Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Zensur (1)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Sachbücher



Jochen Bärtle

Grusel, Grüfte, Groschenhefte

rezensiert von Thomas Harbach

Für Jochen Bärtle hat die Ära der Gruselheftromane 23. Juli 1968 begonnen. An diesem Tag erschien der erste LARRY BRENT Roman von Dan Shocker alias Jürgen Grasmück. Dieser Roman erschien als Nummer 747 der SILBER KRIMIS und stellt die erste erfolgreiche Synthese der beiden Genres Krimi und Horror dar. Zum vierzig- jährigen Jubiläum hat Jochen Bärtle seine zum Teil schon auf seinen Internetseiten veröffentlichten Artikel und Informationen gründlich überarbeitet und in Buchform zusammengefasst. Wie er in seinem ehrlichen und deswegen ungemein sympathischen Vorwort herausstellt, lässt sich das Thema des deutschen Grusel- Heftromans nicht zuletzt aufgrund des weiteren Erscheinens einer Reihe wichtiger Serien nicht abschließend bearbeiten. Er versteht sein informatives und gut geschriebenes Buch eher als Nachschlagewerk und gleichzeitig Anreiz, in diese Welt der Groschenhefte im positiven Sinne tiefer einzusteigen. Weiterhin nimmt Bärtle den Faden anderer sekundärliterarischer Werke auf. Er sieht das Buch als begleitende Schrift zu dem Bahn brechenden Artikel Walter Hofstetters über “Die Entwicklung des Heftroman- Horrors” von ebenfalls 1968 bis allerdings 2001. Die insgesamt drei Teile Heinz Galles “Volksbücher und Heftromane” zusammen mit der Müller Biographie und dem ersten Sammelband der phantastischen Heftromanserie ”Sun Koh” streifen das Thema des Gruselheftromans eher beiläufig. Trotzdem greift Bärtle vor allem in seinem ersten Teil “Hintergründe und Wissenswertes” solide auf Galles Texte zurück. In diesem werden die Grundlagen der Trivialliteratur und vor allem das Herausbilden verschiedener Genretrends im Zuge ihrer Zeit herausgearbeitet. Auf diesem Fundament aufbauend kann Jochen Bärtle sich in erster Linie um die Gruselhefte kümmern. Zwar wiederholen sich insbesondere im ersten Kapitel eine Reihe von eher zweitrangigen Informationen über den Inhalt des Buches, die Handhabung, die Hinweise auf diverse Verlage bzw. Autoren, aber Jochen Bärtle selbst sieht die hier vorliegende Zusammenstellung eher als Nachschlagewerk denn als sekundärliterarischen Text, der von Anfang bis Ende durchgelesen und durchgearbeitet werden muss. Bei dieser Vorgehensweise ist es elementar, die wichtigsten Fakten dem einzelnen Unterkapitel bzw. Schlagwort zuzuordnen. Aber die Einleitung eignet sich sehr gut, sich ein erstes Bild nicht nur über den Inhalt, sondern später auch über die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Serien zu verschaffen. In “Rund um den (Grusel-) Heftroman geht Jochen Bärtle noch einmal auf die Thematik der Trivialliteratur und ihre Bedeutung als Opium fürs Volk ein. Da sich die Käuferschicht in erster Linie weniger aus Literaturwissenschaftlern, sondern aus Anhängern und Sammlern des Heftromans rekrutiert, wirkt dieses Subkapitel ein wenig zu akademisch und Bärtles interessante Thesen - alleine die Tatsache, das gelesen wird, ist ein positives Zeichen - wirken wie ein Eulen nach Athen getragen. Die Kurzübersicht der wichtigsten Verlage dagegen wird manchem Sammler und Interessanten wichtige Hinweise über die großen Drei hinaus geben. Wer kennt schon die kurze Lebensgeschichte des Anne- Erber- Verlags und ihres “Bruders” des “Wolfhart Luther Verlages” ? Ein wichtiges und interessantes Kapitel ist das große Seriensterben