Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Science Fiction (diverse)



Achim Hiltrop

Gallaghers Krieg

rezensiert von Thomas Harbach

„Gallaghers Krieg“ ist der zweite Sammelband der Chroniken um den Söldner, späteren Volkshelden wider Willen sowie Friedenstifter zwischen der Erde und dem symirusischen Kaiser Clou Gallagher. Die ursprünglichen Romane sind zwischen 1996 und 2000 von Achim Hiltrop verfasst worden. Sie erschienen zum ersten Mal im Basiliskverlag. Für die Neuauflage in einem Band als sehr schön gestalteter Hardcover hat Achim Hiltrop die drei Romane noch einmal überarbeitet. Auch wenn Grundkenntnisse der Serie nicht in allen Punkten notwendig sind und „Gallaghers Rückkehr“ in dieser Hinsicht sehr viel Hintergrundinformationen anbietet, empfiehlt es sich, die erste ebenfalls als Sammelband im Atlantis- Verlag veröffentlichte Trilogie „Gallaghers Mission“ zu erst zu lesen. Viele für Gallaghers unfreiwilliges Exil trotz seines Heldenstatus verantwortliche Fakten werden in den drei sehr unterhaltsamen Military Science Fiction Arbeiten solide beschrieben und der Leser findet einen besseren Zugang zu Gallaghers Charakter.

Bei „Gallaghers Rückkehr“ ist der Titel im Grunde Programm. Achim Hiltrop muss nicht nur zahlreiche, teilweise neue Figuren einführen und den kontinuierlichen Verfall des ehemals mächtigen Königreiches Kerian beschreiben, sondern einen eleganten Weg finden, Clou Gallagher nach seinem aufgrund der Ereignisse zwar selbst gewählten, aber nicht freiwilligen Exil für die intergalaktische Bühne wiederzubeleben.

Mit dem erfahrenen Kriegsberichtserstatter Nigel Faulckner verfügt der Autor über einen Charakter, der nicht nur von seiner beruflichen Neugierde getrieben wird, sondern für den die Suche nach Gallagher anfänglich aus freien Stücken zu einer Art Katharsis werden könnte. Vor Jahren hat Faulckner ein Interview mit Gallagher für die Veröffentlichung absichtlich manipuliert, in dem er Antworten des Söldners abgekürzt oder sinnentfremdet hat. Gallagher selbst musste mit seiner Familie fliehen. Für den inzwischen beruflich wie intellektuell gereiften Faulckner bietet sich die Chance, eine journalistisch offene Flanke in seiner Karriere zu schließen, wenn er eine Begegnung mit dem Söldner lange genug überlebt, um ihn um Entschuldigung zu bitten. Faulckner dominiert ohne Frage die deutlich interessantere Haupthandlung des Romans. Als Journalist zeichnet ihn Hiltrop extrem eigensinnig, egoistisch und fast arrogant selbstbewusst. Es ist eine Figur, an der sich der Leser absichtlich reiben kann. Sympathiepunkte wird er trotz einiger Einsichten nicht gewinnen, wobei seine Recherche in einer immer unruhiger werdenden Region vielleicht ein wenig zu einfach von statten geht. Leider integriert Hiltrop diese Figur zu wenig im Mittelteil der Trilogie.
Ein bizarrer vierfacher und deswegen von einigen Polizisten in einer der besten Szenen des Buches zu einem „Selbstmord“ abqualifizierter Mordanschlag auf einen der Werftbesitzer mit anscheinend Gallagher als letztem potentiellen Kontakt unterstreicht, dass Faulckner auf der richtigen Spur sein könnte. Es gibt zwar keine Beweise, aber manche Quellen munkeln, dass der Söldner an der Revolution auf seinem Heimatplaneten verwickelt sein könnte.
Auf der zweiten, anfänglich ein wenig sperrig erscheinenden Handlungsebene stellt der Autor die mittelalterlich archaische Kultur auf dem Planeten Bulsura vor. Es handelt sich um verstreut lebende Nachkommen menschlicher Siedler, die vor vielen Jahren von den „Vätern“ an Bord der Sternenschiffe auf dem Planeten abgesetzt worden sind. Nur zwei ältliche Polizeiroboter zeugen noch von der Abstammung aus einer ehemals technologisch höherstehenden Zivilisation. Ein Mann ohne Gedächtnis, der anscheinend vor knapp zehn Jahren vom Himmel in die See gestürzt ist, sabotiert im Affekt und betrunken einen der beiden Roboter. Es mehren sich die Hinweise, dass es sich bei diesem Mann um Gallagher handeln könnte. Diese Spur wird aber von Achim Hiltrop in der zweiten Hälfte des Romans nicht konsequent genug weiter verfolgt.

