serienbereiche
 24
 airwolf
 alias
 babylon 5
 battlestar galactica
 buffy & angel
 charmed
 doctor who
 farscape
 firefly
 futurama
 heroes
 jeremiah
 lost
 medium
 raumpatrouille
 roswell
 sliders
 star trek
 stargate
 the 4400
 tripods

fandom
 fan art
 fan fiction

service
 club
 grußkarten
 gästebuch
 magazin
 newsletter
 radio
 rss-feeds

intern
 impressum
 mediadaten & PR
 partner






Buchecke


:: Home
:: neue Einträge
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (16)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (16)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (112)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (97)
:: Horror (diverse) (89)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (18)
:: Mystery (diverse) (35)
:: Perry Rhodan (35)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (42)
:: Science Fiction (diverse) (354)
:: Star Trek (32)
:: Stargate (1)
:: Thriller (19)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (21)
:: Zeitschriften / Magazine (4)


:: Artikel (6)
:: Interviews (6)
:: Nachrufe (2)


:: AudioLit #057 vom 27.10.2008
:: AudioLit #056 vom 25.08.2008
:: AudioLit #055 vom 28.07.2008
:: AudioLit #054 vom 24.06.2008
:: AudioLit #053 vom 21.04.2008
:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Nancy Kress

Kontakt

rezensiert von Thomas Harbach

Die britische Space Opera degeneriert mit ihren barocken Epen und oft bizarren Hintergründen – vom Cyberpunk bis zur einer retroaktiven politischen Bewegung wie in Stross Romanen – zu einer Spielart des New Wave. In den Staaten bemüht sich eine Reihe von jungen Autoren, dieses Subgenre vorsichtig auf aktuellem Niveau zu dem „Sense of Wonder“ zurückzuführen, der am Anfang in den frühen dreißiger und vierziger Jahren gestanden hat. Zu der jungen Garde von Scott Westerfield gesellt sich mit Nancy Kress eine erfahrene Autorin. In den siebziger Jahren begann sie ihre literarische Karriere mit klassischen High Fantasy- Romanen. Ihre ersten Arbeiten im Bereich der Science Fiction waren eher intellektuell geprägte Auseinandersetzungen mit dem Menschen. Mit „An Alien Light“ zeichnete sie ein erstes Portrait der Menschheit aus einer fremden kulturellen Perspektive, mit Romanen wie „Schädelrose“ erforschte sie die versteckten Kapazitäten des einzelnen Individuums. Danach schrieb sie zwei spannende medizinisch orientierte Thriller, bevor sie dem Vorbild ihres Mannes Charles Sheffield in den Bereich Space Opera folgte.


Die Amerikanerin Nancy Kress hat schon mit ihren ersten Romanen in dieser Richtung - der erste Band der „Probabiliy Trilogie“ ist bei FESTA auf Deutsch erschienen – und dem hier vorliegenden Text „Crossfire“ bewiesen, dass die Wurzel ihrer Geschichte das Golden Age der amerikanischen Science Fiction ist. Das Herz ihrer Texte ist allerdings eine herausragende Charakterisierung der einzelnen Figuren und überraschende Elemente in ihren oft vielschichtigen, aber selten epischen Texten.

So erinnert der Auftakt des Romans überraschend an die in den fünfziger Jahren erschienen Romane Robert A. Heinleins. Ihr gelingt es sehr gut, die euphorische Stimmung dieser Epoche auf ein aktuelles Niveau zu übertragen und den Weg zu den Sternen als epochale Chance der Menschheit ihren Lesern zu vermitteln.

Die Erde wird immer unbewohnbarer. Im All hat die Menschheit einige wenige Welten entdeckt, die menschliches Leben aufnehmen können. Bislang erfolgte die Besiedelung dieser Welten mit Leuten, die nichts zu verlieren und auf der Erde keine Zukunft haben. Dieses Mal ist es anders. Die Reichen haben ein Raumschiff erbaut und insgesamt sechstausend Menschen wollen aus unterschiedlichen Motiven den Urquell der Menschheit verlassen. Neben einer kleinen Gruppe pazifistischer Quäker reisen Nachkommen der Indianer mit zu der neu entdeckten und unbewohnten Welt. Sie wollen wie ihre Vorfahren überwiegend im Einklang mit der Natur leben. Auch wenn ein fahrbares Gentechniklabor mitgenommen wird. Oft sind es diese kleinen Spitzen, die verhindern, dass Kress´ Figuren zu Klischees werden. Kaum auf der neuen Welt angekommen, stellen sie fest, dass pelzartige Wesen – aufgrund ihrer Ansiedelung durchaus mit primitiver Intelligenz ausgestattet- ebenfalls den Planeten bewohnen. Die erste Begegnung mit unbekannten Wesen steht bevor. Allerdings gewinnen die Menschen den Eindruck, als wenn eine zweite unbekannte Rasse die Pelzwesen auf dem Planeten ausgesetzt hat und mit ihnen experimentiert. Diese Rasse scheint technologisch den Menschen deutlich überlegen zu sein.

