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Science Fiction (diverse)



Clark Darlton

Hurricane- Zyklus

rezensiert von Thomas Harbach

Neben der „Starlight“ Serie sind die insgesamt 11 Romane – oder zehn Bände, wenn man „Das Riff der Andromeda“ als Doppelband und nicht zwei unter einem übergeordneten
Thema geschriebene Einzelromane betrachtet – um das Raumschiff HURRICANE und die beiden Abenteurer Bill Hawkins und Ted Ringer außerhalb der Perry Rhodan Serie Clark Darltons längste Arbeit. Meistens begnügte er sich mit dreiteiligen Zyklen – siehe seine späteren Jugendabenteuer. Die Hefte erschienen zwischen 1959 und 1968 in den Reihe TERRA und Utopia. Dabei lässt sich an dieser aufgespaltenen Reihenfolge Darltons Hin und Her zwischen denn damals konkurrierenden Verlagen Pabel und Moewig ablesen. Die ersten beiden Romane sind im Rahmen der TERRA Hefte unter dem Pseudonym Fred McPatterson erschienen. Warum Clark Darlton dieses Pseudonym gewählt hat, lässt sich nicht mehr eruieren. In ihrer geradlinigen Struktur und in ihrer Exposition unterscheiden sie sich von den späteren Abenteuern. Hier erhielten die beiden Helden bis auf eine Pseudoauszeichnung keine Aufträge vom Militär und das Geschehen ist ausschließlich aus ihre Perspektive erzählt worden. In den Jahren 1959 bis 1963 veröffentlichte Darlton dann den größten Teil der Serie im Rahmen der UTOPIA Hefte – wobei die Titelbilder konsequent den Namen des Raumschiffs HURRICAN (!) und damit falsch geschrieben haben. Im Zuge der großen Popularität der Perry Rhodan Serie fehlte Darlton die Zeit, weitere Abenteuer zu schreiben. Erst 1965 veröffentlichte er dann wieder für die Terra- Reihe sowohl den Doppelband als auch drei Jahre später einen letzten Roman. Es hat immer wieder Gerüchte gegeben, dass Clark Darlton zumindest einen zwölften Band geschrieben hat. Der Herausgeber dieser insgesamt vierten Neuauflage konnte im Zuge seiner Recherchen diese Gerüchte nicht bestätigen. Im Rahmen seiner Reihe „Utopische Welten“ hat Heinz Mohlberg die ganze Serie in insgesamt sechs handlichen Paperbacks mit Titelhildern von Rüdiger Wick neuaufgelegt. Am Ende des sechsten Paperbacks findet sich ein kleiner Abriss über die Erscheinungsweise der Serie und eine Galerie aller Titelbilder.

„Utopia stirbt“ – 1959 als TERRA Heftroman 49 erstmals erschienen – beginnt mit einer erfolglosen Mission der beiden Prospektoren Bill Hawkins und Ted Ringer auf einem kleinen Meteoriten. Sie suchen nach wertvollen Rohstoffen, aus denen der stetig steigende Energiebedarf der Menschheit gedeckt werden kann. Ihr Raumschiff HURRICANE ist ein ehemaliges Schiff der irdischen Raumstreitkräfte, technisch aber auf der Höhe der Zeit. Auf dem Flug zum nächsten möglichen Ziel werden sie von einem unglaublichen Bannstrahl zu einem bislang unbekannten Sonnensystem gezogen und gezwungen, auf einer erdähnlichen Welt mit menschenähnlichen Bewohnern zu laden. Diese nennen den Planeten Utopia. Es gibt keine Waffen, in der Geschichte hat es niemals Kriege gegeben. Ein perfektes Paradies. Jetzt droht die Vernichtung durch Aggressoren aus dem Andromeda- Nebel. Die Utopianer erhoffen sich von den Menschen Daten zu ihren Waffen. Einen offenen Kontakt mit der Erde, die sie schon lange beobachten, scheuen sie, da sie Angst haben, ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Hawkins und Ringer scheuen sich, den