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Science Fiction (diverse)



Andreas Eschbach

Das Marsprojekt 5:
die steinernen Schatten

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem vierten Band „Die steinernen Schatten“ zieht Andreas Eschbach das Tempo seiner Serie um die „Marskinder“ zumindest in der ersten Hälfte des Bandes auch plottechnisch stark an. Die einzelnen Andeutungen und Hinweise verbinden sich langsam zu einem komplexen und kompletten Bild, das teilweise sehr überraschend ist, dann sich wieder aus bekannten Versatzstücken der Science Fiction zusammensetzt.

Die Handlungsebenen sind inzwischen dreigeteilt, der Autor springt aber souverän und für den Leser sehr gut nachvollziehbar von einer Ebene zur nächsten. Zuerst versuchen die Politiker des Mars nach der Entdeckung der Höhlen mit den Außerirdischen durch einen der Jugendlichen mit einer restriktive Informationspolitik der Erde die letzten Entdeckungen der außerirdischen Zivilisation zu verheimlichen. Die Erde selbst ist politisch mehr unter mehr unter der Kontrolle der Heimwärtsbewegung, welche die Kolonien unter anderem auf dem Mond und dem Mars aufgeben möchte. Die Entdeckung einer alten Marszivilisation mit der Möglichkeit, dass deren Hinterlassenschaften alles andere als inaktiv sind, wäre ein gefundenes Fressen für diese Fundamentalisten. Obwohl der politische Hintergrund insbesondere in den letzten drei Romanen der Serie stetig verdunkelt, manifestiert er sich nicht im grundlegenden Plot.

Zu Beginn des vorliegenden Bandes erkennen Carl, Elinn und Urs, das es sich bei den blauen Türmen um Dimensionstürme handelt, welche scheinbar auf den ersten Blick das Tor zu einer fremden, aber erdähnlichen Welt öffnen. Nur die Kinder, welche über einen mit ihrem Namen beschriebenen Leuchtstein verfügen, können diese Schwelle überschreiten. Bei ihrem in Eigeninitiative vorgenommenen Ausflug durchschreitet die kränkliche Elinn diese Schwelle und landet auf dem in Hinblick auf die Schwerkraft für ihren Körper deutlich ungesunderen Planeten. Erst später stellt sich heraus, dass es sich bei dieser Welt um die Erde handelt. Anscheinend haben die verschwundenen Marsbewohner eine Brücke zwischen ihrer Welt und der Erde geschlagen. Die Landestelle liegt in Nairobi, in der Nähe des Sitzes der neuen Weltregierung. Das Auftauchen der Kinder sorgt bei den Behörden für eine Sensation, durch die Nachrichtensperre ist nicht bekannt, welche Funde wirklich auf dem Mars gemacht worden sind. Schnell geraten die Jugendlichen aber auch in die politischen Mühlsteine. Die Handlung auf der Erde beginnt Andreas Eschbach rasant und packend. Geschickt kombiniert der Autor Informationen aus den vorangegangenen Romanen mit neuen Erkenntnissen. Wer sich im Science Fiction Bereich gut auskennt, wird keine neuen Ideen entdecken, aber dank Eschbachs sehr angenehmen Stil lassen sich diese Abschnitte sehr gut lesen. So scheinen die Außerirdischen schon einmal die Erde vor langer Zeit besucht zu haben. Bei diesem Besuch ist nicht alles friedlich abgelaufen und auf einem Stein findet sich ein Schattenriss eines Außerirdischen, der ebenso wie das Atombombenopfer in Hiroshima in den Hintergrund förmlich gebrannt worden ist. Bevor diese gute Idee weiter extrapoliert werden kann, verliert Eschbach vollkommen unnötig den Faden und greift auf die Klischees des Jugendbuchs zurück. Die kleine Gruppe wird entführt. Anscheinend wollen Mitglieder der Heimwärtsbewegung die Marsianer als Faustpfand benutzen, um die Nachrichtensperre auf dem Mars aufzuheben und das schändliche Treiben der Politiker zu entlarven. Bevor diese nicht unbedingt originelle Idee weiter fortgeschrieben werden kann, werden die Jugendlichen durch einen Handstreich wieder befreit. Und zwar vom reichsten Mann der Erde, der heimlich ein neues Raumschiffaggregat entwickelt hat, mit dem man natürlich schneller zum Mars fliegen kann. Da die Behörden den Prototyp noch nicht freigegeben haben, muss der Abflug still und heimlich erfolgen. Dieser letzte Handlungsabschnitt wirkt leider konstruiert und seltsam leblos. Mit einem Schlag löst Andreas Eschbach zumindest im vorliegenden vierten Band der Serie zwei handlungstechnische Probleme auf: zum einen leidet Elinn unter der Schwerkraft und es ist nicht sichergestellt, das sie noch lange trotz Medikamenten auf der Erde überleben kann und zum Zweiten müssen die Protagonisten natürlich für den obligatorischen Showdown im folgenden doch letzten Band der Serie auf den roten Planeten zurück. So fasziniert die Rückkehr bzw. Ankunft der Marskinder auf ihrer originären Heimatwelt auch ist, so wenig macht Andreas Eschbach aus den verschiedenen guten Ansätzen. Er bemüht sich, den jugendlichen Lesern ein verständliches Bild der gegenwärtigen und wahrscheinlich auch zukünftigen Politik der kleinen Schritte zu geben und verbindet gute Landschaftsbeschreibungen mit soliden, überzeugenden Hintergrundinformationen. Aber diese stilistische Eleganz spiegelt sich in der teilweise zu vorhersehbaren Handlung wieder.