Vordergründig erweckt die Zusammenfassung den Eindruck, als wenn nur klassische Ideen für die Gegenwart neu aufbereitet werden. Das Gegenteil ist der Fall. Die erste Hälfte des Romans besteht aus einer auf den ersten Blick typischer Situationen, die mit Respekt erweitert werden: der Beginn des Sternenfluges könnte in seinem „Sense of Wonder“ an Gordon R. Dicksons Siedlerromane erinnern. Ein Hauch Westernromantik und die Frontiermentalität eingeschlossen. Zwischen dem Start von der Erde und der Landung auf der fremden Welt bemüht sich Kress, an Autoren wie Murray Leinster – es findet sich eine Hommage auf seine Geschichte „First Contact“ in diesen Zeilen wieder – oder Poul Anderson zu erinnern, bevor sie dann mit der Landung auf dem Planeten in ihrem ureigenen Universum landet. Dabei entsteht aus diesen so unterschiedlichen Blöcken ungewöhnlich schnell ein sehr fließend und auf hohem Niveau erzähltes Epos. Im Gegensatz zu ihrem „Probability“ Romanen verzichtet sie auf pseudowissenschaftlichen Erläuterungen. Im Mittelpunkt ihrer Geschichte stehen Menschen oder außerirdische Wesen, aber immer überzeugend charakterisierte Gestalten.

Sie räumt den verschiedenen Religionen – von den Indianern über die Quäker bis zu den Moslems – gleichberechtigten Raum ein. Auf dem Schmelztiegel der Neuen Welt treffen diese so unterschiedlichen Gruppen in einer neuen Umgebung und mit der einmaligen Chance, ohne die alten Vorurteile miteinander zu leben, zusammen. Aus Hass und Abneigung entwickelt sich schließlich Respekt und ein Miteinander. Sicherlich auch unter dem Druck, nicht mehr die Krone der Schöpfung zu sein. Aber dieser äußerliche Druck kommt erst später. Zuerst bemühen sich die verschiedenen Gruppen, einander aus dem Weg zu gehen. Auf dem Raumschiff konnte der Tiefschlaf die Gruppen trennen, auf der neuen Welt suchen sich die Indianer schnell ihren eigenen Kontinent und verfallen als erste auf die alte Herrschermentalität zurück. Mit bissiger Ironie entlarvt die Autorin die vielleicht heute vorherrschende demütige Opferhaltung der Indianer als Farce. Dabei diskriminiert Nancy Kress diese in keinster Weise, sondern rückt das in erster Linie inzwischen von den Indianern aufrecht erhaltene Bild wieder gerade. Deutlich mehr Respekt bringt die Autorin den absolut friedfertigen Quäkern zum Ausdruck. Auch wenn ein Führermitglied dieser Gruppe seine Regeln beugen muss, um den Weg zu einem neuen Miteinander zu ebenen. Deren Haltung zur Gewaltlosigkeit und Ehrlichkeit ist einer der überraschenden Elemente dieses Buches. Einige sehr spannende Szenen werden verblüffend einfach, aber niemals simpel aufgelöst. Aber in dieser Rückbesinnung auf die ureigenen Werte verbirgt sich die Botschaft dieses Romans: nicht mit hinterhältigen Aktionen oder Verschlagenheit findet die Menschheit eine neue Heimat und eine zweite Chance, sondern mit harter Arbeit und Ehrlichkeit. Diese Haltung mag auf den ersten Blick altbacken sein, bei einer näheren Betrachtung aber ist sie hochmodern und sollte für die Politik Richtungweisend sein.

Sie verschweigt aber nicht, dass die intellektuelle Neuausrichtung ihre Wurzeln in einer für Menschen typischen Vergangenheit hat. So beruht die zweite Chance dieser kleinen Menschheit auf einem dunklen, gefahrvollen Geheimnis. Nancy Kress macht nicht den Fehler, die Vergangenheit der einzelnen Gruppen vor den Lesern auszubreiten. Geschickt lässt sie einzelne Fragmente in die laufenden Handlungsbögen einfließen. Nur ein einziges Mal durchbricht sie die immer auf einer Zeitebene spielende Handlung, in dem sie die treibende Kraft Jake Holmann von seiner Vergangenheit und damit den Mitteln für diese Reise zu den Sternen erzählen lässt. Wie in vielen ihrer anderen Romanen ist Nancy Kress eine Meisterin der konzentrierten Handlungsführung. Jedes Detail ist wichtig, aber sie verzichtet auf viel ausladendes Beiwerk und lässt ihre vielschichtigen und interessant charakterisierten Figuren die Geschichte – ihre Geschichte – selbst erzählen. Mit den Augen der einzelnen Protagonisten lernt der Leser die Ereignisse kennen. Ihre größte Stärke als Autorin liegt in ihrer Fähigkeit, ihren Schöpfungen einprägsame Eigenschaften und Charakterzüge zu verleihen. Sehr schnell gewinnen diese durch ihre Handlungen und weniger ihr Sein die Sympathien der Leser. Dieser Schritt ist die elementare Grundlage, um die folgenden kosmischen Geschehnisse im richtigen Maße nachvollziehen zu können.