ihnen Fremden die Geheimnisse der irdischen Waffentechnik zu vermitteln, da sie Angst haben, dass das technologisch überlegene Volk seinen Pazifismus zugunsten einer Eroberungsstrategie ablegen könnte und die vermeintlichen Invasoren nur ein Bluff sind. Die Utopianer weigern sich, die entsprechenden Beweise vorlegen. So bleibt es bei einem ungewissen Patt zwischen den beiden Parteien. Die beiden Menschen fliehen schließlich, die Utopianer geben ihre Hoffnung auf eine Rettung auf. Nachdem Hawkins und Ritter die nächste Station der Erdstreitkräfte von ihren Erlebnissen unterrichtet haben, schicken die Menschen wenigstens eine Handvoll von bewaffneten Raumschiffen aus, um nach dem Rechten zu sehen. Die grundlegende Idee des Romans ist originell und zeitlos. Wie weit ist das Misstrauen in den Menschen – und die Utopianer stehen im Grunde für jedes andere Volk der Erde – verankert, als dass man von sich aus zumindest den Mut zum Zweifel und das Glaube an das Gute in den Vordergrund stellt? Wie schwer ist es, den ersten Schritt zu tun? Die Romanstruktur selbst ist dem ernsten Thema nicht gewachsen. Auf der einen Seite die unlogische Idee, dass Zivilisten die Geheimnisse der irdischen Waffentechnik mit sich tragen, auf der anderen Seite die materialische Parole, die fremden Aggressoren zu jagen und zu stellen, um das eigene schlechte Gewissen zu beruhigen. Darltons Charaktere agieren in den entscheidenden, emotionalen Passagen zu eindimensional und wirken zu oberflächlich, als dass der Roman trotz seiner ernsten Thematik gänzlich überzeugen kann. „Utopia stirbt“ ist ein guter Beweis für Darltons Fähigkeit, eine interessante Idee zu entwickeln. Gleichzeitig werden ihm bei seiner zugrunde liegenden Ambition noch seine Grenzen als Schriftsteller aufgezeigt. Im zweiten Roman der Serie „Planet der 1000 Wunder“ – Terra 76 ebenfalls aus dem Jahr 1959 – greift Darlton eine Idee auf, die schon zu Zeiten des Golden Ages in fast allen Variationen ausprobiert worden und knappe sieben Jahre später mehrmals in die „Star Trek“ Fernsehserie eingeflossen ist. Mit einem Maschinenschaden im All treibend gelangen die beiden Weltraumhelden mit quasi letzter Kraft auf einen Planten, der zunehmend sich von einer Ödwelt zu einer zweiten Erde wandelt. Als schließlich einige Wünsche und Alpträume der Beiden in Erfüllung gehen, wissen sie, dass sie nicht alleine auf dieser Welt sind. Aus heutiger Sicht wirken weder der Plot noch die spätere, pathetisch kitschige Auflösung überzeugend. Die Exposition ist viel zu lang und wie im ersten Roman erkennen die skeptischen Protagonisten nicht die Wahrheit hinter der Fassade. Hatte dieses Fehlverhalten im ersten Roman noch ein tragisches Ende, können sie im vorliegenden schwächsten Band der Romanserie in letzter Sekunde das Ruder herumreißen, erhalten als Belohnung auch noch eine kleine Schiffsladung eines wertvollen Minerals und lernen eine weitere außerirdische Rasse von fast frustrierend devoter Haltung kennen. Das Heft lebt in erster Linie von Darltons lustigen Ideen. Von den Frauen über den Alkohol bis zum Jeep, mit dem man über die leeren Landschaften brausen kann – alles was das Herz begehrt, kann herbeigewünscht werden. Das offensichtliche Ende eines solchen Szenarios wäre der ultimative Wunsch, entweder wieder auf der Erde zu sein oder ein neues Raumschiff zu haben. Mit einem cleveren Trick