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Science Fiction (diverse)



Alfred Bekker

Sternenfaust - Vorstoß ins Niemandsland

rezensiert von Thomas Harbach

Ursprünglich sollten die Chroniken des Starcorps halbjährlich im Zaubermond- Verlag erscheinen. Die Resonanz auf den ersten Band ist laut Verlag aber so gut gewesen, dass man sich zur vierteljährlichen Erscheinungsweise entschlossen hat. Zumindest die ersten drei Bücher werden vom Hauptautor Alfred Bekker geschrieben. Im Gegensatz zu den „Torn“ Hardcovern, die ebenfalls überwiegend von Michael Parrish geschrieben werden, läuft in diesem Fall die originäre Heftromanserie weiter und auch hier gehört Alfred Bekker als Verantwortlicher für die Handlungsstruktur und die Schlüsselbände ins erste Glied. Nun gilt Bekker als schneller, routinierter Autor, aber der Unterschied zwischen einem Heftroman und einem Hardcover sollte von der Intention der Handlung bis zum Inhalt deutlich erkennbar sein. In „Vorstoss ins Niemandsland“ wird der Leser wieder mit der für Bekker und seine Heftromanserie typischen zweigeteilten Handlungsebene konfrontiert. Im Laufe des Spannungsbogens nähern sich diese beiden einander an und kumulieren schließlich im oft effektiven Showdown.

Die Chronik beginnt im Jahre 2236. Im ersten Band der Serie hat Bekker die Begegnung mit den Kridan und ihrem heiligen Imperium beschrieben. Mit Feuer und Schwert tragen die vogelähnlichen Kreaturen ihren Glauben und ihre Machtansprüche in die Tiefen des Alls und natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Menschheit kommt. Auf einer dieser Expeditionen stürzt ein Beiboot der Kirdan auf einem Eisplaneten ab. Dieser wird von den menschenähnlichen Jébeem bewohnt, die auf gewaltigen Eisseglern über die endlosen Weiten dieses Planeten gleiten. Nur ein einziger Kirdan überlebt diesen Absturz und muss in der unwirtlichen Umgebung um sein Leben kämpfen. Die Idee der Eissegler und der Eisplaneten erinnert natürlich sofort an Alen Dean Fosters phantastische Abenteuerromane „Die Eissegler von Tran-Ky-Ky“. Wie Foster gelingt Bekker, eine fremdartige und dank der auf Eis basierenden Grundlage doch bekannte Welt zu entwerfen. Man findet in diesem Hardcover keine neuen Ideen, keine innovativen Wendungen, dazu hält sich Bekker zu oft indirekt an das Original und entwickelt nur die auf dieser Welt lebende, menschenähnliche Kultur einen kleinen Schritt weiter. Seinem Werk fehlt aber zumindest in diesen Passagen die kindliche Freude des Neuen, zu vertraut und bekannt ist die hier präsentierte Atmosphäre. Das der Leser das Geschehen aus den Augen eines Kirdan verfolgt, ist eine interessante, aber nicht immer befriedigend dargestellte Perspektive. Im Grunde reduziert Bekker den Kirdan schließlich auf eine eher menschenähnliche Kreatur im Überlebenskampf. Hier wäre ein wenig mehr Phantasie, aber vor allem eine bessere Integration fremder Bräuche angebracht gewesen. Auch hätte der Kreislauf des Kirdan anders auf die empfindliche Kälte reagieren können. Es ist schwierig, dieser Thematik wirklich neue Züge abzugewinnen und eine Kopie besserer Texte reicht nicht unbedingt, um den Leser zu begeistern.

