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Science Fiction (diverse)



Kage Baker

The Graveyard Game

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem vierten Band „The Graveyard Game“ präsentiert Kage Baker nach dem vorläufigen Abschluss der sich fast ausschließlich mit dem Schicksal der jungen Frau Mendoza befassenden Einführungstrilogie – diese drei Werke sind im Heyne Verlag bislang erschienen – den bislang vielschichtigsten und serienabhängigsten Band des zehn Romane und zahlreiche, eher locker miteinander verbundene Kurzgeschichten/Novellen „Company“ Zykluses. Der dritte Band „Die Schatten des Krieges“ endete mit der drakonischen Bestrafung der Heldin/ Protagonistin Mendozas durch ihren Arbeitgeber – die geheimnisvolle wie fast allmächtige Dr. Zeus Incorporated. Über den drei Bänden standen verschiedene Fragen: Was passiert wirklich nach dem Jahr 2355, in dem das große Schweigen über die Geschichte der Menschheit und der Firma fallen soll. Da Kage Baker das Gesetz formuliert hat, das Zeitreisen bislang – Ausnahmen bestätigen die Regel – nur rückwärts entlang des Zeitstranges erfolgen können, lässt sich diese Frage nicht durch die Manipulation des Zeitstranges beantworten. Mendoza mit ihren besonderen Fähigkeiten hat sich in den ersten Romanen entgegen aller Vorstellungen in der Zeit zwischen 1862 und 1996 vorwärts bewegen können. Eine zweite allgegenwärtige Frage bezieht sich auf Dr. Zeus Incorporated an sich. Ist die Firmengeschichte wirklich authentisch oder nur eine Folge geschickter in der Historie platzierten Manipulationen und welche Absichten verfolgt die Leitung tatsächlich? Abschließend wird immer wieder der Punkt der Plünderung geschichtlicher Artefakte in den Augenblicken vor ihrer historisch verbürgten „Zerstörung“ aufgegriffen. Handelt es sich nur um kommerzielles Geschäftsgebaren oder steckt mehr hinter diesen Zielen?
Mendoza tritt als Protagonistin im ganzen Roman nicht direkt – nur in einer Vision? – auf, trotzdem ist sie und ihr Schicksal allgegenwärtig und bestimmt über weite Strecken sowohl die im Vergleich zu den ersten Bänden deutlich dunklere, eher an Philip K. Dicks in den sechziger Jahre erinnernde Atmosphäre als auch den vielschichtig Plot, in dem zwei für Mendozas Schicksal elementare Männer/ Cyborgs die Hauptrolle spielen.

Der Cyborg Lewis ist seit vielen Jahrhunderten heimlich in Mendoza verliebt. Als er von ihrem Schicksal erfährt – sie hat mit ihrem sterblichen Liebhaber ihren Posten in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs verlassen, sechs Pinkertondetektive getötet, ist von ihren Aufgaben innerhalb der Firma freigestellt und in einer Art Zeitgefängnis für Unsterbliche ganz tief in der irdischen Vergangenheit verbannt worden -, sucht er Joseph auf, der sie ursprünglich als kleines Mädchen aus Lebensgefahr gerettet und für die Firma ohne Kenntnis ihrer besonderen Fähigkeiten angeworben hat. Joseph dagegen hat Mendoza nach ihrer Verbannung einen kurzen Augenblick im Jahre 1923 mit dem Mann, der ihrer ersten Liebe Nicolas Hartcourt sehr ähnlich gesehen hat. Nur ist Hartcourt seit vielen Jahren tot und scheint zumindest über eine bislang unbekannte Gruppe mit der Gründung der Holdingcompany von Dr. Zeus incorporated in Verbindung zu stehen.

Obwohl Kage Baker die Handlung der ersten drei Romane bildlich und ausgesprochen kompakt zusammenfasst, ist „The Graveyard Game“ für Neueinsteiger ungeeignet. Mehr und mehr wird die „Company“ Serie trotz sich überschneidender Figuren zu einer Art Zeitreisemystery, in der nicht eine lange Geschichte in passende Abschnitte aufgeteilt erzählt wird, sondern ein komplexes Bild aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtet wird. Im Grunde ist „The Graveyard Game“ eine Art Zusammenfassung bisheriger Ereignisse und zahlloser Fakten aus der Perspektive der bislang eher über dem Geschehen weilenden Cyborgs erzählt, die sich plötzlich mit der Situation konfrontiert werden, das auch die ihnen übermittelnden Fakten nicht der Wahrheit entsprechen und die angedeuteten wohlverdienten Ruhestände am Ende der nach Ewigkeiten gerechneten Dienstzeiten eher eine Art Abschalten sind. Wie Dicks Replikanten beginnen sie ihre grundlegende Existenz zu hinterfragen. Im Gegensatz allerdings zu Dicks eher schwermütigen Charakteren sehen Kage Bakers Cyborgs den überbordenden Problemen mit einem Schuss sarkastischen Humor entgegen.

