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Science Fiction (diverse)



Andreas Eschbach

Das Marsprojekt 5:
die schlafenden Hüter

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem fünften Band “Die schlafenden Hüter” schließt Science Fiction Autor Andreas Eschbach den insgesamt fünfbändigen Zyklus “Das Marsprojekt” zumindest vorläufig ab. Das etwas offene Ende suggeriert die Möglichkeit einer weiteren Serie. Das Fazit sollte über den letzten Band hinausreichen, in welchem der Autor mit Atombomben tragenden Terroristen und vor vielen Jahren verschwundenen Vätern, mit Außerirdischen, die plötzlich aus ihrem Schlag erwachen und
den politischen Ränkespielen noch einmal viele Themen streift bzw. aufgreift, um einen rasant geschrieben, aber inhaltlich nicht gänzlich befriedigenden Roman abzuliefern. Um es gleich vorweg zu nehmen, “Das Marsprojekt” ist Science Fiction für Jugendliche, die sich noch nicht in der phantastischen Literatur gut auskennen. Oft greift Eschbach auf Ideen seiner vielen Vorgänger wie Robert A. Heinlein zurück, dessen Jugendromane sicherlich ihm als Vorbild gedient haben. Das die blauen Türme Dimensions bzw. wie es im letzten Band erläutert wird, Sternentore sind, welche einer reiferen Menschheit den Weg zu den Sternen ermöglichen, ist eine Idee, die Eschbach schon im dritten und vierten Band vorbereitet hat. Das Durchschreiten eines der blauen Türme führt zur Erde, wie die Marskinder am eigenen Leib erfahren haben. Der zweite Turm, welcher noch nicht aktiviert worden ist und sich in eine Ausgangsposition dreht, öffnet den Weg zu den Sternen. Das die Menschheit noch nicht reif für einen echten First Contact ist, zeigen die politischen Konflikte. Das beginnt im vorliegenden Band mit der Verhaftung des Geheimdienstchefs, der zur radikalen Heimwärtsbewegung gehört und mit für die Räumung der Marsbasis verantwortlich ist. Insbesondere im vorliegenden letzten Band radikalisiert Eschbach diese Bewegung endgültig. Im vierten Roman “Die steinernen Schatten” haben Mitglieder dieser Terroristenorganisation die Marskinder auf der Erde entführt, im fünften Teil wollen sie mittel Atombomben natürlich blind die blauen Türme vernichten, um die Menschheit zur Rückkehr auf die Heimatwelt zu schwingen. Insbesondere in Hinblick auf diese politische Organisation und ihre Motive bleibt Eschbach an der Oberfläche, fasst zwar deren Argumente zusammen, setzt sich aber nicht mit ihnen auseinander. Der Leser erhält auch wenige Informationen über das soziale bzw. wirtschaftliche Klima auf der Erde. Zumindest Afrika als vorläufiger Sitz der neuen Weltregierung scheint sich aus dem Elend und den Hungerskatastrophen herausgearbeitet zu haben. Es wäre sinnvoll, die oft vorherrschende schwarzweiß Malerei etwas farbiger zu gestalten und den jugendlichen Lesern einen besseren Zugang zu dieser extremen Position zu geben. Das Eschbach zusammen mit seinen Marskindern die “Ad Astra per Aspera” Bewegung bildet, steht ohne Zweifel fest. Das der Anschlag auf die Türme alleine durch den technischen Unterschied zum Scheitern verurteilt ist, steht von Beginn des Buches an fest. Hier macht es sich der Autor ebenfalls zu einfach. Vielleicht hätte er den Terroristen raten sollen, die Fundamente der Türme zu erschüttern, um etwas mehr Spannung aufzubauen. Auf jeden Fall hechelt sich Eschbach auf den letzten Seiten nicht nur durch den Anschlag, sondern beschreibt insbesondere im Vergleich zu den über eintausendfünfhundert vorangegangenen Seiten die Begegnung mit den Fremden zu hektisch und fast als Parodie auf die unzähligen Science Fiction First Contact Geschichten. Das die Politiker - egal aus welchem Lager sie nun endgültig kommen, das spielt am Ende von “Die schlafenden Hüter keine Rolle mehr - mit dieser Begegnung überfordert sind, steht außer Frage, aber etwas mehr Fleisch und vor allem eine weniger pathetisch steife Haltung hätte der Autor seinen Figuren schon auf den Leib schreiben sollen. Das die Kinder - insbesondere Elinn - im Mittelpunkt dieser Begegnung steht, ist gerade noch akzeptabel. Zu den schwächsten Handlungsteilen gehört die Suche nach dem vermissten Marsforscher James Fraggan in der ersten Hälfte des Buches. Mir einer komischen “alles wird gut” Mentalität negiert der Autor die Idee, das die Erforschung des Weltalls eine lebensgefährliche Angelegenheit ist. Fraggan ist vor acht Jahren verschwunden, seine Frau und seine Tochter haben immer daran geglaubt, das er noch lebt. Sein Verschwinden steht natürlich in einem engen Zusammenhang mit den außerirdischen Artefakten und seine “Entdeckung” öffnet nicht nur die Perspektive auf die Hinterlassenschaften der Fremden, sondern beantwortet in einer kleinen Hommage an “2001” eine Reihe von bislang unbeantworteten Fragen. Auch hier hat der Autor im vierten Band der Reihe einen kleinen Hinweis platziert, welcher jetzt einen Sinn erhält. Aber auch hier muss sich der Autor fragen lassen, ob diese Erläuterung wirklich in sich stimmig ist. Träume, die sich in Form von Steinen manifestieren? Warum stehen auf den Steinen nicht nur die Namen seiner Kinder bzw. seiner Frau, sondern auch von deren Freunden, wenn der Mann insgesamt acht Jahre und die Reisedauer davor verschwunden ist? Wie hat er erkannt, das er aus der Kraft seiner Gedanken einen Schlüssel bilden kann? Alles Punkte, auf welche Eschbach interessante, aber letzt endlich ausweichende Antworten gibt und die im zunehmenden Tempo des Romans, der unweigerlich auf seinen Höhepunkt zusteuert, untergehen. Unabhängig davon ist die Sequenz in der Schlafhöhle der Fremden gut geschrieben. Der Versuch, eine nicht zu leugnende “alles wird gut” Mentalität zu etablieren, wird von Andreas Eschbach nicht zu kitschig niedergeschrieben. Die Idee, das Verschwunden nicht gleich Tod ist, widerspricht allerdings den Entbehrungen und Opfern, die Menschen zur Eroberung des Alls auf sich genommen haben. Ein etwas dunkleres Ende der Suche nach Faggan wäre in diesem Fall plottechnisch und handlungstechnisch vielleicht realistischer und authentischer gewesen. Immerhin müssen sich die jugendlichen Leser in diesem Entwicklungsabschnitt nicht nur mit ihren eigenen Gefühlen auseinandersetzen, sondern auch Freude wie Trauer verarbeiten müssen.

