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rezensiert von Ralf »Searge« Pappers
Die Geschichte handelt lange Jahre nach "Chasm City". Die Schmelzseuche ist zwar nicht überwunden, aber da diese praktisch alle Nanomaschienen in erreichbarer Nähe umgeformt hat, gibt es in dieser Beziehung nichts mehr zu vernichten. Die Menschheit teilt sich in mehrere Gruppen auf. Eine dieser Gruppen sind die Demarchisten, ein totalitärer Staatsmechanimus, die von den Menschen im Rostgürtel nur Zombies genannt werden. Auf der anderen Seite die Synthetiker, die alle Menschen, ähnlich wie die Borgs, in ihr Kollektiv assimilieren wollen. Sie werden allgemein Spinnen genannt. Diese beiden Gruppen führen einen interstellaren Krieg gegeneinander, den nach 400 Jahren die Synthetiker zu gewinnen scheinen. Auf Grund des langen Krieges sind nur noch diese in der Lage Lichtschiffe zu bauen. Auf einer deren Expeditionen in den Tiefenraum, haben sie Kontakt mit einer Maschinenintelligenz, die alles intelligente Leben im Universum, welches auf einer höheren Stufe steht, gnadenlos auslöscht. Durch diesen Kontakt sind die "Unterdrücker", wie sie auch genannt werden, auf die Menschheit aufmerksam geworden und haben sie zur Vernichtung bestimmt. Es beginnt ein gnadenloser Wettlauf um das Überleben der Menschheit. Sollen sie fortlaufen oder sich der Gefahr stellen? Hat ein Kampf gegen diese Übermaschinen überhaupt einen Sinn?
Trotz des enormen Umfanges von satten 894 Seiten, ist die Verarbeitung des Taschenbuches außerordentlich gut. Man muß nicht befürchten das der Buchrücken auseinanderbricht. Auch das Papier ist von guter Qualität und die Schriftart hervorragend lesbar.
Reynolds stellt zu Anfang des Buches alle Beteiligten kurz vor, die im späteren Verlauf der Geschichte aufeinandertreffen werden. Dabei gestaltet er die Handlung dermaßen geschickt und spannend, daß der Leser gebannt jede Seite verschlingt um zu erfahren wie es weitergeht. Trotz des, im ersten Moment "erschlagenden" Umfanges des Buches, wird man vom ersten Moment an gefesselt. Schon nach kurzer Zeit rückt die Hauptfigur des Buches, Calvain (Der Schlächter von Tharsis), immer deutlicher in den Vordergrund. Reynolds versteht es ausgezeichnet die Spannung langsam aber stetig zu steigern, bis zum großen Finale. Auch vermeidet er diesmal logische Fehler und die Story wirkt deswegen schlüssig und wie aus einem Guß. Auch die wissenschaftlichen Hintergründe, die immer wieder auftauchen, wirken nicht einfach nach Technobabble, sondern wie echt. Der Wissenschaftler Reynolds geht hier eine hervorragende Allianz mit dem Autor Reynolds ein. Diverse Kritiker meinen zu Recht, daß er einer der großen im Reich der Space Opera ist.
Alastair Reynolds: "Die Arche"
Roman, Softcover, 894 Seiten
Wilhelm Heyne Verlag 2002
ISBN 3-4538-7551-6
Leserrezensionen
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10.11.05, 15:58 Uhr
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Christian Siegel (review.center.at.tf)
unregistriert
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War "Chasm City" ein recht eigenständiger Roman, der zwar das von Reynolds in "Unendlichkeit" geschaffene Universum erweiterte, aber mit dessen Handlung wenig bis gar nichts zu tun hatte, wird die Story rund um die Unterdrücker in "Die Arche" nun schließlich weitererzählt... und das auf sehr spannende und interessante Art und Weise. War "Unendlichkeit" stellenweise doch etwas zäh und langsam, und "Chasm City" etwas oberflächlich, schafft es Reynolds in "Die Arche", die Komplexität und Originalität der Handlung aus seinem Erstlingswerk mit der Spannung aus der Fortsetzung zu verbinden. Da er es außerdem schafft, die Fehler der beiden Vorgänger zu vermeiden, ist es ihm gelungen, ein großartiges SF-Epos zu schreiben, das nicht nur seine ersten beiden Werke in den Schatten stellt, sondern meines Erachtens auch einen der besten Romane der (Hard-)SF-Literatur darstellt.