verwehrt der Autor seinen Protagonisten diesen zu einfachen Ausweg. Gegen Ende des Buches mit dem Auftauchen der Kugelraumschiffe über dem Planeten wird die Handlung unnötig komplizierter und verliert ihre bis dahin sehr geradlinige Struktur. Der selbst in den fünfziger Jahren altbekannte Plot – so hat auch K.H. Scheer einen entsprechenden, aber deutlich militaristischeren Roman geschrieben - ist die größte Schwäche des routiniert geschriebenen, aber leider nicht sonderlich aufregenden Romans. Hawkins und Ringer werden aber von Darlton nuancierter und überzeugender charakterisiert, die unpersönliche Steifheit des ersten Romans ist weites gehend verschwunden. Im dritten Band „Die Stadt der Automaten“ – Utopia 263 aus dem Jahr 1961 – übernehmen die Beiden zum ersten Mal einen Sonderauftrag des Militärs. Im ersten Heft sind sie für ihre Dienste der Menschheit gegenüber zu Ehrenoffizieren ernannt worden. Jetzt bietet die Raumflotte die Zivilisten, nach einem hinter der bislang unerforschten Grenzregion verschwundenen Archäologen zu forschen. Dabei stoßen sie wieder auf Kugelraumschiffe. Allerdings weckt diese Begegnung keine Assoziation mit den Invasoren im zweiten Band der Serie. Ob dieses Übersehen Darltons Absicht gewesen ist, lässt sich nicht mehr feststellen, es stört aber auf jeden Fall die Kontinuität der Romane. Ansonsten greift der Autor gerne zu Beginn eines neuen Abenteuers auf die bislang erschienenen Hefte zurück und erweitert Schritt für Schritt den Hintergrund seiner beiden Protagonisten mit mehr oder minder direkten Anspielungen. Die Spur der fremden Kugelraumschiffe führt die HURRICANE und ihre Zwei-Mann-Hoppla-Hier-Kommen-Wir Crew zu einer Welt, die nur von menschenähnlichen Robotern bewohnt wird. Die Technik ist atemberaubend fortgeschritten, aber zumindest hoffen Hawkins und Ringer, dass man auch hier die Asimov´schen Robotergesetze kennt. Zumindest werden diese im Text expliziert erwähnt. Automatenzivilisation, von den Schöpfern im Stich gelassen, seit Äonen darauf wartend, dass die Herren wiederkommen und der Maschinenexistenz wieder einen Sinn verleihen, ist ebenfalls kein neues Thema für die Science Fiction und Darltons bisheriges Schaffen. Trotzdem gelingt es ihm, einen spannenden Plot aus den bekannten Elementen zu destillieren. Im Zuge ihrer Ermittlungen müssen sich Riger und Hawkins sehr viel auf ihr Improvisationstalent verlassen. Die Roboter verteidigen diese Bastion gegen außerirdische Angreifer – die Besatzungen der Kugelraumer. In der geheimen Kommandozentrale liegen Daten, welche den Schluss zu lassen, dass die Menschen ursprüngliche vom Mars stammen und aufgrund der unwirtlichen Bedingungen auf dem vierten Planeten auf die Erde übergesiedelt sind. Im Grunde schließt sich durch die Rückkehr der Menschen zu dieser Welt ein Kreislauf. Gegen Ende überschlagen sich wieder die Ereignisse und Darlton bleibt in diesem für einen Heftroman umfangreicheren Roman – auch die Neuauflage hat zehn eng bedruckte Textseiten mehr als die anderen Nachdrucke – nur die Möglichkeit, in schneller Folge These und Antithese abzuhandeln, ohne dass wirklich aus diesen Ideen noch etwas gemacht wird. Aber die Welt steht zumindest für spätere Abenteuer offen. Im Gegensatz zum „Planeten der 1000 Wunder“ lässt Darlton seine Leser nicht einen Augenblick zu Atmen kommen, um den bekannten Ideenhintergrund zu überdecken.