im Jahre 1986, das in dieser Form schon drei Jahre früher stattgefunden hat. Tabellarisch zeichnet Jochen Bärtle nach, dass 1983 mehr Serien eingestellt worden sind als in dem oft als Bruchstelle bezeichneten Jahr 1986. Dabei macht er die große Veränderung bei einer Reihe von Horrorserien am frühen Tod des Redakteurs Werner Müller- Reymann im Mai 1986, welcher im Zauberkreis- Verlag die phantastischen Serien betreut hat. Nach dessen Aufkauf 1985 konnte Müller- Reymann mit sehr viel Eigeninitiative noch das Fähnlein seiner Serien im größeren Pabel- Verlag aufrecht erhalten, bevor mit seinem Tod deren Lichter erloschen und schließlich nur noch der “Erde des Universums” inklusiv verschiedener Epigonen übrig geblieben ist. In seinem kurzweilig zu lesen Essay inklusiv tabellarischer Verkaufszahlenentwicklung erläutert Jochen Bärtle plastisch, dass es nicht einen Wendepunkt, ein großes Ereignis gegeben hat, sondern diese Entwicklung erst schleichend, dann immer schneller werdend mehr und mehr Serien nicht nur aus kommerziellen Gründen dahingerafft hat. Das letzte Subkapitel dieses Abschnittds beschäftigt sich mit dem leidigen Thema Indizierung. Hier folgt der Autor Heinz Galle, welcher schon ausführlich in seinen “Volksbücher und Heftromanen” mit einer Reihe von Vorurteilen und Klischees zu diesem schwierigen Punkt aufgeräumt hat. Noch als Einleitung ist die komprimierte Übersicht der Grusel- und Mysteryheftromanserien zwischen 1968 und 2008 zu bezeichnen. Im dritten Block “Die Serien im Detail” geht Jochen Bärtle auf viele Serien eben wie der Titel verspricht im Detail ein. Dabei macht der Autor nicht den Fehler, nur die bloßen Fakten abzuspulen, er bemüht sich, die einzigartige oder manchmal auch nur morbide Faszination einzelner Serien herauszuarbeiten. Wie Bärtle in seinem Vorwort bzw. Nachwort gelassen ausgesprochen hat, kann auch ein schlechter Heftroman ein gewisses “Vergnügen” bereiten und frei von jeglicher akademischer Distanz stellt der Autor mit sehr vielen Fakten und Trivia versehen sowohl die Dauerbrenner wie “John Sinclair” oder “Professor Zamorra” vor als auch die Miniserien wie “Das Volk der Tiefe”. Wie stark sich der kommerzielle Markt verändert hat, lässt sich alleine an der Tatsache ablesen, dass die letzte unlimitiert gestartete Heftromanserie “Sternenfaust” im Bastei Verlag gewesen ist. Anthologien wie “Schattenreich” sollen hier ganz bewusst nicht mitgezählt werden, auch wenn sie in der Chronologie aufgenommen worden sind. Um beim Genre zu bleiben, wäre der letzte erfolgreiche Neustart “Madrax” mit seiner Mischung aus Horror und Science Fiction gewesen. Und “Maddrax” läuft sehr erfolgreich seit mehr als acht Jahren. Ganz bewusst bemüht sich Bärtle, die teilweise sehr unterschiedlichen Spin Offs, bearbeiteten Neuauflagen bzw. serienübergreifende Charaktere ihrem Ursprung zuzuordnen. Dieser Verzicht auf eine stringente Chronologie erhöht nicht nur die Übersichtlichkeit des Textes - auch wenn das Nachschlagen selbst über das kurze Register im Anhang und nicht direkt in den einzelnen Kapiteln erfolgen sollte - , es gibt dem interessierten Leser die Möglichkeit, über den Tellerrand der einen Serie hinaus das ganze Universum kennen zu lernen. Dabei geht Jochen Bärtle auch auf die Eigenheiten der einzelnen wichtigen Autoren ein. Nicht umsonst widmet er das Buch den drei Eckpfeilern des Genres Jürgen Grasmück, Ernst Vlcek und W.K. Giesa, die mit ihren Schöpfungen den Gruselheftroman im Grunde salonfähig und aus dem Ghetto