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Science Fiction (diverse)



Ralf Oswald

Azraels Auftrag

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Azraels Auftrag“ liegt im Celero- Verlag der erste Roman aus der Feder Ralf Oswalds vor. Ursprünglich als Manga unter dem Titel „Eleeya- die Wächter“ geplant hat sich Oswald entschlossen, den umfangreichen und vielschichtig konzipierten Text als Prosaroman umzukonzipieren. Seit sechs Jahren arbeitet Oswald für die EADS an Ausbildungs- und Trainingssystemen für einen modernen Kampfjet und darüber hinaus an virtuellen Trainingsmöglichkeiten für bemannte Flugkörper der nächsten Generation. In seiner Freizeit beschäftigt er sich intensiv ZEN. Diese beiden – beruflichen wie privaten – Interessenlagen bilden die Eckpfeiler dieses Romans. Es ist sinnvoll, erst einmal mit der irdischen und damit auf den ersten Blick bodenständigeren Ebene anzufangen. Im Mittelpunkt steht das Erstschlagspotential der so genannten Gotteskrieger, die aus einer geheimen Basis in Pakistan heraus insbesondere Europa mit Flugzeugen und Atomwaffen angreifen wollen. Nur wenige sich aus der Not verbündende Einheiten der europäischen Luftstreitkräfte können diesen Angriff abwehren. Ob dieses Ausgangsszenario in der gestellten Form überhaupt realistisch ist, ist eine der Fragen, mit denen sich der Leser auseinanderzusetzen beginnt. Besonders in Hinblick auf die in einer Art Epilog vorgestellte mögliche Zeitlinie wirkt Oswalds These arg propagandistisch und die Idee, den Angriff zuerst mit Computerviren neuster Generation zu beginnen ist zwar innovativ, verwundert aber ein wenig in der Ausführung, da anscheinend in erster Linie die islamischen Systeme davor geschützt worden sind. Also gäbe es einen globalen Zusammenbruch. Auch die Zündung gewaltiger EMP – Bomben durch eine in erster Linie – wie der Autor selbst schreibt – isolierte Gruppe von Terroristen und die Blockierung sämtlicher elektronischer Geräte wirkt unüberzeugend und eher konstruiert. Danach wurden schmutzige taktische Rucksackbomben vor allem in den USA gezündet. So schwerwiegend das hier beschriebene Szenario auch sein mag, in vielerlei Hinsicht übertreibt Oswald insbesondere in Bezug auf die Fähigkeiten der islamischen Terroristen und betreibt eine nicht zu leugnende Polemik. Auch wenn es schwer fällt und oft von den manchmal überzogenen Warnungen der Politiker überdeckt wird, ist das Gefahrenpotential durch Gruppe wie Al Kaida weder weniger noch mehr geworden. Die Anschläge auf die Verkehrsknotenpunkte in den Städten wie Madrid oder London sprechen eine traurige Sprache, auf der anderen Seite ist die Logistik – und dieses Anschlagsszenario erfordert ja nicht nur eine unglaubliche Logistik wie die elektromagnetischen Bombe in Position zu bringen, sondern schier unendliche Geldquellen – in der augenblicklichen Situation nicht darstellbar. Unter diesem etwas unglaubwürdigen Eindruck leidet insbesondere die irdische Hälfte des Romans. Zum Teil zeigt sich Ralf Oswald als Technikfan und seine Beschreibungen der einzelnen Abläufe beim Warten, Auftanken und schließlich Starten der Maschinen wirken zu sehr vom Detail besessen.

