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Science Fiction (diverse)



Manfred Wegener

Konterschlag Centauri

rezensiert von Thomas Harbach

Es gibt drei Kategorien von Heftromanschreibern: Die Gilde der ständigen Perry Rhodan Autoren, deren Soloromane in Reihen wie Utopia Classics in den achtziger Jahren neu und bearbeitet erschienen sind. Dann die Zwitterautoren wie W.W. Shols und Kurt Brand, die kurze Zeit an der größten Weltraumserie der Welt mitgeschrieben haben, deren wichtigste Werke allerdings außerhalb des Rhodaniversums erschienen. Und letztlich die vielen fast unbekannten Heftchenautoren wie Konrad Schaef , Detlev G. Winter oder eben Manfred Wegener, deren Werke zum Teil durch die rührige Arbeit kleiner Verlage wie dem Mohlberg-Verlag oder eben auch dem Blitz Verlag ins Publizitätsleben zurückgebracht werden.
Dabei ist Manfred Wegener sicherlich über Jahrzehnte einer der fleißigsten und vielseitigsten Autoren gewesen.
Er wurde am 06.10.1935 in Danzig geboren und floh mit seiner Familie aus den Ostgebieten nach Dänemark. Dort wurde er 3 Monate bis zum Kriegsende interniert , und es erfolgte ein Umzug nach Heiligenhaften an der Ostsee. Hier erlangte er die mittlere Reife, litt aber wie viele Flüchtlinge auch in dem Heimatverlust und der Tatsache, dass plötzlich auf jeden der wortkargen und verschlossenen Schleswig Holsteiner ein Flüchtling kam. Die ersten Jahre nach dem Krieg waren sehr hart. Er ergriff den für diese Gegend typischen Beruf des Seemanns und durchlief diese Laufbahn vom Moses über Jungmatrosen bis zum Vollmatrosen. Acht Jahre lang fuhr er kreuz und quer durch die Welt und trug so seinen Teil zu der neu entstanden deutschen Handelsflotte bei. Dabei lernte er auch die bedeutenden Häfen unseres blauen Planeten kennen. Zwischendurch arbeitete er unter Tage, dann folgte eine Zeit im Montagebau, auf dem Fährschiff Deutschland bevor er wieder von Puttgarden in der Nähe seiner zweiten Heimat Heiligenhafen die Strecke Puttgarden-Rödby befahren hat und dann arbeitete er auf den ersten Hochseefischern, die von der Nordsee aus bis hinter Grönland vorstießen.
Danach fuhr er auf Binnenschiffen den Rhein entlang, erwarb das Steuermannspatent für große Küstenfahrt. Er heiratete im Jahr 1957. Aus dieser Ehe stammen ein Sohn und eine Tochter.Er begann Anfang der sechziger Jahre eine neue Tätigkeit an der Neckarschleuse Guttenbach. Dort entstanden seine ersten Romane und 1963 wandte er sich mit einem Manuskript an den PabelVerlag. Der Roman wurde abgelehnt, aber man gab ihm den Rat, sich an Lore Matthaey zu wenden, da sie die Redaktion der Mark Powers Serie innehatte. Mit MP 31 DIE ZEITVERBRECHER gab er sein Debüt. Mark Powers erschien nur kurze Zeit als eigenständige Serie, wurde dann wieder in die Utopia Romane zurück gegliedert. Er schrieb dann einzelne Romane für die UTOPIA Heftromane, von denen zwei als Neuauflage unter dem Titel DIE VERBANNTEN jetzt im Blitz-Verlag erschienen sind. Dann wechselte er zum Kelter Verlag und schrieb zu Anfang einige wenige Romane für die Ren Dhark Reihe. Als der Bastei-Verlag die von H.G.Francis und ihm kreierte Romanreihe REX CORDA veröffentlichte, konzentrierte er sich kurzzeitig auf diese Serie. Insgesamt erschienen 38 Hefte, die jetzt neu im Heinz Mohlberg-Verlag neu erscheinen. H.G. Francis wechselte nach der Einstellung der Serie ins Perry Rhodan Team, dieser Ruf erreichte Wegener nach heutigen Erkenntnissen nie. Daneben schrieb er zu diesem Zeitpunkt schon für Kommissar X und Die Fledermaus. Es folgten nach der Einstellung von Rex Corda einzelne Romane im Zauberkreis Verlag, zum Teil auch unter Pseudonym und für die ebenfalls sehr kurzlebige Commander Scott Reihe. Danach verabschiedete er sich für einige Jahre aus der phantastischen Literatur .Er arbeitete an Kojak, der Plutonium Police - am ehesten noch mit einer SF Thriller Serie zu vergleichen, auch wenn hier sehr viel von K.H. Scheers ZBV Reihe abgeschrieben wurde -, dann folgten erste Arbeiten im Westernbereich.
Als 1975 der Pabel Verlag die Heftroman Serie DIE SEEWÖLFE startete, konnte sich Wegener aufgrund seiner umfassenden nautischen Kenntnisse nicht nur die Position eines der Hauptautoren sichern, sondern er arbeitete auch als Redakteur und Lektor. Über 700 Hefte erschienen bis in das Jahr 1990 und nebenbei informierte er die Leser auf internen Know How Seiten über die Hintergründe der historischen und aktuellen Seefahrt. Bei den später gesondert erscheinen Seewölfe Taschenbücher war er der Chefautor. Er schrieb auch für einige Krimireihen .