Die HURRICANE Crew wird in ihrem zweiten Vorstoß über die Grenze des 50 Lichtjahreradius wieder auf die gleichen Außerirdischen stoßen. Im achten Abenteuer „Kosmischer Schwindel“ – Utopia 335 aus dem Jahr 1962 – werden sie beauftragt, ein verschollenes irdisches Expeditionsschiff zu suchen. Da die Flotte außerhalb ihres Hoheitsgebiets die Hände gebunden sind, greift man gerne inoffiziell auf die Dienste der Prospektoren zurück. Schnell findet die HURRICANE Crew nicht nur eine Spur des Raumers, sondern auch die Heimatwelt der Fremden. Dort kommt es zu einem intergalaktischen Pokerspiel, das der „Perry Rhodan“ Serie nicht nur würdig ist, sondern in ihren Grundzügen sogar an die ersten Hefte erinnert. Die Menschen wollen die kosmische Position der Erde nicht im Austausch gegen die überlebenden Besatzungsmitglieder austauschen, die Fremden gar haben extra einen ganzen Planeten zu einer dreidimensionalen Bühne ausgebaut, um Fremden zu suggerieren, die Heimatwelt ihrer Rasse vor sich zu haben. Um den Knoten zu durchschlagen, beginnen Bill Hawkins und Ted Ringer ihrerseits mit einem gefährlichen Spiel. Sie geben vor, Mitglieder einer mit den Menschen verwandten Rasse zu sein, die beide Seiten gegeneinander ausspielen möchte. Bis auf die ersten beiden unter Pseudonym geschriebenen HURRICANE- Romane hat Darlton seine ansonsten sehr stringente Erzählstruktur für diese Reihe verlassen. Nachdem Hawkins und Ringer mit dem jeweiligen „Fall“ betraut worden sind, wird auf einer zweiten Handlungsebene von den Ereignissen davor – im vorliegenden Roman zum Beispiel von der Expedition und dem illegalen Verlassen des Operationsgebietes – berichtet. Mit diesem einfachen Kniff erspart sich Darlton eine Reihe von eher langweiligen Wiederholungen und durch die oft zu einem Schemata reduzierten Operation der HURRICANE Besatzung. Sobald die beiden Handlungsebenen zusammengelaufen sind, nehmen die Romane bis zum nicht immer ernst verfassten Ende an Fahrt auf und lassen sich sehr gut lesen. „Kosmischer Schwindel“ beginnt das bislang eher fragmentarische Bild – immer eine neue Rasse oder ein neues Problem pro Heft, das adäquat bearbeitet und beendet wird – abzurunden. .

Im vierten Abenteuer „Das Raum-Zeit-Experiment“ – Utopia 292 aus dem gleichen Jahr – wird er sich seinem Lieblingsthema zuwenden. Überlichtschnelle Raumfahrt und die unterschiedlichen Zeitabläufe innerhalb und außerhalb des Raumschiffs. Diese Thematik hat kein anderer deutscher Science Fiction Autor öfter und besser bearbeitet als Clark Darlton und der Roman gehört zu den besten Abenteuern des Zyklus. Dabei greift er die tragische Idee einer Geschichte Murray Leinsters wieder auf. Im Gegensatz zu den gängigen Leihbuch/ Heftromanklischees geht es den Männern an Bord der HURRICANE neben dem Profit für die eigene Tasche um die friedliche Erforschung des Alls. Ganz bewusst beginnt Darlton mehr und mehr die Paranoiahaltung der Militärs gegen diesen progressiv- optimistischen Menschentyp zu stellen. Mit Professor Lindtberg an Bord wird ein neuer revolutionärer Raumschiffantrieb ausprobiert, welcher die HURRICANE in den Andromedanebel katapultiert. Dort begegnen sie einer fremden Rasse, deren Struktur den Ameisenkolonien der Erde nicht unähnlich ist. Die Besatzung eines Raumschiffes der Fremden ist durch die HURRICANE unabsichtlich getötet worden. Auf der Welt der Insekten wird beraten, ob die Menschen diese Tatsache nicht doch absichtlich begangen haben. Eine Tat, die nur mit dem Tod und der Vernichtung der HURRICANE geahndet werden kann. Der packende Roman lebt vom Zwiespalt der einzelnen Protagonisten. Die Menschen sind sich keiner Schuld bewusst, müssen dann aber erkennen, dass sie zumindest eine latente Schuld am Tod der Fremden haben. Diese wiederum sind im Grunde ein friedfertiges Volk, das aber schließlich die eigene strenge hierarchische Struktur und eine nicht zu leugnende Emotionslosigkeit, die eigenen Entscheidungen betreffend, nicht überwinden kann. In der zweiten Hälfte des Romans macht es sich Darlton allerdings leicht, seine guten pazifistischen Gedanken sowie
