Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: SachbĂŒcher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Manfred Wegener

Einsiedler der Ewigkeit

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Einsiedler der Ewigkeit“ legt der Heinz Mohlberg- Verlag nach „Konterschlag Centauri“ nicht nur einen weiteren Roman aus Manfred Wegeners eher dĂŒnnem Solo Science Fiction Werk vor, sondern prĂ€sentiert zum ersten Mal als eine Paperbackausgabe einen der wirklich seltenen DoppelbĂ€nde des Zauberkreis- Verlages. In dieser als Konkurrenz zu den diversen TERRA Reihen des Hauses Moewig (und spĂ€ter Pabel- Moewig) angelegten Science Fiction Edition – immerhin eine der am lĂ€ngsten laufenden Heftromanserien außerhalb des Perry Rhodan Hauses im Bereich der phantastischen Literatur – veröffentlichten alt gediente Hasen wie Hans Peschke oder Thomas R.P. Mielke genauso wie damalige Jungspunde wie H.G. Francis oder Andreas Brandhorst. Auch wenn es heute fast ketzerisch klingt, stammt die Wiege der „Terranauten“ aus dem Bastei- Verlag eher aus den zwar abenteuerlich orientierten, aber oft ĂŒberraschend kritischen Zauberkreisromanen und nicht von der TERRA ASTRA Serie ab.

