Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Paul Alfred Müller

Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel

rezensiert von Thomas Harbach

Fast drei Jahre nach Heinz J. Galles umfangreicher P.A. Müller Biographie erscheint der erste von insgesamt 31 Sammelbänden der SUN KOH Reihe bei SSI Media. Neben den ersten fünf Romanen finden sich auf mehr als zweihundert Seiten sekundärliterarische Artikel, inhaltliche Gegenüberstellungen aller Auflagen der hier gesammelten SUN KOH Hefte, sowie zahlreiche Abbildungen und Hinweise. Im Grunde reiht sich der Band neben „Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff“ (Dieter-von-Reeken Verlag) und Galles Studie „Volksbücher und Heftromane“ nahtlos ein. Neben dem eigentlichen Lesevergnügen bieten die sehr sauber gedruckten und optisch ansprechenden Paperbacks eine Fülle von Informationen für eine Generation, die mit diesen Heftromanträumen nicht aufgewachsen ist. Es gelingt den Herausgebern zwar nicht, die Zeit zurückzudrehen. Trotzdem wird der altbekannte Lesestoff in einer Form präsentiert, die seines Gleichen sucht und das Sammelfieber ansteigen lässt.

Im ersten Band „Ein Mann fällt vom Himmelt“ führt Müller Sun Koh als modernen Kasper Hauser ein und gibt ihm gegen Ende des Buches auch eine „göttliche“ Abstammung anstelle der bekannten königlichen Thronfolge. Um es vorwegzunehmen, im ausführlichen Anhang beschreiben die Herausgeber die Veränderungen zwischen der hier als Grundlage genommenen Erstauflage und den verschiedenen, zum Teil auf Druck der Nationalsozialisten veränderten Neuauflagen. Dabei musste Müller auch die übernatürlichen Kräfte Sun Kohs zurückfahren. Im Vergleich mit dem anderen bronzenen Kämpfer für die Gerechtigkeit – Doc Savage – wirken Kohs Kräfte in Bezug auf die inhaltliche Spannung kontraproduktiv. Zu unbesiegbar, zu allwissend und damit auch für die Feinde im Grunde unerreichbar. Besonders die Vorkriegsleihbuchausgabe überzeugt hier – von Puristen zwar als Frevel bezeichnet. Die Arbeit, die sich die Herausgeber mit ihrer Auflistung gemacht haben, ist unglaublich detailliert und lobenswert.

Die Nutzung der ersten Auflage – unkorrigiert – zeigt auch Müllers stilistische Bandbreite, von intensiv und dramatisch bis zu flapsig und oberflächlich. Nach den ersten sehr guten Kapiteln – Kohs Erdenfahrt inklusiv seiner erotischen Beschreibung – wechselt die Handlung zwischen übertriebenem Aktionismus – der Faustkampf im Hotel – und verklärter Romantik – Rettung der unschuldigen Tochter Joan Martini und zartes Aufblühen einer zunächst platonischen Liebe – bis zu Andeutungen Kohs Zukunft. Einzig der überflüssige und viel zu lange Auftritt des sächselnden Hausmeisters – hier stellt sich die Frage, ob Müller einem Freund ein Geschenk machen wollte – hemmt den ansonsten sehr geradlinigen und spannenden Lesefluss. Es ist erstaunlich, wie viele Science Fiction Ideen Müller in erster Linie auf den letzten Seiten des ersten Heftes in die Handlung integriert und mit seinen düsteren Voraussagen – Atlantis wird wieder auftauchen – eine globale Bühne installiert. Dazu kommen exotische und auch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts fast unbekannte Orte wie die geheimnisvolle Ruinenstadt im Dschungel Yukatans.