eine gemeine Lebensgrundlage im feindlichen All suchenden Menschen als Opportunisten darzustellen. Spürbar verändert der Tenor zu Notwehr und Selbstschutz. Eine bequeme, aber unbefriedigende Lösung. Wenn nach der Flucht von der fremden Welt die Menschen überlegen, wie sie die Zeit und den Raum überwinden können, werden diese Thesen zu abrupt umgesetzt. Auch die ursprüngliche Prämisse, dass die Zivilisten einen neuen Raumschiffantrieb im Gegensatz zur Flotte ausprobieren dürfen, während sich dort keine Freiwilligen gefunden haben, wirkt unglaubwürdig und arm an der Glaubwürdigkeit vorbeikonzipiert. Im nächsten Band „Der Eisenfresser“ aus dem Jahr 1961 geht Darlton bei der Zusammenstellung der HURRICANE- Besatzung noch einen Schritt weiter. Dieses Mal wird ein Planet mit drei Kreuzen für besonders gefährlich auf der Sternenkarte markiert. An Bord der HURRICANE ist zum ersten Mal Raummarshall Chris Pattern, der auch etwas erleben möchte. Man sucht die Überlebenden von bislang vier verschollenen Expeditionen, darunter einen neugierigen Reporter. Dieser ist von Raumpiraten gefangen genommen. Die HURRICANE Mannschaft befreit den Reporter mit einem Handstreich, muss allerdings feststellen, dass die trostlose Landschaft eine besondere Art von Monster beherbergt, das sich auf den Genuss von Eisen spezialisiert hat. Im Zweifelsfalle wird der künstliche Stoff direkt aus den Raumschiffhüllen extrahiert. Ein solider Roman, der von der Beschreibung der lebensfeindlichen Welt Hades lebt und insbesondere am Ende auf einer passenden Note schließt. Der Handlungsrahmen ist deutlich humorvoller, manchmal ein wenig zu überdreht geschrieben worden. Die Raumpiraten erfüllen überzeugend alle Klischees des Genres und stellen zumindest für einen Augenblick eine überzeugende Bedrohung dar. Im Vergleich zu den vorangegangenen Romanen wirkt das Heft deutlich besser strukturiert. „Rastor –senden Sie“ – Utopia 292 noch aus dem Jahr 1961 – ist einer der spannendsten Romane der Serie. Ein riesiges Raumschiff nähert sich dem Sonnensystem. Anfängliche Kommunikationsversuche scheitern. Schnell stellt sich heraus, dass dieses Schiff aus Antimaterie besteht. Es ist die Robotersonde Rastor, deren Mission es ist, Wissen für die Schöpfer zu sammeln und sich am Ende selbst zu vernichten, um mittels dieses Energieschubs die gesammelten Daten zurückzuschicken. Am Ende seiner Suche hat sich Rastor die Erde ausgesucht. Alle Angriffe durch die irdische Flotte scheitern. Ganz der Roboterlogik folgend kann Rastor den Begriff Antimaterie und die gefährliche Implikation nur nach der Durchführung eines Experiments akzeptieren. Er möchte eine Sonde auf der Erde landen. Sollte diese angegriffen werden – die Zerstörung der Sonde steht für ihn stellvertretend für einen Angriff – würde er selbst auf der Erde landen – die Vernichtung der Menschheit stünde bevor. Auch wenn rückblickend die Idee später für den ersten Kinofilm von „Star Trek“ verfeinert worden ist – Clark Darltons Freund Jesco von Puttcamer diente bei dem Film als wissenschaftlicher Berater, ein Schelm, der böses dabei denkt – zeigt der Autor im vorliegenden Text eine beklemmende Logik. Ohne viel Klamauk – nur in der Rahmenhandlung in Bezug auf die Kommunikation zwischen dem verzweifelnden Raummarshall und den beiden Helden der HURRICANE - sehr geradlinig erzählt. Die Positionen sind klar bezogen, es gibt kein Feindbild, sondern nur eine mechanische Engstirnigkeit, an welcher der Mensch fast verzweifelt. Wie schließlich die menschliche Fähigkeit des Bluffs und eine etwas unorthodoxe Methode des Beschuss von fremden Raumschiffen mit primitivsten „Waffen“ die Rettung der Erde bringen, hat Darlton hervorragend und sehr konsequent entwickelt. Auf der einen Seite die sehr emotionalen Menschen mit natürlich Hawkins/Ringer von der HURRICANE im Mittelpunkt, auf der anderen Seite die Sonde Rastor mit ihrer eiskalten, bestechenden Logik bilden über weite Strecken des Romans einen bestechenden Kontrast. Die Auflösung enthält nicht nur einen Schuss Melancholie, sie ist sehr gut vorbereitet und wird abgerundet präsentiert. „Das Geheimnis des Handelsflotte“ – Utopia 329 aus dem Jahr 1962 – ist ein ungemein spannender Roman, in dem Darlton aber zumindest zu Beginn eher verzweifelt als überzeugend die demokratischen Bestrebungen des menschlichen Imperiums zu erläutern sucht. Auf den verschiedenen Planeten dürfen sich die Menschen oder Außerirdische solange frei entwickeln, als sie mit beiden Beinen auf dem Boden stehen bzw. nicht in der Lage sind, die Atmosphäre ihrer Welt zu verlassen. Das Hoheitsrecht im All haben die Menschen. Und dieses Privileg wollen sie mit allen Mitteln behalten. Als sich eine Kolonie abzuspalten beginnt und vor allem innerhalb kürzester Zeit mit Hilfe von menschlichen Verrätern – die Todesstrafe in dieser goldenen Zukunft ist das Verlassen der Außenbordlucke während des Fluges von einer Welt zu anderen! - die Raumfahrt entwickelt, sollen die „Geheimagenten“ Hawkins und Ringer nach dem Rechten sehen. Sie lassen sich auf dieser Welt einschleusen und beginnen die verschiedenen Machenschaften zu eruieren. Als Ringer aber von den Rebellen entführt wird, eskaliert die schon politisch brisante Situation und ein offener Krieg droht. Der Roman lebt in erster Linie von dem Geheimnis der Handelsflotte, zwanzig Raumschiffen ohne augenscheinliche Waffen und von Zivilisten bemannt, die fast wie Rosinenbomber der Zukunft dank des freien Handels die aufmüpfigen Gemüter wieder unter die Knute des Imperiums bringen sollen. Natürlich steckt hinter diesen Raumschiffen deutlich mehr als sie zeigen wollen. Die Auflösung dieses Rätsels beschäftigt die Protagonisten genauso wie der Leser. Ist dieses Rätsel allerdings gelöst, dann zerfällt der Roman in eine klassische Raumschlacht – die erste dieser über weite Strecken wehrhaft pazifistischen Serie – und eine Deduktionsauflösung, in welcher sich Hawkins als erst als Ermittler und dann als Nachkomme der Inquisition versucht. Der Roman ist uneinheitlich. Es fehlt ihm nicht zuletzt aufgrund der fragwürdigen Prämisse und dem Rückgriff auf die goldenen Kolonialzeiten – hat wie die Geschichte bewies auch nicht geholfen – an Glaubwürdigkeit. Darlton bemüht sich nicht, eine gewisse Neutralität in diesem Konflikt zu bewahren. Zu sehr wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen und wenn schließlich am Ende die Habgier des Individuums als Katalysator entlarvt wird, wirkt diese Auflösung nicht unbedingt glaubwürdig. Vom reinen Standpunkt einer Abenteuergeschichte ausgehend ist „Das Geheimnis der Handelsflotte“ ein gut zu lesender Roman, in Bezug auf die politischen Konstellation verhängnisvoll erzkonservativ und gefährliche reaktionär. Im Vergleich zu den oft sehr modernen Freidenker Ansichten des Autoren ein seltsames Unikat.

