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Science Fiction (diverse)



Achim Hiltrop

Gallaghers Sturm

rezensiert von Thomas Harbach

Im Atlantis- Verlag ist die erste Trilogie um Achim Hiltrops Tausendsassa Clou Gallagher vom Autoren noch einmal gründlich überarbeitet neu veröffentlicht worden. Auch wenn auf dem Backcover mit „Jede Chronik hat einen Anfang“ – nicht die einzige Hommage des bekennenden „Star Wars“ Fans an seine Inspiration - suggeriert wird, dass es sich um die ersten Geschichten handelt, zeigt die Lektüre des Bandes mit diversen Rückblicken, das diese Chronik umfangreicher und vielschichtiger ist. Auf der entsprechenden Homepage listet Hiltrop alle bislang veröffentlichten Geschichten in chronologischer Reihenfolge auf. Da findet sich die Trilogie im frühen Mittelfeld wieder.

Die im ATLANTIS Verlag erschienenen Bände bilden aber einen sehr guten Einstieg in diesen inzwischen eindrucksvoll umfangreichen Kosmos. Gallagher hat Achim Hiltrop auch inzwischen mehr als zwanzig Jahre in unterschiedlichen Inkarnationen begleitet.
Neben den Gallagher Geschichten und seiner Mitarbeit an der „Ikarus“ Serie hat Hiltrop im Jahre 2007 als BOD angefangen, seine zweite Serie „Colin Mirth“ in Buchform zu veröffentlichen. Der 1971 geborene Achim Hiltrop lebt zusammen mit seiner Frau und Tochter in Essen. Er arbeitet in der chemischen Industrie und neben seiner kontinuierlich wachsenden STAR WAR Sammlung und seinem Schreiben von Geschichten gehören Musik und Filmgeschichte zu seinen Interessen. Im Vorwort zu „Gallaghers Sturm“ gibt Hiltrop offen zu, dass die STAR WARS Filme ihn für sein bisheriges Leben geprägt haben. Sie dienten insbesondere in Person Han Solos sicherlich als Quelle und Inspiration seiner eigenen literarischen Arbeit, nach Hiltrop wahrscheinlich mit den ersten Star Wars Spielzeug Figuren seine Szenarien geprobt hat.

Die Rasanz hat sich der Autor sicherlich von den „Star Wars“ Filmen abgeschaut. Seine Reise im vorliegenden Auftaktband erinnert mehr an eine Odyssee. Einige wenige Schauplätze sucht Gallagher aus eigenem Antrieb im Verlaufe der rasant und sehr stringent erzählten Handlung auf, auf andere Planeten wird er insbesondere in der ersten Hälfte des Romans eher getrieben. Im Zuge dieser Reisen verändert sich auch sein Charakter. Was als opportunistischer Han Solo Klon beginnt, endet schließlich als zum Teil sehr rücksichtslos agierender Söldner. Zu Beginn des Romans verlässt Clou Gallagher an Bord seines intelligenten Trigger – der künstlichen Intelligenz hat Achim Hiltrop vor allem im ersten Band die besten Dialoge auf den stählernen Leib geschrieben – eine Raumschlacht, weil er ahnt, das seine Seite, für die er als Söldner angeheuert hat, nicht mehr gewinnen kann. Der Einsatz der Flotte ist verraten worden. Auf der Flucht geraten Gallagher und die Trigger in ein Minenfeld bzw. in das Feuer der feindlichen Flotte. Das einzige Ziel, das Gallagher aufgrund seiner Vergangenheit ansteuern kann, ist der Planet Daneb IV. Die Regierung ist zwar eine Tyrannei, aber das Regime hat sich aus diesem Konflikt heraushalten können. Mit fatalen Folgen für die eigene Wirtschaft, welche die Befehlshaber auf dank Zwangsrekrutierungen mildern möchten. Gallagher soll entweder den Transport von Sklaven – gegen seine Auffassung – oder Rohstoffen durchführen. Dabei werden den Kapitänen zwangsweise Partner zugewiesen, im Falle Gallaghers ein alter Bekannter. Die Erze werden allerdings nicht gekauft, sondern natürlich von fremden Welten gestohlen. Gleichzeitig wird Gallagher von einer jungen und attraktiven Generalin Tonya Delanne verfolgt. Durch einen Zufall kreuzen sich nicht nur ihre Wege, sie müssen gemeinsam eine Reihe von Geheimnissen in Gallaghers Vergangenheit aufklären, seinen Ruf zumindest zu retten suchen und schließlich eine umfangreiche Verschwörung aufdecken, die politisch in die höchsten Stufen der Monarchie des Planeten Kerian reicht.