In den ersten beiden Heften stellt Müller auch gleich neben Sun Kohs Team – zu diesem später – die beiden Hauptbösewichte vor: den Schurken Gracia, dessen äußerliche Beschreibung schon eine herrliche Ansammlung finsterer Klischees ist, und eine finanziell unabhängige, reiche und attraktive Witwe Lady Houston, für die Sun Koh ein sexuelles Spielzeug sein könnte. Insbesondere ihre Charakterisierung – von verführerischer Schlange bis zur exzentrischen Ziege – ist für die Zeit der dreißiger Jahre eine Meisterleistung an erotischer Ausstrahlung und sexueller Freizügigkeit. Zusammen bilden diese beiden Charaktere auch in den folgenden 148 Romanen – in entsprechenden Abständen – eine interessante Gegnerschaft, auch wenn Müller aufgrund der extrem exponierten Stellung Kohs immer zu inhaltlich unbeholfenen Hilfsbrücken greifen muss. Beispielhaft die Entführung der jungen Frau, während Gracia Sun Koh in seinem Hotelzimmer mit einem neuartigen Gas betäubte. Warum er seinen potentiellen zukünftigen Kontrahenten, dessen Vergangenheit er genau kannte, nicht tötete, ist eines der literarischen Geheimnisse dieser Serie. Auf der anderen Seite stellt die Nutzung dieser Waffe – Skopolamin – eine wahre Innovation dar, da das Gas nicht nur betäubte, sondern auch das kritische Bewusstsein ausschaltete. Es ist erstaunlich, wie oft Müller den Handlungsfaden auf die Seite schob, um von interessanten Erfindungen, exotischen Orten oder einfachen Charakterhintergründen zu berichten.

Mit dem farbigen Boxer Jack Holligan führt Müller dagegen eine später auch konträre Figur ein. Dabei sind die rassistischen Anklänge im ersten Band sehr sanft – aus heutiger Sicht deutlich spürbar, aber im Grunde auf dem normalen Niveau simpler Unterhaltungsliteratur dieser Zeit – und eher klischeehaft als politisch gemeint. Im Laufe der Zeit wird Müller immer wieder Probleme mit den nationalsozialistischen Machthabern haben. Dazu kommt der junge Hotelpage Hal Mervin, eine frühe Inkarnation des Jimmy Olson aus den Supermann-Comics. Enthusiastisch als Identifikationsfigur für junge Leser angelegt sticht er aus dem sich bildenden Team aus heutiger Sicht eher überflüssig heraus. Obwohl sich Müller deutlich bemüht, seinen Figuren individuelle Züge und vor allem spezielle Aufgaben zu geben, arbeitet er auch im zweiten Roman „Ein Fetzen Pergament“ Sun Kohs Fähigkeiten auf allen Gebieten – körperlich als auch geistig – zu deutlich heraus. Das unterscheidet die Serie auch am deutlichsten von „Doc Savage“, in welcher der Übermensch doch überzeugend Aufgaben delegieren konnte. Diese Übertreibungen beeinträchtigen auch das Lesevergnügen und zeigen das Patina, das Müllers Texte angesetzt haben. Auf der anderen Seite wirken die oft simple, aber selten naive Übertreibung und der Schwung und Spaß, den Müller bei dieser Konzeption hatte, wie eine Zeitreise in die eigene Jugend. Nicht von ungefähr lebte Galles Sammlerwut wieder auf, als er in einem Altpapierstapel ein grellgelbes SUN KOH Heft gefunden hat.

