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Science Fiction (diverse)



Susan Schwartz & Ernst Vlcek

Sunquest Band 1- Fathomless

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Fathomless“ – der Begriff steht am Ende des ersten Bandes in einem engeren Zusammenhang mit der Protagonistin – legt der Fabylon- Verlag den ersten Band einer zu Beginn klassischen Space Opera vor, die sich mehr und mehr in den Bereich der Science Fantasy mit Anklängen an die exotischen Welten eines Jack Vance weiterentwickelt. Insgesamt sechs Paperbacks sind geplant, aufgeteilt immer in zwei von verschiedenen Autoren geschriebene Hälften. Den Auftakt übernehmen die Perry Rhodan Routiniers Ernst Vlcek und Susan Schwartz, die schon bei „Wiener Roulette“ bewiesen haben, dass Österreicher und Bayern kein Widerspruch per Definition sein müssen. Im Mittelpunkt der Serie steht eine besondere Welt. Der Planet Less ist von den Menschen zur Sperrzone erklärt worden. Auf dieser Welt funktioniert keine elektronische Technik. Nur die mechanischen Komponenten funktionieren noch. Dafür gibt es PSImagie. Im All führt die Menschheit einen brutalen Vernichtungskrieg gegen die erste außerirdische Rasse, der sie begegnet sind. Shanija Ran ist eine Pilotin, deren Raumschiff nach einem Gefecht im Hyperraum vom Kurs abweicht und auf dem Planeten Less strandet. Ihre künstliche Intelligenz PONG verwandelt sich auf dieser rätselhaften Welt in einen kleinen handlichen Drachen, der auch als dreidimensionales Tatoo auf der Haut getragen werden kann. Ihr Gleiter funktioniert nicht mehr. Sie hat keine Zeit, sich auf dieser atmosphärisch angenehmen, archaischen Welt zu akklimatisieren. Ein Müllmonster bedroht ihr Leben. Sie lernt eine junge Frau kennen, die eine Nachkommin des ersten irdischen Fernraumschiffes ist. Dieses ist vor vielen Jahren auf seiner Mission im All verschwunden. Anscheinend ist es nur eines von vielen Raumschiffen, die es nach Less verschlagen hat. Dabei hat Shanija Ran unmittelbar vor ihrer Havarie eine Möglichkeit gefunden, den überlegenen Feind zu besiegen. Nur konnte sie ihre Daten nicht an die Erde übermitteln und die Wahrscheinlichkeit, die technikfeindliche Welt zu Lebzeiten zu verlassen, sind mehr als gering. Und ihre Lebenszeit wahrscheinlich auch sehr begrenzt.

Auf den ersten Blick – das heißt, solange die Handlung im Weltall spielt – bietet Susan Schwartz Auftaktroman außer einem soliden, angenehm zu lesenden Stil wenige handlungstechnische Überraschungen. Das Ausgangsszenario ist aus unzähligen Serien vertraut, die Isolation der Hauptprotagonistin/ des Handlungsträgers hat insbesondere Catherine Asaro in ihren Science Fiction Romanzen um das Sternenreich Skolia in allen Variationen ausprobiert. Die Charakterisierung der Protagonistin ist auch eher oberflächlich, aus ärmlichen Verhältnissen kommend, sich in der irdischen Armee durch eisernen Willen und eine gewisse Eigeninitiative im Rahmen der Befehlskette hochgearbeitet, voller Selbstzweifel was das äußere Erscheinungsbild angeht, einer zielstrebigen Entschlossenheit, was vor allem das Handeln in im Grunde aussichtslosen Situationen angeht. Allgemein betrachtet sind es alles Facetten, die weder alleine stehend noch in der Kombination wirklich originell sind. Auch das PONG wirkt eher wie der zynische Extra- Sinn ATLANS, aufs Rudimentäre reduziert. Mit der Landung auf dem Planeten Less gewinnt insbesondere der erste Teil des Romans im wahrsten Sinne des Wortes an Statur. Mit einem Müllmonster konfrontiert zu werden, überschreitet die Grenze zur Satire. Hier erinnert der Roman an die kurzlebige Fernsehserie „LEXX“, die insbesondere die Grenze zwischen spannender Handlung, Klamauk und schlechten Geschmack immer wieder austestete. Die Idee, aus PONG einen kleinen Drachen zu machen, der sich als erstes über seine neue, echte Existenz freut und einige machohafte Sprüche loslässt, ist zwar nicht innovativ, lässt sich aber sehr unterhaltsam lesen. Susan Schwartz und ihre Mitstreiter werden noch in den nächsten Romanen sowohl den Planeten LESS als auch die Idee der Psimagie weiterentwickeln, hier erhält Shanija Ran ihre persönliche Fähigkeit im rechten, im Grunde letzten Moment und kann ihre Mitstreiterin – die attraktive Diebin As´mala – so vor einem vorzeitigen Abschied aus der Serie retten. Was bislang über diese Welt im ersten Band geschrieben worden ist, wirkt eher ambivalent. Auf jede gute Idee – keine elektronische Technik – folgt eine bekannte Sequenz – lüsterne, grausame Herrscher, die ihre Sklavinnen vor dem Weiterverkauft natürlich erst einmal ausprobieren wollen. So fließt die sehr geradlinig geschriebene Handlung dahin, ohne eine spürbare wirklich Spannung aufkommt. Die exotische Stimmung trägt das Geschehen, es gibt ausreichend Hinweise auf die zukünftigen Ereignisse und die Neugierde des Lesers wird geweckt. Der Übergang zum zweiten Teil aus der Feder Ernst Vlceks ist auch geschickt gewählt. Nackt wie Gott sie geschaffen hat werden die beiden Fraun inklusiv des Drachen auf einen anderen Teil der Insel durch einen „Unfall“ teleportiert. Ihr Wissen hat sich drastisch erweitert und trotzdem müssen sie im Grunde noch einmal von vorne anfangen. Ernst Vlcek hat auch die Ehre, die beste Passage des Doppelromans gleich zu Anfang schreiben zu dürfen. Die beiden Frauen landen auf einer kargen Gefängnisinsel, auf welcher die Häftlinge ausgesetzt und dem eigenen Schicksal überlassen werden. Sie erfahren etwas von dem letzten Überlebenden einer Dreiergruppe über die soziale Struktur und entfliehen mit einer waghalsigen Aktion auf einem dunklen Gefangenentransporter. Diese Passage ist sehr kompakt geschrieben, nicht immer ganz ernsthaft und doch handlungstechnisch geradlinig. Die Art der Flucht wirkt bizarr. Kaum verlassen die beiden Frauen – eher unentschlossen, ob man wirklich den unfreiwilligen Helfer mitnehmen sollte – den ungastlichen Ort, geraten sie in eine archaische Gesellschaft und müssen sich mit diversen Ränkespielen einer archaischen Gesellschaft auseinandersetzen. Hier reiht Ernst Vlcek mit seiner ganzen Routine eine Reihe von unterhaltsam zu lesenden, aber manchmal seltsam distanziert wirkenden Szenen aneinander. Keiner dieser Subplots ist überraschend. Nicht selten benötigt der Autor sie, um weitere Hinweise auf den übergeordneten Plot – das Geheimnis der gestrandeten SUNQUEST und schließlich natürlich die Rettung der Erde vor den fremden Aggressoren – einzustreuen. Dem Roman schadet zu diesem Zeitpunkt der fast gänzliche Verzicht auf PONG, den kleinen Drachencomputer, dessen sarkastische Sprüche im ersten Band etwas von der humorlosen Handlung ablenken konnten. Kaum hat er seinen Auftritt im Buch, ist er auch schon wieder weg. Wie zwischen den ersten beiden Teilen der Serie ist der Bruch relativ hart, er steigt mit einem neuen Subplot in den Mehrteiler ein.

