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Science Fiction (diverse)



Thomas Thiemeyer

Magma

rezensiert von Thomas Harbach

Im deutschen Verlagsgeschäft ist ein gängiges Motto, mit dem dritten Buch muss ein Autor profitabel werden. Nach „Medusa“ und „Reptilia“ legt der Allrounder Thomas Thiemeyer eben diesen dritten Roman vor. Konnten seine ersten beiden Romane in erster Linie durch ihre exotischen Schauplätze, rasanten aber nicht immer originellen Handlungsfäden und Charakteren zwischen Genie und Klischee überzeugen, wendet er sich in seinem neuen Roman einem Thema zu, das spätestens seit „Contact“ – sowohl das Buch als auch der Film werden erwähnt – nur noch wenig Raum für originelle Innovation hat. Der Frage, ob die Menschheit erstens alleine im Kosmos ist und zweitens diese fremden Intelligenzen nicht schon Spuren auf dem Planeten hinterlassen haben. Im Vergleich zu seinen beiden ersten Romanen muss sich Thomas Thiemeyer auch den Vorwurf des Populismus gefallen lassen, insbesondere die erste Hälfte – ein dramatischer Auftakt, die Einführung einer Reihe von nur oberflächlichen markanten, eindimensionalen Charakteren, die Isolation in dem Tiefsee-U-Boot inklusiv des Saboteurs an Bord – ist ein aus Versatzstücken unterschiedlicher Genrefilme und Bücher zusammengesetzter Plot ohne wirklich eigenständige Ideen. Nicht selten hat der Leser den Eindruck, als wenn Thiemeyer seinen umfangreicheren Roman unter deutlichem Zeitdruck niedergeschrieben hat. Stilistisch ansprechend, aber routiniert, zu distanziert erzählt. Dieses Manko können die einzelnen sehr unterschiedlichen Charaktere nicht ansatzweise ausgleichen. Zuerst bringt sie der Autor professionell in die unterschiedlichen Positionen. So die Geologin Ella Jordan, unglücklich geschieden, Cholerikerin, Alkoholiker, eine Kapazität auf ihren Gebiet, ein Bauchmensch. Kurz bevor sie endlich ihre erste Vorlesung an der George Washington Universität geben kann, wird sie von Mitgliedern des amerikanischen Geheimdienstes zu einem vertraulichen Gespräch gebeten. Sie soll an einer geheimen Expedition in den Marianengraben teilnehmen, dort wird eine rhythmische Bewegung der tektonisch immer labilen Platten festgestellt. Jorden schläft noch kurz mit dem attraktiven Agenten, der natürlich ebenfalls kurze Zeit später an Bord des kleinen Unterseeboots auftaucht. Auch wenn sich Thiemeyer bemüht, dieser Figur einprägsame Charakterzüge zu verleihen, bleibt vieles an der Oberfläche und nach einer guten Auftaktskizze versinkt die Figur in der bis dahin sehr durchschnittlichen Handlung. Auf einer weiteren Handlungsebene in Deutschland spielend beobachten die Mitglieder einer Sternwarte, wie ein junger Stern plötzlich zur Supernova wird und aus den Okularen der Teleskope verschwindet. Marten Enders ist der ältere Leiter der Sternwarte, unter seiner Fittichen ist eine junge, hübsche und intelligente Frau, die anscheinend Gefühle für den verheirateten Familienvater hegt. Oder spielt sie nicht mit offenen Karten. Auch hier agiert der Autor im absolut sicheren Raum, er gibt seinen Figuren keine Ecken und Kanten, nimmt ihnen jegliche Entfaltungsmöglichkeiten über den glatten Thriller hinaus. Da die Handlungsebenen sich erst in der zweiten Hälfte des Buches – dann allerdings rasant – aufeinander zu bewegen wirkt diese Entwicklung schwerfällig, gefällig und zu glatt. Eine dritte Figur – der schweizer Wissenschaftler Konrad Martin – mit seiner geheimnisvollen Vergangenheit und seinem auffälligen Benehmen wird als bedrohliches Element herausgestellt, die Hinweise sind zu plakativ. Jordans Geheimagent – damit betraut, die Tauchexpedition vor einer Bombendrohung zu schützen – bleibt eine attraktive Chiffre. Insbesondere im Vergleich zur Ausgestaltung seiner vorangegangenen Romane ist „Magma“ figurentechnisch ein deutlicher Rücksicht, in Bezug auf die Handlung agiert der Autor dagegen deutlich ruhiger, die Kapitel wirken weniger hektisch und dank des tragischen Auftaktes – um eine kontinuierliche Gefahr zu verdeutlichen, wiederholt sich mit einer anderen Kugel das Ereignis in der ersten Hälfte des Buches noch einmal – wird der Spannungsbogen zumindest solange hochgehalten, bis Ella Jordan die einzelnen Zusammenhänge erkennt. Der Leser hat im Verlaufe der Handlung sehr viele Informationen deutlich vor der Protagonistin erhalten, darum wirkt das zweite Viertel des Buches schwerfällig. Nachdem alle Protagonisten in Position gebracht worden sind und die ersten Erkenntnisse über die auf dem Erdball verstreuten Kugeln in der Schaltzentrale – ein geheimes Forschungslabor in den Schweizer Bergen – eingelaufen sind, zieht Thiemeyer spannungstechnisch das Tempo an. Neben einem Vulkanausbruch in Russland findet ein Attentat statt. Warum er diese zwar in sich dramatischen, aber handlungstechnisch eher auf den einfachsten Geschmack zugeschnittene Szene im Roman behalten hat, wird sein Geheimnis bleiben, sie funktioniert im Umfeld eines gut angelegten Wissenschaftsthrillers nicht und wirkt deckungsgleich mit einer ähnlichen Struktur im Film, aber nicht dem Roman „Contact“. Wie schon der Verlag mit dem Vermerk „Thriller“ deutlich macht, wendet sich das Buch eher an ein breites Publikum, das einen Bogen um Science Fiction machen würde. Bei der kritischen Betrachtung des Buches sollte auch das Zielpublikum miteinbezogen werden. Science Fiction Leser werden insbesondere in Bezug auf die Möglichkeit des von fremden Intelligenzen in die Wege geleiteten Prozess, der Veränderung der irdischen Lebensbedingungen als Teil eines Intelligenztests mit möglicherweise tödlichem Ausgang für die noch zu primitive Planetenbevölkerung nicht überrascht werden, in unterschiedlichen Variationen ist diese Idee in den letzten Jahren mehr oder minder erfolgreich durchgespielt worden. Einem von futuristischen Stoffen weniger angehauchten Publikum präsentiert der Autor seine These durchaus packend und ergreifend, ohne fundamentale Beweise liefern zu müssen.

