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rezensiert von Thomas Harbach
Hans Peschke galt zeit seiner Karriere als Vertreter der leisen Töne. Unter dem Verlagspseudonym William Brown startete er seiner literarische Karriere bei den Leihbüchern und teilte sich wahrscheinlich das Pseudonym mit einem der unzähligen Autoren, die holzschnittartig im Grunde das Fundament für die Landser im Weltraum legte. Darum ist es für Sammler insbesondere heute sehr schwierig, die Peschke/ Brown Leihbücher von dem Anderen zu unterschieden. Unter seinem eigenen Namen wechselte er später zur UTOPIA Reihe des Pabel- Verlages. Zusammen mit Kurt Brand verfasste er viele Romane des Raumschiffs Promet. Peschke und Brand konnten als Autoren und Persönlichkeiten nicht unterschiedlicher sein. Eine zweite Zusammenarbeit an der Fortsetzung des “Ren Dhark” Reihe über Band 99 der Zweiauflage hinaus ist nicht zustande gekommen. Unter Pseudonymen veröffentlichte er einige Romane in der TERRA ASTRA Reihe und schließlich auch der Zauberkreis SF. Im vorliegenden Band “Die Mysterien von Garal” hat der Herausgeber Heinz Mohlberg eine Trilogie zusammengefasst, die als einzelne Heftromane ( “Die Zwerge von Garal”, “Labyrinth des Schreckens” und “Berg der Götter” - Terra Astra 255, 257 und 260) 1976 erschienen sind. Die Romane sind behutsam überarbeitet, die Übergänge geglättet und insbesondere Widerholungen gestrichen worden.
Gleich zu Beginn zeigt sich der große Unterschied zwischen Peschke und Scheer. Das Raumschiff ARLENE gerät auf dem Rückflug von einer Forschungsmission in einen Strahlensturm, welcher nicht nur den Hyperantrieb außer Gefecht setzt, sondern auch die Schwingungskristalle eines Transmitters, den das Forschungsraumschiff an Bord führt. Die Reise zur Erde könnte nur noch nahe der Lichtgeschwindigkeit fortgesetzt werden und damit über siebzig Jahre dauern. Als Alternative bietet sich einen Sonnensystem mit einem roten Riesen an, der möglicherweise über bewohnbare Planeten verfügt. Im Gegensatz zu den strengen Hierarchien eines K.H. Scheers herrscht an Bord der ARLENE Demokratie. Captain John Cork - dieser Name könnte eine Anspielung an Captain Kirk sein - befragt seine Besatzung, ob sie im Tiefschlaf die siebzig Jahre dauernde Reise zur Erde unternehmen will oder hofft, im nahen Planetensystem eine Zukunft zu finden. Die Mannschaft entscheidet sich mit überwältigender Mehrheit für die Erkundung des nahen System. Und tatsächlich finden sie auf dem einzigen bewohnbaren Planeten Spuren einer menschlichen Zivilisation. Den Leser hat Peschke mit einer Parallelhandlung schon im Vorwege informiert. Diese gehört aber zu den klischeehaftesten und langweiligsten Passagen des Buches. Erst als die Fremden von der Besatzung der ARLENE entdeckt wird und sich ihr erstes Geheimnis - die Körpergröße - offenbart, wird das Geschehen interessanter. Die Besatzung der ARLENE erkennt, das vor langer Zeit auf dieser Welt einmal Menschen gelandet sein müssen. Sie verfügen über keine hoch stehende Technik mehr, sondern leben im wahrsten Sinne des Wortes von der Hand in den Mund. Stürme bedrohen immer wieder ihre Ernten. Nur sind die Menschen auf dieser fremden Welt körperlich deutlich kleiner als die Besatzungsmitglieder der ARLENE. Ein Kontakt kommt leicht zustande, da die Siedler Urenglisch sprechen. Nachdem man sie vor den Elementen gerettet und mit den Lebensmitteln der ARLENE versorgt hat, stellen die Besatzungsmitglieder eines Morgens fest, dass sie ebenfalls stark schrumpfen und vor allem viel schlimmer ihre technischen Fähigkeiten und Erinnerungen verlieren. Nur eine Handvoll Besatzungsmitglieder kann sich vor dieser Verdummung retten. Auf der Suche nach einem Lagerplatz entdecken sie ein unterirdisches Höhlenlabyrinth, das sie zu einer außerirdischen Zivilisation und vor allem einer Brutkammer führt, in welcher gesichtslose Menschen gezüchtet werden.