Im dritten Band „Sensation um Strohhalme“ nimmt Müller eine Thematik aus dem Vorgängerheftes wieder auf, er baut konsequent die Eckpfeiler des zukünftigen Teams auf: so wird der farbige Boxer Sun Kohs Diener – allerdings erst nach Prüfung der entsprechenden Referenzen – und die junge Hotelpage schiebt sich stärker in die Rolle eines cleveren Mittlers zwischen Kohs fast irrealer Weltanschauung und dem bodenständigen Aktionismus des Rechts der Straße. Auch integriert der Autor die Figur des deutschen Ingenieurs Peters, der im zweiten Band vor einem verzweifelten Selbstmordversuch aus wirtschaftlicher Inkompetenz von Koh gerettet worden ist. Gemeinsam überzeugen sie den Besitzer eine Luftlinie, eine der simplen, aber effektiven Erfindungen von Peters gegen eine fast unanständig kleine Summe zu übernehmen und ihnen ein Flugzeug zu Erprobung und für den anschließenden Flug nach Mittelamerika zur Verfügung zu stellen. Hier zeigt sich eine von Müllers Stärken als Erzähler. Mit einem simplen Beispiel – den Titel gebenden Strohhalmen – verdeutlicht er an Hand einer Reihe von futuristischen, aber in dieser Konstellation logisch aufgebauten Gedankenfolgen eine der Erfindungen Peters. Dabei spricht er die interessierten Jugendlichen genauso an wie technisch gebildete Leser. Diese Stärke findet sich gleichermaßen in den Romanen Hans Dominiks wieder, allerdings wirken seine Romane in ihrer Gesamtheit eher statisch. Zwei Schwächen stehen in einem starken Widerspruch zu dem exotischen und wilden Showdown in den Lüften: wieder ist eine Entführung der jungen Joan Martini Katalysator der Actionszenen und zum zweiten Mal findet der Leser im fremden London quasi einen Quotendeutschen. Nach dem Sachsen jetzt einen Berliner. Allerdings sind beide Charaktere extrem überzeichnet und in der Langatmigkeit, mit der sich Müller den beiden „Figuren“ widmet bringt er die Handlung trotz ihrer wichtigen Eingaben im wahrsten Sinne des Wortes zum Stillstand.
Vergleicht ein aufmerksamer Leser die Veränderungen in den späteren Leihbüchern im Gegensatz zu den kaum veränderten Zweit- und Drittauflagen der Heftromane, so erscheinen die gerafften Darstellungen in Büchern in einem positiven wie negativen Licht. Negativ die zusammengestrichene Actionszene am Ende des Heftes, ein erstes Ausrufezeichen für die noch kommenden Dinge und zweitens wirken die Beziehungen zwischen Sun Koh und Joan Martini nicht nur durch das vertrauliche „Du“ weniger steif und kitschig. Während Müller in diesem Heft mit der Figur der Lady Houston nicht über eine charakterliche Karikatur hinauskommt, wirkt Joan Martini mit ihrer Mischung aus weiblicher Schutzbedürftigkeit und „Mannesmut“ sehr viel interessanter als im ersten Heft.

Zwischen den dritten und vier Roman platzieren die Herausgeber das in die ursprüngliche Leihbuchversion eingesetzte Zwischenkapital, in welchem sich Sun Koh und sein zukünftiger Erzfeind Gracia ein weiteres Mal von Angesicht zu Angesicht begegnen. Aus verständlichen Gründen dagegen wurde die Zusammenfassung der ersten beiden Hefte in Form eines exklusiven Zeitungsinterviews – eine clevere Wahl Müllers – in der Leihbuchausgabe weg gestrichen. So bietet der hier zusammengefasste Text nicht nur die ursprüngliche, sondern auch die längste Fassung. Das Intermezzo ist fast zu simpel erzählt, Koh besucht seinen Erzfeind auf dessen Jacht, um ihn aus einer Mischung aus Provokation und Bluff weitere Informationen aus der Nase zu ziehen. Diese erhält er nicht. Außerdem stand sein Entschluss schon vorher fest, nach seinen Wurzeln im Dschungel zu suchen. Dieser Einschub impliziert eine spätere Entscheidung.

„Die mordende Quelle“ spielt gleich zu Beginn in der mittelamerikanischen Region. Exotische Landschaften, möglichst genau recherchiert ist eine weitere Stärke in Müllers sehr umfangreichem Werk. Mit kurzen, aber sehr präzisen Hinweisen charakterisiert er die besonders drückende Atmosphäre dieser Landschaft mit ihren verschiedenen Gefahren, die von Flora und Fauna ausgehen.