Nach einer Reihe von durch die Kugeln ausgelösten Naturkatastrophen findet natürlich die kleine Gruppe der Protagonisten dank ihrer unterschiedlichen Fachgebieten und grenzenlosen privaten Forschungsetats – wahrscheinlich die utopische Idee des Romans per se - mit gütiger Nachsicht eines „Wächters“ in der ansonsten passiv geplanten, aber aktiv durchgeführten Beobachterrolle die Lösung und kann in Person der bis dahin markant herausgestellten Geologin im letzten Augenblick die Auslöschung der Menschheit verhindern. Ab hier wirkt Thiemeyers Stil sehr cineastisch, alle wissenschaftlichen Theorien und Thesen sich in den vorangegangenen Kapiteln ausgetauscht, jetzt wird gehandelt. Die beiden großen Actionsequenzen – zu Beginn gehört die Tauchfahrt zu den besten Szenen, die Thiemeyer in seiner bislang jungen Karriere entworfen und literarisch umgesetzt hat, packende, atmosphärisch dichte Unterhaltung mit in diesem Fall überzeugend agierenden, sehr unterschiedlichen Charakteren in einer Extremsituation- bestimmen den Rahmen des Romans, die grundlegende Idee wird insbesondere am Ende des Buches zu offen und nicht konsequent genug abgehandelt und „beendet“. Insbesondere aufgrund der Vorhersehbarkeit des Plots nach der Entdeckung der Kugeln wirft dieses unentschlossene Ende ein bezeichnendes Licht auf dieses für die breite Masse – positiv oder negativ, eine Frage der Perspektive -geschriebene Buch mit allerdings sehr gut recherchierten Hintergrundinformationen und vor allem der positiven Eigenschaft, diese informativ und nicht belehrend in die manchmal sehr schleppende Handlung zu integrieren. Wenn Thiemeyer in einem Interview davon spricht, die Geschichte einer unglücklichen Frau zu erzählen, die beruflich erfolgreich und privat nicht nur in ihren eigenen Augen ein Versager ist, deren Schicksal aber die Rettung der Welt und am Ende der Weg zurück zu ihrer beim Vater verbliebenen Tochter ist, dann zeigt diese Aussage das Dilemma des Romans. Keine Ecken und Kanten bieten, eine heile Welt suggerieren, in welcher die Frau nur im – wenn auch lockeren Familienverbund wirklich glücklich ist, in der zumindest beruflicher Ehrgeiz, eine fordernde Aufgabe und vor allem Intuition aber keine Rolle spielen dürfen. Gerade dieser rote Faden, welchen der Autor im Interview anspricht, gehört zu den Schwachstellen des Buches, zu unglaubwürdig wirkt am Ende die Rettung der Welt durch den von Beginn an in den Mittelpunkt – trotz einer Handvoll mehr oder minder dreidimensional gezeichneter Handlanger – gestellten Charakter. „Magma“ ist ein klischeehaft unterhaltsamer Roman. Ein Ideenversuch, dessen Funke leider viel zu selten überspringt und der keine wirklichen Überraschungen anbietet. Das Buch ist aber zumindest flüssig und stellenweise spannend geschrieben, wie sagt Thomas Thiemeyer so schön, eine typische „Taschenbuchgeschichte“.

Thomas Thiemeyer: "Magma"
Roman, Hardcover, 528 Seiten
Knaur 2007

ISBN 3-4266-6213-2

Weitere Bücher von Thomas Thiemeyer:
 - Das verbotene Eden - Logan und Gwen
 - Das verbotene Eden: David und Juna
 - Der gläserne Fluch
 - Der Palast des Poseidon
 - Die Stadt der Regenfresser
 - Korona
 - Medusa
 - Nerba
 - Reptilia

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