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Science Fiction (diverse)



Andreas Eschbach

Das Marsprojekt 3- Die gläsernen Höhlen

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Die gläsernen Höhlen“ liegt jetzt der Mittelteil Andreas Eschbachs der ursprünglich auf fünf, dann sieben Bände projektierten Mars- Serie vor. Nach dem sehr interessierten Auftakt versandete nicht zuletzt aufgrund einer Reihe unnötiger Wiederholungen der zweite Band in der Unendlichkeit des Mars und der Unentschlossenheit des Autors, bis auf die letzten Augenblicke wirklich etwas Neues erzählen zu wollen. Beim Übergang zwischen dem ersten auf den zweiten Band hat sich der Leser die Frage gestellt, ob „Das Marsprojekt“ wirklich von Beginn an als Serie konzipiert worden ist. Im vorliegenden dritten Band beginnt sich Andreas Eschbach zum einen sorgfältiger um die Idee einer fortlaufenden Serie zu kümmern, zum anderen versucht er die Problematik zu überspielen, das der grundlegende Plot nicht für fünf bzw. inzwischen sieben Romane reicht.

Einen offenen und plakativ genutzten, aber im Kern unlogischen Handlungsfaden des ersten Bandes – die zwei gewaltigen Raumschiffe, die ursprünglich die Marsstation evakuieren sollten und deren Mission von den Funden einer verschollenen Marszivilisation ad absurdum geführt worden ist – versucht Eschbach gleich zu Beginn des Romans zu beenden. Die Brücke, welche der Autor schlägt, lässt sich nicht nachvollziehen. So bleibt von Beginn an unklar, wie die Menschheit innerhalb eines Jahres – vom Ausschicken dieser beiden gewaltigen Raumschiffe bis zum Entsenden weiterer, viel schnellerer Raumschiffe – technologisch einen Quantensprung in Bezug auf die bemannte Raumfahrt gemacht , zwei neue Raumschiffe ausgerüstet und aufgrund einer wahrscheinlich jahrtausende Alten Entdeckung überstürzt entsandt hat, obwohl auf dem Mars eine Reihe von fähigen Wissenschaftlern arbeiten und leben. Hier greift Eschbach in bester Hollywoodmanier nach einem griffigen Aufhänger, ohne wirklich logisch an die Problematik heranzugehen. Fairerweise der einzige handlungstechnische Aussetzer im Roman. Dieser MacGuffin dient nur dazu, die Forschungen der Jugendlichen zu beschleunigen und die Bedrohung zu implizieren, das die Erwachsenen des Jugendlichen nicht nur ihre Entdeckungen wegnehmen, sondern auch den Zugang nach ihrer Ankunft verbieten werden. Mit dieser Idee spricht Eschbach regelkonform die jugendlichen Leser an, ohne diese Prämisse wirklich in den Gesamtkontext seines Romans integriert zu haben.

Dank der Entdeckung der Überreste der marsianischen Zivilisation erwacht die Marsstation buchstäblich zu neuem Leben. Es werden zur Erforschung zwei Roverfahrzeuge ausgeschickt, um ein entferntes Terrain auf dem Planeten mit möglichen weiteren Überresten zu erforschen. An Bord befindet sich Carl, vom Reporter fast zur Expeditionsteilnahme gedrängt und der Reporter Wim van Leer selbst als Alter Ego Andreas Eschbachs. Die anderen Jugendlichen bleiben in der Station und erleben hier eine Reihe von Abenteuern. Zusammen mit einem der Techniker suchen sie das Geheimnis der Stromschwankungen und einer scheinbar ins Nichts führenden Energieleitung zu ergründen.

Wie seine Vorgänger ist Andreas Eschbach ein lesenswerter, unterhaltsamer, aber leider selbst für ein jugendliches Publikum nicht sonderlich tiefgehender Roman gelungen. Im Zuge seiner Serie streckt er die wenigen wirklich originellen Handlungsideen und versucht einige neue Spannungsbögen – im Gegensatz zum zweiten Buch, das sich als leicht veränderte Kopie des
Auftaktsbandes entpuppte – aufzubauen und konsequent auszubauen. Um die Spannung zu erhöhen, trennt er die Jugendlichen auf. Mit dieser literarischen Vorgehensweise kann Eschbach besser zwischen den in einem unterschiedlichen Tempo geschriebenen Handlungsebenen hin und her springen und zumindest teilweise Spannung simulieren.