Allerdings braucht Ralf Oswald aber auch eine fulminante Bedrohung, um seine zweite Handlungsebene überzeugender in Szene zu setzen. Für die Bewahrung des Gleichgewichts hat er die Wächter geschaffen, anscheinend zumindest mit irdischen Wurzeln versehen. Wenn das Gleichgewicht zu stark aus der Balance gleitet, schicken die Wächter einen aus ihren Welten aus, der gemeinsam mit einem Partner des Planeten für Ordnung sorgen muss. In erster Linie geht es den Yaara um die Verbreitung von Frieden und Harmonie. Natürlich werden die Wächter auf den Konflikt auf der Erde aufmerksam und natürlich wollen sie mit der jungen Eleeya eine unerfahrene, aber entschlossene Frau schicken. Bei der Wahl ihres irdischen Partners geht einiges schief, es wird anstelle einer Person zwei Kampfpiloten – Carlos und Mika – transferiert und auf die entsprechende Ausbildungswelt verschifft. Ausgerechnet in dem Moment, in welchem ihr Kampfjet zerrissen wird und die Piloten mit ihm zusammenschmelzen. Diese Passagen, in denen Oswald die Angst aus der stärksten Soldaten dramatisch und doch ergreifend darstellt, gehören zu den besten Passagen des Buches. Eleeya baut aus den Erinnerungen der Piloten die Maschine wieder zusammen, außerdem kann sie sich mit dem Flugzeug verbinden. Dieser Teil beinhaltet die größten Überschneidungen mit den japanischen Mangas, die Idee der Menschmaschine, die übernatürlichen Wesen – die Zeichnungen am Ende des Buches geben einen guten Eindruck der Wächterin – und schließlich die nicht immer leichte Ausbildung. Zwar lesen sich die Abschnitte sehr flüssig, Oswalds Protagonisten fehlt aber die notwendige Bindung zu ihrer Umgebung und stellenweise agieren sie holzschnittartig und eindimensional. Hier macht sich bemerkbar, dass ihm die Charakterisierung Carlos und Mikas über eine eindimensionale Zeichnung hinaus nicht sonderlich gelungen ist. Vielleicht wäre es auch sinnvoller gewesen, auf normale Menschen zurückzugreifen und ihnen erst einmal eine Existenz zu schenken. Bei der Beschreibung der Übungswelt bzw. den wenigen relevanten Informationen, die der Leser über die Wächter aus dieser Handlungsebene – es gibt noch eine weitere – erhält hält sich Oswald teilweise zu sehr zurück, zu glatt, zu flach wirkt alles. Ihm fehlt – für eine solche Geschichte empfehlenswert – die exotische Exzentrik, die in erster Linie die neuen barocken Space Opera britischer Autoren wie Charles Stross, Iain Banks oder auch Adam Roberts auszeichnet. Kanten, an denen sich der Leser reiben kann, zu viel ist zu sucht, zu viel wird von außen erklärt und damit als Voraussetzung etabliert. Zu wenig ist wirklich aufrüttelnd und wenn der Leser dann noch in Betracht zieht, dass er den Untergang der menschlichen Zivilisation im ersten Teil des Romans mit verfolgen konnte, wirkt es wenig überzeugend. Auf der letzten Handlungsebene entdeckt Eleeya schon während des Trainings einen schwelenden Konflikt innerhalb der Gruppe der Wächter. Azrael vertritt eine neue Fraktion der Wächter, die natürlich die alten Werte anzweifelt, die einen Genozid der Wächter nur durch eine kriegerische Revolte verhindern können oder wollen. Nicht zuletzt aus diesem Grund bildet das Dreigestirn – Azrael, Eleeya und Mensch- Maschine – eine neue Front gegen die etablierten Wächter. Hier operiert Oswald auf sehr brüchigem Eis, denn seine Argumente sind zum Teil fadenscheinig und erinnern von der Intention und leider Extrapolation ein wenig an die alten „Star Trek“ Folgen, in denen Kirk und Co. auch bei der Begegnung mit göttlichen oder übernatürlichen Wesen in erster Linie an deren Fundamenten gewackelt und sich laut Drehbuch wenig darum gekümmert haben, dass Tradition und alte Werte auch etwas Gutes sein könnte und Macht nicht immer mit Missbrauch zusammenstehen muss. Da Oswald die Welt der Wächter zu Beginn eher fragmentarisch und verschlüsselt etabliert hat, fehlt es dem Leser schwer, eine Position zwischen den einzelnen Parteien einzunehmen und in der hier eher beschränkt beschriebenen Perspektive einzelner Protagonisten öffnet sich auch kein Fenster, um diese Position auszubauen. Im Rahmen eines länger laufenden Mangas wäre es leichter gewesen, erst in Ruhe diese Welt zu etablieren und später für den Leser erkennbar zu analysieren. Viele gute Ideen werden im Rahmen der sehr kompakt beschriebenen Handlung nicht unbedingt verschenkt, aber in den Hintergrund gedrängt und funktionieren damit nur noch eingeschränkt.

Der Reiz von „Azraels Auftrag“ besteht in einem außergewöhnlich breit präsentierten Konzept, das zwar nicht immer überzeugend oder nachvollziehbar ausgebreitet worden ist, dessen Stärke aber in der Kombination der ostasiatischen Zen- Strömungen mit einer eher aktionorientierten bodenständigen Handlung besteht. Oswald hat sich bemüht, seinen Plot vielschichtig darzustellen und nicht immer auf simple einfache Lösungen zurückzugreifen. An einigen Stellen macht diese Vorgehensweise das Buch sperrig und nicht immer leicht zu lesen, an anderen Stellen funktioniert es deutlich besser und hebt „Azraels Auftrag“ ein wenig aus der breiten Masse heraus. Für einen Erstling ein ambitioniertes Projekt, das besser als Manga denn als Prosaroman funktioniert hätte, das sich aber trotz einiger Schwächen unterhaltsam lesen lässt und dessen Universum breiten Raum für weitere Abenteuer bietet.

Ralf Oswald: "Azraels Auftrag"
Roman, Hardcover, 487 Seiten
Celero 2006

ISBN 3-9808-9983-7

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