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Science Fiction (diverse)



Joe Haldeman

Der ewige Krieg

rezensiert von Markus Rohde

Schon heute gehört Joe Haldemans "Der ewige Krieg" zu den großen Klassikern der Science Fiction-Literatur. Teile des Romans erschienen erstmals von 1972 bis 1975 in Science Fiction-Magazinen und sorgten bereits damals wegen ihrer Thematik für Furore. Heute liegt nun eine Neuübersetzung der vom Autor erweiterten und überarbeiteten Fassung vor. Eingeleitet wird das ganze durch ein Vorwort von Ben Bova, von dem unter anderem die erfolgreichen Romane "Mars" und "Rückkehr zum Mars" stammen.
Die Erde ist im Krieg mit den Tauriern. William Mandella wird in den Militärdienst eingezogen und absolviert zunächst die Grundausbildung. Schließlich wird er an die Front geschickt und steht das erste Mal dem Feind gegenüber. Gegen seinen Willen, wird er dazu gebracht zu Töten.

Durch die Relativitätseffekte bei annäherndem Lichtgeschwindigkeitsflug reisen die Soldaten praktisch durch die Zeit. Während sie die Kriegsereignisse in wenigen Jahren erleben, vergehen auf der Erde etwa eintausend Jahre. Den Soldaten wird die Erde fremd und die Erde lebt Jahrhunderte von den wirtschaftlichen Erfordernissen des Krieges.
"Einer der bedeutendsten Antikriegsromane, die je geschrieben wurden" beschreibt der Klappentext den Roman. Und das ist keinesfalls überzeichnet.
Joe Haldeman wird 1967 zum Militär eingezogen und nach Vietnam geschickt. Schwer verwundet und vom Krieg geprägt kehrt er nach Amerika zurück. Mit dem Roman "Der ewige Krieg" versucht er seine Kriegszeit zu bewältigen und zeigt überaus deutlich die absolute Sinnlosigkeit eines Kriegs auf. Nicht nur das der Krieg des Romans einzig aus einem Missverständnis der beiden Rassen resultiert; Nein, auch wissen die Soldaten letztlich gar nicht, wofür und warum sie Kämpfen. Währenddessen ist auf der Erde der Krieg zu einem Status Quo verkommen und die Front unerreichbar weit weg: Nicht bloß durch Strecken, sondern letztlich auch durch die zeitliche Zerrung. Ein Vietnam in Extrem!
Haldeman lässt den Spruch "Ich war nur Befehlsempfänger!" gnadenlos nicht gelten. Selbst Psychoterror - oder psychische Programmierung, wie im Roman - sollte einen die Menschlichkeit nicht vergessen lassen. Letztendlich verdammt sich der Autor damit selbst, da er im Vietnamkrieg nun einmal auch getötet hat; eine Flucht oder eine Ablehnung des Tötens trotz allem aber nicht möglich war. Erschütternd in jeglicher Hinsicht!

Joe Haldeman: "Der ewige Krieg"
Roman, Softcover, 330 Seiten
Wilhelm Heyne Verlag 2000

ISBN 3-4531-6414-8

Weitere Bücher von Joe Haldeman:
 - Am Ende des Krieges

Leserrezensionen

Leserrezensionen
10.11.05, 15:55 Uhr
Christian Siegel (review.center.at.tf)
unregistriert


Der 1. Abschnitt, der Mandella's "Leben" als Soldat beschreibt, ist ohne jeden Zweifel der beste Teil des Romans - und jener, dem "Der ewige Krieg" seinen Status als eines der größten Meisterweise der SF-Literatur verdankt. Gekonnt verlegt Joe Haldeman seine Eindrücke aus dem Vietnam-Krieg in ein futuristisch-phantastisches Gewand und schafft damit ein Portrait des Krieges, welches wirklich begeistern und überzeugen kann - von der Vorbereitung auf den eigentlichen Kampf über die Schrecken des Krieges, der Konditionierung etc. Eher schwach fand ich jedoch den 2. Teil, der sich mit der Rückkehr von Mandella zur Erde befasst. Ben Bova, der bei der Erstveröffentlichung dieses Romans der verantwortliche Lektor war, hat diesen Teil damals als zu plakativ abgelehnt - und ich kann verstehen warum. Mir ist schon klar, dass Joe Haldeman hier die Entfremdung von Mandella aufzeigen wollte, und um diese auch für den Leser greifbar und verständlich zu machen, hat er die Gesellschaft auf der Erde derart verändert, dass sie auch für den Leser befremdlich wirkt. Das Problem ist allerdings einerseits, dass eben diese Darstellung einfach zu übertrieben ausgefallen ist, und andererseits schwächt damit Haldeman die Aussage seines Romans deutlich ab. Denn die Entfremdung Mandella's liegt ja weniger an den Schrecken des Krieges, oder daran, dass dieser ihn menschlich verändert hätte, sondern daran, wie stark sich die Welt um ihn herum verändert hat - was die geschilderten Auswirkungen des Krieges doch deutlich abwertet, und die Aussagekraft des Romans in meinen Augen stark reduziert. Auch ergibt sich dadurch ein Problem bei der Einberufung, welche wohl für den Leser wie ein Schock wirken soll, nur... angesichts der Zustände auf der Erde, und dass Mandella damit so überhaupt nicht klar kommt hat man fast den Eindruck, er wäre im Militär ohnehin besser dran, weshalb auch diese Wendung aufgrund des Mittelteils nicht die von Haldeman wohl gewünschte Wirkung erzielt. Gelungen dann dafür wieder der 3. Teil, in dem Mandella erneut in die Schlacht ziehen muss - sowie das unmittelbare Ende, in dem Joe Haldeman einen faszinierenden Ausblick in die Zukunft der Menschheit wagt.

Fazit: Dass "Der ewige Krieg" innerhalb der SF-Literatur doch einige Bedeutung zukommt liegt wohl eindeutig am rundum gelungenen und wirklich beeindruckenden 1. Teil. Der Mittelteil schadet dem Roman jedoch eher, und auch danach wird nur mehr beim unmittelbaren Ende eine ähnliche Qualität wie auf den ersten 100 Seiten erreicht. Fans von SF-Utopiern sollten sich diesen Klassiker jedoch, trotz des schwächeren 2. Teils, keinesfalls entgehen lassen...