„Das Riff der Andromeda“ ist mit den Untertiteln „Die Spur des Fremden“ und „Die Sieger siegen immer“ als TERRA Heftroman 430 und 431 1966 erschienen. Nicht nur der zeitliche Unterschied zwischen dem bislang achten Band der Heftromanreihe und diesem Doppelschlag ist augenscheinlich, auch als Autor hat sich Clark Darlton nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem strengen K.H. Scheer im Rahmen der Perry Rhodan Serie noch einmal steigern können. Der letzte Band der Reihe „Die Gravitationssonne“ ist zwar erst zwei Jahre nach diesem Roman erschienen, sowohl plottechnisch als auch so weit feststellbar gehört er allerdings vor diesen Doppelband. Allerdings hat der Autor zumindest zu Beginn seines sehr gut strukturierten und vor allem einfallsreichen Konstrukts vergessen, dass die HURRICANE Besatzung schon einmal die Grenzen ihrer Milchstraße verlassen hat: In „Das Raum-Zeit- Experiment“ führte sie ein revolutionärer Antrieb weit aus dem bislang bekannten Raum heraus. Obwohl am Ende der Handlung sich die einzelnen Protagonisten gegenseitig in die Hand versprechen, an diesem Antrieb weiterzuarbeiten, hat der Autor die Idee schnell wieder fallengelassen. Mit dem auf Energiespiegeln basierenden Schnellstraßensystem – die Schiffe der Fremden beschleunigen auf unglaubliche Geschwindigkeiten, um den Sprung zum Andromeda- Nebel und zurück zu schaffen -, den Wartungsroboters, die sklavisch ihre Pflicht erfüllen, der Welt der Tempel, welche die Götter hinterlassen haben und schließlich dem Versuch, diese technisch überlegene Zivilisation in Ansätzen zu verstehen, füllt Clark Darlton den ersten Teil des Doppelbandes mit einer Fülle von Ideen. Er nimmt sich vor allem den Raum, diese einzelnen Bestandteile ausführlich zu beschreiben. Der Leser verfolgt wieder wie in den ersten beiden Heftromanen der Serie die Aktionen ausschließlich aus der Warte der HURRICANE- Besatzung. Diese Vorgehensweise ermöglicht es ihm, das Geschehen nicht nur jederzeit auf Augenhöhe verfolgen zu können, sondern über weite Strecken seine eigenen Vermutungen anzustellen. Aus heutiger Sicht fließen eine Reihe von Ideen ein, die Clark Darlton später in seinen Jugendbüchern und auch der Perry Rhodan Serie weiter ausführen wird. Selten ist die Diskrepanz zwischen der außerirdischen Überzivilisation – in diesem Fall kommt noch eine hübsche These am Ende der Handlung hinzu, auf die selbst Erich von Däniken so nicht gekommen wäre – und den Menschen größer gewesen. Diesen eröffnet sich der Weg zu den Sternen Andromedas nicht aus eigener Initiative, sondern weil ein fehl geschalteter Wartungsroboter sie als Herren anerkennt. Auf dem ersten Planeten, welchen sie besuchen, wird ihnen die grandiose Vision der Fremden erläutert, als sie im zweiten Band schließlich das Riff der Andromeda erreichen und auf einer fremdartigen Welt stranden, gelingt es Darlton, eine wirklich überzeugende und vor allem neuartige Art der Bedrohung zu erschaffen. Beide Romane sind sehr kompakt geschrieben. Insbesondere der manchmal kindisch wirkende Humor spielt keine Rolle. Die Bedrohung ist konkret, die Chancen sind riesig. Das am Ende sich der Mensch wieder selbst im Wege steht, ist nur folgerichtig für Darltons bisheriges Werk. Sein Misstrauen gegenüber den Regierenden – Perry Rhodan sei hier als Ausnahme verstanden – und den Drang des Militärs, lieber sterbend unterzugehen als einen Hauch von Vertrauen zu zeigen treibt er auf die Spitze. Ganz bewusst kumuliert die Handlung in einer eher pathetisch beschriebenen Volksabstimmung. Nur der gesunde Menschenverstand unbeeinflusst von Politik und Militär – wenn auch ein wenig im Guten von der HURRICANE Besatzung manipuliert – kann den Weg zu den Sternen freimachen. Aus dem Rahmen fällt nur die unglaubwürdige Kommunikation zwischen der HURRICANE- Besatzung inklusiv des auf die Expedition als Gast mitgenommenen Robotikers, der mit einem verzweifelten und überzogenen Bluff die Fremden von seiner logischen Gedankenkette überzeugen möchte, und den Fremden. Nicht selten erinnert das Schauspiel an die gleichzeitig erscheinenden Perry Rhodan Romanen, in denen die Maus mit den Elefanten gespielt und stets gewonnen hat. Hier fehlt der letzte entscheidende Schulterschluss, eine wirklich fremdartige und intellektuell hoch stehende Zivilisation zu beschreiben, welche die Menschen per se ignoriert und nicht als Gäste hofiert. Trotz dieser Schwäche ist der Doppelband „Das Riff der Andromeda“ nicht nur der Höhepunkt der HURRICANE- Romane, sondern einer der besten Romane Darltons außerhalb seiner Perry Rhodan Werke. Die Gegenwart wird mit der Vergangenheit verbunden, um den Weg in die Zukunft zu weisen.

