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Science Fiction (diverse)



Kage Baker

The Empress of Mars

rezensiert von Thomas Harbach

Die vor wenigen Monaten verstorbene Kage Baker hat ihre ursprünglich bei “Nigthshade Book“ vor einigen Jahren veröffentlichte Novelle „The Empress of Mars“ zu einem allerdings Episodenroman erweitert. Während innerhalb des Plots der Novelle die Anlehnung an ihre populäre und auch im Heyne- Verlag erscheinende „Company“ Serie nur rudimentär zu erkennen ist, integrierte die Autorin neben zwei relevanten Vertretern der „Company“ auch einen starken Querverweis zu einem der über mehrere Romane laufenden Nebenhandlungsstränge dieses umfangreichen wie lesenswerten Zykluses. Eine weitere Nebenfigur – einer der regelmäßigen Gäste in der auf dem Mars befindlichen Kneipe „Empress of Mars“ – stammt aus Bakers Beitrag zu der umfangreichen Anthologie „The New Space Opera“.

Kage Baker gelingt es, die Besiedelung des Mars mit ersten überzeugenden Ansätzen eines Terraformingprozess mit dem Sense of Wonder der frühen Mars bzw. Venus Geschichten Edgar Rice Burroughs zu erzählen. Dabei ist ihre Prämisse so simpel wie faszinierend und erinnert stellenweise nicht zuletzt dank ihrer erzählerischen Leichtigkeit an die Jugendromane Robert A. Heinleins, von denen nicht zufällig einer der Bekanntesten „Podkayne of Mars“ heißt. Im Gegensatz zu dieser „Coming of Age“ Geschichte beschreibt Kage Baker in ihrer in einem alternativen Universum mit einer über den Mars regierenden britischen Königin und einer natürlich korrupten, gierigen und allmächtigen marsianischen Siedlungsgesellschaft mit wohlklingendem Namen „British Arean Company“ spielenden Geschichte positiv wie negativ das Schicksal einer starken Frau, die mit ihren drei Kindern zum Mars ausgewandert ist. Wie viele andere Abenteurer wollte Mary Griffith auf dem Mars als Biologien eine neue Heimat und beruflich eine Herausforderung finden. Wie viele andere Menschen ist sie schließlich auf dem roten Planeten gestrandet, als die allmächtige „British Arean Company“ ihre Forschungsmission abbricht und ihr nicht ausreicht Geld für einen Rückflug zur Verfügung stellt. Mary Griffith beschließt, auf dem Planeten eine kleine Bar zu eröffnen und ihr eigenes Bier zu brauen. In den folgenden teilweise wie Kurzgeschichten in einem Fugenroman wirkenden Kapiteln beschreibt die Autorin das Schicksal der Familie Griffith und einer Reihe ihrer Stammgäste sowie den beginnenden Widerstand gegen die mächtige Kooperation. Dabei ist das Ziel nicht eine soziale Revolution, sondern ein Leben und Überleben auf dem Mars als freie Menschen und unabhängig von der Tyrannei des Großkapitals. In der ersten Hälfte des Buches wird beschrieben, wie Melanie Griffith schließlich durch den Zufallsfund eines der ersten roten Diamanten des Mars zumindest eine eigene Parzelle kaufen kann, auf der sie nicht nur ihre Kneipe betreibt, sondern vor allem die wichtigen Rohstoffe für die eigene Brauerei anbaut. In den folgenden Geschichten versammelt sich eine Reihe von sympathischen bis skurrilen Nebenfiguren in erster Linie in ihrem Etablissement. Dabei verbinden sich teilweise die Lebensschicksale des im Grunde menschlichen Strandgutes mit Griffiths Familie und ihren drei sehr unterschiedlich geratenen Kindern. Andere Aussiedler mit zum Beispiel Stanford Crosley – ein intelligenter Hochstapler und professioneller Pokerspieler – streifen nur am Rand die Klientel der „Empress of Mars“, hinterlassen aber im Hintergrund einen bleibenden Eindruck.