Das ist nur einer Punkte, an denen man erkennt, wie dramatisch sich Müller als Autor im Rahmen der Serie weiterentwickelt hat, erkennt ein aufmerksamer Leser am förmlichen Sprung zwischen dem schon sehr gut Ende des dritten Romans und den beiden eng zusammenhängenden Mexiko Abenteuern. Neben der exotischen Atmosphäre erscheint sehr positiv die drastische Reduzierung von Sun Kohs Fähigkeiten auf Doc Savage Niveau, unheimliche Begegnungen und letzt endlich die Verknüpfung einer aktuellen Handlung mit mystischer Vergangenheit machen die beiden letzten Abenteuer der ersten Sammlung zu einem wahren Lesevergnügen und einem Feuerwerk technischer Ideen der Vergangenheit und Gegenwart. Das Müller sich aber weiterhin rassistische Ausrutscher leistet, wird weniger an der Raffung der Entstehung der Atlanter – Vorläufer der Arier – deutlich als an nachfolgend zitierten, beschämenden Stellen:
„Nachzudenken wagte er noch nicht über den Tod des Negers, der trotz seiner Hautfarbe bereits ein lieber, vertrauter Gefährte geworden war. Er verharrte noch in dumpfer, drückender Trauer“ (Seite 266). Da hilft es auch wenig, wenn sich der Farbige später bei einem Bösewicht für das Niggerschimpfwort rächt und diesen in seine eigene Falle laufen lässt.
Im Mittelpunkt des fünften Bandes „Schach dem Tode“ – um hier zeitlich chronologisch und nicht in der Reihenfolge der ursprünglichen Romane vorzugehen – steht hier eine antike Adam und Eva Saga der ersten Atlanter. Ausgehend von einem Kometeneinschlag nimmt Müller hier unbewusst den Faden aus Robert Krafts Serienroman „Die neue Erde“ auf und verpflanzt eine Handlungsebene aus dessen Roman – nicht die technologisch europäische, sondern die aus primitiven Wurzeln emporkommende asiatische Idee – in seinen Rückblick. Wenn er gegen Ende Peters etwas von Ehrfurcht selbst der Nichtdeutschen murmelt und den Ursprung der Arier gefunden zu haben glaubt, sind das eher Bemerkungen, die sich in fast jedem Volk widerspiegeln. Da reicht das Spektrum natürlich von Romulus und Remus, den Gründern Roms und damit eines privilegierten Teils der Menschheit über natürlich König Arthur und seine Bestrebung, ein englisches Volk zu verschmelzen bis zu den mittelamerikanischen Mayas, die grausam niedere Stämme unterdrückt haben. Warum also nicht die Geschichte der Arier – auch wenn das Wort schnell mit brauner Ideologie beschmutzt worden ist – in einer deutschen Heftromanserie etablieren? Es sind die anderen, oft stilistisch im Hintergrund agierenden Bemerkungen, die Müllers Text so gefährlich rassistisch färben. Trotzdem gelingt es ihm, im letzten Band dieser Sammlung nicht nur mit Garcias scheinbarem Bruder eine exzentrische Figur in der Handlung zu etablieren, sondern er spielt geschickt mit dem Aberglauben, verbindet die historischen Stätten mit der aktuellen politischen Situation in Mexiko und reiht in erster Linie zu Beginn seines Romans eine Handvoll unheimlicher, spannender und effektiver Szenen aneinander.

Einige Züge lassen sich schon im vierten Roman „- Die mordende Quelle“ – erkennen. Auch wenn die Handlungsführung hier gerade zu simpel, oft herablassend gestrickt worden ist. So verursachen natürlich die tölpelhaften Amerikaner die Vergiftung des Wassers, weil sie die historischen Stätten, an denen sie graben, nicht achten und Sun Koh kann sehr schnell, zu schnell das Problem aus der Welt schaffen. In erster Linie fasziniert hier der Atlantis Mythos. Geschickt verbindet Müller die ägyptische Hochkultur mit den Pyramidenbauten der Mayas und lässt als Verbindung den legendären Kontinent Atlantis agieren, der von Jahrhunderten untergegangen ist. Jetzt weisen alle Prophezeiungen auf ein Wiederauftauchen des sechsten Kontinents hin. Das letzte Zeichen könnte die Rückkehr des Königs von Atlantis sein- Sun Koh. Viele dieser hier ausgebreiteten und sehr kompakt in Form eines intensiven Dialoges zwischen Koh und Dr. Peters ausgebreiteten Thesen werden insbesondere in Clark Darltons Jugendromane einfließen und wahrscheinlich indirekt auch Erich von Däniken beeinflussen. Wie eingehend sich Müller seinen exotischen Handlungsschauplätzen beschäftigt hat, erkennt der aufmerksame Leser auch an der Intensität, mit der er sprachlich eindrucksvoll die Szenerie beschreibt und förmlich zum Leben erweckt.