Die Ereignisse auf dem roten Planeten selbst sind ein wenig interessanter. Es kommt nicht nur zu politischen Spannungen, sondern das Verschwinden der Kinder – die Marsianer wissen lange nicht, das diese fremde Welt in Wirklichkeit die Erde ist und die Messergebnisse lassen sich zumindest spannungstechnisch nicht einwandfrei lesen – bewirkt kritische Situationen in den einzelnen Familien. Das ausgerechnet nur ein Mitglied der Marskindergruppe das letzte von der asiatischen Station geborgene Gleitflugzeug bedienen kann, ist einer der plottechnischen Kompromisse, die im Jugendbuch trotz der Unglaubwürdigkeit hingenommen werden muss. Eschbach bemüht sich aber um eine akzeptable Balance. Für ihn arbeitet die Tatsache, dass die Marskolonie generell unterbesetzt ist und viele einfache nicht wissenschaftliche Mitarbeiter inzwischen zur Erde zurückgekehrt sind.

In Hinblick auf den gesamten Zyklus bemüht sich Andres Eschbach, den Lesern weitere Fragmente zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig die Spannungsschraube immer feste zu drehen. So bewegt sich der zweite Turm sehr langsam um die eigene Achse und das Ende dieser Drehbewegung in mehreren Monaten könnte auf ein weiteres Besonderes Ereignis hinweisen. Die Kinder haben ausreichend – strategisch nicht schlecht gemacht – Zeit, um wieder auf den Mars zurückzukehren. Das es anscheinend vor vielen Jahrhunderten einen interstellaren Konflikt gegeben hat, ist ein eher unnötiger Kompromiss, den plottechnisch Andreas Eschbach nicht nötig hat. Die Spannung aufgrund der einzelnen bislang fragmentarisch beschriebenen Entdeckungen sowie den verschiedenen politischen Gruppierungen auf der Erde ist schon groß genug. Eine unmittelbare ultimative Bedrohung der Menschen in Form von kriegerischen außerirdischen Wesen, welche auch noch Heuschrecken ähneln, hinzuzufügen, ist zu viel des Guten.

Weiterhin gewinnen die einzelnen Jugendlichen – nicht zuletzt durch die räumliche Trennung – mehr an Persönlichkeit. Sie müssen sich ja nicht nur mit ihren Funden auseinandersetzen, sondern erleben mit, wie sich getrennte Eltern neu verlieben oder sie selbst Tante/ Onkel werden. Klassische Jugendbuchthemen, welche Eschbach routiniert in das Gesamtszenario integriert. Dabei gelingt es ihm ausgesprochen gut, sich in den vielschichtige Gefühlswelt seiner Protagonisten hineinzuversetzen. Das Zusammenspiel bzw. die Konfrontation mit den Erwachsenen ist überzeugend und vor allem nicht abhängig von der futuristischen Umwelt. Eschbach bemüht sich dabei, immer oft durch wechselnde Perspektive beide Seiten der Medaillie zu zeigen. Mal kommt das Konfliktpotential von den Jugendlichen, dann versuchen die Erwachsenen, aber nicht unbedingt die Eltern die Wogen zu glätten. Dann findet die Auflösung des Konfliktes in einer ähnlichen, aber niemals wirklich gleichen Konstellation unter umgekehrten Vorzeichen statt. Eschbach zeichnet diese Situationen nur nach, fällt keine Urteile. Ähnlich geht er hinsichtlich der Fakten hinter seiner futuristischen Welt vor. Er informiert und bereitet sehr breite Informationen über diverse Themen von Astronomie über Politik bis zur Geschichte auf. Diese präsentiert er informativ, aber niemals wirklich belehrend. Oft nutzt der Autor die Form von Dialogen, um auf Augenhöhe seiner Leser

Wie schon angesprochen bereitet der vorliegende Roman „Die steinernen Schatten“ nun doch die Bühne für den Abschlussband. Über weite Strecken ist der Roman nicht nur rasant, sondern vor allem interessant spannend geschrieben. Erst im letzten Drittel fällt das plottechnische Gebilde deutlich zusammen und um nicht zu viel vom Abschlussband vorwegzunehmen greift Eschbach auf einige eher belanglose Ideen wie die Entführung zurück. Diese führt er dann eher lieblos aus. Wenn sich Andres Eschbach zumindest die Mühe gemacht hätte, diese Szenen sorgfältiger zu gestalten, wäre der Unterschied zum sehr schönen Auftakt nicht so krass. Insgesamt ein solider Roman, der hohe Erwartungen an den letzten Band der Serie um die Marskinder und ihre Entdeckungen weckt. Vor allem im Vergleich zum zweiten und dritten Band des Marsprojektes eine deutliche Steigerung.

Andreas Eschbach: "Das Marsprojekt 5: die steinernen Schatten"
Roman, Hardcover, 347 Seiten
Arena Verlag 2007

ISBN 9-7834-0106-0606

Weitere Bücher von Andreas Eschbach:
 - Ausgebrannt
 - Das Marsprojekt 3- Die gläsernen Höhlen
 - Das Marsprojekt 5: die schlafenden Hüter
 - Der Nobelpreis
 - Die seltene Gabe
 - Perfect Copy
 - Perry Rhodan 2295: Die Rückkehr
 - Quest

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