Dabei ist Manfred Wegener sicherlich einer der fleißigsten und vielseitigsten Autoren dieser Kategorie. Vielen der nachstehenden Daten stammen aus Gustav Gaisbauers Nachruf. Er wurde am 06.10.1935 in Danzig geboren und floh mit seiner Familie aus den Ostgebieten nach DĂ€nemark. Dort wurden sie drei Monate bis zum Kriegsende interniert, und es erfolgte ein Umzug nach Heiligenhafen in Schleswig Holstein. Direkt ans Meer, das er in vielen seiner Romane verewigte. Hier erlangte er die mittlere Reife, litt aber wie viele FlĂŒchtlinge auch in dem Heimatverlust und der Tatsache, dass plötzlich auf jeden der wortkargen und verschlossenen Schleswig Holsteiner ein FlĂŒchtling kam. Die ersten Jahre nach dem Krieg waren fĂŒr ihn sehr hart. Er ergriff den fĂŒr diese Gegend typischen Beruf des Seemanns und durchlief diese Laufbahn vom Moses ĂŒber Jungmatrosen bis zum Vollmatrosen. Acht Jahre lang fuhr er kreuz und quer durch die Welt und trug so seinen Teil zu der neu entstanden deutschen Handelsflotte bei. Dabei lernte er auch die bedeutenden HĂ€fen unseres blauen Planeten kennen. Zwischendurch arbeitete er unter Tage, dann folgte eine Zeit im Montagebau. Zur Ostsee kehrte er auf das FĂ€hrschiff „Deutschland“ zurĂŒck. In der NĂ€he seiner zweiten Heimat Heiligenhafen befuhr er auf ihr die Strecke Puttgarden-Rödby. Anschließend arbeitete er auf den ersten Hochseeschiffen, die von der Nordsee aus bis hinter Grönland vorstießen.
Danach fuhr er auf Binnenschiffen den Rhein entlang und erwarb das Steuermannspatent fĂŒr große KĂŒstenfahrt. Er heiratete im Jahr 1957. Aus dieser Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Er begann Anfang der sechziger Jahre eine neue TĂ€tigkeit an der Neckarschleuse Guttenbach. Dort entstanden seine ersten Romane und 1963 wandte er sich mit einem Manuskript an den PabelVerlag. Der Roman wurde abgelehnt, aber man gab ihm den Rat, sich an Lore Matthaey zu wenden, die die Redaktion der Mark Powers Serie innehatte. Mit MP 31 DIE ZEITVERBRECHER gab er sein DebĂŒt. Mark Powers erschien nur kurze Zeit als eigenstĂ€ndige Serie, wurde dann wieder in die Utopia Romane eingegliedert. Wegener schrieb in der Folge einzelne Romane fĂŒr die UTOPIA Heftromane, von denen zwei als Neuauflage unter dem Titel DIE VERBANNTEN jetzt im Blitz-Verlag erschienen sind. Dann wechselte er zum Kelter Verlag und verfasste zu Anfang einige wenige Romane fĂŒr die Ren Dhark Reihe. Als der Bastei-Verlag die von H.G.Francis und ihm kreierte Romanreihe REX CORDA veröffentlichte, konzentrierte er sich kurzzeitig auf diese Serie. Insgesamt erschienen 38 Corda Hefte, die jetzt neu im Heinz Mohlberg-Verlag neu erscheinen. H.G. Francis wechselte nach der Einstellung der Serie ins Perry Rhodan Team, dieser Ruf erreichte Wegener nach heutigen Erkenntnissen nie. Kurz nach der Einstellung wechselte er das Genre schrieb er ab diesem Zeitpunkt fĂŒr Kommissar X und Die Fledermaus. Es folgten nach der Einstellung von Rex Corda im phantastischen Genre serienunabhĂ€ngige Werke fĂŒr den Zauberkreis Verlag, zum Teil auch unter Pseudonym. Ein letztes Mal arbeitete er fĂŒr die eher zusammengestĂŒckelte Commander Scott Reihe im Bereich der Science Fiction. Danach verabschiedete er sich fĂŒr einige Jahre aus der phantastischen Literatur. Er arbeitete an Kojak, der Plutonium Police -am ehesten noch mit einer SF Thriller Serie zu vergleichen, auch wenn hier sehr viel von K.H. Scheers ZBV Reihe abgeschrieben und eine futuristische Welt nicht erschaffen worden ist - , dann sattelte er zum Western um.
Als 1975 der Pabel Verlag die Heftroman Serie DIE SEEWÖLFE startete, konnte sich Wegener aufgrund seiner umfassenden nautischen Kenntnisse nicht nur die Position eines der Hauptautoren sichern, sondern er arbeitete auch als Redakteur und Lektor. Über 700 Hefte erschienen bis in das Jahr 1990 und nebenbei informierte Manfred Wegener die Leser auf internen Know How Seiten ĂŒber die HintergrĂŒnde der historischen und aktuellen Seefahrt. Bei den spĂ€ter gesondert erschienenen Seewölfe TaschenbĂŒcher war er der Chefautor. Er schrieb auch fĂŒr einige Krimireihen. Wie Gustav Gaisbauer in seinem exzellenten Nachruf mehrmals betonte, durchzieht seine Werke ein feiner Humor und er begann in den letzten Jahren immer wieder mit seinen Figuren zu spielen und setzte sie als Insiderwitz auch in den anderen Serien ein. Piraten beim Krimi- nicht nur dem Namen nach.
Nach der Einstellung der Piratenserie schrieb er bis 1996 nur fĂŒr die Lassiterserie des Bastei-Verlages. Danach ĂŒberarbeitete er die beiden Utopia Einzelhefte fĂŒr die Neuauflage DIE VERBANNTEN des Blitz-Verlages, schrieb kurzzeitig an den neuen Abenteuern des Raumschiff Promet mit -an der klassischen Serie hat er nie mitgearbeitet- und wirkte bei der Entstehung der neuen Heftromanserie DIE ABENTEURER ebenfalls fĂŒr Bastei mit. Er schrieb allerdings keinen Roman fĂŒr die Serie und wird heute auch nur selten als GrĂŒnder miterwĂ€hnt. Die Serie wird jetzt im Allgemeinen Hubert Haensel zugeschrieben. Gustav Gaisbauer kĂŒmmerte sich als Agent in den letzten Jahren um ihn, konnte aber einige Projekte im stagnierenden Buchmarkt nicht mehr unterbringen.
Die letzte Heftromanserie, an der er mitgewirkt hat, war MARK HELLMANN. Im Gegensatz zu seinem regen literarischen Schaffen ist es ihm gesundheitlich nicht immer gut gegangen.
Jahre vorher wurde ihm ein Herzschrittmacher eingepflanzt Die in Intervallen durchzufĂŒhrende RoutineĂŒberprĂŒfung ĂŒberlebte er am 30.08.1999 nicht. Wegener hinterlĂ€sst neben seinen beiden Kindern seine zweite Frau, mit der lange Zeit in der NĂ€he von Heidelberg gewohnt hat. Leider verhinderte sein frĂŒher Tod eine erneute RĂŒckkehr in das SF Genre, denn er sollte an den STARGATE Romanen mitschreiben. Gleichzeitig plante er eine neue erotische Lassiterreihe.