Obwohl nicht immer direkt beteiligt steht im Mittelpunkt der Handlung die entschlossene wie attraktive Mary Griffith, die – wie in kurzen Rückblenden und dank den nicht immer wirklich netten Kommentaren der Tochter ausgesprochen – bisher wenig Glück mit ihren Männern gehabt hat. Mary Griffith ist eine resolute wie ehrliche Geschäftsfrau, die ein all zu großes Herz für das Strandgut ihrer Lokalität hat. Wer keine gängige Währung oder gar kein Geld mehr hat, wird kostenlos bewirtet. Zwei arbeitslose Männer arbeiten in ihrer Küche bzw. reinigen ihr Lokal, damit sie überhaupt auf dem kargen Planeten und unter den Kuppeln der Gesellschaft überleben können. Sie versucht ihre Kinder mit Langmut, aber auch harter Hand zu erziehen, wobei sie sich wünscht, dass ihnen ihr eigenes Schicksal erspart bleibt. Im Verlaufe der über mehrere Jahre spielenden Handlung wird sie mehr und mehr zum Herzen des roten Planeten. Kage Baker bemüht sich, Mary Griffiths auch geistige Weiterentwicklung möglichst ohne Kitsch und Pathos zu erzählen. Auf eine kitschige Doppelhochzeit wird verzichtet und in die lustige, aber auch fast surrealistische Barroom- Weihnachtsfeier platzen cineastisch perfekt auch schlechte Nachrichten. Im Gegensatz zu Robert A. Heinleins Bücher steht Mary Griffith aber nicht im Mittelpunkt aller Ereignisse. Als Charakter ist sie sehr gut, dreidimensional entwickelt. Sie verkörpert natürlich den amerikanischen Pioniergeist bis zur Dickköpfigkeit. Negativ gesprochen verkraftet sie – wie alle Figuren des Romans – Rückschläge jeglicher Art zu leicht. Eine mehr nuancierte Reaktion auf Todesfälle in der Familie, „Angriffe“ der Gesellschaft sowohl auf ihre Familie wie auch ihren Besitz, später eine Rebellion sowie den alltäglichen Überlebenskampf auf einem unwirtlichen und jeden Tag die Menschen, welche auf ihm Leben herausfordernden Planeten hätte dem Buch auf der emotionalen Ebene mehr Tiefe gegeben und manche Passage noch überzeugender erscheinen lassen.
Ihre Tochter bringt das erste Baby auf dem Mars zur Welt. Dabei erweist sie sich als moderner denkend als ihre Mutter, denen die alten Grundsätze, dass jedes Kind einen Vater braucht, heilig sind. In die Familie heiratet schließlich ein Anwalt ein, der Mary Griffith zu Beginn des Romans nur die freudige Nachricht überbringen wollte, dass der rote Diamant auf der Erde sehr viel wert ist. Ottorino Vespucci ist ein italienischer Immigrant, der alles mit Szenen aus den von ihm über Alles geliebten Italo- Western Filmen vergleicht. Auch in der „Company“ Serie hat Kage Baker zum Beispiel mit der ausführlichsten Beschreibung von „Greed“ – Erich von Stroheims umstrittenes Meisterwerk – ihre Leidenschaft für das Kino eindrucksvoll, aber vielleicht ein wenig zu umfangreich unterstrichen. Hinzu kommen Nebenfiguren wie die Schwestern eines orthodoxen kirchlichen Ordens; der dumme, aber von Kräften der Firma manipulierte Verwalter auf dem Mars; der bodenständige, kräftige „Trucker“, dessen Verbindungen Mary Griffith mehr als einmal hilfreich gewesen sind oder schließlich das jugendliche autistische Genie, das dank seiner Erfindungen eine Kultivierung des roten Planeten erst ermöglicht. Dieser Handlungsabschnitt mit einer „Deus Ex Machina“ Erfindung passt rückblickend nicht unbedingt in den eher viktorianisch gehaltenen Rahmen der Geschichte und gibt den Siedlern wie mehrmals in Heinleins Romanen aus einer verzweifelten Situation und vor dem wirtschaftlichen Nichts stehend nicht nur einen wichtigen Schlüssel in die Hand, sondern erweist sich als vorläufige Lösung aller dringenden Probleme. Isoliert der Leser die einzelnen Charaktere, so wirken sie teilweise ein wenig klischeehaft, ein wenig zu stark konstruiert, aber als zusammen gewürfelte Gruppe mit einem gemeinsamen Feind und einer im Grunde übermächtigen Aufgabe funktionieren sehr gut und geben dem Roman ein einzigartiges, freundlich optimistisches, irgendwie antiquiertes, aber nicht altbacken erscheinendes Flair, das an die alten amerikanischen Western eines Zane Greys erinnert. Ihre Figuren zeigen wenig Respekt für Autoritätsfiguren, die alle als macht gierig, verschlagen und korrupt gezeichnet worden sind. Außenseiter sind generell dem Publikum sympathischer und wenn sie teilweise derartig bodenständig und doch heldenhaft gezeichnet worden, verzeiht der Leser manchen Hang zum Stereotyp.

Als Fugenroman funktioniert „Empress of Mars“ nicht immer wirklich zufriedenstellend. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird immer stärker vom Plot abgedrängt hin zu Mary Griffiths ausgesprochen zahlreichen Problemen und zu den individuellen, manchmal ein wenig nach Kompromiss riechenden Lösungen. Manche der Lösungen sind unorthodox und einfach überraschend gestaltet, andere dagegen eher bodenständig. Unvorhersehbar ist leider keine der Auflösungen und vor allem auch keines der Probleme, deren Mary Griffith begegnet. Manchmal hat der Leser das unbestimmte Gefühl, als arbeite die Autorin die Klischees des Westerngenres in Form einer Golden Age Space Opera sehr minutiös ab. Über manche plottechnische Schwäche tragen den Leser die wirklich sympathischen und teilweise liebevoll exzentrisch gezeichneten Charaktere, an anderen Stellen überdeckt einfach der Flair einer soliden, optimistischen und wie eingangs erwähnt an die Jugendabenteuer Robert A. Heinleins erinnernde Abenteuergeschichte die erkennbaren Nahtstellen des Konstrukts. Zusammengefasst handelt es sich bei „Empress of Mars“ nicht um Kage Bakers beste Arbeit, aber als Einstieg abseits des aufeinander aufbauenden „Company“ Zykluses und vor allem als wundervolle Hommage an die Exotik der John Carter Geschichten mit einem modernen, teilweise auch wissenschaftlich solide herausgearbeiteten Hintergrund ist die Lektüre uneingeschränkt zu empfehlen.

Kage Baker: "The Empress of Mars"
Roman, Hardcover, 304 Seiten
Tor 2009

ISBN 9-7807-6531-8909

Weitere Bücher von Kage Baker:
 - Die Frauen von Nell Gwynne´s
 - The Graveyard Game
 - The Life of the World to come
 - ZeitstĂĽrme 2- Die Ufer der Neuen Welt
 - ZeitstĂĽrme 3: Die Schatten des Krieges
 - ZeitstĂĽrme- Feuer der Inquisition

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