Die zweite Handlungsebene vieler „Sternenfaust“ Romane ist eine politische. Die „Sternenfaust“ wird zu dieser Eiswelt ausgesandt, um die Aktivitäten auf dieser von den Kirdan als Reservoir für Wasser in Betracht gezogenen Welt zu beobachten. Dazu kommt eine kleine Flottille unter dem Kommando von Admiral Rudenko, der im Niemandsland zum Reich der Kirdan nach neuen Verbündeten suchen möchte. Die Xabong streben zwar ein Bündnis mit den Menschen aber, sehen sich aber zur Zeit in einer schlechten Position, da ihre Flotte noch nicht ausreichend von skrupellosen menschlichen Waffenhändlern aufgerüstet worden ist. Hier wäre es interessant gewesen, insbesondere den fragwürdigen Handel mit Ausrüstungsgegenständen und Waffen genauso zu untersuchen, wie eine neuartige Kultur in die Handlung einzuführen. Oft bleibt Bekker auch bei den politischen Schachzügen an der Oberfläche und konzentriert sich auf eine routiniert und mit wenigen Winkelzügen ablaufende Grundhandlung, viele Ideen und Überraschungen gelingen ihm in diesem Roman aber nicht. Zu sehr vertraut er auf seine Fähigkeit, dem Leser die Vorgeschichte der „Sternenfaust“ Roman zu erzählen. Es finden sich viele Versatzstücke und Anspielungen auf den drohenden und kommenden ersten Krieg mit den Kirdan. Die politischen Winkelzüge sind mit Einschränkungen gut zu verfolgen und an wenigen Stellen wirken die von ihm erschaffenen Charaktere nicht nur lebensecht, sondern auch dreidimensional. An anderen Stellen stößt der Leser allerdings auf hölzerne Dialoge und eher klischeehaft charakterisierte Figuren. Durch den schnellen Wechselschnitt zwischen den beiden Handlungsebenen kann Bekker einige Schwächen insbesondere in Bezug auf den gestreckten Inhalt des Buches kaschieren, spätestens aber der Mitte des Romans vermisst der Leser allerdings einen deutlichen Schritt nach vorne und fühlt sich – wie bei vielen „Sternenfaust“ Romanen hingehalten.

Im Gegensatz zu den eher hölzern angelegten menschlichen Charakteren wirken Bekkers Außerirdische deutlich abgerundeter und überzeugender. Der Kirdan Sun- Tarin wird später in der Heftromanserie als erster Austauschoffizier an Bord der STERNENFAUST II Dienst tun. Hier zeigt Bekker den jungen Rekrut auf einem seiner ersten Einsätze, vorsichtig zeichnet er die Figur mit einer soliden Mischung aus Abenteuerlust und vorsichtiger Neugierde. In dem er die inzwischen bekannte Figur in den Mittelpunkt seines Romans stellt, gelingt es ihm gut, einen gewissen, überzeugenden Hintergrund zu entwickeln und darüber hinaus interessante Verbindungen zu schlagen. Zwar erfährt der Leser im Zuge dieses umfangreichen Hardcovers nur ein wenig mehr über das Volk der Kirdan, aber zumindest Sun- Tarin wirkt in seinen Handlungen sehr überzeugend. Andere außerirdische Wesen wie die Jébeem sind zwar oberflächlich interessant, in ihren Handlungen aber eher klischeehaft beschrieben.

Der zweite Hardcover „Vorstoss ins Niemandsland“ variiert die Schwächen und Stärken der Heftromanserie nur bedingt. Bekker hält sich an sein Handlungskorsett, möglichst geradlinige, weder komplexe, noch komplizierte Plots zu präsentieren, den Hintergrund der Serie ein wenig aufzuhellen und Figuren abgerundet zu präsentieren, die in den Heftromanen zu kurz gekommen sind. Als Autor benutzt er zu oft einen sehr unauffälligen, eher lethargischen Stil. Bei den Heftromanen akzeptabel, bei einem Hardcover entsprechend ärgerlich. Den ersten beiden Romanen der Serie fehlt im Grunde das große Abenteuer, die epochale Geschichte. Im Gegensatz zu den ersten Sonderbänden der diversen STAR TREK Reihen, die von sehr guten Science Fiction Autoren wie Vonda McIntyre geschrieben worden sind, heben sich die Hardcover aus dem Zaubermond- Verlag nicht über das Heftromanniveau hervor. Es wäre schön, wenn man etablierten Autoren – wie bei Perry Rhodan – die Chance geben würde, aus den bekannten Figuren der Heftromanserie etwas Eigenständiges zu machen.

Direkt beim Verlag bestellen

Alfred Bekker: "Sternenfaust - Vorstoß ins Niemandsland"
Roman, Softcover
Zaubermond 2006

Weitere Bücher von Alfred Bekker:
 - Die Kanonen von Dambanor II
 - Die letzten Tage der Solaren Welten
 - Sternenfaust 005 - Msssarrrr!
 - Sternenfaust 010: Im Reich der Kridan
 - Sternenfaust 013: Schlacht um die Wega
 - Sternenfaust 015: Zwischen den Fronten
 - Sternenfaust 018: Grüne Hölle
 - Sternenfaust 10- die Kolonie der Genetics
 - Sternenfaust 7 - Stützpunkt Roter Stern
 - Sternenfaust 7- Stützpunkt Roter Stern
 - Sternenfaust 8- Die Mönche vom Sirius
 - Sternenfaust 9 - Raumkapitän Sun Tarin
 - Sternenfaust Band 95 - Mutawesis Hölle

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