Am einfachsten lässt sich „Die Gravitationssonne“ – Terra 554 aus dem Jahr 1968 – als Darltonroman identifizieren, wenn man sich die Namen der Nebencharaktere ansieht: Bings – eine Hommage des früh verstorbenen Gründers von TRANSGALAXIS – und Artner – ein Pseudonym, das Darlton für Gemeinschaftsproduktionen nutzte. Ansonsten präsentiert der Roman wieder ein naturwissenschaftliches Phänomen. In diesem Fall eine schwarze Sonne mit einem ungewöhnlichen Gravitationsfeld. Auf dem sie umfliegenden Planeten musste ein Explorer notlanden. Die HURRICANE Besatzung rettet die Soldaten, bringt eine primitive Priesterkaste durcheinander, streicht die Bodenschätze ein und zeigt dem Militär zum wiederholten Male, dass Eigeninitiative mit einem Schuss Waghalsigkeit den Tag retten kann. Der Roman zerfällt in drei sehr unterschiedliche Teile. Der Beginn mit den Tagebuchaufzeichnungen wirkt schwerfällig und seltsam distanziert, der Mittelteil mit der Untersuchung der dunklen Sonne und den Phänomenen auf dem Planeten ist spannend, das Ende mit der Priesterkaste und der Rettungsaktion eher konstruiert und seltsam distanziert. Ein homogener Spannungsbogen kommt in diesem routiniert geschriebenen Roman nicht auf, insbesondere scheint sich Darlton von seinen eigenen Figuren im Vergleich zu „Das Riff der Andromeda“ wieder zu entfernen. In diesem zumindest was die Erscheinungsweise angeht chronologisch letzten Abenteuer setzt Darlton routiniert einzelne Erfolgskomponenten seiner Serie zu einem geradlinigen Handlungsbogen zusammen, füllt sie aber nicht mit weitergehendem Leben.


Die insgesamt elf Abenteuer geben einen guten Überblick über die Bandbreite von Darltons Schaffen. Das Spektrum reicht von seinen Raum- Zeitabenteuern bis zu den Göttern, welche die Erde vor langer Zeit besucht haben, von Automatenzivilisationen bis zu utopischen Agentenromanen. Auch heute lesen sich die Hefte kurzweilig. Für die Neuauflage hat der Heinz Mohlberg- Verlag die Abenteuer sehr behutsam überarbeitet und weites gehend sprachliche oder stilistische Mängel behoben. In ihrer fundamentalen Struktur sind die Abenteuer unverändert geblieben. Insbesondere für eine jüngere Perry Rhodan Lesergeneration stellen sie einen sehr guten Einstieg in Walter Ernstings Schaffen dar. Die liebevoll gestalteten Paperbacks bilden die ideale Startbasis.

Clark Darlton: "Hurricane- Zyklus"
Roman, Softcover, 172 Seiten
Heinz Mohlberg- Verlag 2005

ISBN 3-9362-2918-X

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