Der Roman hat wirklich alles, was ein gutes Buch braucht: Eine interessante, spannende, packende und noch dazu komplexe Story, die sich zwar ausreichend Zeit nimmt, das Geschehen bzw. die Gedanken, Motivationen der handelnden Personen zu beleuchten, es zugleich aber damit auch nicht übertreibt und somit vermeidet, zu langgestreckt und damit zäh und langweilig zu wirken. Die Charaktere sind sehr originell und interessant und wachsen einem ans Herz, so dass einen die Handlung wirklich mitreißt. Tatsächlich kann ich mich nicht erinnern, jemals so süchtig auf eine Buchfortsetzung gewartet zu haben. Nicht falsch verstehen: natürlich handelt es sich auch bei "Die Arche" grundsätzlich wieder um einen in sich abgeschlossenen Roman. Doch obwohl das Buch nicht direkt mit einem Cliffhanger endet, schafft Vinge es, eine unheimliche Spannung zu erzeugen, so dass der Leser nach "Die Arche" unbedingt wissen will, wie der Konflikt mit den Unterdrückern enden wird. Der deutsche Leser wird sich jedoch noch gedulden müssen, ehe der abschließende Teil der Reihe (Original-Titel "Absolution Gap" erscheint. Immerhin wird Heyne die Wartezeit mit "Träume von Unendlichkeit" verkürzen, die 2 Geschichten beinhaltet, die ähnlich wie "Chasm City" das von Reynolds geschaffene Universum bzw. die darin lebenden Figuren erneut ein wenig erweitern wird.
Wenn es etwas gibt, dass man diesem Roman vorwerfen könnte, dann ist es die Tatsache, dass man, um ihn wirklich verstehen und genießen zu können unbedingt den Vorgänger "Unendlichkeit" kennen sollte - und da auch aus "Chasm City" wieder ein paar bekannte Gesichter auftauchen, kann es nicht schaden, auch diesen gelesen zu haben. Es ist also erforderlich, sich mit dem meines Erachtens aufgrund ein paar Längen deutlich weniger gelungenen "Unendlichkeit" auseinander zu setzen, bevor man "Die Arche" so richtig genießen kann... wobei ich fairerweise auch erwähnen muss, dass ich an Reynolds Erstlingswerk mittlerweile durchaus positiver zurückdenke und finde, dass er insbesondere durch "Die Arche" sogar noch einmal richtiggehend aufgewertet wurde. Nichtsdestotrotz mag es einige Leute abschrecken, sich mit einem knapp 800 Seiten langen Vorgänger "abmühen" zu müssen... wobei ich schon auch erwähnen will, dass "Unendlichkeit" zwar seine Schwächen hatte, aber alles andere als ein schlechtes Buch war. Insofern ist dieses Problem meines Erachtens zu verschmerzen.
Zum Abschluss meines Reviews möchte ich schließlich an alle appellieren, die "Unendlichkeit" gelesen haben und von diesem eher enttäuscht waren, dem von Alastair Reynolds geschaffenen Universum unbedingt noch einmal eine Chance zu geben... glaubt mir, "Die Arche" hat es sich verdient, und es würde mich sehr überraschen, wenn Freunde epischer Science Fiction-Literatur den Kauf dieses Romans bereuen würden...
Fazit: Mit "Die Arche" ist es Alastair Reynolds gelungen, die positiven Aspekte der Vorgänger in sich zu vereinen, ohne jedoch auch ihre Fehler zu übernehmen. Das Ergebnis ist ein großartiges SF-Epos, dass sich Liebhaber des Genres nicht entgehen lassen sollten...
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