In seinem Vorwort geht Achim Hiltrop darauf ein, dass viele Kritiker insbesondere der ersten Fassungen den fehlenden Tiefgang der Figuren bemängelt haben. Insbesondere diesem Punkt hat sich der Autor in der Neuauflage zugewandt und versucht, die Schwächen auszumerzen. Es ist allerdings nur teilweise gelungen. Wie schon angedeutet erinnert Gallagher an einen klassischen Helden mit dunkler Seite in der Han Solo Manier. Er ist ein Schmuggler, ein Pirat und ein Söldner, dessen moralische Grenzen eher fließend sind. So spricht er an der einen Stelle davon, dass Sklavenhandel ein absolutes Tabu ist, zu Beginn des Romans wird er allerdings zwangsweise zumindest indirekt für dieses schmierige Geschäft rekrutiert. Er ist sich seiner eigenen Gefühle gegenüber dem schwachen Geschlecht auch nach tragischen Erfahrungen – ein Rückblick auf den letzten Seiten – nicht mehr sicher. Gallagher ist zu Beginn des Romans Grenzwertig sympathisch. Als bei einem seiner Husarenstreiche zwei unschuldige Geißeln ums Leben gekommen bzw. um Informationen zu erhalten, ermordet werden, überschreitet Hiltrop sicherlich auch um sein Publikum zu schockieren und zu provozieren ein Grenze. Als Autor ist er noch zu unerfahren, einen derartig aus dem Gleis geratenen Charakter wieder einzufangen und den Roman zufrieden stellend zu Ende zu führen. Weiterhin hat der Leser niemals wirklich den Eindruck, als ärgere sich Gallagher bis zur Begegnung mit Tonya Delanne wirklich über die Bezeichnungen Kriegsverbrecher und Verräter. Phlegmatisch weiß er für sich, dass er diese Taten nicht begangen hat. Erst im Verlaufe des vorliegenden Romans wird Gallagher plötzlich aktiv, gegen sein bisheriges Image zu agieren und vor allem die Legenden der Vergangenheit zu korrigieren. Diese Charakterwandlung wirkt insbesondere in der vorliegenden Fassung immer noch nicht überzeugend genug, der Leser muss Achim Hiltrops Position akzeptieren.

Noch mehr leidet die Figur der Tonya Delanne als weiblicher Charakter. Eine attraktive Blondine mit langem Haar, mit 27 Jahren die jüngste Admiralin und nach wenigen Augenblicken in Gallaghers Gegenwart – ohne das dieser sich sonderlich sympathisch gibt – in ihn verliebt und bereit, seine wenig glorreiche Vergangenheit zu erhellen und die wahren Täter zu stellen. Die Charakterisierung ist viel zu einfach und eindimensional. Aus plottechnischen Gründen benötigt Hiltrop eher eine emotional devote, aber actionorientierte weibliche Figur. Der Leser fragt sich unwillkürlich, wie Tonya Delane bislang in der Armee Karriere gemacht hat, wenn sie ihre eigenen Regeln so leichtfertig einfach über Bord wirft und alleine ihrem Herzen, ihren Emotionen eher blind als leichtgläubig naiv folgt? Ein stärkerer und vor allem auch viel eigenständig agierender Charakter hätte dem Roman besser getan. Eine derartig tief greifende Veränderung hätte allerdings auch den ganzen Plot betroffen. Während die Schurken teilweise eher eindimensional und unnötig unverwüstlich erscheinen, verschenkt Achim Hiltrop in Person des ehemaligen Admirals Weldrack unheimlich viel Potential. Immerhin hat der ehemalige Kriegsheld mehrere Millionen unterschlagen, seine Heimat verraten und sich schließlich mit seinem Butler und seiner Frau auf eine einsame Insel abgesetzt. Warum dieser gestandene Mann nach dem Mord an seiner Frau plötzlich zu einem hilflosen und passiven Weichei wird und sich nicht gegen Gallagher und sein Überfallkommando wert, ist genauso unverständlich wie die Tatsache, dass er schlotternd abwartet, bis sein ehemaliger Verbündeter und jetziger Feind aus der Betäubung erwacht, um sich von ihm drangsalieren zu lassen. Eher hätte es zu einer solchen Figur gepasst, dass er das Problem selbst in die Hand nimmt und die letzten Spuren verwischt. Er hätte das Verbrechen ja ohne Probleme auf den flüchtigen Gallagher schieben können. Auch der Epilog, in welchem Hiltrop zumindest diesen Handlungsbogen auf eine klassische „Ende Gut, alles vorläufig Gut“ mit entsprechender Rehabilitierung Gallaghers Szene enden lässt, wird insbesondere in Hinblick auf den bisherigen Plot eher aufgesetzt und wenig überzeugend.

