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Sachbücher



Detlef Münch

Illustrierte und kommentierte Bibliographie Haggards

rezensiert von Thomas Harbach

Mit der erweiterten und drucktechnisch stark verbesserten Neuausgabe seiner illustrierten und kommentierten Bibliographie der deutschen Erstausgaben von Henry Rider Haggard wendet sich der Synergen- Verlag in Person Detlef Münchs wieder dem klassischen Abenteuergenre zu. Zumindest noch ein Band über Friedrich Wilhelm Mader ist für den Herbst 2011 angekündigt. Detlef Münch versucht in seinem teilweise interessant persönlich gefärbten Vorwort – hier kann der Leser direkt den Bogen zu Münchs Anmerkungen über Haggard und die Frauen schlagen – Haggards eher ambivalente literarische Position in Deutschland herauszuarbeiten, wobei der Fokus wie bei Hardy Ketzlitz „SF- Personality“ Bänden in einer globalen Welt fast zu eng gefasst worden ist. Ausgehend von der empfehlenswerten und für deutsche Verhältnisse umfangreichen Werkausgabe des Heyne- Verlages gibt Detlef Münch einen Überblick über die in einhundert Jahren veröffentlichten insgesamt 44 Erstausgaben. In seinem Vorwort versucht der Herausgeber ein wenig bemüht bis überambitioniert Haggard zum einen gegenüber seinen anderen Lieblingsautoren wie zum Beispiel Jules Verne abzugrenzen, zum anderen ihm aber auch in Bezug auf seine in Deutschland veröffentlichten Arbeiten gegenüber Berichterstattern wie Gerstäcker, Kolportageautoren wie Robert Kraft und letzt endlich auch dem allgegenwärtigen Karl May auf ein Podest zu heben, dessen Fundament nicht wirklich durch nachvollziehbare Begründungen überzeugend fest gemauert worden ist. Danach gibt Detlef Münch dem Leser einen kompakten, reichhaltig illustrierten Überblick über die einzelnen Phasen, in denen Haggards Werk in Deutschland veröffentlicht worden ist. Es wirkt zum Leidwesen des Autoren ein wenig übertrieben, bei der Veröffentlichung von zwei Büchern innerhalb einer Dekade von einer Phase zu sprechen. Weiterhin bedauert der Herausgeber, dass augenblicklich im Grunde nur ein Sammelband und die bei der Edition Phantasie veröffentlichte Novelle lieferbar sind. Schaut man sich allerdings das Verzeichnis von Autoren insbesondere des phantastischen Genres an, von denen momentan kaum etwas im Buchhandel, aber in jeder Preisklasse antiquarisch wie bei Haggard auch lieferbar ist, fragt sich der Leser, warum in Zeiten des Internets immer noch Wert auf Verlagsneue Veröffentlichungen gelegt wird. Unabhängig von dieser eher ambivalenten Haltung leitet Detlef Münch seine Studie sehr viel zufriedenstellender mit der Übersicht ein als das er sie letzt endlich mit der Kritik deutscher Literaturwissenschaftler bzw. seinem eigenen Essay „Haggard und die Frauen“ abschließt. Es reicht nicht, verschiedene Zitate aus unterschiedlichen Epochen fast unkommentiert zusammenzufassen, um wirklich von einer Übersicht in Bezug auf Reaktionen zu Haggards Werk zu sprechen. Detlef Münch reicht es schon, wenn der Name Haggard zufällig erwähnt wird. Vor allem fehlt diesem Artikel eine Gegenposition. Wie ist Haggard im Laufe der Jahrzehnte insbesondere in England aufgenommen worden und stellt sich vielleicht die kritische Rezeption seines Werkes ähnlich da? Detlef Münch argumentiert gegen die kritischen Stimmen an, aber er arbeitet nicht die Punkte heraus, die Haggards Werk so