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rezensiert von Thomas Harbach
Nach dem extra für die Nachdrucke geschriebenen Auftaktroman aus der Feder Dirk van den Booms und Silke Brandts Beitrag legt der Heinz – Mohlberg Verlag mit „Die letzte Zuflucht“ aus Udo Moersch Feder einen dritten exklusiv geschriebenen Roman im Rahmen seiner Nachdrucke der alten „Erde 2000“ Serie vor. Udo Moersch hat im Rahmen der Schwesterserie „Die Zeitkugel“ schon zwei historische Abenteuer veröffentlicht, in denen er unter anderem die Originalhefte geschickt mit seiner neuen Geschichte verbunden hat. Zusammen mit Jörg Bielfeld zeichnet er sich weiterhin als Herausgeber und Lektor beider Serien aus. „Die letzte Zuflucht“ ist die bislang längste Romanarbeit der Serie. Mit knapp einhundertvierzig Druckseiten entspricht der Text zwei Heftromanen. Der Titel „Die letzte Zulfucht“ erinnert wahrscheinlich nicht nur zufällig an die opulente MGM Verfilmung „Flucht ins 23. Jahrhundert“, auch wenn thematisch nur die Jagd nach einem Mythos, einem kleinen Paradies auf einer ansonsten unbewohnbaren Erde Moersch Romans und den Film miteinander verbindet.
Professor Lindtberg hat ein neues Programm für die Zeitmaschine erstellt. Unmittelbar bevor die drei Männer wieder im Auftrag des „Clubs der Sieben“ auf eine neue Reise gehen sollen, will Lindtberg das Programm und weitere neue Funktionen testen. Natürlich gerät der Flug zu einer Katastrophe, unbekannte Fehlercodes tauchen auf und schließlich verlieren sie das Bewusstsein. Sie wachen in einer fernen Zukunft wieder auf, in der Chaos und Anarchie die wenigen unter primitiven Umständen lebenden Menschen im Griff hat. Sie werden von Zana, dem Anführer einer kleinen Gruppe Menschen gefangen genommen. Dieser ist von einer tödlichen Krankheit betroffen besessen von der Idee, die letzte Zuflucht für seinen Stamm und sich zu finden. Er persönlich hofft auf Heilung und sein Volk auf Frieden. Der Stamm selbst wird von einer feindlichen Gruppe angegriffen, die mutierte Rieseninsekten mittels Geisteskraft manipulieren. Natürlich bleibt den wackeren Zeitreisenden bald nichts anderes übrig, als die letzte Zuflucht selbst zu suchen.
Udo Moersch Stärke in seinen „Zeitkugel“ Romanen sind neben dem angenehm flüssigen Stil seine gute Beobachtungsgabe und vor allem seine schriftstellerische Fähigkeit gewesen, das historische Geschehen dreidimensional und überzeugend zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund hat er dann rasante, packende Geschichten erzählt. Das Wechselspiel zwischen der bekannten Historie und seinen neuen Handlungsbögen hat sehr gut funktioniert und einige Heftromanklischees sehr gut überdecken können. Mit „Die letzte Zuflucht“ steht er vor einer neuen Herausforderung, er muss eine dunkle Zukunft von der Pieke an entwickeln und gleichzeitig eine gute, eine lesenswerte Story erzählen. Der Auftakt gelingt ihm sehr gut, er bemüht sich, insbesondere Professor Lindtberg eine Persönlichkeit über den trockenen Wissenschaftler hinaus zu geben. Die Schwierigkeiten der Reise werden routiniert, aber spannend erzählt. Auch die Landung in der fernen Zukunft ist noch überzeugend, danach fängt der Handlungsbogen allerdings zu fasern an. Wenn einer der Charaktere im Meer landet und schließlich von Delphinen gerettet wird, könnte der Leser diese Szene noch akzeptieren, wenn nicht wenige Seite später von einer okölogischen Katastrophe berichtet wird, welche die menschliche Zivilisation im Grunde auf ein primitives Stadion zurückwarf und riesige mutierte Insekten das Leben der wenigen Überlebenden bedrohen. Dieser Kontrast passt nicht zusammen. In seinem folgenden Roman nähert sich Udo Moersch zu sehr dem frühen „Maddrax“ Stadium, nur hat es der Leser mit drei überforderten Männern zu tun und nicht nur einem ehemaligen Soldaten. Die Struktur ähnelt zu sehr diesen Romanen und die Idee des Mythos der letzten Zuflucht ist vor allem in den Heftromanen der fünfziger Jahren und gescheiterten Filmprojekten wie eben „Flucht ins 23. Jahrhundert“ zu oft durchgespielt worden, um wirklich noch überzeugend zu sein. Der weitere Verlauf der Handlung setzt sich aus einer Reihe von gut geschriebenen Actionszenen zusammen, denen immer wieder unerklärliche Längen gegenüberstehen. Insbesondere bei der Charakterentwicklung wäre es sinnvoller gewesen, in einem Heft dieser Länge auch dreidimensionale Mitstreiter und Antagonisten zu schaffen. Diese sind und bleiben im Verlaufe des Romans seltsam blass. Positiv gesehen hat Udo Moersch im Rahmen Quest einige gute Ideen in die Handlung eingebaut, diese wirken aber weniger originell als intelligent variiert. Damit soll auf keinen Fall der Eindruck erweckt werden, als wäre „Die letzte Zuflucht“ ein schlechter Roman, das Heft muss sich allerdings an seinem Umfeld messen lassen und da steht es insbesondere im Vergleich zu den derzeit laufenden, sehr guten und nihilistischen Nachdrucken des Kurzzyklus „Dunkle Zukunft“ deutlich hintendran.
