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Science Fiction (diverse)



Stefan PĂĽrner

Sgt. Pepper Live

rezensiert von Thomas Harbach

Im Frühjahr 2006 legte der promovierte Jurist Stefan Pürner mit „Geklont“ seine erste Kurzgeschichtensammlung „Geklont“ werden. In den insgesamt zwölf Kurzgeschichten hat er sich mit verschiedenen Facetten dieses Themas auseinandergesetzt. Unter anderem auch den rechtlichen Folgen und ungeahnten Möglichkeiten, des klonen von verstorbenen Rockstars. Viele der in diesem Buch versammelten Storys überzeugten auf der Ideenebene mehr als in der literarischen Ausführung. Mit „Sgt. Pepper Live“ präsentiert Pürner eine Beatles-Fiktion, die insbesondere stilistisch im Vergleich zu seiner ersten Veröffentlichung eine deutliche Weiterentwicklung darstellt. Es empfiehlt sich, das Buch von hinten zu beginnen. Die so genannten Liner Notes bilden das „Sgt. Pepper Sammelsurium“ und setzen sich intensiv mit fast allen Facetten um das berühmte Konzeptalbum auseinander. Das reicht von einer Sammlung Kritikerzitate bis zu den Outtakes. Während der Leser die eher zu euphorischen Kritikeraussagen überfliegt und sie im Rahmen eines kleinen Suchspieles den jeweiligen Verfassernamen zu ordnen kann, beginnt mit der Analyse der Outtakes die eigentliche Lektüre. Auf viele der hier sachlich fundiert zusammengefassten Fakten – teilweise mit Spekulationen angereichert – gehen die vorangestellten Geschichten und Fiktionen auch ein. Um das Lesevergnügen zu erhöhen, empfiehlt es sich allerdings, zumindest als nicht Beatle- Fanatiker eine solide Wissensgrundlage sein Eigen zu nennen. Bei den Outtakes unterscheidet der Autor zwischen den ausgekoppelten Stücken – damals war es nicht üblich, die Singles aus den Stücken der LPs herauszunehmen, sondern Singles stellten eigenständige Arbeiten dar – und den Liedern, die aus unterschiedlichen Gründen während der Studioaufnahmen zu „Sgt. Pepper“ nicht verwendet worden sind. Dabei rückt Pürner auch von dem Mythos ab, dieses Konzeptalbum wäre die größte und beste LP der Rockgeschichte, sondern setzt die Arbeit der Beatles in einen musikhistorischen Kontext. Die beiden Albumcoverversionen werden ausführlich besprochen. Viel interessanter sind die Hinweise auf einzelne Neuinterpretationen – das Spektrum reicht fiktiv von Bob Dylan bis real Joe Cocker. Das Album ist in Zahlen ist eine nicht ernst gemeinte Spielerei. Abschließend zeigt der Autor noch auf, welche historischen Persönlichkeiten es nicht auf das Cover des Albums aus sehr unterschiedlichen Gründen geschafft haben. Dieser Beitrag liest sich sehr flott, zeigt er doch beispielhaft John Lennons dunklen britischen Humor in voller Blüte. Viel interessanter sind die Zeittafel mit dem abschließenden Hinweis auf die Veröffentlichung des Buches und ein Verriss der grauenvollen filmischen Interpretation der Beatles Hommage an ihre Jugend in Liverpool.

Die erste Hälfte des Buches ist in einzelne Tracks aufgeteilt. Dabei gibt es eine Haupthandlung – die Beatles wollen „Sgt. Pepper“ zum ersten Mal in der Royal Albert Hall live spielen, John Lennon wurde bei dem Attentat nur leicht verletzt – und eine Reihe von unabhängigen Kurzgeschichten, die sich auf die Lieder des Albums beziehen. Dazu kommt im zweiten Teil des Buches noch ein zusammenhängender Handlungsfaden, in dem ein überforderter Polizist den grausamen Ritualmord an John Lennons Mörder zu untersuchen beginnt. Neben der von ihm entwickelten Fiktion hat Pürner in dieser zweiten Handlungsebene unserer Realität eine Art krimitechnisches Rätsel hinzugefügt. Einzelne der Geschichten – insbesondere „Wie du mir, so ich dir“ - sind schwach entwickelt und geschrieben. Hier ist deutlich zu erkennen, dass zwischen der Ambition und der Realität ein großer Unterschied bestanden hat. Wohlwollend ließe sich festhalten, dass auch „Sgt. Pepper´s Lonely Heart´s Club Band“ als Konzept ein hervorragendes Album mit Stärken und Schwächen bei den einzelnen Liedern ist. Genauso uneinheitlich sind die einzelnen Beiträge dieser Sammlung, wobei die isolierten Geschichten am schwächsten sind. Die Ermittlungsarbeit am Ende ist zumindest routiniert geschrieben, die Dialoge zwischen dem Beatles- Fan – jeder Mensch, der John Lennon geliebt und Yoko Ono gehasst hat, könnte als Verdächtiger in Frage kommen – und dem überforderten Kommissar sind in ihrer manchmal übertriebenen Absurdität gut zu lesen. Stefan Pürner beendet diesen Handlungsfaden nicht. Das sehr offene Ende lässt dem Leser den Raum, zu spekulieren. Mit einer ähnlichen Idee nähert er sich der interessanten und sehr solide geschriebenen Haupthandlung. Im Vordergrund dieser Beatles- Reunion steht die Aufführung des Studioalbums vor einem ausgewählten Publikum mit der Unterstützung von einigen Freunden aus der Musikszene. Erst danach wollen die Beatles entscheiden, ob es wirklich eine neue Karriere der vier Pilzköpfe geben kann und geben wird oder der Versuch abgebrochen werden muss.