des Klischees in die Weiten der phantastischen Literatur geführt haben. Wie schwer der Verlust dieser innerhalb eines Jahres gestorbenen Autoren wiegt, lässt sich im dritten Kapitel ablesen. Kaum eine länger laufende Serie, welche nicht von “Larry Brent” oder “Macabros”, “Professor Zamorra” oder dem “Dämonenkiller” profitiert hat. Teilweise geht Jochen Bärtle auch auf die einzelnen Hörspielversionen ein und erschließt mit diesem Blick über den Tellerrand ein weiteres Sammelgebiet, das bislang von der Sekundärliteratur nur peripher behandelt worden ist. Alleine das Kapitel über Wolfgang Hohlbeins Serie “der Hexer” sei hier beispielhaft genannt. Die Serie ist durch verschiedene Inkarnationen und letzt endlich auch durch die jetzt laufende Neuauflage Fassungen gegangen, dass ein Sammler fast ein Pfeildiagramm braucht, um sich noch zurecht zu finden. Dabei ist Hohlsbeins empfehlenswerte Arbeit ein klassischer Beispiel für die qualitative Veränderung des Heftromans. Eine Serie, die im Grunde für den Taschenbuchmarkt geschrieben worden ist und hier viel besser ihre Käuferschicht gefunden hat. Beim Durchblättern stösst der Leser auf diverse Versuche, verschiedene Genres zu kombinieren. Am Anfang standen noch die Silber bzw. später Gruselkrimis mit ihrer Mischung aus einer stringenten Kriminalhandlung und übernatürlichen Elementen. Danach reicht das Spektrum von gruseligen Western - zwei Inkarnationen - über erotische Vampire bis zu “Dinoland”. Letztere Serie ordnet Jochen Bärtle nicht ohne einen ironischen Unterton in die Kategorie “Nicht Fisch - noch Fleisch”. Den Anhang bilden eine Reihe von Farbtafel mit Titelbildern - diese sind drucktechnisch ein wenig zu klein geraten und spiegeln die bunte marktschreierische Titelbildkultur nur ungenügend wieder, für Sammler eher eine nette Ergänzung, da sie die Originale aus dem Schrank ziehen - , ein alphabetisches Serienverzeichnis sowie natürlich Quellen, Literatur und inzwischen unverzichtbar auch die Weblinks. Der Gruselroman feiert nicht nur sein vierzig- jähriges Bestehen, Jochen Bärtle selbst liest seit fünfundzwanzig Jahren Heftromane. In einem Kapitel geht er auf seinen eigenen Start ein. Hier werden sich viele Leser wieder erkennen. Der vorliegende absolut empfehlenswerte und mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt Band ist im Grunde Bärtles Geschenk an die Mitleser und Mitsammler. Nicht unbedingt die Fanatiker, welche jeden Punkt und jedes Komma auf Authentizität untersuchen, sondern vor allem für die Interessenten, die sich einen Überblick über die Serienvielfalt verschaffen wollen - sehr gut gelungen - und welche in komprimierter, aber fundierter Form über verschiedene Serien lesen bzw. nachschlagen wollen. Das Book on Demand mit seinem einfachen, aber sehr sauberen Layout, einem gut zu lesenden Druckbild, einem eher schlichten Titelbild - hier reiht es sich gut in die Galle Neuauflage der “Volksbücher und Heftromane” ein - und den verschiedenen Farbtafeln ist die von Jochen Bärtle in seinem Vorwort erhoffte Ergänzung zu verschiedenen sekundärliterarischen Texten. Vor allem aber macht es Spass, in dem Buch zu lesen bzw. zu schmökern und verschiedene Jugendsünden bzw. Erinnerungen wieder zu entdecken. Vor allem macht es Appetit auf manche Serie, die viel zu lange ungelesen im Regal geschlummert hat.

Jochen Bärtle: "Grusel, Grüfte, Groschenhefte"
Sachbuch, Softcover, 412 Seiten
Eigenverlag 2008

ISBN 9-7838-3704-0432

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::