Obwohl der Autor den Roman auf der stilistisch erzähltechnischen Ebene für die Hardcoverneuauflage überarbeitet hat, leidet der Plot weiterhin unter zu vielen inhaltlichen Versatzstücken, die dem Leser aus anderen Science Fiction, aber auch Abenteuerromanen bekannt vorkommen. Der Titel suggeriert schon das Ende des Buches. Gallagher wird sein selbst gewähltes „Exil“, das sich ganz anders als der Leser erwartet erweist, verlassen. Es stellt sich nur die Frage, was er in der ganzen Zeit getrieben hat. Auf dieser Basis lässt sich was den ganzen Spannungsbogen angeht zu wenig Dynamik entwickeln und Achim Hiltrop verzettelt sich insbesondere in der ersten Hälfte mit zu verschiedenen kleineren Schauplätzen. Hinzu kommt, dass die Rückkehr zu wenig pathetisch oder wenigstens ein klein bisschen heroisch beschrieben wird. Auch hat der Leser keine Möglichkeit, rückblickend den Plotverlauf aus einer anderen, durch zusätzliche Informationen erweiterten Perspektive sehen zu können.

Wer die Serie nicht kennt, wird mit dem emotionalen Ausbruch des Mannes ohne Gedächtnis wenig anfangen können. Für Fans der Serie ist die Szene solide geschrieben, wirft aber wieder eine Reihe von Fragen nach dem Verbleib von Frau und Kind auf. Den hier expliziert aufgeworfenen Andeutungen stellt der Autor keine Fakten gegenüber. Die eigentliche Suche nach einer umstrittenen verschwunden Legende hätte insbesondere durch den von einem kleinen schlechten Gewissen geplagten Journalisten emotionaler beschrieben werden können. Erst spät führt der Autor angesichts der immer kritischer werdenden Lage eine Art Zeitlimit ein. Hinzu kommt, dass ein geheimnisvoller Informant namens „Ishmael“ Faulckner zu schnell an die Hand und zum richtigen Planeten führt. Auch dessen Motivation macht streng genommen zu wenig Sinn. Es gibt keinen Grund, warum „Ishmael“ derartig auftreten müsste. Ein entsprechender Druck von außen wird erst in den nächsten Bänden aufgebaut. Im vorliegenden Roman wäre es sogar sinnvoller gewesen, wenn „Ishmael“ weiterhin im Verborgenen agiert hätte.
Die auf Bulsura spielenden Szenen mit dem Mann ohne Gedächtnis insbesondere ohne die passende, die Vertrautheit ein wenig unterlaufende Schlusspointe kommen dem Leser viel zu vertraut vor. Nur selten integriert der Autor originelle Ideen, von denen einige wie die Ausschaltung eines Roboters mit bloßen Händen an die Übertreibungen der frühen Scheer Perry Rhodan Romane erinnert. Auch die Hinweise auf die „Väter“ sowie das abgestürzte Raumschiff natürlich mit „Gallagher“ an Bord werden so distanziert und zu steril präsentiert, das man sich an einen Roman aus der Pulpära erinnert fühlt. Keine Idee scheint wirklich neu, höchstens leicht verändert. Es ist auch enttäuschend, dass Hiltrop nicht weiter auf die archaische Kultur auf Balsura eingeht und die „Väter“ die Erinnerung an die Technik der Raumschiffgeneration selbst bei den Robotern passenderweise, aber die Nachkommen auch gefährdend gelöscht haben. Überzogen wirkt, dass der Fremde ohne Gedächtnis sich auch nicht an die Grundkenntnisse in Chemie oder Physik erinnern, während er auf der anderen Seite anscheinend instinktiv Fische fangen kann. Die Intention des Autoren, dem stringenten Plot Spannung auch über eine Kette von sich gegenseitig verfolgenden verschiedenen Interessegruppen zu verleihen, ist klar. Im Vergleich zur ersten „Gallagher“ Trilogie hat der Leser aber das Gefühl, ein Frühwerk Hiltrops zu lesen.
An Tiefe gewinnt der Roman erst auf den letzten Seiten, als Achim Hiltrop nicht nur die Ereignisse seit Gallaghers Verschwinden in einer Art Zeitraffer zusammenfasst, sondern die beiden folgenden, plottechnisch deutlich stärkeren Bänden vorbereitet. Darüber hinaus hält der Autor seinen Lesern im Allgemeinen und dem Reporter Faulckner im Besonderen einen Narrenspiegel ins Gesicht, wenn sich die meisten Vermutungen und vor allem die überdeutlichen Hinweise als absichtlich falsche Spuren erweisen. Bei einem starken von eigenständigen Ideen getragenen Roman könnte man diese Verbiegungen als „clever“ in Anlehnung an Iain Banks nicht selten auf einer bitterböse Schlusspointe basierenden „Culture“ Arbeiten bezeichnen, hier fühlt sich der Leser ein wenig zu sehr auf den Arm genommen. Natürlich ist der Aufbau nicht uninteressant und Achim Hiltrop spielt rückblickend mit seinem Publikum, aber der Aha Effekt verpufft zu schnell. Es wäre sinnvoller gewesen, Gallaghers sehr gut verwischte Spuren ruhen zu lassen, zumal Faulckners Suche wie schon angesprochen ohne die Hinweise „Ishmaels“ (!!!) schnell beendet gewesen wäre. Hiltrop impliziert, dass Gallagher auf die große Bühne zurückkehren wollte, obwohl angesichts der sich kontinuierlich entwickelnden Handlung ein Agieren im Untergrund effektiver gewesen wäre.
In vielerlei Hinsicht muss der Leser „Gallaghers Rückkehr“ als eine Art Übergangsband zwischen der ersten Trilogie und den neuen Geschichten sehen, der zu wenig Fisch oder Fleisch ist, aber trotz der bekannten Versatzstücke angesichts der meistens überzeugend gezeichneten Figuren sowie der nachhaltig überarbeiteten Dialoge fließend zu lesen ist.