Löst sich der Leser von den menschlichen Gruppen im Kosmos und betrachtet die intergalaktische Bühne, wird er entsprechende Gegenpole in den beiden fremdartigen Rassen findet. Dabei spielt die Autorin mit den oft klischeehaften Vorurteilen der Menschen: die anscheinend friedlichen Pelztiere entpuppen sich als Eroberer, die absolut fremdartigen pflanzlichen Wesen als Opfer eines brutalen Expansionspolitik. Die Autorin erzählt das Geschehen fast ausschließlich aus der menschlichen Perspektive. Dadurch gelingt es ihr sehr elegant, ihre Leser zu manipulieren. Lange Zeit spielt sie mit den Erwatungshaltungen ihrer Leser, um diese dann nachhaltig zu zerstören und eine faszinierende, aber andersartige Handlung zu etablieren.

In ihrem Universum herrscht Krieg auf allen Ebenen: kosmische Kriege, aber auch Konflikte innerhalb der einzelnen menschlichen Gruppen. Dazu kommen die inneren Auseinandersetzungen. Begründet durch das Unverständnis dem Anderen gegenüber, aber auch der Unfähigkeit, aus dem eigenen Schatten hinaus ins Licht zu treten. Sehr intelligent baut die Autorin in die an sich problematische Vater- Tochter Beziehung noch einen Glaubenskonflikt ein. Dabei verzichtet sie auf jegliche Wertung. Es ist eine erstaunliche schriftstellerische Leistung, wie es ihr gelingt, die so unterschiedlichen Figuren aufeinander zu bewegen, ohne das der Leser seinen Respekt vor ihnen verliert. Zu viel des Guten sind die Funksprüche von der Erde, die auf einen weiteren Glaubenskrieg hinweisen. Schon die große Entfernung zwischen der Erde und der Neuen Welt – immerhin dauerte der Flug fast siebzig Jahre – hätte ein Eingreifen der Menschheit verhindert. Warum dann diese Einschübe, die die Handlung nicht vorantreiben und eher in dieser oberflächlichen Konstruktion fragwürdig sind?

Was Nancy Kress Science Fiction auszeichnet, ist die Suche nach einfachen Antworten auf die schwierigen Fragen unseres Lebens: Was ist unsere Motivation? Welchen Preis sind wir bereit, wirklich für unsere Träume zu bezahlen? Und wenn wir unser Ziel erreichen, können wir dem Opfer leben? Auf verschiedenen Ebenen setzt sie sich mit diesen Fragen auseinander. In der menschlichen Siedlung auf einer fremden Welt genauso wie an Bord des Raumschiffes der Pflanzen und schließlich in der Konfrontation mit den Pelzlingen. Die Schwäche des Romans liegt in seiner Kürze. In der ersten Hälfe des Buches wirft sie intelligent und geschickt eine Reihe von Fragen auf. Die zweite Hälfte des Romans wankt immer zwischen einer ungewollten Parodie klassischer SF Romane und einer intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Fremden. Einige Passagen wirken zu abrupt zu Ende geführt, andere Handlungsfäden führen ins Nichts und die angestrebte Lösung wird fast im Nebensatz präsentiert. Nancy Kress nimmt sich gegen Ende des übergeordneten Handlungsbogens den Raum, den sie benötigt, um alle Ideen gleichberechtigt auszuarbeiten. Zu viele Ansätze, die aus einer spannenden und wenig vorhersehbaren utopischen Geschichte, eine gesellschaftliche Auseinandersetzung machen, hätten deutlich intensiver und mit mehr Raum beschrieben werden müssen. Auch die im All spielenden Szenen wirken seltsam distanziert und simpel – in diesem Fall wirklich simpel und nicht einfach – inszeniert. Der Leser hat unwillkürlich das Gefühl, das die Autorin mit den Fremden und ihren Ränkespielen nicht so viel anfangen wollte oder konnte als wie mit den menschlichen Tragödien auf der Welt.

„Kontakt“ ist eine warmherzige und vielschichtige Story. Die Autorin belebt und erweitert das Genre der „First Contact“ Geschichten um eine vom menschlichen Standpunkt aus gesehen überraschend offenherzige und intelligente Variante.

Nancy Kress: "Kontakt"
Roman, Softcover, 476 Seiten
Lübbe 2006

ISBN 3-4042-4345-5

Weitere Bücher von Nancy Kress:
 - Feuerprobe
 - Sternspringer

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::