Wie Gustav Gaisbauer in seinem exzellenten Nachruf mehrmals betonte, durchzieht seine Werke ein feiner Humor und er begann in den letzten Jahren immer wieder mit seinen Figuren zu spielen und setzte sie als Insidejoke auch in den anderen Serien ein. Piraten beim Krimi- nur dem Namen nach.
Nach der Einstellung der Piratenserie schrieb er bis 1996 nur für die Lassiterserie des Bastei-Verlages.
Im Blitz-Verlag erschien sein Doppelband „Die Verbannten“ in einer überarbeiteten Neuauflage. Mit dem vorliegenden ersten Roman in der Utopische Welten Solo Reihe aus dem Hause Mohlberg beginnt eine ganze Staffel seiner Romane. Die meisten seiner serienunabhängigen Romane erschienen unter einer Reihe von Pseudonymen im Zauberkreis-Verlag.

„Konterschlag Centauri „ (Zauberkreis 97) ist ein geradliniger Science Fiction Abenteuerroman. Wegener bringt in diese konzentrierte Space Opera Geschichte viele Erfahrungen aus seiner Zeit auf See ein. Das beginnt mit der militärischen Hierarchie und endet bei der dramatischen Auflösung der komplexen Strukturen.

Die Menschheit und die Kolonisten auf Centauri sind zerstritten. Um das Problem endgültig zu beseitigen beschließt die Erde, unter dem Kommando des brillianten, aber unorthodoxen Stanley F. Ellen die LAST HOPE ; das stärkste und schwer bewaffnete Raumschiff auszuschicken, um das Problem in den Griff zu bekommen. Dabei haben die Militärführung und der verlängerte Arm sehr unterschiedliche Auffassungen.
Stanley F. Ellen entdeckt als ausführendes Organ schnell die Möglichkeiten, die ihm autarkes Handeln in dieser schwierigen Situation bieten kann. Dabei trägt er nicht die Arroganz der irdischen Regierung zu den Sternen hinaus, sondern untersucht möglichst wertfrei die bestehenden Konflikte. Hier erinnert der Aufbau an einer Reihe klassischer Gordon R. Dickson Geschichten aus den sechziger Jahre. Nur die militärische Struktur und das Gefühl, in einem Raumschiff in den Tiefen des Alls zu sein, ist stärker ausgeprägt.
Für Ellen sind die Siedler Menschen mit allen Rechten und Pflichten, für die beinharten Soldaten der Erde nur ein Fleck auf der weißen Weste der Erde, den man wegwischen muß. Als Kommandant schafft sich an Bord in kurzer Zeit durch seine ungewöhnlichen Methoden viele Feinde. Im Hintergrund steht allerdings nur sein großer Plan, der die verfeindeten Brüder wieder an einen Tisch zu bringen. Aber dazu besteht nicht nur die Notwendigkeit, den Einfluss seiner Vorgesetzten - von der Erde aus im Hintergrund agierend - ausschalten, sondern auch seine Mannschaft hinter sich bringen und die an Bord befindlichen Spione und Spitzel ausfindig machen.
„Konterschlag Centauri“ weist nur einige schwächere Ideen in einer gelungenen Gesamtausfertigung auf. Klischeehaft ist der Einsatz des telepathisch begabten Jungen, der sich an Bord der LAST HOPE schleicht, später entdeckt wird und im kritischen Moment Ellen helft. Das wirkt konstruiert, fast schon unbeholfen. Dabei stehen dessen übernatürliche Fähigkeiten auch in einem starken Widerspruch zu der ansonsten bodenständig gehaltenen Handlung. Manfred Wegener extrapoliert die Erkundung des Alls und die Besiedelung fremder Welten nach historischen Vorbildern. In diesem Kontext ist kein Platz für einige wenige übernatürlich begabte Mitglieder der menschlichen Rasse. Zumal der Autor keinen Hintergrund , der dieser Entwicklung zugrunde liegt, beschreibt. Sobald sich der Autor von seinem technologischen Ansatz entfernt, wirkt der Roman sonderbar oberflächlich und die handelnden Protagonisten verlieren an Tiefe und Charakter.
Auf der anderen Seite ist der Plot ganz bewusst groß und geplant angelegt. Ellen spielt überlegen die beiden Seiten gegeneinander aus und die meiste Spannung resultiert aus dem Auflösen der einzelnen Verbindungen. Das gelingt Wegener routiniert, konzentriert und mit viel Raffinesse. Hier legt er einen exzellenten Spannungsroman vor, der gleichzeitig eine erstaunlich kritische Auseinandersetzung mit blindem Gehorsam und Schubladendenken darstellt. Auch in seinen Seefahrergeschichten steht die Befehlshierarchie unter kritischer Beobachtung. In seinen „Seewölfe“- Geschichten mit ihrem Piratenvordergrund billigt er seinen Protagonisten eine gewisse Ordnung zu. Oft durchbrechen gesunder Menschenverstand und schnelles, uneingennütziges Handeln diesen ansonsten tödlichen Kreislauf. Das gleiche geschieht hier. Mit einem nachdenkenden Außenseiter geraten Strukturen ins Wanken, die über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte den Menschen auf seinem unaufhörlichen Drang zu neuen Planeten begleitet haben. Dieses Motiv ist aus den klassischen Westerngeschichten in die Zukunft übertragen und mit Geschick und Intelligenz extrapoliert worden.
Der Roman besticht durch einen deutlichen Kontrast zu dem z.B. noch im Perry Rhodan Universum herrschenden offenen Militarismus.