„Einsiedler der Ewigkeit“ ist M.Wegeners zweiter Doppelroman nach „Die Verbannten“, er erschien als Zauberkreis Science Fiction Nummer sieben und acht im Jahr 1966.
Rex Harder ist der erste Astronaut, der zum Mond fliegen sollte, entschließt sich, nach einem Ausfall seiner Steuerinstrumente Selbstmord. Jahrtausendelang schießt das Raumschiff in die unendlichen Tiefen des Alls. In der Einsamkeit wird das Raumschiff von der Raumkugel XPN 4429 der komischen WĂ€chter entdeckt. IrrtĂŒmlich hĂ€lt man dort den wiederbelebten Menschen fĂŒr einen Angehörigen des fĂŒnften kosmischen Reiches. Istruiert soll er in einer Mission die Erde knappe viertausend Jahre in der Vergangenheit (kurz nach seinem eigenen Abflug) vor einer nuklearen Katastrophe retten. Harder selbst kann sich mit seiner Aufgabe nicht anfreunden und so beschließt er, nicht nur die Mission durchzufĂŒhren, sondern auch den richtigen Angehörigen zu suchen und mit ihm die Position zu tauschen.

In seinem Handlungsrahmen durchbricht Wegener das fĂŒr viele Heftromane dieser Epoche ĂŒbliche Muster. Mit Harder schuf er einen von stĂ€ndigen Selbstzweifeln geplagten, im Grunde seines Inneren nur nach Frieden suchenden Anti-Helden. Anfangs freut er sich ĂŒber seine Erweckung und die neue Aufgabe, doch im Laufe der Zeit bekommt er nicht nur Angst vor der Ewigkeit und der damit verbundenen Einsamkeit – so wird eine Frau, die er gerne retten wollte, nicht wiedererweckt- , sondern er beginnt innerlich zu zerfallen. Diese bedrĂŒckende Stimmung zieht sich durch die beiden sehr spannenden Romane. Ganz bewusst gestaltete Manfred Wegener nicht nur die Grundhandlung sehr ideen- und facettenreich gestaltet, sondern bemĂŒht sich, seinen Protagonisten in diesen Hintergrund fast nahtlos zu integrieren. In den einzelnen Zeitreiseabschnitten schreibt er konzentriert und sehr actionreich.Im Rahmen der galaktischen Odyssee werden sein Handlungsaufbau und Stil komplexer. Der ErzĂ€hlfluss wirkt homogener und weniger hektisch. Harder ist ein MĂ€rtyrer im wahrsten Sinne des Wortes und sein grĂ¶ĂŸtes Opfer verbindet er am Ende mit seiner grĂ¶ĂŸten Tat. Bestaunt von den Außerirdischen, die seine Handlungsweise nicht verstehen, schließt er bewusst den Kreis und schafft sich fĂŒr einen kurzen Augenblick sein persönliches Paradies, bevor die brutale, graue Wirklichkeit auf ihn einströmt. Im Gegensatz zu dem anderen Heftromanen verzichtet Wegener auf ein aufgesetztes Happy End. Er erzĂ€hlt seinen Handlungsbogen fatalistisch und konsequent zu Ende. FĂŒr sein Alter auch heute noch ein ungewöhnlicher Text, mehr noch ein ungewöhnlicher Roman an sich und zumindest im utopischen Bereich das reifste Werk Wegeners.

Manfred Wegener: "Einsiedler der Ewigkeit"
Roman, Softcover
Mohlberg 2006

ISBN 3-9362-2959-7

Weitere Bücher von Manfred Wegener:
 - Konterschlag Centauri

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::