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rezensiert von Thomas Harbach
In „Der lange Weg nach Waashton“ beschreibt Autor Jo Zybell die Herkunft der Rev´rends, der in Leder gekleideten Gotteskrieger. Ronald M. Hahn hat im dreizehnten Band der Zaubermond Hardcover „Am Tor der Höhle“ schon einmal den Faden der Rev´rends aufgenommen und eine überdrehte Farce mit nur wenigen handlungstechnisch ernsten Elementen niedergeschrieben. Das Jo Zybell ein gänzlich anderer Autorentyp ist, sollte an den Beginn der Besprechung gestellt werden. So gelingt ihm im vorliegenden Buch nur eine einzige groteske Szene in Hahn´scher Tradition: das Schlussbild.
Im Verlaufe seiner langen Maddrax Karriere und vor allem sein Einführung der Zaubermond Hardcoverbände hat sich Zybell mehr als der ernsthafte Chronist wichtiger historischer Ereignisse etabliert. Insbesondere in „Apocalypse“ und „Genesis- die Welt nach dem Kometen“ hat er die zeitliche Lücke von fast fünfhundert Jahren zwischen dem Kometeneinschlag und dem Beginn der Heftromanhandlung sehr gut aufgefüllt und seine besten Arbeiten abgeliefert. In „Der lange Weg nach Waashton“ bestimmen die Rückblicke die komplexe Handlung. Der Auftakt mit der Verhaftung des Rev´rend Rage durch Lieutnant Halifax gipfelt in einer Hommage an Western wie „3:10 to Yuma“. Halifax soll den durchgedrehten Geistlichen nach Waashton bringen, wo er vor Gericht gestellt werden soll. Der Weg führt die Notgemeinschaft durch feindliches, von Mutanten bevölkertes Gebiet, an jeder Ecke ein Hinterhalt. Zu Anfang seines Buches spielt Zybell sehr schön mit den Klischees des modernen Western. Männer härter wie Stahl und besessen von obskuren Ideen. Mit Halifax und Rage treffen zwei extremen Typen aufeinander. Während Halifax sich an den Rest von Recht und Ordnung zu halten sucht, agiert Rage in Gottes Auftrag nach eigenem Gutdünken. Diese Handlungsebene hätte allerdings deutlich länger und effektiver gespielt werden können. Es ist schade, dass Zybell im Grunde diesen Handlungsbogen nach der ersten Auseinandersetzung zu Gunsten der Rückblicke verlässt und nicht eine Art „Alamo“ Szenario entwickelt. Unterschiedliche Männer sind in der Falle. Es gibt keinen Ausweg mehr. In dieser Extremsituation lernen sie sich besser kennen, müssen auf einander vertrauen. Ein mehr als klassisches Machoszenario, aus dem ein erfahrener Autor wie Jo Zybell deutlich mehr hätte machen können.
Nach den ersten soliden Kapiteln beginnt die erste Rückblendung auf die Entstehung des Ordens der Rev´rend. Mit Whooleer erlebt diese Handlungsebene ihren Höhepunkt in einer
Hommage auf die biblische Geschichte von Jonas und in diesem Fall dem Mutantenwal. Der Zeichner Sandobal hat diese Szene auch auf dem Titelbild festgehalten. Nachdem Whooler sich davon überzeugt hat, dass ihm ein Wunder widerfahren ist, wird er zum Dämonenjäger Rev´rendund kehrt nach London zurück. So sehr sich Joe Zybell auch bemüht, die ersten Rückblicke wirken eher statisch und sind deutlich zu ernst geschrieben. Immerhin versucht der Autor den Leser davon zu überzeugen, dass sich der Charakter erst für die Besatzung eines Schiffes in schwerer See opfert, dann einem Wal aus dem Magen entkommt und schließlich zu einem der ersten Rev´rends wird. Im Vergleich zu Ronald M. Hahn fehlt Zybell die humoristisch groteske Ader, zu knochentrocken spult er routiniert, aber irgendwie leblos den Stoff herunter. Leider verfügt den Roman noch über eine dritte Handlungsebene, die im Jahre 1961 spielt. Endkampf in der Formel 1. Zwei Rivalen stehen sich Auto an Auto gegenüber. Auf der einen Seite ein Aristokrat, der neben einer schönen Frau auch über viel Geld und Ehre verfügt. Ihm gegenüber der Hitzkopf Berger, der sich natürlich in die Frau des Rivalen verliebt, selbst gerade ein Kind gezeugt hat und sowohl auf als auch neben der Strecke mit zu vielen Bällen jongliert. Unabhängig von der einfallslosen Art, mit der Zybell diese Handlungsebene gegen Ende des Buches in den vorhandenen Rahmen integriert, gehört sie zu den uninteressantesten Teilen des Plots. Die Charaktere sind eindimensional und im Grunde uninteressant gezeichnet, jede einzelne Handlung wirkt