„Gallaghers Rache“ schließt nahtlos an den Auftaktband der Trilogie an. Das Handlungsspektrum wird deutlich breiter und die Motivation der einzelnen Figuren in diesem inzwischen kaum noch zu unkontrollierenden Bürgerkrieg für den Leser nachvollziehbarer. Mit Trusko VII kämpft einer der zahlreichen Planeten des kerianischen Imperiums nicht zuletzt aufgrund der Steuerungerechtigkeiten um seine Unabhängigkeit vom Kaiser. Der Präsident O´Reilley erklärt die Unabhängigkeit seines Planeten während einer gigantischen Feier.
Im Vorfeld wird eine Bombe entdeckt. Anscheinend haben die Kreianer einen der besten Attentäter des Universums ausgeschickt, um die Führung Truskos zu eliminieren. Da O´Reilley mit dem inzwischen wieder auf der Bildfläche aufgetauchten Clou Gallagher über ein Pfand im Unabhängigkeitskrieg verfügt, wird dieser auf die Hauptstadt Kerians los gelassen.
Mit einer Hauruck Aktion nach der Methode „Gallagher schlägt zurück“ sorgt der Söldner für Unruhe. In diesen Szenen wandelt der Autor auf einem extrem schmalen Grad. Beim Anschlag auf das Kriegsministerium handelt es sich um eine Aktion, die – wie Gallagher stellvertretend für Hiltrop einräumen muss – nicht seinem bisher harten, aber aufrichtigen Charakter entspricht. Zum einen benutzt Gallaghers Team einen zu explosiven Sprengstoff, der die umliegenden Gebäude in Mitleidenschaft zieht und viele Unschuldige tötet. Das in dem Ministerium möglicherweise auch Unschuldige arbeiten, kommen weder Gallagher noch Achim Hiltrop in den Sinn. Da hilft die zu späte Reue auch wenig. Auch die grundlegende Motivation erscheint ein wenig zweifelhaft. Das Kriegsministerium hat diverse Rüstungsindustrielle eingeladen, um Vorschläge zur Vernichtung der abtrünnigen Welt Trusko VII zu unterbreiten. Der Sieger soll einen entsprechenden Zuschlag haben. Diese Vorgehensweise ist höflich gesprochen skurril zu nennen und wirkt in einem futuristischen Krieg eher befremdlich. Wenn es um die Präsentation neuer Vernichtungswaffen gegangen wäre, die Gallagher zum Beispiel von seinem Freund/ Vertrauten Cartier in Form modernster Jäger als Dreingabe erhalten hat, wäre der Aufwand nachvollziehbarer gewesen.
Das politische Intrigenspiel erreicht eine neue Dimension, wenn Gallaghers Tochter entführt wird, um den Söldner zu zwingen, einen Mordanschlag auf die Königsfamilie Kerians zu vollenden. Eine Mission, die er sowieso vollenden sollte. Einen Schuss aus dem Hinterhalt akzeptiert der Leser bei einem Söldner noch eher als das Bombenattentat auf das Kriegsministerium. Den Entführungsaspekt – wie der Mann ohne Gedächtnis aus dem Auftaktroman – nutzt Achim Hiltrop trotz eines greifbaren Hauchs von Klischee effektiv. Gallagher soll nicht von seinem Auftrag abgebracht werden, sondern motiviert werden, das Attentat zu Ende zu führen. Ironischerweise könnten die Hintermänner der Entführung sogar einen direkten Kontakt zu seinem Auftraggeber haben.

