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Science Fiction (diverse)



Catherine Asaro

Sphärenmusik

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Sphärenmusik“ liegt inzwischen der siebente Roman um das Reich von Skolia vor. Die vorangegangenen zum Teil sehr umfangreichen Texte zeichneten sich bislang durch eine romantisierende Zweier- oder Dreikonstellation vor dem Hintergrund eines in ferner Zukunft liegenden Imperiums aus. Genetisch modifizierte und geistig überlegene Herrschaftswesen – wenn auch nicht immer in den entsprechenden Machtpositionen - treffen auf „gewöhnliche“ Menschen oder Aliens und beide verlieben sich trotz aller Standesunterschiede ineinander. Nur selten konnte die Autorin über bekannte Elemente klassischer Space Opera hinaus eine neue oder gar originelle Handlung präsentieren. Das Novum ihrer Geschichten liegt also weniger auf der literarischen, sondern fast ausschließlich auf der erzählerischen Ebene. Der Unterschied zu vielen anderen in erster Linie weiblichen Autoren liegt in Asaros Fähigkeit, die romantischen und utopischen Elemente in Einklang und Gleichklang zu bringen. Ohne den Science Fiction Hintergrund könnten Ihre Bücher in unserer Gegenwart oder als historische Episode genauso gut funktionieren. Wahrscheinlich würden sie sogar ein ähnliches Publikum ansprechen.

Im vorliegenden siebenten Abenteuer füllt sie den politischen Hintergrund ihres Universums im Vergleich zu den oft persönlicheren Vorgängergeschichten aus. Neben den Ränkespielen finden sich mehrere, obligatorische, aber niemals reißerische und gewaltverherrlichende Raumschlachten. Wie in den bisherigen Büchern gelingt es der Autorin, den Leser das Gefühl von Schwerelosigkeit und vor allem taktischen Manövern in den Kämpfen zu vermitteln. Im Gegensatz zu vielen anderen Space Opera Schriftstellern schafft sie es , dreidimensional zu denken und nicht einfachen die guten alten Seeschlachten in das Weltraum zu übertragen.

Zu Beginn der Geschichte steht ein Ende der Feindseligkeiten mit zwei Siegern. Sowohl das Reich von Skolia als auch die Händlerorganisation deklariert sich als Sieger. Im Grunde wissen aber beide Seiten, dass der Kern des Übels – das gegenseitige Misstrauen – durch diesen brüchigen Frieden nicht aufgehoben worden ist. Eine der beiden Unterhändler – Dyhianna Selei – erfährt dies am eigenen Leib. Nach einem Anschlag auf ihr Leben findet sie sich auf einer abgeschiedenen Welt – es stellt sich heraus, dass es ein anderes Universum ist und sie körperlich nicht gänzlich materialisiert ist - wieder. Ein Sternenkreuzer des Skolia Reiches nimmt sie an Bord. Dabei erfährt sie von grundlegenden Änderungen im Reich und das ihr Ehemann Prinz Eldrin gefangen genommen worden ist. Sie ist gezwungen, auf eine alte Freundschaft zurückzugreifen, um ihr Reich vor der Vernichtung zu bewahren.

Auch wenn Catherine Asaro eine Reihe von Handlungssträngen aus dem vorangegangenen Epos in diesem Roman zusammenfasst und quasi einen neuen Handlungsbogen öffnet, unterscheidet sich das Werk in seiner komplexen Grundstruktur nur wenig von den ersten Bänden dieser Serie. Es lohnt sich auf jeden Fall, mit einem früheren Text einzusteigen. So entwickelt sich nach und nach ein gewisses Verständnis für die einzelnen Strukturen und Charaktere. Insbesondere der fremdartige Hintergrund ihres Universums entfaltet so seine ganze Stärke. Die einzelnen Protagonisten dagegen werden – wie bei einem guten Kartenspiel – immer wieder neu gemischt, manchmal umbenannt, aber im Grunde bleiben sie sich erstaunlich ähnlich. Auch wenn es bei der Liebe vielfältige Möglichkeiten gibt, suchen die meisten Autoren die ideale Basis für ihre Beziehungsgeschichten. Da macht es kaum einen Unterschied, ob Rosamunde Pilcher oder eben Catherine Asaro den Roman schreiben. Das soll keine Abwertung des Buches per se sein, Asaros Texte sind routiniert und unterhaltsam, einfühlsam und leicht verständlich geschrieben, aber das einzige, was sie wirklich verändert, ist das Background ihrer Geschichten.

