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Science Fiction (diverse)



Robert Silverberg

Die Jahre der Aliens

rezensiert von Markus Rohde

Ohne Vorwarnung landen auf der Erde gigantische Raumschiffe voller bizarrer Aliens. Doch das merkwürdigste an diesen Geschehnissen ist, dass sie keinerlei Versuche machen mit der Menschheit zu kommunizieren. Sie sind einfach da, und scheinen sich nicht sonderlich an den Menschen zu stören. Von einem Tag auf den Anderen, und ohne sich dagegen wehren zu können, ist die Menschheit versklavt. Dies erreichen die Aliens nicht etwa dadurch, dass sie gegen die Menschheit Krieg führen, sondern, in dem sie urplötzlich global den Strom abschalten und den Menschen damit die komplette zivilisatorische Basis entziehen. Zeitweise ist die Menschheit damit quasi ins Mittelalter zurück befördert.

Doch nicht alle Menschen lassen sich das gefallen. Und so formieren sich auf der ganzen Welt Widerstandgruppen, welche die Herrschaft der Wesen, wie die Aliens von den Menschen genannt werden, zerstören wollen. Eine Widerstandszelle befindet sich auf dem Landgut des Oberst Carmichael. Fortan erfährt man von den Bemühungen der Sippe Carmichael, die in den folgenden Jahrzehnten entsteht, die Aliens zu vertreiben. Dabei reist das Buch in Sprüngen durch die Jahrzehnte der Alienherrschaft und zeigt, wie die Menschen zum Teil kollaborieren - sich damit ihrem Schicksal fügen - und sich immer mehr Hoffnungslosigkeit auf der Welt verbreitet; aber auch, wie manche den Kampf nicht aufgeben.

Im Gegensatz zu anderen Romanen hat dieser keine eigentliche Identifikationsfigur - was das Lesen zu einer recht ungewöhnlichen Erfahrung macht - sondern lässt den Leser in der Hauptsache die Erlebnisse der Familie Carmichael miterleben. Die Sippe Carmichael ist quasi der Dreh und Angelpunkt der Story. Wenn es auch ein wenig verwirrend ist, sich immer wieder in die neuen Charaktere der Carmichael-Sippe einzuleben und mit den vielen Persönlichkeiten der Jahrzehnte und ihren Charakteren klarzukommen, war dies jedoch augenscheinlich die einzige Möglichkeit, die Story zu erzählen. Zudem schafft dies eine ganz besondere Atmosphäre, da man mit jedem neuen Kapitel das Gefühl bekommt, selbst durch die Zeit zu reisen und die Dimension der Ereignisse so hervorragend transportiert wird.

Die Idee der Geschichte an sich, ist mit Sicherheit nicht neu. Aber welche Geschichte kann das noch wirklich von sich behaupten? Tatsächlich hat man manchmal das Gefühl, dem einen oder anderen Motiv schon einmal irgendwo in der Literatur begegnet zu sein. Ob es nun die durch Aliens beherrschte Menscheit und der damit verbundene Zivilisationsverlust, beziehungsweise Identitätsverlust in der dreiteiligen Buchreihe "Die dreibeinigen Monster" von John Christopher aus den Jahren 1967 und 1968, oder die Dezimierung der Menscheit und Kampf einer kleinen Gruppe gegen das "Böse" in "The Stand - Das letzte Gefecht" von Stephen King ist. Auch die mentale Disziplin auserwählter Personen des Widerstandes erinnert an den Marsianer in Robert A. Heinleins "Fremder von einer fremden Welt" (Stranger in a strange land). Zusammengeflochten wird dies alles jedoch zu einem ungemein spannenden Epos über die Ohnmacht gegenüber einer übermächtigen Besatzungsmacht.

Zur Übersetzung dieses Buches, vorgenommen von Walter Brumm, ist jedoch zu sagen, dass sie wohl eine der schlechtesten der letzten Zeit darstellt. Teilweise sind die Sätze regelrecht sinnentstellend. Wörter werden so übersetzt, wie kaum jemand heutzutage noch spricht und überhaupt wirkt die Übersetzung absolut konfus.
Das soll jedoch der Qualität des eigentlichen Werkes keinen Abbruch tun, denn diese ist wirklich herausragend und das Buch somit absolut empfehlenswert.

Robert Silverberg: "Die Jahre der Aliens"
Roman, Softcover, 590 Seiten
Wilhelm Heyne Verlag 2000

ISBN 3-4531-7101-2

Weitere Bücher von Robert Silverberg:
 - Blood on the Mink

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