringlingen auf sich aufmerksam zu machen. Pflichtschuldig häuft Foster eine Gefahr nach der nächsten auf Flinx im Grunde überfordertes Haupt und überstrapaziert die Glaubwürdigkeit seines Plots, um ihn dann mittels einer halbintelligenten Pflanze und der K.I. seines Raumschiffs aus der größten Gefahr zu retten. Mit derartig waghalsigen und vor allem die Intelligenz seiner Leser im Grunde beleidigenden Aktionen würdigt Foster die ersten guten Geschichten um Flinx und Pip unbeschreiblich herab. Diese Inhaltslosigkeit versucht Foster mit einem künstlichen Techno- Gebabbel, sowie teilweise überambitioniert wirkenden Beschreibungen auszugleichen, welche die kaum überraschende Handlung – bis auf den frechen Zwischenplot – noch weiter dehnen. Unabhängig davon, dass es diesen Mittelabschnitt im Grunde gar nicht hätte geben dürfen, gelingt es Foster nicht, eine Verbindung zwischen seiner durchaus überzeugenden Weltenschöpfung und dem Leser/ Protagonisten auf der anderen Seite herzustellen. Foster sollte dazu verurteilt werden, Harry Harrisons „Deathworld“ Trilogie genauso wie seine frühen Flinx Bände mindestens zweimal lesen. Mit dem Ende des Abschnitts auf Pyrassis nimmt der Roman dann allerdings das lange vermisste Tempo wieder auf. Auch wenn die folgenden Kapitel nicht so übertrieben niedergeschrieben worden sind, erreichen sie niemals die karge Geradlinigkeit, welche den Auftakt des Romans auf der Erde auszeichnet. Rückblickend hat der Leser das Gefühl, als habe Foster den Roman nach den ersten Kapiteln für sehr lange Zeit zur Seite gelegt, um sich vielleicht um Filmadaptionen zu kümmern. Mit der Beschreibung der außerirdischen antiken Artefakte gelingt es dem Autor allerdings, den Leser teilweise zu verblüffen und die über weite Strecken fehlende Spannung zumindest auf den ersten Blick wieder herzustellen. Leider hilft sich Foster auch in diesem Handlungsabschnitt mit einem zweiten Bauerntrick aus der strategischen Klemme. Bis auf Flinx ist noch niemand wirklich den Spuren dieser Zivilisation begegnet. Aber Flinx ist auf seinen vielen Reisen einer ähnlichen Maschine schon einmal begegnet, kann also auch dieses Nachfolgermodell bedienen und entledigt sich so fast aller Sorgen hinsichtlich seiner diversen Verfolger. Um seinen neuen Zyklus um Flinx und Piper nicht vorzeitig zu beenden, gibt Foster auf den letzten Seiten nur ausweichende Antworten auf die vielen Fragen, die sich Flinx zu Beginn des Buches im Archiv der Erde auf der Suche nach der Datei gestellt hat. Dass diese ganze Jagd über diese Wüstenwelt im Grunde unnötig gewesen ist, hat Foster mit den wenigen Zeilen bewiesen, in denen das Shuttle Flinx aus der unmittelbaren Gefahrenzone vor dem Zugriff der vom jungen Mann selbst auf den Plan gerufenen Antagonisten rettet. In seinen früheren Romanen hat Foster sich handlungstechnisch zwar auch auf bewährte Situationen konzentriert, die aber wie Harry Harrison oder Eric Frank Russel oft auf originelle und höchst ungewöhnliche, aber logisch nachvollziehbare Art und Weise aufgelöst hat.
„Die Echsenwelt“ hinterlässt als Roman betrachtet einen uneinheitlichen Eindruck. Das Buch scheint unter großem wahrscheinlich auch zeitlichem Druck geschrieben worden zu sein.
Immer noch besser zu lesen als Foster unerträgliche humorvolle Fantasy- Reihe reicht der vorliegende Roman nicht an seine Meisterwerke wie „Die denkenden Wälder“ oder „Die Eissegler von Tran-Ky-Ky“ heran. Der Roman ist zu uneinheitlich strukturiert. Spannende Passagen werden nicht zufrieden stellend aufgelöst und teilweise beleidigt der Autor mit wirklich einfallslosen Auflösungen die Intelligenz seiner Leser. Die Ausgangsidee reicht nicht für den ganzen Roman und die Nebenhandlungen werden eher schwerfällig und konstruiert wirkend beschrieben, aber niemals in die eigentliche Handlung integriert. Zumindest gelingt es Alan Dean Foster, das Verhältnis zwischen Pip und Flinx über weite Strecken des Romans mit der bekannten Warmherzigkeit und Dreidimensionalität darzustellen, welche der Leser aus den ersten Bänden – und den folgenden Romanen, die qualitativ wieder besser werden – kennt und schätzt. Es ist nur schade, das Foster keinen vernünftigen Plot für den vorliegenden Band entwickeln konnte und insbesondere die Schurken – sowohl AAnn als auch Menschen – klischeehaft überzeichnet worden sind. „Die Echsenwelt“ wird in erster Linie die Fans von Flinx und Pip ansprechen. In Hinblick auf das Verbinden der bislang im Commonwealth Universum isoliert spielenden Romane werden den Lesern keine weiteren Informationen gegeben, so dass auf eine Empfehlung des Buches bis auf die engste Zielgruppe verzichtet werden kann und in Hinblick auf die Qualität auch verzichtet werden muss.
Alan Dean Foster: "Die Echsenwelt"
Roman, Softcover, 390 Seiten
Bastei- Verlag 2008
ISBN 9-7834-0424-3754
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