Um Bulsara sammeln sich die verschiedenen Raumflotten. Jahrzehntelange ist der Planet als abgeschiedene Kolonie ignoriert, später sogar aufgrund radioaktiver Verseuchung zu einem Sperrgebiet erklärt worden. Eine auf der Suche nach Gallagher abgestürzte Pilotin Tonya Delanne hat mittels ihres Notrufes einen Teil der kerianischen Flotte angelockt. Da die Bewohner dieses bislang vergessenen Planeten um ihre Unabhängigkeit fürchten, bieten sie einer Schutzmacht gegen die Kerianer Schürfrechte für ihre Bodenschätze an. So interessant diese Ausgangsprämisse ist, so unbefriedigend ist die Auflösung. Warum die Kerianer einen Teil ihrer Flotte angesichts der verschiedenen Aufstände auf unterschiedlichsten Planeten und einem heißer werdenden Konflikt auf Trusko VII in das abgelegene Sonnensystem beordert haben, wird von Achim Hiltrop nicht ganz überzeugend herausgearbeitet. Natürlich schicken die Terraner als bisherige Beobachter des Bürgerkriegs ebenfalls Raumkräfte in diesen Raumquadranten. Nach dem König, den Gallagher „ausgeschaltet“ hat, erleidet auch der Oberkommandierende der in diesem Sektor stationierten, aber anderswo gebrauchten Einheiten einen als Waffenfehlfunktion beschriebenen „Unfall“. Jetzt ergreift die abgestürzte Offizierin plötzlich das Kommando über die Flotte, was angesichts der Zahl der Raumschiffe und der strengen Hierarchien schon ungewöhnlich und trotz aller Erklärungen an den Haaren herbei gezogen erscheint. Andere Autoren wie Lloyd Biggle jr. oder Keith „Retief“ Laumer hatten für derartige Situationen eine originelle, das Kolonistenverhalten der Großmächte als Farce entlarvende Antwort parat. Natürlich ist das Auslöschen einer ganzen Planetenbevölkerung aufgrund wirtschaftlicher Interessen ein schwerwiegendes Argument, um das eigene Gewissen über die Befehle der Vorgesetzten zu stellen. Hier muss der Leser akzeptieren, dass der im Vergleich zu ihrem bisherigen Leben und ihrer militärischen Ausbildung kurze „Lebensabschnitt“ auf Bulsara sie derartig nachhaltig geprägt hat, dass sie sich gegen die diktatorischen Interessen ihres Volkes ausspricht und eine friedliche Lösung aus dem Hut zaubert. Diesem Handlungsarm fehlt vor allem angesichts der Länge, die er im Buch einnimmt, eine eher Zufriedenstellende Auflösung, nachdem Achim Hiltrop in Bezug auf die Glaubwürdigkeit dem Leser einiges zumutet. Weiterhin hilft Delannes kurzzeitiger Aufstieg Gallagher, da es sich um dessen Ex- Freundin vor seiner Ehe und er so einen wichtigen Teil der kerianischen Flotte hinter sich weiß.