Ellen ist natürlich der überragende Charakter. Willenstark, erfahren, aber mit einer Spur Menschlichkeit versehen dirigiert er seine Mannschaft in diesem großen unübersichtlichen Konflikt auch gegen ihren Willen. Er scheut dazu nicht ungewöhnliche Lösungen und Wege. Über weite Strecken könnte der Roman auch als die Grundlage für ein „Seewölfe“ Abenteuer dienen. Es überkommt den Leser das Gefühl, ein Südseeabenteuer zu lesen.

Neben dem überragenden Ellen, der in seinen Zügen an die klassischen, tragischen Helden antiker Geschichten erinnert, aber dreidimensionaler und emotionaler angelegt worden sind, besticht der sehr konsequente technologische Hintergrund. Wegener beschreibt die Schwierigkeiten der Kolonien, den schmalen Grad zwischen politischer Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Synthese zur Erde zu gehen. Oft streut der Autor die polemischen Parolen auf beiden Seiten in seine Geschichte ein. Beleuchtet diese mit der entwaffneten Ironie eines Welt erfahrenen als bloße Machtspiele.

Obwohl er seinen Roman humorlos und geradlinig erzählt, wird der Leser schnell in die laufenden Ereignisse einbezogen und hat die Möglichkeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dabei bleibt er immer auf Augenhöhe Ellens und muss dessen Gedanken folgen. Es verführt, mehrere Schritte in die Zukunft zu planen, doch schnell erkennt der Leser, dass er sich dann auf einem Holzweg befindet.

Mit einer sehr konzentrierten, spannend erzählten Geschichte präsentiert sich Manfred Wegener hier seinem Publikum. Viele Elemente, die für sein gesamtes Werk stehen, lassen sich aus diesem Roman ablesen: eine geradlinige, kompakt erzählte und intelligent aufgebaute Handlung, der Verzicht auf unnötige und überzeichnete Gewalt und der Wille, andere Wege zu gehen, um Lösungen für scheinbar unlösbare Situationen zu finden. Seine Figuren sind sehr realistisch gezeichnet , auch wenn der Hang zu einer gewissen Überdimensionalität zwischen den Zeilen anklingt. Oft überträgt er klassische Stoffe aus der Abenteuerliteratur in eine ferne Zukunft, extrapoliert diese wie in seiner an Alexandre Dumas erinnernden zweiteiligen Geschichte in „Die Verbannten“ und fügt interessante utopische Elemente einer packenden Story bei. „Konterschlag Centauri“ ist ein guter Einstieg, um Wegeners Raumgarn wieder zu entdecken.

Manfred Wegener: "Konterschlag Centauri"
Roman, Softcover
Mohlberg 2005

ISBN 3-9362-2938-4

Weitere Bücher von Manfred Wegener:
 - Einsiedler der Ewigkeit

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