Auf der anderen Seite jagt Achim Hiltrop seine Handvoll Charaktere durch die verschiedensten Gefahren. Von der Raumschlacht zu Beginn des Buches über eine Befreiung aus der Todeszelle in letzter Minute durch einen langjährigen Schläferagenten bis zu einer Begegnung mit Menschenfressenden Fischen bzw. Dinosauriern bietet diese Robinsonade dem Leser sehr viele abwechselungsreich erzählte Situationen. Dabei integriert der Autor in einzelnen Szenen bzw. Dialogen zwischen Delanne und Trigger sehr viele Informationen über Gallaghers Vergangenheit in die laufende Handlung, ohne diesen Strom zu unterbrechen. Obwohl Gallagher im Mittelpunkt des Geschehens steht – nur wenige Szenen werden nicht aus seiner Perspektive beschrieben – räumt Achim Hiltrop den anderen sehr unterschiedlichen Charakteren ausreichend Raum ein, um aus dem Schatten des Überhelden zu treten. Sein Protagonist benötigt in mehr als einer Szene Hilfe von außen und nimmt diese auch bereitwillig an. Dabei geht nicht immer alles gut oder alle Menschen werden gerettet. In Hiltrops „Gallagher“ Universum können auch Charaktere sterben und diese nicht übertriebene Düsterheit tut dem ansonsten sehr actionorientierten Plot gut. Hier wäre allerdings weniger mehr gewesen. Gallagher eilt von einer Krisensituation zur nächsten. Manchmal nimmt sich Achim Hiltrop zu wenig Zeit, um die Szene ausreichend vorzubereiten, an anderen Stellen ist der Leser enttäuscht, dass sich Gallagher so elegant und vor allem so schnell aus dem entsprechenden Konflikt herauswindet. Vieles spielt sich unnötig zu hektisch und zu leicht ab. Zumindest dauert die Flucht von Weldracks Insel deutlich länger als die Konfrontation mit dem Mann, der Gallaghers Ruf für mehrere Jahre ruiniert hat. Der Admiral hätte Gallagher viel mehr Widerstand entgegenbringen müssen. Er hatte nichts mehr zu verlieren. Diese Verzweifelung, diese potentiellen Überreaktionen fehlen allen Figuren des Buches und lassen das Geschehen teilweise zu distanziert erscheinen. Weiterhin hat der Leser zu akzeptieren, dass dieser weder über einen Notfallplan noch versteckte Waffen/ Funkgeräte verfügt. In dieser Hinsicht wirkt Achim Hiltrops Argumentationskette ein wenig zu bemüht und leider auch ein wenig naiv. Der Auftakt des Romans ist hervorragend geschrieben, packend und dynamisch. Obwohl im Mittelteil des Buches sehr viel passiert, scheint dem Autoren ein wenig die Luft auszugehen, bevor er am Ende dieses Handlungsbogens manchmal ohne Erfolg versucht, zu viele Ideen und Ansätze auf zu wenig Raum abzuschließen. Unabhängig von dieser spürbaren Schwäche und den noch immer nicht wirklich überzeugend gezeichneten Figuren ist „Gallaghers Sturm“ ein lesenswertes und solide unterhaltendes Weltraumabenteuer, dass die Unbeschwertheit insbesondere der ersten „Star Wars“ Erzählungen mit jeder Pore eingeatmet hat. Und diese Feststellung ist nicht negativ gemeint.



Achim Hiltrop: "Gallaghers Sturm"
Roman, Softcover, 215 Seiten
Atlantis Verlag 2008

ISBN 3-9789-3674-2831

Weitere Bücher von Achim Hiltrop:
 - Colin Mirth
 - Die Gallagher Chroniken: Die Kerian-Verschwörung
 - Gallaghers Tochter
 - Gallaghers Krieg
 - Gallaghers Schlacht
 - Gallaghers Sieg
 - Rettungskreuzer Ikarus 30: Flammende Begeisterung
 - Rettungskreuzer Ikarus 45: Wächter des Imperiums
Weitere Links zu diesem Thema:
 - Achim Hiltrop: Biographie

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