Wie schon angesprochen ist die erste Handlungsebene um den wieder im Mittelpunkt stehenden und sich zwischen alle Stühlen befindlichen Gallagher deutlich stärker. Für manche seiner Handlungen wird er sich erst im abschließenden Band verantworten müssen. Zu den besten Passagen der zweiten Hälfte des Romans gehört der Tod eines der wichtigsten Protagonisten des ersten Buches. Wie so oft im Krieg ein sinnloser Tod, der vielleicht auch aufgrund seiner Abruptheit weniger betroffen macht als das er wegen der Unvorhersehbarkeit schockiert. Vielleicht geht das Aufräumen auf Trusko VII ein wenig zu schnell, während die im Hintergrund agierende Macht - der Einfluss der Medien bekommt eine neue Bedeutung - noch neue Figuren auf das galaktische Schachspiel schiebt, aber zumindest überzeugt die Befreiung seiner Tochter aufgrund des Fatalismus des Täters. In Bezug auf die ganze Trilogie arbeitet Achim Hiltrop die verschiedenen politischen Hintergründe von der einfachsten im positiven noch primitiven und wenig verdorbenen Dorfgemeinschaft bis zu einem Königreich und dessen sich abwendenden unterdrückten Planeten durch, um schließlich wieder auf einer persönlichen Tragödie - aus dem Volkshelden wird der Sündebock, weil es obskure Gesetze auf den ersten Blick so verlangen - zu enden. Je weiter die zweite „Gallagher“ Trilogie fortschreitet, desto offensichtlicher werden sie sehr nuanciert in die manchmal vielleicht ein wenig zu sehr aus bekannten Mustern bestehende Handlung integriert.
In Bezug auf die einzelnen Figuren leidet Gallagher unter dem langen Schatten, den Tonya Delanne als selbstbewusste, attraktive, intelligente Frau, aber auch entschlossen agierende Soldatin wirft. Als Gallaghers Ex- Freundin von vor über fünfzehn Jahren wird sie erst im abschließenden Band mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, wobei die Opportunitäten sich auch im vorliegenden Roman nicht gänzlich von der Hand weisen lassen. Vielleicht wirkt manche sich ihr bietende Chance zu glatt und manche Handlung in der interessanten Gesamtstruktur zu konstruiert, aber Figur dominiert sie nicht nur die auf Busara spielenden Szenen, ihre insbesondere militärisch politische Karriere durchläuft auch eine Reihe interessanter Stadien, während Gallagher das Privileg bleibt, innerhalb einer Woche zwei Staatsoberhäupter unterschiedlicher Planeten entweder ermordet oder nur getötet zu haben.
In Bezug auf die für Military Science Fiction signifikanten Themen wie Krieg und vor allem den schmalen Grad zwischen Bürgerkrieg und Terrorismus bereitet Achim Hiltrop den politisch brisanten Boden des dritten abschließenden „Gallaghers Ruhm“ ein wenig zu ambivalent und zu unkritisch vor. Es gibt in seinen Kriegen zwar keine klischeehafte schwarz- weiß Färbung, sondern nur Grautöne, aber manchmal vermisst der Leser ein intellektuelles Hinterfragen mancher Handlung. Da fällt der politische Handlungsbogen zu stark auf „Star Wars“ Niveau mit einer Macht hinter den Mächtigen zurück, dessen Ziele im vorliegenden Roman nur angerissen werden. Natürlich wartet der Leser gespannt auf die nächsten Schachzüge und die entsprechenden Reaktionen der augenblicklich noch Ahnungslosen, aber ein wenig mehr Tiefgang hätte diesen elementaren Vorgängen gut getan.