In den ersten Büchern waren die Cyborgs die notwendigen Helfer, welche die Firma in jeder historischen Epoche für die gefährlichen Arbeiten einsetzen und dann im wahrsten Sinne des Wortes bis zum nächsten bedarf „parken“ konnte. Kage Baker verfolgt den Weg Josephs und Lewis über mehrere Jahrhunderte, springt zwischen der dunklen Zukunft und der näheren Vergangenheit – sowohl aus heutiger Sicht 1996 zum Zeitpunkt des Entstehens des Romans als auch in das Jahr 1923 – hin und her. Vorsichtig hebt die Autorin den Mantel ganz leicht hinsichtlich der verschachtelten Struktur der Zeus incoporated. Der Leser ahnt, das nicht nur die Angestellten Menschen, sondern vor allem die Cyborgs missbraucht und hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsrechte getäuscht und betrogen werden. Über fast Zweidrittel des Buches verzichtet die Autorin auf Actionszenen, die Kraft der Geschichte entwickelt sich alleine aus den Erkenntnissen, die insbesondere Lewis recherchiert. Zwar wird der vorliegende Roman in erster Linie Anhänger der Serie ansprechen, die sich stellenweise mit vagen Andeutungen ins Besondere in Bezug auf Mendozas Fähigkeiten und ihr Schicksal begnügen müssen, während Außenstehende einen lineareren auch inhaltlich abgeschlossenen Plot bevorzugen würden. Die Charakterentwicklung ist exemplarisch. Sowohl Lewis als auch Joseph treten aus dem überlangen Schatten der nuanciert charakterisierten Mendoza, die bislang am eigenen Leib den fortlaufenden Betrug der Firma mehrfach gespürt hat. Insbesondere Lewis hinterfragt seine bisherige wie auch zukünftige Existenz auf einem philosophischen Niveau, das Philip K. Dicks schrägen, leicht exzentrischen, aber sympathischen Figuren entspricht. Was geschieht wirklich mit den Cyborgs, wen sie ihre Arbeit erledigt, die letzte Mission vor dem ominösen Datum abgeschlossen haben? Ohne Familie, im Grunde auch ohne Freunde stehen sie zwischen der Firma, die ihrer dann überdrüssig geworden ist, und dem mechanischen Verschleiß, da man vom Tod nicht sprechen kann. Für Lewis wird Mendoza und ihr menschlicher Geliebte zu einer Obsession. Anstatt wie es sich für manchen Roman gehört, diese Suche nach der jungen Frau bzw. der Wahrheit hinter der Vergangenheit ihres Liebhabers als Handlungsersatz, als eine Art Erfüllung einer existentiellen Aufgabe darzustellen, macht Kage Baker deutlich, das es Lewis um viel mehr geht. Er möchte, dass es Mendoza gut geht, das sie das Happy End stellvertretend für alle Cyborgs erhält, die in den Zeiten verschollen, gefallen oder vergessen worden sind. Diese fast romantisch verklärte, aber den Handlungsbogen ungemein bereichernde, allzu menschliche Prämisse reiht „The Graveyard Game“ in die bisher vorliegenden „Company“ Romane nahtlos ein, auch wenn die Handlungsstruktur deutlich dunkler ist. Je mehr Fakten über Mendozas geheimnisvollen Liebhaber ans Tageslicht kommen, desto sehnlicher wünscht sich der Leser, dass Mendoza nicht weiter verletzt wird. Diese Emotionen überträgt Kage Baker ausgesprochen gut über ihre vielschichtig und zugänglich gezeichneten männlichen Protagonisten auf die Leser. Auf der anderen Seite zeichnet die Autorin mit viel Ironie und einem guten Auge für die Details Kage Baker dem quasi außen stehenden Beobachter auf, wie langweilig, geordnet und armselig das Leben in der Zukunft unmittelbar vor dem Schweigen ist, während die Angestellten der Zeus Incoporated in der jeweiligen Vergangenheit die Chance haben, überhaupt ein Leben zu führen. Nicht umsonst sind im Grunde bis auf wenige Ausnahmen Kage Bakers Zeitreisen immer in die Vergangenheit, ins Leben gerichtet. Eine Zukunft, in welcher Schokolade oder Kaffee nicht nur illegal, sondern vor allem moralisch verpönt sind, ist nicht lebenswert.
Während der zugrunde liegende Handlungsbogen ein wenig zu sprunghaft, zu konstruiert wie überambitioniert gestaltet worden ist, überzeugt der vorliegende Roman dank Kage Bakers positiv gesprochen einfachen, humorvollen und pointierten Stil wie auch ihren lebensgroßen überzeugenden Charakteren – den Menschlichen wie auch den Cyborgs.





Kage Baker: "The Graveyard Game"
Roman, Hardcover, 288 Seiten
Thomson Learning 2001

ISBN 9-7801-5100-4492

Weitere Bücher von Kage Baker:
 - Die Frauen von Nell Gwynne´s
 - The Empress of Mars
 - The Life of the World to come
 - ZeitstĂĽrme 2- Die Ufer der Neuen Welt
 - ZeitstĂĽrme 3: Die Schatten des Krieges
 - ZeitstĂĽrme- Feuer der Inquisition

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