besonders machen. Auf noch dünnerem Eis bewegt sich der Autor, wenn es um Haggards teilweise erstaunlich moderne Position gegenüber Frauen geht. Zwar versucht der Autor als eine Art Selbstprüfung den Bogen zwischen Haggards unglücklicher Liebe und liebloser Zwangsheirat zu schlagen, aber anstatt sich auf eine Position festzulegen und aus dieser mit dem Risiko eines falschen Ansatzes behafteten Stellungnahme heraus am Werk Haggards entlang zu argumentieren, wirkt Detlef Münchs Vorgehensweise zu ambivalent, zu sehr dem Augenblick geschuldet als wirklich durchdacht.
Der wichtigste Aspekt im positiven wie negativen ist die chronologische Bibliographie und Rezension deutscher Titel. Da die Bücher über die Jahrzehnte fast wahllos verstreut und bis auf die im Heyne Verlag veröffentlichte Werksausgabe ohne wirklichen Respekt vor den Originalerscheinungsjahren in Deutschland publiziert worden sind, wird Detlef Münch genötigt, zwischen den einzelnen Zyklen – insbesondere gilt das für die „Quatermain“ – und „She“ Titel – hin und her zu springen. Es wäre sinnvoller gewesen, diesen sehr umfangreichen Part drei zuteilen. Einmal die serienunabhängigen Arbeiten und dann jeweils in Form eines umfangreicheren Essays die Werke um Haggards berühmteste literarische Schöpfungen sowie abschließend ein kompakter Überblick hinsichtlich der einzelnen deutschen Fassungen. So muss sich Detlef Münch auf der einen Seite mehrmals wiederholen, auf der anderen Seite verliert der Leser teilweise die Orientierung, wann nun wirklich welcher Roman chronologisch im Gesamtwerk einzuordnen ist. Hinzu kommt durch die beabsichtigte Fokussierung auf die deutschen Erstausgaben eine spürbare Einseitigkeit, es fehlt der Bogenschlag zu den bislang nicht übersetzten Arbeiten, die in Haggards Gesamtwerk wahrscheinlich nicht nur Nebenrollen gespielt haben. Während die Inhaltszusammenfassungen auch umfangtechnisch sehr zufriedenstellend sind, gehört – wie zum Beispiel auch in der Sammlung von Gustav Meyrinks Science Fiction Geschichten – die kritische Reflektion der Arbeiten zu den schwächsten Passagen der Bibliographie. Das reicht von Lustlosigkeit bei den serienunabhängigen späteren Bänden der Werkausgabe bis zu durchaus nuancierten und intensiven Auseinandersetzungen mit Haggards Arbeiten. Vor allem die unbekannteren Werke werden teilweise ohne Begründung als schwächer, wenig schwächer; solide aber weniger spannend oder gar nicht – siehe „Morgenstern“ – tituliert. Hinzu kommt, dass Detlef Münch zu Wiederholungen von Fakten nicht nur zwischen den Texten, sondern innerhalb der gleichen Rezension neigt. Das lässt auf ein teilweise oberflächliches Lektorat schließen. Wenn ihm aber die Romane gefallen, dann gelingt es dem Herausgeber ansatzweise, die Faszination des Sujets auch für Neueinsteiger bildlich darzustellen, sowie zumindest bei den „Zulu“ Werken historische Bögen anzureißen und auf verwandte Texte zu verweisen. Diese lesenswerte Vorgehensweise umfasst zum Wohle der Bibliographie vor allem die „She“ und „Quatermain“ Romane. Innerhalb Haggards umfangreichen Werkes arbeitet Münch stellenweise überzeugend, dann wieder ein wenig oberflächlich Querverbindungen zwischen einzelnen Werken sowie über die Länge seines literarischen Schaffens und kaum variierte Plots heraus. Die Rezensionen leiden aber in der Breite unter einer fehlenden Distanz und