Auch wenn es selbst keine originelle Idee ist, hätte man aus dem vorhandenen Stoff sehr viel mehr machen. Warum nicht den Spannungsbogen zweiteilen. In der ersten Hälfte erreichen die Forscher zusammen mit den Menschen diese letzte Zuflucht, das Team reist wieder ab, die Schwierigkeiten der Zeitkugel verstärken sich, sie landen wieder in der gleichen Zeit, nur haben die Menschen die letzte Zuflucht nicht zum Guten genutzt, sondern der primitive Drang des Menschen nach Macht hat sich wieder durchgesetzt. Bei einem weiteren Versuch in die Gegenwart zurückzukommen, landet das Team wieder in dieser Zeitebene, nur hat sich die Zukunft zu einem unglaublich positiven Paradies entwickelt. Hinter dessen Kulissen allerdings auch wieder verschiedene Bedrohungen lauern. Technisch hätte man einzelne Szenen nach dem gleichen Muster ablaufen lassen können, nur die Zeitreisenden sehen die Veränderungen, die Handlungen der einzelnen Protagonisten erscheinen auf den ersten Blick gleich.
So fließt „Die letzte Zukunft“ sehr geradlinig dahin, das Ende ist wie bei den Heftromanen überstürzt und hektisch. Wenn Udo Moersch in seinem Vorwort darauf eingeht, dass ihm trotz des Umfanges der Raum gefehlt hat, alle Geheimnisse zu erläutern, dann muss ihm auch entgegen gehalten werden, dass insbesondere die erste Hälfte des Romans deutlich stringenter und kompakter hätte erzählt werden können. Auf manche kleine Episode hätte zugunsten eines komplexeren und vor allem besser strukturierten Endes verzichtet werden können. „Die letzte Zuflucht“ ist eine unterhaltsame Geschichte, keine Frage, Udo Moersch kennt sowohl den „Erde 2000“ als auch den „Zeitkugel“ Kosmos zu gut, um nicht mit vielen Hinweisen und Querverweisen seinen Text gut in diese Welt zu integrieren. Nach dem Vorwort hätte der Leser allerdings deutlich mehr erwartet. Im Vergleich zu den immerhin über dreißig Jahre alten Geschichten zeigt Udo Moersch exemplarisch, wie schwer es wirklich ist, dieser zumindest auf der Ideenseite auch heute noch empfehlenswerten Heftromanserie noch etwas Originelles, etwas Neues hinzuzufügen. Szenen wie die aus Resten von Kinofilmen zusammen geschnittene Fünf- Minuten Präsentation sind kleine, gute Randeinfälle, die unterstreichen, welche Ambitionen Udo Moersch mit der vorliegenden Geschichte hatte. Als Gesamtroman betrachtet eine durchschnittliche Arbeit, Udo Moersch Reisen in die Vergangenheit sind packender und vor allem farbenprächtiger. Natürlich ist eine dunkle Zukunft kein reiner Abenteuerstoff, aber hier wirkt insbesondere in Hinblick auf die Hintergründe und Zusammenhänge vieles erzwungen als mit einer notwendigen Leichtigkeit geschrieben. Am Ende fällt es nicht leicht, dass Urteil bemüht, aber überambitioniert zu fällen. Im Vergleich zu den anderen beiden neuen Romanen der „Erde 2000“ Serie nimmt Udo Moersch mit „Die letzte Zukunft“ die Mittelposition ein, Dirk van den Boom hat eine gute Auftaktgeschichte geschrieben, während Sylke Brandt mit der Serie überhaupt nicht zurecht gekommen ist.
Udo Moersch: "Erde 2000- Band 14 "Die letzte Zuflucht""
Roman, Softcover, 137 Seiten
Mohlberg- Verlag 2007
ISBN 3-9401-8105-6
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