Der abschließende Roman „Gallaghers Ruhm“ spielt ein Jahr später. Während Tonga Delanne als Militärchefin sich inzwischen etabliert hat, ist Gallagher mit seiner Familie auf den Touristenplaneten Tarsia geflohen, wo er für die Urlauber Variationen der punischen Kriege durchspielt. Dabei handelt es sich um keine virtuellen Simulationen, die Schiffe und Roboter werden jeden Tag nach der entsprechend inszenierten Schlacht geborgen und repariert. Als kleine Anekdote fügen Gallagher und Hiltrop an, das auf Tarsia Karthago den Sieg davonträgt. Der Titel „Gallaghers Ruhm“ ist irreführend. Am Ende des Romans findet der alte Haudegen seinen Frieden und zu seiner Familie zurück, er kann sich aber nicht als Sieger fühlen. Auch Tonya Delanne findet ihren Frieden, nachdem sie in dem Jahr zwischen „Gallaghers Rache“ und „Gallaghers Ruhm“ von der Anführerin der Raumflotte zur interimistischen Präsidenten Kerians ernannt worden ist. Auf ihrer Seele liegen zwei Probleme. Zum einen wird die Immunität, die sie Gallagher nach seinem Frontenwechsel angeboten hat, in Frage gestellt. Der Verdacht, dass er mit für das erfolgreiche Attentat auf den König verantwortlich und damit eher als Terrorist denn Freiheitskämpfer zu betrachten ist, erhärtet sich. Hinzu kommt, dass die Affäre zwischen Delanne und Gallagher von vor fünfzehn Jahren ans Tageslicht gezogen worden ist. Da Achim Hiltrops Fokus auf einer stringenten Abenteuergeschichte liegt, verzichtet er auf tiefer gehende wie theoretische Diskussionen und will aufzeigen, dass es für Männer wie Gallagher keine Gerechtigkeit geben kann. Damit trifft er nur den halben Kern der Wahrheit. Gallagher hat bei seinen Aktionen viele Unschuldige mit dem Bombenattentat auf das Ministerium ermordet. Er hat auch den amtierenden König hingerichtet. Beides sind terroristische Handlungen, für die er sich trotz oder vielleicht sogar wegen seines opportunistischen Frontenwechselns verantworten müsste. Da der keranische Geheimdienst genau wie die mehr und mehr nach der Macht greifende Stellar News Agency mehrere Attentate auf Gallagher verüben, ahnt der Söldner, dass sein Idyll auf dem Touristenplaneten zu Ende gegangen ist.

Dieser Handlungsfaden geht im Verlaufe des kompakt geschriebenen, die Trilogie und viele roten Fäden aus den voran gegangenen beiden Romanen solide abschließenden Textes im zweiten, relevanteren Spannungsbogen auf. Die Nachwirkungen des Bürgerkriegs spiegeln sich – ungewöhnlich für einen Military Science Fiction Roman, aber interessant gestaltet – in den Aktionen der in dieser Hinsicht noch etwas gutgläubigen wie naiven Politikerin Tonya Delanne wieder. Um die Löcher in der Haushaltskasse zu stopfen, werden unter anderem Aktienpakete an allen relevanten Firmenkonglomeraten – unter anderem unglaubwürdig Rüstung und Infrastruktur – zum Verkauf angeboten. Gallaghers Freund Cartier erfährt, dass über Strohfirmen ein bislang im Hintergrund agierender „Stainless“ Konzern weite Teile der kerianischen Wirtschaft aufgekauft hat. Als Cartier Tonya Delanne und Gallagher informieren möchte, wird dessen auf einem Asteroiden gelegne Werft angegriffen und vernichtet. Nicht nur die Anschläge aufs eigene Leben, sondern vor allem das Attentat auf seinen Freund zwingen Gallagher, aktiv gegen die Verschwörer vorzugehen.

Von den drei hier zusammengefassten Romanen überzeugt „Gallaghers Ruhm“ am meisten. Konzentrierte sich Achim Hiltrop in den ersten beiden Arbeiten in erster Linie auf Action, die zwar spannend geschrieben, aber auch teilweise ein wenig zu opportun erschien, fügt der Autor dem Verschwörungsplot eine Reihe von interessanten Hintergründen hinzu. Die hinter allen stehende Grundidee wirkt wie eine komische Extrapolation des James Bond Films „Der Morgen kommt nie“ mit einem gigantischen Medienkonzern, der sich zu Höherem berufen sieht. Nach der Medienmanipulation folgt die Machtergreifung. Zu den besten Szenen der Serie gehört ohne Frage die Übertragung der abschließenden Wahlkampfkundgebung auf Kerian, die der Chef der Stellar News Agency dazu nutzt, den einzelnen Präsidentschaftskandidaten den Boden unter den Füßen wegzuziehen und seine Organisation als zusätzlichen Kandidaten vorzustellen. Die Dialoge in dieser Sequenz sind ausgesprochen pointiert geschrieben und Achim Hiltrop hat sichtliches Vergnügen, seinen Lesern die „Wahllügen“ und die Ambivalenz der Politiker genüsslich unter die Nase zu reiben. Achim Hiltrop schwächt diese sehr gute Szene ein wenig ab, in dem er sie wieder in einer Entführung – der dritten im Verlaufe dieser Trilogie – gipfeln lässt. Auch die Konfrontation zwischen dem Chef der Stellar News Agency und Gallagher hätte etwas dramatischer und vielleicht auch ein wenig emotionaler beschrieben werden können.
Auf der anderen Seite erweist sich Achim Hiltrop im literarischen Leben nicht als reiner Verfechter parlamentarischer Demokratien. Auch wenn die lange währende Demokratie als Tyrannei entlarvt und deswegen konsequent dank Gallaghers Mithilfe abgeschafft worden ist, lässt sich der Autor hinsichtlich der neuen Art der kapitalistischen Bestechungsherrschaft eine Reihe von Hintertüren offen. Darüber hinaus werden Delanne stellvertretend für den Leser die Folgen der Oligarchien bzw. ganze Wirtschaftssysteme umfassenden Monopole eindringlich beschrieben. Es bleibt die Frage offen, woher die Stellar News Agency das ganze Geld hat, um die ersteigerten Firmen erstens auch zu bezahlen und zweitens ob ein derartig schneller Transfer selbst in der fernen Zukunft machbar ist. Langfristige Kredite gibt es zumindest im „Gallagher“ Universum nicht. Es ist auf jeden Fall positiv zu werten, dass sich ein Autor überhaupt mit den Grundmechanismen des Kapitalismus für einen Military SF Roman beschäftigt.