wie aus einem Klischee herausgeschrieben und Zybell gelingt es überhaupt nicht, die betörende und gleichzeitig arrogante Faszination des Formel 1 Spektakels in adäquate Worte zu fassen. Vor allem erkennt der Leser an den gegenwärtigen bzw. historischen Figuren, wie schwer es Zybell manchmal fällt, natürliche Dialoge zu schreiben. Das Ende selbst ist überdreht und unwahrscheinlich. Das es dann wieder einen Zeitsprung gibt – anscheinend fallen im Maddrax Universum inzwischen Menschen zu allen Zeiten wie hier im Jahre 1961 durch irgendwelche Löcher und landen schließlich in der dunklen Zukunft der Erde – nimmt dieser Handlungsebene die letzte Glaubwürdigkeit. Hier wäre es überzeugender, wenn auch nicht origineller gewesen, wenn zum Beispiel einer der Rev´rends in irgendwelchen die Aufzeichnungen eines Hell Angels gefunden hätte und dessen Lebensstil als wahren Glauben akzeptiert hätte. Über weite Strecken seines Buches hätte dann Zybell in der 1961 spielenden Handlungsebene dessen verquere Ansichten in Form von Tagebuchaufzeichnungen präsentiert. In seiner Unwissenheit hätte der zukünftige Rev´rend viele Jahre nach dem Kometeneinschlag dessen Aufzeichnungen als Prophezeiungen akzeptieren können und sein Leben nach der Ordnung der Hell Angels ausgerichtet. So bleibt der historische Handlungsarm nicht nur in der Luft hängen, die Aktionen Bergers nach seinem Aussetzer während des letzten Rennen sind unverständlich und die Aktionen der Ordnungskräfte gleich nach dem Rennen unwahrscheinlich. Aber Zybell braucht diese vorkonstruierte Handlung, um die einzelnen Ebenen des Romans auf den letzten Seiten zusammenzufügen.
Nur durch die einzelnen manchmal sehr hektischen Sprünge zwischen den einzelnen Handlungsebenen hält der Autor den Plot zumindest zufrieden stellend am Laufen und überdeckt die langweiligen Passagen immer wieder mit solide geschriebenen Actionszenen. Sobald sich Zybell von seinen Charakteren abwendet und insbesondere die grotesken Bedrohungen der Zukunft beschreibt sowie in traditioneller Superheldenmanier das Entstehen des Markenzeichens der Rev´rends – schwarze Ledermäntel – und seines Arsenals beschreibt, beginnt der Roman ein wenig zu leben. Hätte der Autor mit den vorhandenen Klischees etwas offensichtlicher und ironisch überzeichnet gespielt – siehe in erster Linie Ronald M. Hahn, welcher den Mut hat, auch absurde Handlungen mit heiterer Miene zu verarbeiten – , würde „Der lange Weg nach Waashton“ zumindest in der ersten Hälfte packender und kompakter erscheinen. Gegen Ende des Buches überschlagen sich wie so häufig die Ereignisse und Zybell hat aufgrund der vorgegebenen Seitenzahl nicht mehr den Raum, einen vernünftigen Showdown zu schreiben. Die Szenen wirken hektisch und abgerissen, es fehlt ihnen vor allem in Hinblick auf die bisherige Exposition das notwendige Pathos, das heroische Element, dass zum Beispiel Ronald M. Hahn erst etabliert und dann parodiert hat. Zybell ist ein zu solider, zu bodenständiger Autor, der mit diesem Stoff im Grunde nicht viel anfangen konnte und in Hinblick auf bissigeren Humor seine Grenzen allzu deutlich zeigt. In den Händen eines Ronald M. Hahns hätte diese Geschichte sicherlich ganz anders gewirkt und wäre wahrscheinlich auch besser zu lesen gewesen. Die einzelnen Bestandteile des Romans sind solide geschrieben und die Figuren adäquat charakterisiert, aber das reicht aufgrund der schwachen 1961 spielenden Handlung und vieler Versatzstücke insbesondere im Mittelteil des Buches nach einem durchaus gelungenen Auftakt nicht, aus „Der lange Weg nach Waashton“ einen empfehlenswerten Roman zu machen. Es bleibt der Eindruck, als ob Zybell nach der ersten Konzeption des Buches gemerkt hat, dass sein Plot nicht für einen Hardcoverroman ausreicht und eher hilflos einige Teile seinem Handlungsstrang hinzugefügt hat. So kommen Zybells Charaktere auf „dem langen Weg nach Waashton“ auch nicht sonderlich weit, die vielleicht größte Überraschung nach der Lektüre des Buches.
Jo Zybell: "Maddrax 18- Der lange Weg nach Waashton"
Roman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond- Verlag 2008
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