kritischen Reflektion; der mangelnden Einordnung historischer Begebenheiten, sowie der im Grunde fast gänzlichen Ignoranz rassischtisch- kolonialistischer Tendenzen in Haggards Werk, die nur zum Teil mit der Ära des britischen Imperiums entschuldigt werden können, in welcher der wichtigste Teil seiner Arbeiten entstanden sind. Natürlich versucht Haggard in Büchern wie „Nada, die Lilie“ die Grausamkeit des Zulu- Volkes in Worte zu fassen, aber was am Ende des Buches beschrieben wird, rückt den Roman als Vorläufer der „Sword& Sorcery“ eher in die Nähe Robert E. Howards. Detlef Münch möchte diesen Bogenschlag zum bekannteren Genre unter allen Umständen vermeiden. Die Vermutung, das die Reihe im Heyne Verlag nach mehr als zwanzig veröffentlichten Taschenbüchern sich nicht gegen das Fantasy- Genre durchsetzen konnte, wirkt populistisch. Auch die Fantasy litt vor den „Herr der Ringe“ Verfilmungen unter drastisch einbrechenden Verkaufszahlen. Es böte sich eher ein Vergleich mit anderen Abenteuerschriftstellern an, die im Grunde nur noch in kleinen – Salgari – bis kleinsten Nischenverlagen – Robert Kraft – existieren. Zusammengefasst gelingt es Detlef Münch wie im Titel expliziert herausgestellt eher, die deutschsprachigen Haggard Ausgaben dem interessierten Leser vorzustellen als über dessen Werk nachhaltig kritisch zu reflektieren. In kurzen Essays werden Comicveröffentlichungen basierend auf Haggards Werk sowie oberflächlich Sekundärliterarisches zu Haggard gestreift.
Abgerundet wird die Bibliographie durch eine Reihe von Statistiken,
chronologischen wie inhaltlichen Auflistungen der beiden Serien um „She“ und „Quatermain“ sowie die persönlichen Lesepräferenzen des Herausgebers.
Das herausragendste Merkmal der Sammlung sind aber die insgesamt einhundert schwarzweiß und zehn Farbigen Abbildungen – überwiegend auf dev sehr schön gestalteten Vorder- und Rückseiten des Umschlages – , die das Auge des Lesers zum Verweilen, aber vor allem auch dank der guten Druckqualität zum Vergleich einladen. Neben Titelbildern aus unterschiedlichen Epochen und wegen ihrer Seltenheit wahrscheinlich nur in Veröffentlichung wie dieser Bibliographie zu sehen hat Detlef Münch Zeichnungen der verschiedenen Originalausgaben manchmal ein wenig klein und Textanfänge/ Zeitschriftenausschnitte aus unterschiedlichen Perioden reproduziert. Zusammenfassend trotz der teilweise störenden Oberflächlichkeiten hinsichtlich der Textbearbeitung und einer manchmal ausgesprochen unorthodoxen Grammatik eine interessante, alleine wegen der Optik sehr empfehlenswerte Bibliographie, die Fans Sir Henry Rider Haggards wegen den nur wenigen neuen Fakten, Ideen, Thesen oder Interpretationen natürlich weniger anspricht als Quereinsteiger in dessen exotisch farbenprächtige Abenteuerwelt. Für sie öffnet sich die kleine Schatzkiste eines der interessantesten britischen Autoren, deren Inhalt (sprich Bücher) noch gut und relativ preisgünstig im Internet zu erwerben ist.

Detlef Münch: "Illustrierte und kommentierte Bibliographie Haggards"
Sachbuch, Softcover, 132 Seiten
Synergen Verlag 2010

ISBN 9-7839-3563-4885

Weitere Bücher von Detlef Münch:
 - Carl Grunert- Pionier der deutschen Kurzgeschichten Science Fiction
 - Die Liebe der Zukunft vor 100 Jahren
 - Jane Austen- Bibliographie der deutschen Buchausgaben

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