Im Vergleich zu seinen frühen Science Fiction Romanen, die im Haarknüpferuniversum spielen, sind die von Andreas Eschbach angebotenen Ideen bodenständig und wirken teilweise zu stromlinienförmig. Im letzten Band hat der Autor für eine weitere Entwicklung insbesondere seiner jugendlichen Charaktere keinen Raum und handlungstechnisch keine Zeit mehr. Insbesondere der Epilog wirkt ein wenig zu kindisch, wenn in der neuen Marsstation natürlich wieder ein geheimer Versammlungsraum für die Kinder integriert wird und die Außerirdischen sich als übergeordnete Hüter erweisen, die angeblich über die Entwicklung der Menschheit im Schlaf überwacht hat.

Das Fazit umfasst sowohl den vorliegenden fünften Band “Die schlafenden Hüter” als auch die Pentalogie. Mit “Das Marsprojekt” hat Andreas Eschbach trotz der angesprochenen Schwächen eine umfangreiche und teilweise sehr spannende Science Fiction Serie für Jugendliche geschrieben, welche als Einstiegslektüre sich besser eignet als zum Beispiel “Perry Rhodan”. Die Romane sind stilistisch ansprechend geschrieben, auch wenn der ganze Plot die Länge des Zyklus nicht tragen kann. Die jugendlichen Protagonisten mit ihren Sorgen und Nöten, ihrem Optimismus gehören zu den überzeugenden Schöpfungen der Serie und bleiben dem Leser noch lange im Gedächtnis, wenn dieser die Handlung schon längst vergessen hat. Im Verlaufe der fünf Romane spricht Andreas Eschbach alle wichtigen Themen der Jugendbuchliteratur zumindest impliziert an. Nur selten präsentiert er überraschende Lösungen, aber ihm gelingt es zumindest, mit seinen Lesern auf Augenhöhe zu kommunizieren. ER verzichtet wohlwollend auf jegliche Belehrungen. Wie in einigen seiner anderen Mainstreamromane greift Andreas Eschbach gerne auf bekannte Versatzstücke der populären Literatur zurück und variiert diese zu wenig. Auf der anderen Seite beschreibt er diese Szenen zumindest spannend. Zusammengefasst gehört “Das Marsprojekt” zu den besseren Science Fiction Jugendserien und die Serie ist eine der wenigen Arbeiten, in denen der “Sense of Wonder” des Weltalls am Leben erhalten wird. Das alleine ist im Gegensatz zu der oft zu Problembeladenen Science Fiction anderer Jugendbuchautoren eine Lektüre wert.

Andreas Eschbach: "Das Marsprojekt 5: die schlafenden Hüter"
Roman, Hardcover, 361 Seiten
Arena- Verlag 2008

ISBN 9-7834-0106-0613

Weitere Bücher von Andreas Eschbach:
 - Ausgebrannt
 - Das Marsprojekt 3- Die gläsernen Höhlen
 - Das Marsprojekt 5: die steinernen Schatten
 - Der Nobelpreis
 - Die seltene Gabe
 - Perfect Copy
 - Perry Rhodan 2295: Die Rückkehr
 - Quest

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