Hans Peschkes Trilogie sollte sich der Leser am besten über die einzelnen Charaktere nähern. Keine der Figuren ist wirklich überdurchschnittlich oder herausragend gezeichnet, aber sie decken alle Spektren des Spannungsromans ab. Von der hübschen unschuldigen Maid, die gegen ihren Willen natürlich mit dem rücksichtslosen Oberschurken und Priester verheiratet werden soll über den weisen Heiler, der immer im rechten Moment die wichtigen Hinweise gibt zum heldenhaften Kommandanten mit einer Schwäche für eine der Bordärztinnen, der sich mehr Sorgen um seine Crew macht als um seine Autorität. Obwohl die einzelnen Protagonisten teilweise ein wenig zu holzschnittartig gezeichnet worden sind, gelingt es Hans Peschke, sie zumindest sympathisch und greifbar zu charakterisieren. Das schließlich die schiffseigene Opposition nach langen verbalen Gefechten und teilweise überzogenen Manierismen auch auf die Linie des Kommandanten einschwenkt und schließlich die gesamte überlebende gemeinsam am Überleben auf der fremden Welt, der Entdeckung der fremden Kultur und schließlich einem schrecklichen Geheimnis arbeiten lässt, könnte einem Autoren auch als Füllmaterial ausgelegt werden, aber wenn Hans Peschke auf den letzten vierzig Seiten - ab der Mitte des letzten Romans dieser nicht unbedingt als Trilogie angelegten Serie - noch einmal durchstartet und vor allem die bisherige menschliche Existenz mit einer Invasionsstory in der Tradition von Jack Finneys “The Body Snatchers” in Frage stellt, zeigt es sich, das ihm nicht die Ideen ausgegangen sind. So wirkt insbesondere der letzte Band im Vergleich zum eher geruhsamen Auftaktroman zu hektisch und die Ereignisse überschlagen sich inklusiv der Aufklärungsmission zu sehr. Hans Peschkes martialischer Ausblick wird übrigens wohl unbewusst von Michael McCollum in seinem zuletzt auf Deutsch erschienenen Roman “Sternenfeuer” kopiert, die Kampfansage über die nächsten Jahrhunderte gegen einen im Grunde übermächtigen Feind steht teilweise konträr zu den eher ruhigen, vom Erforschen bestimmten Passagen. Schlägt der Leser die Brücke vom Labyrinth des Schreckens zum Berg der Götter - beides sind signifikante Entdeckungen, deren Bedeutung Hans Peschke aber nicht mit der gleichen Stärke und unwiderlegbaren Logik herausarbeiten kann - und erkennt dabei das Schicksal, aber auch die Chance der Zwerge von Garal, hat er eine ganze Reihen von Themen gestreift, für die andere Autoren ganze Trilogien füllen. Hans Peschke kombiniert in den vorliegenden Romanen verschiedene Ideen sehr gerne und überzeugend. So gibt es trotz einer ausgereiften Transmittertechnik immer noch Raumschiffe, welche ja die Bestandteile zu den fremden Welten bringen müssen. Peschke beschreibt nicht nur das Schicksal eines vor vielen Jahren verschollenen irdischen Raumschiffs, sondern macht im nächsten Augenblick daraus eine nihilistische Invasionsstory. Seine Außerirdischen brauchen allerdings keine waffenstarrenden Raumschiffe, alleine die Tarnung hilft ihnen, die übermütige Erde und die vielen Kolonien zu erobern. Obwohl die Grundlage der Handlung alles andere als friedfertig ist, verzichtet Hans Peschke auf langwierige Laserduelle oder gar Raumschlachten. Seine Helden benutzen den Verstand und vertrauen den Instinkten, um eine Situation zu erahnen, wie sie insbesondere die Leser nicht grauenvoller vorstellen können. Wie ein Zwiebelschalenmodell entblättert Hans Peschke verschiedene Szenarien und fügt sie im letzten Band konsequent, aber auch überzeugend zusammen. Einige Szenen wirken dabei ein wenig zu pathetisch - die Nachricht, welche die Besatzung des ersten Kolonistenraumschiffs möglichen Explorern hinterlassen hat - bzw. zum Teil antiquiert - der Besuch mittels des gerade reparierten Transmitters auf der Erde und die Erkenntnis, das nichts mehr so ist wie es vor dem Abflug anscheinend gewesen ist. Mit sanfter Ironie zeigt Peschke die Schwierigkeiten der geschrumpften Besatzung, überhaupt aus den inzwischen viel zu großen Kleidern steigen zu können, später als die Normalgröße wieder hergestellt worden ist, Klamotten auch für die Bewohner des entdeckten Planeten zu finden. Obwohl sie menschliche Pyramiden bilden müssen, um die Knöpfe des Raumschiffs zu bedienen, gelingt es ihnen, das Schiff noch einmal für eine kurze Distanz zu fliegen. “The incredible shrinking Man” lässt grüßen.
Obwohl nicht eines der vielen Bestandteile der Trilogie wirklich originell oder innovativ ist, gelingt es Hans Peschke mit seinem unauffälligen, ruhigen und souveränen Erzählstil, seinen sympathisch gezeichneten Figuren, die lieber den Verstand als den Laser besuchen und vor allem seinen vielen Ideen und seiner vielschichtigen Handlungsführung, den Leser auf einem gehobenen Niveau zu unterhalten.
Hans Peschke: "Die Mysterien von Garal"
Roman, Softcover, 219 Seiten
Mohlberg- Verlag 2007
ISBN 3-9401-8117-X
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