Im Anschluss an die ersten fünf Bände kommen fast hundert Seiten mit Änderungen zwischen den einzelnen Auflagen – von der hier präsentierten Erstauflage bis zu den Taschenbüchern aus dem Hause Pabel. Gegen Ende der Auflistung müssen die Herausgeber eingestehen, dass der Platz nicht mehr für alle Änderungen reicht. Vielleicht sollten sich die Beiden im den nächsten Bänden auf die wichtigsten Änderungen beschränken und eher Tendenzen aufzeigen und die einzelnen Änderungen in einer Liste zu separieren. Trotzdem eine beeindruckende Leistung.

Der Anhang „Neues aus Atlantis“ – Kommentare, Ergänzungen und Korrekturen präsentiert sich trotz seiner Datenfülle als „Work in progress“ mit allen Vor- und leider auch Nachteilen. Im Gegensatz zu Biographie Müllers, in der Heinz J. Galle sehr viele Themen schon aufgegriffen hat, bemühen sich die Herausgeber dieses Mal, Verbindungen Müllers zu früher entstandenen Werken herzustellen. In einigen Fällen gelingt das herausragend gut. Ein bisschen ungeschickt aufgebaut sind die Bezüge zum sekundärliterarischen Text „Atlantis- Der Roman einer untergegangenen Welt“ aus der Feder Friedrich Wencker-Wildbergs. Denn die Herausgeber beginnen mit einem Umweg über Otto Willi Gails „Der Stein vom Mond“ – als Heyne Taschenbuch zumindest antiquarisch noch gut erhältlich -, auf den sich erst Müller bezogen haben soll und an Hand der Textbeispiele auch hat. Dann eruieren die Autoren die gemeinsame Quelle – eben diesen Text – und stellen weitere verblüffende Textbeispiele zur Verfügung. In der Komposition erinnert Müllers Verhalten durchaus an Karl May, der einen Teil seiner Reisebeschreibungen aus Büchern kopierte und mit seinen fehlenden Vorortkenntnissen Fehler dieser Autoren übernommen hat. Zwischen den beiden Vergleichen allerdings wird auf die literarische Geschichte von Kometeneinschlägen – der Katalysator für den Untergang einer Welt und die Urquelle der Arier- eingegangen. Auch wenn das Thema auf den ersten Blick in diesen Band passt, hätte ein gesonderter, abgeschlossener Artikel in einem der Folgebücher deutlich besser getan. Ähnliches gilt für den ATLANTIS Mythos, der ja in verschiedenen SUN Koh Heften eine wichtige Rolle spielt. Es gibt so viele Ideen, die später auch von Autoren wie Walter Ernsting dem Werk Müller entlehnt worden sind, Variationen, Ergänzungen, das wahrscheinlich ein hundertseitiger Artikel später das Thema zufrieden stellender abgerundet hätte.
Auf der anderen Seite sind die literarischen Vergleiche – zu diesem sekundärliterarischen Werk, aber vor allem auch zu Robert Krafts Lieferungsromanen – in diesem Band über weite Strecken sehr gut positioniert. Das Zeitgründe – an mehr als einer Stelle erwähnt - nicht ausreichen, um weitere Vergleiche anzustellen, trübt eindeutig das Lesevergnügen, denn beim Leser kommt das Gefühl auf, dass die grundsätzlichen Werke nicht komplett gelesen worden sind oder zur Verfügung standen. In Bezug auf Sun Koh greifen die Herausgeber auf den gesamten Serienraum zurück, bei den vergleichenden Werken nur auf Ausschnitte. Ausgerechnet Robert Kraft gehört zu den Autoren, die im Laufe ihrer unglaublich umfangreichen Romane oft Ideen negierten oder zur Seite schoben, andere, vielleicht später logische Erklärungen suchten. Auch bezieht sich Robert Kraft zumindest bei „Atalanta“ auf alte Sagen und hier fehlt der Vergleich zwischen diesen Texten – und anderen zugänglichen Mythen und Sagen – zu der Heftromanserie. Als Brücke dient Robert Kraft. Einige der Vergleiche wirken eher oberflächlich und hätten bei einer gründlichen Korrektur durchaus zugunsten anderen Materials zur Seite geschoben werden können. Damit soll auf keinen Fall die außerordentliche Leistung der Herausgeber in Zusammenarbeit mit Heinz J. Galle geschmälert werden, die hier präsentierten Informationen lesen sich ausgezeichnet und dienen zum Verständnis der Materie, aber der Raum und die Zeit ließen keine intensive Auseinandersetzung – im Vergleich mit der Auflistung der einzelnen Änderungen bei den verschiedenen Auflagen - mit dem Stoff zu. Es empfiehlt sich in den nächsten Büchern einzelne Themenbereiche so komplett wie möglich abzuhandeln und ggfs. auf die schon erschienenen Hefte zu verweisen. Da der Verlag ja Bücher herausgibt und nichts schöner ist, als in einem alten Buch zu blättern und nachzulesen, erhöht diese Vorgehensweise das Lesevergnügen.

