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Sachb√ľcher



Kurd Laßwitz

Geschichte der Atomstik vom Mittelalter bis Newton Band 2

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem zweiten Band der Geschichte der Atomistik vom Mittelalter bis Newton liegt der letzte Band der Kollektion Kurd La√üwitz im Kleinverlag Dieter von Reeken vor. Wie schon bei der Besprechung des ersten Bandes ist die Neuauflage der erstmals 1890 in zwei B√§nden erstandenen Studie insbesondere f√ľr Kurd La√üwitz Anh√§nger interessant, die immer gerne zwischen den philosophischen naturwissenschaftlichen Inhalten seiner modernen M√§rchen als auch der wissenschaftlichen Grundlage seiner Science Fiction Stoffe den Gymnasiallehrer Kurd La√üwitz gesehen haben.

Es ist unabdingbar, den ersten Band zuerst zu studieren, da Kurd Laßwitz dort auf die Erneuerung der Korpuskulartheorie eingegangen ist. Die verschiedenen insbesondere in Deutschland, Italien und Frankreich entwickelten Theorien der Atomistik fließen nur bedingt zusammen. Kurd Laßwitz zeigt am Ende des ersten Bandes auf, wie stark sich inzwischen das Bild von der aristotelischen Elementenlehre entfernt hat, ohne das die insbesondere in den folgenden beiden Jahrhunderten entwickelten Theorien schon auf fruchtbaren Boden gefallen sind.
Auch zur √úberraschung Kurd La√üwitzs folgt die Entwicklung einer neuen Lehre der Atomistik, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart sp√ľrbar sind, nicht aus den Fortschritten der naturwissenschaftlichen Forschung heraus, sondern aus der Ecke der Philosophie. Eine Entwicklung, welche dem jungen romantisch realistischen Kurd La√üwitz und seinem Gedankenbild von der beseelten Natur noch n√§her ist als es der erfahrene Gymnasiallehrer in seiner vorliegenden Studie wahrhaben m√∂chte. Insbesondere Descartes Gedankenmodelle auf den Ideen und Studien Galileis basierend bilden das Fundament, von dem ausgehend Kurd La√üwitz im Grunde einen zweiten Ast der verschiedenen Atomistikkonzepte herausbildet. Obwohl der Autor im Kern chronologisch vorgeht, f√§llt es ihm nicht leicht, die teilweise parallel verlaufenden, sich aber hinsichtlich ihrer Ausrichtung durchaus widersprechenden und nur selten wirklich erg√§nzenden Gedankenmodelle in einfachen Worten zusammenzufassen. Der Autor konzentriert sich auf eine Person und ihre Idee, bevor er mit der n√§chsten Theorie fortf√§hrt. Das l√§sst einzelne Passagen, soweit es sich r√ľckblickend um Sackgassen handelt, ausgesprochen langatmig und teilweise sich wiederholend erscheinen, ist aber die einzige M√∂glichkeit, dem insbesondere wissenschaftlich durchschnittlich vor gebildeten Leser einen Einblick zu schenken.
Sehr viel wohler f√ľhlt sich der Autor bei der naturwissenschaftlichen Vollendung der Korpuskulartheorie an Hand der Arbeiten Joachim Jungius, Robert Boyles, Otto von Guerickes, Giovanni Alfonso Borelli und letzt endlich auch Huygens. Ausgesprochen bildhaft versucht Kurd La√üwitz deren Ans√§tze zusammenfassen und auf die letzt endlich schnell wieder verworfene Vibrationstheorien zu verweisen, deren grundlegende Ideen Jahrhunderte sp√§ter wieder aufgenommen werden. Es