Ganz bewusst versucht Stefan Pürner auf jegliche Vorgeschichte. Sein Handlungsbogen beginnt an dem Abend des Konzerts. Als Identifikationsfigur für den Leser hat er sich Ringo ausgesucht. Dessen Zweifel und Sorgen, aber auch seine Hoffnungen und Erwartungen bilden die erste Sympathieebene zwischen den unberührbaren Stars und dem Leser. Expliziert und impliziert wird eher beiläufig der Weg zu diesem Abend in der Royal Albert Hall aufgezeigt. Dabei erweist sich der Autor als ausgezeichneter Kenner der Beatles. Pointiert und nuanciert versucht er auf der einen Seite einen interessanten Abend vorzubereiten, auf der anderen Seite aber möglichst viel von unserer Realität in diese interessante Fiktion zu integrieren. Die einzige gravierende Abweichung ist im Grunde die Tatsache, dass John Lennon bei dem Attentat nur verwundet worden ist und sich kurze Zeit später von seiner japanischen Frau getrennt hat. Mit dem sich anschließenden künstlerischen Selbstfindungsprozess ist der Boden zumindest für ein einmaliges Revival der Beatles und ihres großen Konzeptalbums geebnet. Ansonsten könnte es sich auch um die Beschreibung einer bekannten, wenn auch X beliebigen Band handeln, deren erstes Come-together der Leser verfolgt. Im Gegensatz zu einer anderen kürzlich erschienenen Groteske, in der ein Zeitreisender Beatles- Fanatiker aus der Gegenwart für viele Entwicklungen der sechziger Jahre verantwortlich ist, weil er durch seine Dummheit den Zeitstrang verändert hat, wirkt Stefan Pürners Vorgehen bodenständig realistisch. Ihm gelingt es phasenweise erstaunlich gut, die Vorfreude im Leser auf dieses einzigartige Konzert zu wecken. Literarisch der größte Augenblick des gesamten Buches ist allerdings der „hidden track“, der plötzlich dank der Verkehrsfunktaste eine halbe Stunde nach dem Konzert auf allen Radiosendern ausgestrahlt wird. Hier erinnert sein Buch unwillkürlich an Kevin Costners „Field of Dreams“. Dazwischen liegen allerdings auch einige Passagen, die uneinheitlich geschrieben worden sind. Es ist für einen Autoren im Gegensatz zu einem Regisseur nur bis zu einem begrenzten Grad möglich, die Erwartungsschraube immer weiter an zu drehen. Bei einigen der Gaststars, die während des Konzerts auftreten, ist die Vorfreude des Autoren wahrscheinlich größer als das Gefühl, was er dem Leser vermitteln kann. Hier wäre es sinnvoller gewesen, auf dem Publikum umzuschwenken und aus deren Perspektive dieses Rockereignis zu beschreiben.

Da es ist überwiegend um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens handelt, geht Stefan Pürner mit ihnen sehr respektvoll um. Sex und Drogen werden zwar erwähnt, aber nur impliziert abgehandelt und niemals offensichtlicher Bestandteil der Handlung. Auch bei den einzelnen prägnanten Charakteren versucht der Autor möglichst viele historisch belegte „Tatsachen“ in seinen Roman einzubauen, als die einzelnen Figuren von alleine fliegen zu lassen. Dadurch wirkt die Darstellung an manchen Stellen zu distanziert und teilweise springt der Funke des Konzerts nicht auf den Leser über. Hier sei nur auf George R.R. Martins einzigartigen Roman „Armageddon Rock“ verwiesen. An anderen Stellen erdrücken die vielen Fakten die Handlung. Sie sind zwar bis zu einem bestimmten Grad notwendig, da Pürner dem Büchlein einen ausführlichen Anhang gegeben hat, wäre es nicht unbedingt oberste Prämisse, sie zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Der Lesefluss wird dadurch unterbrochen, die verständlichen Erläuterungen nehmen einen zu breiten Raum ein, bevor die eigentliche Geschichte weitergeht.

Als Konzept betrachtet ist „Sgt. Pepper Live“ allerdings eine lesenswerte, originelle und vor allem im Vergleich zu manchen Schnellschüssen fundiert recherchierte Geschichte, in der sich zumindest für die eingeschworenen Beatle- Fans ein Traum erfüllt. Schon seine erste Science Fiction Kurzgeschichtensammlung zeichnete sich als lesenswerte Kopf- SF aus, im vorliegenden Band ist das Herz eines Musikfans hinzugekommen. Wobei herausgestellt werden muss, dass insbesondere das Konzert inklusiv Nachspiel zu den besseren Teilen des Buches gehört. Die dazwischen geschobenen thematisch auf die Lieder zugeschnittenen
Kurzgeschichten zeigen immer noch eine Reihe von Schwächen, die insbesondere in „Geklont“ die Ideen einiger der Texte zu stark negiert haben.

Stefan PĂĽrner: "Sgt. Pepper Live"
Roman, Softcover, 160 Seiten
Jeske/Mader 2007

ISBN 3-9316-2446-3

Weitere Bücher von Stefan PĂĽrner:
 - Geklont

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