Diese Vorgehensweise funktioniert sehr gut bei den Themen „todkranker Unterhändler“, „Unsichtbare Tätowierungen“ und den beiden die ersten fünf Romane bestimmenden Rückblenden – die Geschichte der ägyptischen und mexikanischen Hochkultur im Zusammenhang mit ATLANTIS und die Geburt der Arier. Diese Bereiche werden so umfassend wie menschlich möglich analysiert und verweisen auf eine Reihe von entdeckenswerten Romanen und Geschichten.

Trotz dieser kleinen Schwächen präsentiert der SSI- Media Verlag einen herausragenden ersten Band ihrer Langzeitprojektes, der nahtlos an die gelungene Biographie Paul Alfred Müllers anschließt, viele dort aufgeworfene Ideen konsequent und eng an den vorliegenden Texten weiterführt und die populäre SUN KOH Serie in ihrer ursprünglichen Form präsentiert. Die Vergleiche mit den anderen Auflagen zeigen, dass nicht alle Änderungen gänzlich negativ sind und zeigen ein objektiveres Bild. Mit Hilfe dieser Edition kann die Serie jetzt im richtigen historischen Licht und damit unverfälscht betrachtet werden. Der Sammelband verschleiert auch nicht Paul Müllers Schwächen. So finden sich auch vor den Zwangskorrekturen der Nationalsozialisten rassistische Ansätze. Auf jeden Fall neben dem ersten Sammelband um „Den Luftpiraten und sein lenkbares Luftschiff“ die zweite absolut empfehlenswerte Neuveröffentlichung alter Serien und der Start einer Buchreihe, die uns hoffentlich noch lange begleitet.

Direkt beim Verlag bestellen

Paul Alfred Müller: "Sun Koh- Ein Mann fällt vom Himmel"
Roman, Softcover
SSI Media 2005

Weitere Bücher von Paul Alfred Müller:
 - Die Erde stirbt
 - Die Seifenblasen des Herrn Vandenberg
 - Die Unsterblichen
 - Jan Mayen 1- Ruf in die Welt
 - Jan Mayen 11
 - Jan Mayen 4
 - Jan Mayen 5 - Das unsichtbare Feuer
 - Jan Mayen 6
 - Jan Mayen 8: 100.000 KM über der Erde
 - Jan Mayen Band 10
 - Jan Mayen Band 12
 - Jan Mayen Band 2
 - Jan Mayen Band 3- Durchbruch in Maracaybo
 - Jan Mayen Band 7
 - Jan Mayen Band 9
 - Kosmotron
 - Sprung über die Zeit
 - Sun Koh 1- Ein Mann fällt vom Himmel

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::