Das wird deutlich, wenn sich ein aufmerksamer Leser die Grundstruktur des Romans ansieht. Wie in „Der letzte Falke“ oder „Jäger des Lichts“ findet sich der Hauptprotagonist – diese Situation ist geschlechterunspezifisch – isoliert von seinem Volk, seinen Kameraden oder seinem/ seiner Liebsten auf einer fremden Welt wieder. Verstärkt wird diese Konstellation durch die Tatsache, dass Selei sich auf einer fremden Welt befindet, körperlich aber nicht komplett materialisiert ist und im wahrsten Sinne des Wortes zu verschwinden droht. In diesem Schwebezustand befindet sie sich über weite Strecken des Romans. Daraus resultiert auch die zugrunde liegende Spannung der ansonsten eher vorhersehbaren Handlung. In „Jäger des Lichts“ fand sich einer der genetisch gezüchteten Kampfpiloten plötzlich ohne technische Unterstützung auf der Erde unserer Gegenwart wieder und konnte nur durch die Zuneigung einer einfachen Kellnerin sich zu Recht finden.
Mit der Ausschaltung des PSIberspace geht sie in diesem Band einen Schritt weiter. Ganze Sonnensysteme leiden unter dem plötzlichen Verlust von etwas Selbstverständlichen. Die grundlegende Idee gehört zu den Stärken dieser Serie. Die Kombination aus psychologischen Elementen und dem Hard Science Fiction Hintergrund zusammen mit den romantischen Strömungen ergeben inzwischen eine eigenartige, aber für Catherine Asaro so eigentümliche Mischung.

In einem anderen Roman gingen Liebende freiwillig auf einer kaum kultivierten Welt ins Exil, um dann doch von den politischen Mächten aus ihrer Isolation und mitten in die politische Bühne gerissen zu werden. Die Entwurzelung unterschiedlicher Charaktere ist das durchgehende Element ihrer Romane. Darum wirken ihre Werke auch in erster Linie auf weibliche, jugendliche Leser so anziehend. Das sie aber auch eine sehr gute Erzählerin ist, unterstreicht die Auszeichnung mit dem HUGO für den fünften Teil der Serie „Quantum Rose“.


Viele bekannte Elemente versucht die Autorin durch eine künstlich beschleunigte Handlung zu überdecken. Immer wieder werden neue Schauplätze an anderen Teilen der Galaxis eingeführt. Diese sind durchaus fremdartig und Catherine Asaro nutzt ihr technologisches Wissen, um eine anders orientierte, futuristische Menschheit darzustellen. Die einfache Botschaft aber lautet, dass Familien immer noch zusammenhalten müssen und das Liebe alle Schwierigkeiten überwindet.

Dabei liegt ihre Stärke in der Schaffung überzeugender Charaktere. Schon von den ersten Bänden um das Reich Skolia bemühte sie sich, selbst genetisch überlegene Außerirdische als Menschen zu beschreiben. Unwillkürlich erinnern ihre Versuche an die klassische Comicserie „Das Reich Trigan“ des holländischen Zeichners Lawrence. Nicht umsonst spiegeln auch die stimmungsvollen Titelbilder der deutschen Taschenbuchausgaben – siehe „Jäger des Lichts“ – diesen Eindruck verstärkt wieder. Auch im vorliegenden Band überzeugt sie mit einer facettenreichen, dreidimensionalen Hauptfigur. Zwischen den beiden Extremen – Karriere, in diesem Fall, ihre Heimat zu retten und Familie, die sie beschützen möchte – schwankt sie hin und her. Erschwert wird ihre Lage noch durch ihre unsichere Materialisation auf der fernen Welt. Neuleser werden bei diesem Buch – wie fast allen Vorgängern – Schwierigkeiten haben, um in das Universum einzusteigen. Erst kontinuierliches Lesen der einzelnen Bände gibt einen Überblick über die politischen Hintergründe und die verschiedenen Entwicklungen im Sternenreich. Daher richtet sich „Sphärenmusik“ fraglos an die bisherigen Fans der Serie und ermöglicht zumindest stundenweise das Eintauchen in eine romantisierte futuristische Welt. Kritisch betrachtet fügt dieser siebente Roman dem Zyklus nichts Neues hinzu und verwendet bekannte Elemente zwar routiniert, aber zum wiederholten Mal neu.

Catherine Asaro: "Sphärenmusik"
Roman, Softcover, 555 Seiten
Bastei 2006

ISBN 3-4042-4347-1

Weitere Bücher von Catherine Asaro:
 - Die Quantenrose

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