Er erzählt die entscheidenden Handlungselemente ausschließlich aus dem Blickwinkel Jugendlicher, die zwar mit dem Computer umgehen können und auch überdurchschnittlich intelligent erscheinen, aber auch dem Leser zugänglich sein müssen. So haben sich die Jungen und Mädchen oft und in erster Linie neben dem beengten Leben auf der Station mit alltäglichen, für das Jugendbuch gerne verwendeten Problemen auseinanderzusetzen. Das eine Mädchen schwankt zwischen der Entscheidung, zur Erde und damit zur Mutter zurückzugehen, Carl wird zuerst von seiner Mutter aus Angst um sein Leben die Teilnahme an der Expedition verboten und Urs und Arianna kommen sich auch gefühlsmäßig deutlich näher. Etwas oberflächlich, fast klischeehaft schildert der Autor die aufkeimenden Frühlingsgefühle und wenn Arianna den Rat bei einer älteren Frau sucht, wirken deren Antworten wie aus dem Lehrbuch, aber leider nicht aus dem Leben. Immer wieder finden sich insbesondere in Andreas Eschbachs Jugendbüchern emotionale und in Bezug auf die jugendliche Entwicklung zum insbesondere intellektuell und emotional reifenden Menschen Passagen, in denen der Autor im Gegensatz zu seinen originellen Plots Sequenzen präsentiert, die den Schneiderbüchern der siebziger und achtziger Jahre entnommen scheinen. Auf der anderen Seite beschreibt Eschbach augenscheinlich, wie aufgrund der fehlenden Mannstärke die jungen Menschen als gleichwertige Arbeitskräfte – zum Beispiel Roverfahrer – eingesetzt werden.

Durch die abgeschlossene, fast isolierte kleine Welt auf dem Mars können sich insbesondere mit den Sujets der Science Fiction unvertraute Leser besser mit dieser futuristischen, aber über weite Strecken doch technisch gut erläuterten Umgebung vertraut machen. Eschbach bemüht sich, eine dunkle, geheimnisvolle, aber niemals wirklich bedrohliche Atmosphäre zu erschaffen. Der Sense of Wonder insbesondere des ersten Bandes stellt sich im letzten Drittel von „Die gläsernen Höhlen“ wieder ein. Für Science Fiction Routiniers bietet der Roman nicht viele plottechnische Überraschungen, aber neugierig ist der Leser schon, welchen Zusammenhang es zwischen den einzelnen Phänomenen gibt. Dank Eschbachs angenehmen zu lesenden Stils fließt die für den Umfang des Buches noch zu dünne Handlung angenehm unterhaltend dahin. Die Dialoge lassen sich natürlich und überzeugend bis auf die schwächeren Gespräche, in denen es um Gefühle geht, lesen. Was dem Roman fehlt, sind vielschichtigere Charaktere. Die Jugendlichen haben sich nach dem dritten Buch trotz aufkeimender Liebesgefühle inklusiv Eifersucht und Gruppenzwang abgenutzt. Im ersten Band führte der Autor einen Außenseiter in diese isolierte Gesellschaft ein. Es ist schwierig zu definieren, was den einzelnen Jugendlichen fehlt, aber irgendwie erwartet der Leser eine Weiterentwicklung der einzelnen Figuren.

Mit „Die gläsernen Höhlen“ beginnt Eschbach erste Fragen seiner Geschichte zu beantworten. Im Vergleich zum zweiten Band präsentiert sich „Die gläsernen Höhlen“ deutlich vielschichtiger. Ominös bleibt weiterhin der Hintergrund, spannend die bislang sehr ambivalent definierte fremde Lebensform, welche die alten Energieleitungen zur Kommunikation nutzt und die Charaktere wirken vertraut, fordern aber den Leser nicht heraus. Während der Autor schon im Auftaktband der Faszination des Mars erlegen ist, gelingt es ihm, den Sense of Wonder auf seine Leser zu übertragen, die sich mehr und mehr mit den roten, endlosen Sandmeeren des Mars anfreunden. Auf wissenschaftliche fundierte, aber nicht belehrende Weise und dadurch vor allem für astronomisch nicht beschlagene Leser geeignet erzählt der Autor eine erst zum Ende des dritten Buches sehr abenteuerliche und spannende Geschichte. Die ersten zweihundert Seiten geraten allerdings wie eine Reihe neuerer Eschbach Romane zu kommerziell und zu glatt.

Andreas Eschbach: "Das Marsprojekt 3- Die gläsernen Höhlen"
Roman, Hardcover, 324 Seiten
Arena- Verlag 2006

ISBN 9-7834-0105-8673

Weitere Bücher von Andreas Eschbach:
 - Ausgebrannt
 - Das Marsprojekt 5: die schlafenden Hüter
 - Das Marsprojekt 5: die steinernen Schatten
 - Der Nobelpreis
 - Die seltene Gabe
 - Perfect Copy
 - Perry Rhodan 2295: Die Rückkehr
 - Quest

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