Es sind die vielen kleinen Ideen, die nicht nur trotz der angesprochenen Schwächen den abschließenden Band der zweiten Trilogie, sondern den ganzen Zyklus lesenswert machen. Wie schon angesprochen wirkt die Charakterisierung insbesondere Gallaghers im Vergleich zur ersten Trilogie sperriger. Auf der anderen Seite hat der Autor den Fokus aus den zu erfolgreichen „Söldner“ mit der Integration verschiedener anderer, sehr interessanter Figuren relativiert und damit das Handlungsspektrum breiter gemacht. Neben der eine zu steile Karriere trotz des Chaos machenden Delanne sei hier der Kriegsreporter Faulckner genannt, dessen größte Stunde während der Wahlkampfveranstaltung auf Kerisan für ihn persönlich zu spät kommt. Gallaghers Frau – liebevolle Mutter und entschlossene Kämpferin – geht ebenso wie die Tochter unter, während die Abrechnung mit einem seiner Erzfeinde Gallagher zumindest kurzzeitig in ein moralisches Dilemma bringt. Die Unterhaltung der beiden Söldner ist von Achim Hiltrop hervorragend beschrieben und ragt aufgrund des bizarren Hintergrunds – ein kleines, abgeschieden gelegenes Luxushaus, klassische Musik – aus dem Mittelteil der Trilogie heraus.
Natürlich ist nicht jede Idee wirklich neu oder einzigartig. Dieser Erwartungshaltung kann ein Autor nicht mehr gerecht werden. Zumindest werden die bekannten Versatzstücke nach den Schwächen des Auftaktromans durch eine konsequente, geradlinige, aber auch spannend aufgebaute Handlungsführung in den beiden Folgebänden ausgeglichen. Die Neubearbeitung lässt die Romane auch stilistisch ansprechender, hinsichtlich der Beschreibungen glatter und ausgeglichener erscheinen. Wie die Abenteuer um den „Rettungskreuzer Ikarus“ gehören die „Gallagher“ Romane zu den besten deutsprachigen von einem semiprofessionellen Autor verfassten SF Arbeiten. Als Ganzes betrachtet hat Acim Hiltrop unter Hinzuziehung der verschiedenen bislang nicht zusammengefassten Kurzgeschichten ein bodenständiges, interessantes und zugängliches Universum erschaffen, mit einem legendären „Helden“, der positiv nicht unbesiegbar, unüberwindbar und vor allem gar frei von allen Fehlern beschrieben wird.

Achim Hiltrop : "Gallaghers Krieg"
Roman, Hardcover, 511 Seiten
Atlantis Verlag 2012

Weitere Bücher von Achim Hiltrop :
 - Colin Mirth
 - Die Gallagher Chroniken: Die Kerian-Verschwörung
 - Gallaghers Tochter
 - Gallaghers Schlacht
 - Gallaghers Sieg
 - Gallaghers Sturm
 - Rettungskreuzer Ikarus 30: Flammende Begeisterung
 - Rettungskreuzer Ikarus 45: Wächter des Imperiums
Weitere Links zu diesem Thema:
 - Achim Hiltrop : Biographie

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::