Lässt der Leser das bisherige Szenario Revue passieren, teilt es sich in Licht und Schatten auf. Zu den besseren Ideen gehören die beiden weiblichen Protagonisten, auch wenn sie in einigen Szenen eher klischeehaft als originell agieren. Auch der Rückgriff auf die PSImagie an wichtigen Stellen erfolgt nach dem ersten Band schon zu routiniert und dieser handlungstechnische Kniff wirkt eher wie der letzte Rettungsanker, um einen vertrackten Plot effektiv aufzulösen. Trotz dieser Schwächen bilden sie aufgrund einer Reihe von wieder erkennbaren Charakterzügen ein sympathisches Duo. Was bislang von „Less“ bekannt ist, weckt die Neugierde auf mehr. Nur mechanische Technik – zu Beginn des zweiten Teils sehr gut eingesetzt, danach gerät diese Idee aufgrund des erdrückenden Fantasy- Plots ein wenig in Vergessenheit – erinnert nicht zuletzt an Romane wie „Seelen in der großen Maschine“, die allerdings diese Prämisse deutlich effektiver und pointierter umgesetzt haben als es im ersten Band des Sechsteilers der Fall ist. Hier wäre es sinnvoll, diesen Ansatz stärker, bizarrer und vor allem einfallsreicher zu extrapolieren. Zu den schwächeren Ideen der Serie gehört der sehr geradlinige Plot, der einige bizarre Sequenzen erdrückt und nicht sonderlich gut zur Geltung kommen lässt. Insbesondere gegen Ende von Susan Schwartzs Text werden die bizarren Ideen – ein Müllmonster mit allem was dazu gehört – zu schnell abgehandelt und die Schwierigkeiten zu leicht bewältigt. Hier ist es notwendig, den Protagonisten weniger übersinnliche Fähigkeiten zu schenken, sondern es ihnen schwieriger zu machen, aus den Situationen, in die sie sich mit einer draufgängerischen Art selbst gebracht haben, wieder herauszukommen. Beide Teilromane sind stilistisch angenehm und fließend geschrieben. Die Dialoge wirken natürlich, die Routine aus unzähligen Heftromanen macht sich positiv bemerkbar. Als Auftaktroman einer neuen Miniserie gehört „Fathomless“ eindeutig zu den besseren Startups der letzten Jahre. Im Vergleich zu einigen laufenden Serien wie „Sternenfaust“, die sich niveautechnisch kontinuierlich nach unten bewegen und alte Ideen über viele Hefte wieder aufbereiten, wirkt der Plot nostalgisch frisch mit seiner Mischung aus bekannten, aber soliden Ideen und einer Reihe von extravaganten Schmankerln.

Susan Schwartz & Ernst Vlcek: "Sunquest Band 1- Fathomless"
Roman, Softcover, 240 Seiten
Fabylon- Verlag 2007

ISBN 3-9270-7117-X

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