ist faszinierend zu verfolgen, wie sich die Forschung nicht nur in Zyklen, sondern teilweise auch kreisf√∂rmig vorw√§rts bewegt und einzelne Ideen aus im Grunde ansonsten eher abstrakten bis absurden Studien in die moderne Forschung √ľbertragen werden k√∂nnen. Es ist sicherlich m√ľhselig, aus einer Distanz von mehr als einhundertzwanzig Jahren zum Verfassen der Studie bzw. fast f√ľnfhundert Jahren zu den ersten im zweiten Band vorgestellten Studien Ideen in die Gegenwart extrapolieren zu wollen, aber als Autor beschreibt Kurd La√üwitz einzelne Modelle so plastisch und f√ľr den Laien verst√§ndlich, das es anders herum auch Spa√ü macht, diesen Gedankenmodellen zu folgen. Der Autor bewegt sich dabei religi√∂s auf einem ausgesprochen schmalen Grad. Die Gedankenmodelle verschiedener Glaubenslehren sind inklusiv ausgesprochen lesenswerter Exkurse sowohl zu den j√ľdischen wie arabischen Philosophen hin im ersten Band ausf√ľhrlich behandelt worden. Der aufmerksame Leser vermisst vielleicht die Reaktion der Kirche auf die immer mehr der biblischen Lehre widersprechenden Theorie. Wenn es in erster Linie um die Vorstellung der einzelnen Wissenschaftlicher bzw. Philosophen geht, finden sich eher impliziert Andeutungen, ansonsten konzentriert sich Kurd La√üwitz alleine auf die verschiedenen Theorien. In seinen anderen sekund√§rliterarischen Arbeiten insbesondere zur beseelten Natur hat er diese Diskrepanz sehr viel nachhaltiger und eine eigene Meinung bildend herausgearbeitet.
Mit dem √úbergang zur dynamischen Theorie der Materie dank Leibniz und Spionza ist Kurd La√üwitz zum ersten Mal im vorliegenden zweiten Band gezwungen, vorher entwickelte Gedankenmodelle nicht nur zu verwerfen, sondern genauer zu negieren. Als Wissenschaftler f√§llt es ihm deutlich leichter als in seiner Eigenschaft als philosophierender Autor. Dieser abschlie√üende Kapitel gipfelt schlie√ülich in der Auseinandersetzung mit beseelten K√∂rpern und ausgedehnten Geistern. Dank der vollst√§ndigen Ver√∂ffentlichung insbesondere seiner sekund√§rliterarischen Arbeiten im Rahmen der Kollektion Kurd La√üwitz hat der Leser mehrmals die unterschiedlichen Standpunkte Kurd La√üwitz kennen lernen k√∂nnen. Anf√§nglich insbesondere von Fechner - dessen Biographie ist ebenfalls in der Kollektion erschienen - beseelter Natur begeistert, arbeitete der junge aufstrebende Autor diese Idee - es ist passender, von einem Ideal zu sprechen - in seine fr√ľhen literarischen Arbeiten ein. Es ist aus heutiger Sicht unm√∂glich, diese eher romantische Denkweise noch ernst zu nehmen. Funktionieren Kurd La√üwitz erste literarische Arbeiten insbesondere √ľber die pointierten Dialoge und die spritzig kom√∂diantische Handlung noch ausgezeichnet, wirken die Theorien eher phantasievoll ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage oder Begr√ľndung als ernst zu nehmen. Zum Zeitpunkt des Entstehens seiner Geschichte der Atomistik hatte Kurd La√üwitz dieser Lehre schon abgeschworen und zumindest zwischen den Zeilen klingt ein wenig besch√§mend heraus, dass der Autor einem Irrglauben aufgesessen ist. Diese Exkurse in den √ľbernat√ľrlichen, wenn auch nicht spirituellen Bereich finden sich in fast allen sekund√§rliterarischen Arbeiten Kurd La√üwitz und dienen fast immer dazu, sich vom Volks(aber)glauben abzugrenzen und moderne wissenschaftliche Forschung zu pr√§sentieren, von der seine Sch√ľler in erster Linie profitieren sollten. √úber die Attraktionshypothese schl√§gt Kurd La√üwitz schlie√ülich den Bogen zu Newton. Mit dieser abschlie√üenden Betrachtung der - zum Zeitpunkt der Entstehung der Studie - g√ľltigen Atomistikstudie schlie√üt sich ein von Kurd La√üwitz ausgesprochen weit gespannter Bogen √ľber eine damals noch ungew√∂hnliche junge - der Begriff des Atoms ist an sich alt, aber die M√∂glichkeit, das Vorhandensein von Atomen zu beweisen noch ausgesprochen jung - wie aktive Forschungslehre. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie zum Beispiel sowohl Huygens als auch sp√§ter Leibniz sowie Newton √§hnliche Denkmodelle entwickelten, deren Plausibilit√§t erst durch die mathematische Berechnung der Bewegungen atomarer Teilchen bzw. dank einer dynamischeren Naturauffassung Allgemeing√ľltigkeit erlangten. Es sind in erster Linie die zahlreichen Querverweise sowohl auf naturwissenschaftlicher, philosophischer und mit Einschr√§nkungen auch alleine geistiger- geistlicher Ebene, welche die vorliegende zweib√§ndige Studie auf der einen Seite sicherlich zu keiner leichten, eine gewisse Vorbildung voraussetzenden Lekt√ľre machen, die aber auf der anderen Seite im Grunde einen faszinierend zu lesenden, wissenschaftlich so zug√§nglich wie nur m√∂glich formulierten Streifzug durch eines der Grundlagenthemen wissenschaftlicher
Forschung ermöglichen. Am Ende dieser Reise steht sicherlich eine der komplexesten
√úbersichten √ľber den Begriff der Materie in jeglicher Form sowie die verschiedenen Facetten, unter denen sich Menschen √ľber einen Zeitraum von mehr als zweitausend Jahren diesem Thema gewidmet haben. Kurd La√üwitz reiht sich sicherlich in erster Linie mit seinen literarischen Arbeiten nahtlos in diese Reihe ber√ľhmter wie unbekannterer Denker ein. Als Zusammenfassung liest sich der zweite Band im Vergleich zum ersten Buch ein wenig geschmeidiger. Das liegt zuletzt auch an der Tatsache, dass sich der Autor mit den hier vorgestellten Theorien und Gedankenmodellen deutlich mehr identifizieren, sie teilweise progressiv oder besch√§mend selbst in seine Romane und Kurzgeschichten integriert hat. Die beiden B√ľcher sind sicherlich in erster Linie aus naturwissenschaftlicher und damit auch studierender Perspektive interessant. Sie gilt - wie Herausgeber Dieter von Reeken mehrfach in seinen informativen Vorw√∂rtern herausgestellt hat - als Kurd La√üwitzs wissenschaftliches Hauptwerk, um Grund als ‚ÄúAuf zwei Planeten‚ÄĚ der Sekund√§rliteratur. Viele seiner kurzen Arbeiten sind aus heutiger Sicht wahrscheinlich leichter zu lesen, aber wer sich intensiv mit den vorliegenden zwei B√ľchern auseinandersetzt, wird die Vorgehensweise erkennen, mit welcher der Gymnasiallehrer alle seine Arbeiten - egal ob Roman oder wissenschaftliche Studie - angegangen ist. Neben der liebevollen Ausstattung der Neuauflage ist die vorliegende zweib√§ndige Arbeit sicherlich die Standardlekt√ľre f√ľr alle, die sich mit dem ganzen Menschen Kurd La√üwitz auseinandersetzen m√∂chte. Was alleine zur Perfektion dieser Edition noch fehlt, ist eine lebhaft geschriebene Biographie des Menschen Kurd La√üwitz, dessen manchmal sehr widerspr√ľchliches Wesen der Leser in seinen Arbeiten erkennen kann.

Kurd Laßwitz: "Geschichte der Atomstik vom Mittelalter bis Newton Band 2 "
Sachbuch, Hardcover, 609 Seiten
Dieter von Reeken 2011

ISBN 9-7839-4067-9369

Weitere BŁcher von Kurd La√üwitz:
 - Aspira
 - Auf zwei Planeten
 - Bilder aus der Zukunft
 - Die Lehre Kants von der Idealit√§t des Raumes und der Zeit,
 - Gedichte und Erz√§hlungen
 - Gustav Theodor Fechner
 - Herr Strehler und der poetische Hauslehrer
 - Natur und Mensch
 - Nie und Immer
 - Schlangenmoos
 - Schlangenmoos und Sternentau
 - Seelen und Ziele
 - Seifenblasen
 - Seifenblasen und Traumkristalle
 - Studien
 - Wirklichkeiten
 - √úber Tropfen, Atomistik und Kriticismus
 - Zivilsation und Kultur

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